Rudolf Schermann

Rudolf Schermann (* 18. März 1932 in Samsun, Türkei) ist ein österreichischer Geistlicher und Zeitungsherausgeber. Er war von 1965 bis 1993 Pfarrer in Reisenberg und Seibersdorf in Niederösterreich.

Bekannt ist Pfarrer Rudolf Schermann für seine kritische Haltung innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Anlässlich zweier umstrittener Bischofsernennungen in Österreich gründete er 1987 die linkskatholische Zeitschrift Kirche intern, die seit ihrer Verbreitung auch im Ausland Kirche in heißt.

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Leben und Wirken

Rudolf Schermann, dessen Vater ein katholischer Ungar und dessen Mutter eine türkische Muslimin sind, verbrachte seine Schulzeit in Ungarn, wo er auch maturierte. In Budapest und Győr studierte Schermann Theologie in den Jahren 1951 bis 1956. In Győr empfing er 1956 auch seine Priesterweihe.

Beim Volksaufstand im Jahr 1956 flüchtete Schermann nach Österreich, schloss sein Studium mit dem Absolutorium an der Universität Wien ab und wurde Seelsorger im Flüchtlingslager Traiskirchen.

Zunächst arbeitete er als Journalist und Kolumnist bei verschiedenen Zeitungen und Rundfunkstationen, wie bei Radio Free Europe in München und später beim ORF. Die Zeitungen, bei den er arbeitete, waren Profil, Die Furche oder sonntags beim Kurier.

Unter dem Pseudonym Gert Hamburger schrieb er zahlreiche Publikationen.

Im Jahr 1987 gründete er das monatlich erscheinende unabhängige, internationale, ökumenische Nachrichtenmagazin Kirche intern das im Jahr 2002 auf Kirche in umbenannt wurde und im gesamten deutschen Sprachraum Verbreitung fand. Er ist von Beginn an Herausgeber und Chefredakteur.

Bekannt ist er auch durch zahlreiche Fernsehauftritte.

In vermehrte Erscheinung trat er wieder anlässlich der Missbrauchsfälle in der Kirche.[1]

Kirchenkritische Aktionen

Schermann, als Gegner des Zölibats, vertritt den Standpunkt, dass Priester auch mit einer Heirat ihr Amt nicht verlieren. Um dies zu manifestieren, lud er im Jahr 2003 ehemalige Geistliche, die verheiratet waren, zu einer Messfeier ein, die er mit ihnen gemeinsam zelebrierte. Diese Messfeier wurde auch vom ORF aufgezeichnet und ausschnittweise in der Sendung Report ausgestrahlt. Auf Grund dieser Messfeier erhielt Schermann von Kardinal Schönborn eine Kanonische Verwarnung. Diesen Brief des Kardinals veröffentlichte Schermann und verantwortete sich im Gegenzug mit einem Zitat von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst, im Jahr 1968: Über dem Papst als Ausdruck für den bindenden Anspruch der kirchlichen Autorität steht noch das eigene Gewissen, dem zuallererst zu gehorchen ist, notfalls auch gegen die Forderung der kirchlichen Autorität.[2]

Zitate

Eines seiner Zitate war:

„Das Christentum ist ein Kreis, in dessen Zentrum Gott steht. Wir alle, ganz gleich ob Papst, Mann oder Frau stehen mitten darin“

Dezember 1987

Seinen in der Zeitschrift Kirche In angeführten Lebenslauf versah er mit folgender Überschrift[3]:
"Wer ist Pfarrer Rudolf Schermann? Ein junggebliebener alter Knabe. Das war natürlich nicht immer so."

Werke

  • als Gert Hamburger:
    • Katholische Priesterehe oder der Tod eines Tabus, 1967 Rowohlt Verlag
    • Die Peking-Bombe, 1974 Seewald
    • Verfolgte Christen, 1979
    • Woran die Kirche krankt, 1981 Econ
  • unter seinem bürgerlichen Namen

Einzelnachweise

  1. Unglaublich, verheerend, absurd! als Beispiel der Gastkommentar in der Wiener Zeitung vom 24. März 2010 abgerufen am 24. März 2010
  2. Hermann Münzel: Kanonische Verwarnung: Der Wiener Kardinal droht - und wird entwaffnet. imprimatur Januar 2004, abgerufen am 24. März 2010
  3. http://www.kirche-in.at/ueber_kirche_in_biographie.php

Weblinks