Rudolf Egger (Historiker)

Rudolf Egger (* 11. April 1882 in Bruck an der Mur; † 7. Mai 1969 in Wien) war ein österreichischer Althistoriker, Epigraphiker und Archäologe.

Der aus einer alten Kärntner Familie stammende Rudolf Egger besuchte das Villacher Gymnasium, wo der später bekannte Volkskundler Ivan Grafenauer sein Klassenkamerad war. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte Egger seit 1900 an der Universität Wien Klassische Philologie und Altertumswissenschaft. Bei seinem Studium hatte der Epigraphiker Eugen Bormann entscheidenden Einfluss auf ihn. Nach Lehrtätigkeiten an den Gymnasien von Pola und Klagenfurt wurde er 1912 Sekretär des Österreichischen Archäologischen Institutes und habilitierte sich nach dem Ersten Weltkrieg an der Universität Wien im Fach der römischen Geschichte, Altertumskunde, und Epigraphik mit einer Arbeit über die frühchristlichen Kirchenbauten im südlichen Noricum. Nach dem Abgang vom Wilhelm Kubitschek erhielt er 1929 die Stelle seines einstigen Lehrers Eugen Bormann an der Universität Wien. Während der Zeit des Nationalsozialismus beantragte er 1938 die Mitgliedschaft in der NSDAP, in die er 1940 aufgenommen wurde. 1945 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Er ist vor allem durch seine archäologischen Ausgrabungen sowohl im Inland, insbesondere in Kärnten, wie auch im Ausland (Jugoslawien, Bulgarien) als auch durch die von ihm mehr als 20 Jahre lang geleiteten Ausgrabungen auf dem Magdalensberg in Kärnten bekannt geworden. Seine Interessensgebiete waren neben Dalmatien die römischen Provinzen Noricum und Pannonien. 1957 erhielt er den Wilhelm-Hartel-Preis, 1963 den Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften und 1967 den Ehrenring der Stadt Wien.

Schriften (Auswahl)

Monografien
  • Frühchristliche Kirchenbauten im südlichen Norikum (= Sonderschriften des Österreichischen Archäologischen Instituts in Wien. Bd. 9, ISSN 1012-5728). Hölder, Wien 1916.
  • Teurnia. Die römischen und frühchristlichen Altertümer Oberkärntens. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien u. a. 1924 (8. erweiterte Auflage. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt 1979).
  • mit Hans Dolens: Führer durch die Ausgrabungen und das Museum auf dem Magdalensberg. Landesmuseum für Kärnten. Landesmuseum für Kärnten, Klagenfurt 1953 (20. unveränderte Auflage. Mit einem Resümee in englischer, französischer, italienischer und slowenischer Sprache. ebenda 1977).
  • Fünf Bleietiketten und eine Gußform. Die neuesten Magdalensbergfunde. In: Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Anzeiger. Jg. 1967, ZDB-ID 1181472-x, S. 195–210 (Sonderabdruck: Böhlau, Graz u. a. 1968).
  • Griechische Tempelbilder germanisch benannt. In: Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Anzeiger. Jg. 1968, S. 98–112 (Sonderabdruck: Böhlau, Graz u. a. 1968).
Herausgeberschaften
  • Santonino in Kärnten. Aus seinen Reisetagebüchern 1485–1486 (= Kleine Kärnten-Bibliothek. Bd. 10). Carinthia, Klagenfurt 1978, ISBN 3-85378-118-7

Literatur

  • Balduin Saria: Rudolf Egger (1882–1969). [Nachruf]. In: Südost-Forschungen. Bd. 28, 1969, S. 290–293
  • Martina Pesditschek: Wien war anders – Das Fach Alte Geschichte und Altertumskunde. In: Mitchell G. Ash, Wolfram Niess, Ramon Pils (Hrsg.): Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus. Das Beispiel der Universitat Wien. V & R Unipress, Wien 2010, ISBN 978-3-89971-568-2, S. 287–316 (zu Rudolf Egger besonders S. 290–307).

Weblinks