Rudolf Tyrolt

Rudolf Tyrolt (* 23. November 1848 in Rottenmann, Steiermark; † 22. Juni 1929 in Gutenstein, Niederösterreich) war ein österreichischer Schauspieler und Schriftsteller.

Rudolf Tyrolt (Photographie von Rudolf Krziwanek, 1901)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rudolf Tyrolt, Sohn des k.k. Finanzrates Anton Tyrolt und dessen Ehefrau Louise, studierte nach Absolvierung des Ober-Gymnasiums Preßburg zunächst an der Universität Wien Philosophie und Jurisprudenz, dann Philosophie an der Universität Graz, wo er am 8. Oktober 1870 zum Dr. phil. promoviert wurde. Am selben Tag betrat er am Grazer Landestheater die Bühne.[1]

1873 bis 1884 war Tyrolt am Wiener Stadttheater engagiert, wo er in seiner Kunst durch Heinrich Laube (1806–1884) geformt wurde, 1884 bis Ende 1888[2] am Burgtheater (1887 k.u.k. Hofschauspieler), ab 1889 am Deutschen Volkstheater und außerdem noch am Theater in der Josefstadt. Gastauftritte hatte er an den Bühnen in Graz und Linz; ab 1889/90 war er Professor am Wiener Konservatorium.[1]

Tyrolt war für die Darstellung von Wiener Volkstypen bekannt.

Als Der alte Grutz in Karl Schönherrs Komödie Erde[3] beendete Tyrolt gemäß einem seiner Ehefrau zur Goldenen Hochzeit gegebenen Versprechen am 19. Dezember 1926 seine Schauspielerlaufbahn[4] und zog sich in seine Gutensteiner Villa zurück.[5][Anm. 1]

Einige Wochen vor seinem Ableben trat bei Tyrolt ein Bluterguss ins Gehirn ein. Nach einer kurzen Phase der Besserung, in der der Schauspieler seinen Freunden im Deutschen Volkstheater einen Besuch abgestattet hatte, erlitt Rudolf Tyrolt, der letzte große Volksschauspieler, einen neuerlichen Schlaganfall, dem er zwei Wochen später, im Beisein seiner 1875 angetrauten Ehefrau, der preußischen Hofschauspielerin Ernestine (Erna) Wiehler (* 1. Juni 1850[1] in Leipzig; † 17. Februar 1930 in Gutenstein[6]), erlag.[7] Er wurde am 24. Juni 1929 in Gutenstein zur letzten Ruhe bestattet.[8]

1930 wurde eine Verkehrsfläche in Wien-Meidling Tyroltgasse benannt.

Werke

Rudolf Tyrolt war auch als Bühnenautor und Schriftsteller tätig.

  • Árpád Berczik, —: Die öffentlichen Angelegenheiten. Lustspiel in einem Aufzug nach dem Ungarischen bearbeitet von Rudolf Tyrolt. Neues Wiener Theater, Band 95, ZDB-ID 2249236-7. Rosner, Wien 1879.
  • Aus der Theaterwelt. Ernste und heitere Bilder (1879)
  • Zwei Comödianten. Lustspiel in einem Aufzug. Neues Wiener Theater, Band 101, ZDB-ID 2249236-7. Rosner, Wien 1880.
  • —, Moritz Loebel: Meister Potier. Lustspiel in einem Aufzug. Neues Wiener Theater, Band 118, ZDB-ID 2249236-7. Rosner, Wien 1885.
  • Chronik des Wiener Stadttheaters 1872–1884. Ein Beitrag zur deutschen Theatergeschichte (1889) – Volltext Internet Archive
  • Ferdinand Raimund. Volkstümliche Vorträge, Band 13. Allgemeiner niederösterreichischer Volksbildungsverein, Zweig Wien und Umgebung, Krems 1891.
  • Aus dem Tagebuche eines Wiener Schauspielers. 1848–1902. Erinnerungen und Betrachtungen (1904) – Volltext Internet Archive)
  • Allerlei von Theater und Kunst (1909)
  • Vom Lebenswege eines alten Schauspielers (1914)
  • Theater und Schauspieler. Aphorismen, Betrachtungen, Kritiken (1927)

Auszeichnungen, Ehrungen, Preise

Literatur

  • Ernst LotharGedenkrede auf Tyrolt. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 23266/1929, 23. Juni 1929, S. 29. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  • Friedrich-Wilhelm Knapheide: Der Schauspieler Dr. Rudolf Tyrolt. Eine Analyse seiner Komik. Dissertation. Universität Wien, Wien 1966.
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Nachtrag zu den Bänden 1–4. Band 5: Ru – Z. Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7.
  • Zita Veit: Vielstimmigkeit und Mehrfachidentität bei einem Akteur des Leitmediums Theater: Dr. Rudolf Tyrolt. In: András F. Balogh (Hrsg.): Deutsches Theater im Donau-Karpatenraum. Dramatisches Schaffen, Aufführungen, Theaterzeitschriften und Kritiken. Klausenburger Beiträge zur Germanistik, Band 4, ZDB-ID 2419124-3. Klausenburger Universitätsverlag, Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde Heidelberg, Gundelsheim/Neckar 2008, ISBN 978-3-929848-72-4, S. 163–174.

Einzelnachweise

  1. a b c Herrmann A. L. Degener: Wer ist’s? Zeitgenossenlexikon enthaltend Biographien nebst Bibliographien ; Biographien nebst Bibliographien. Angaben über Herkunft, Familie, Lebenslauf, Werke, Lieblingsbeschäftigungen, Parteiangehörigkeit, Mitgliedschaft bei Gesellschaften, Adresse ; andere Mitteilungen von allgemeinem Interesse. Vierte Auflage. Degener, Leipzig 1909, S. 1446. – Text online sowie
    Graz (Steiermark) (I.) Landschaftliches Theater. (…) Gastspiele. (…) Debut des Herrn Dr. Rudolf Tyrolt. A(lbert) Entsch (Hrsg.): Deutscher Bühnen-Almanach. Band 35.1871, ZDB-ID 513018-9. S.n., Berlin 1871, Teil 2, S. 120 unten. – Text online.
  2. Theater- und Kunstnachrichten. Im neuen Burgtheater hat gestern (…). In: Neue Freie Presse, 1. Jänner 1889, S. 7, Mitte oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  3. Erde. Eine Komödie des Lebens in drei Akten. Dritte Auflage. Staackmann, Leipzig 1909. – Volltext Internet Archive.
  4. Lothar: Gedenkrede auf Tyrolt.
  5. Umgebung. (…) Gutenstein. (Einzug Dr. Tyrolts.). In: Badener Zeitung, 8. Jänner 1927, S. 4, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  6. Katalogzettel Steiermärkische Landesbibliothek.
  7. Dr. Rudolf Tyrolt gestorben. Der letzte große Volksschauspieler. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 23265/1929, 22. Juni 1929, S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  8. a b c d e f g Frau Professor Erna Tyrolt gibt hiemit (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 23268/1929, 25. Juni 1929, S. 17, Parte Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.

Anmerkungen

  1. Gutenstein, Markt 34. (Welt-Icon47.8774515.89374). 1889 errichtet nach Plänen des Wiener Architekten Julius Deininger (1852–1924). – Siehe: Julius Deininger (…) Villa Tyrolit (sic!). In: architektenlexikon.at, 17. April 2008, abgerufen am 18. August 2012.

Weblinks

 Commons: Rudolf Tyrolt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien