Säbener Berg

Säbener Berg
Klausen um 1900, in der Mitte der Säbener Berg mit dem Kloster

Klausen um 1900, in der Mitte der Säbener Berg mit dem Kloster

Höhe 673 m s.l.m.
Lage Südtirol, Italien
Gebirge Alpen
Geographische Lage 46° 38′ 39″ N, 11° 34′ 3″ O46.64429722222211.567527777778673Koordinaten: 46° 38′ 39″ N, 11° 34′ 3″ O
Säbener Berg (Südtirol)
Säbener Berg

Der Säbener Berg ist ein Berg oberhalb von Klausen in Südtirol. Er gilt schon seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als besiedelt, da seine abweisende Form und seine abgeschiedene Lage der Bevölkerung unter anderem einen Zufluchtsort vor drohenden Gefahren bot. Das belegen archäologische Funde, die zwischen 1929 und 1982 gemacht wurden.[1] Heute liegt das Kloster Säben auf der Anhöhe.

Inhaltsverzeichnis

Säben als Siedlungsort

Der Säbener Berg mit dem Kloster Säben

Die Lage des Säbener Berges ist geomorphologisch günstig. Verschiedene Ackerbaukulturen kamen entlang der Flusstäler von Süden in die Alpen. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. gewann der Brennerübergang als Nord-Südverbindung an Bedeutung. Auch der benachbarte Erzabbau am Pfunderer Berg ließ die Bedeutung von Säben steigen.

Die Siedlungsepochen

Klausen mit Säbener Berg im Jahr 1898

Neolithikum (etwa 5500 bis 3300 v. Chr.)

Ein Steinbeilfund erregte im Jahre 1894 in Fachkreisen großes Aufsehen. Es folgten mehrere kleinere Funde (Pfeilspitzen, eine Steinkugel und Spinnwirtel). Der Fund eines kleinen Silexgerätes kann in die Zeit des Neo- bzw. Mesolithikums datiert werden.

Römerzeit (etwa 15 v. Chr. bis 476 n. Chr.)

  • Münzfunde:
    Von der Anwesenheit von Siedlern auf Säben berichten zahlreiche Münzfunde, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bei der Renovierung der Kreuzwegkapellen stieß man auf Dutzende altrömischer Münzen. Weitere Münzfunde lassen sich auf die Zeit der Faustina, des Severus Alexander, des Gallienus, Konstantin des Großen und des Constans datieren.

Spätantike

  • Kasernenbau:
    Zwischen 400 und 530 wurde im Bereich der heutigen Liebfrauenkirche eine römische Siedlung samt Kasernen errichtet. Der Kasernenbau bestand aus neun Räumen, die mit steinumstellten Herden ausgestattet waren. In allen Räumen waren Lehmböden eingebracht. Nach einem Brand wurde die Kaserne neu aufgebaut, die Räume wurden teilweise neu aufgeteilt und die zuvor angelegten Mörtelmauern durch Blockbauten ersetzt. Nach einer erneuten Zerstörung in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts wurde der Kasernenbau aufgelassen.
  • Frühchristliche Kirche im Weinberg:
    1981 brachten Grabungen unterhalb des Klosters eine 27,70 Meter lange und 16,20 Meter breite kreuzförmige Kirche zu Tage. Sie besaß eine Hauptapsis und zwei Nebenabsiden, eine Priesterbank und einen freistehenden Altar. Es handelt sich hier um eine Saalkirche mit Apsis, mindestens einem sakristeiähnlichen Nebenraum, querschiffartigen Flügelannexen und einer Vorhalle. Nach mehreren Umbauphasen sowie einem verheerenden Brand und einem Hangrutsch wurde die Kirche aufgelassen.
    Man teilte die Erbauung der Kirche in drei Phasen:
    Phase 1: Spätrömische Periode (4. bis 5. Jahrhundert)
    Phase 2: 5. bis 6. Jahrhundert
    Phase 3: Germanische Zeit (7. Jahrhundert)[1]
  • Taufkirche:
    Am Südostende des Kasernenbaues war ursprünglich eine frühchristliche Taufkirche angebaut. Mit dem Bau der Kirchengruppe unter dem Hl. Kreuz wurde die Taufkapelle überflüssig und somit aufgelassen. Von der Kapelle blieb nur das 1,20 Meter breite, polygonale Taufbecken erhalten. Es war mit Sandsteinplatten ausgelegt und besaß einen strichverzierten Innenputz.[1]

Frühmittelalter

  • Das Gräberfeld der Romanen:
    Säben war zwischen 400 und 700 zentraler Bestattungsplatz der örtlichen Romanen und Germanen. So wurden im Bereich der Kirche und des Kasernenbaues 234 Gräber und weitere 1000 im Bereich der Weinberge lokalisiert. Die Ausgrabung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck von 1976 brachte 59 dicht aneinander angesiedelte und in Ostwestrichtung ausgerichtete Gräber zu Tage. Die Toten wurden in gestreckter Rückenlage teilweise auf Totenbrettern begraben. 21 Gräber enthielten Fundstücke wie beispielsweise Ausstattungsstücke, die die Toten am Körper oder an der Bekleidung trugen. Das Fehlen von Trank- und Speisebeigaben könnte bedeuten, dass die Bestatteten einer christlichen Religionsgemeinschaft angehörten.
    Die Gräber von Männern und Frauen unterschieden sich hauptsächlich durch ihre Grabbeigaben. Während bei den Männern überwiegend große Gürtelbestandteile, eiserne Messer sowie ganze Garnituren aus Bronze und Eisen sowie eiserne Armreife gefunden wurden, bekamen die Frauen überwiegend Schmuckstücke beigelegt. Darunter waren Ketten aus bunten Glasperlen, Ohrringe, Gürtelschnallen und Armreife aus Silber oder Bronze. Der Großteil der Bestatteten dürfte romanischer Herkunft sein, wobei einzelne gefundene Schmuckstücke bajuwarischen Ursprungs sind.
  • Germanische Gräber:
    Ab 600 lassen sich auf Säben auch bajuwarische Gräber ausmachen. Das belegen typische Merkmale wie Beigabe der gesamten Tracht, der gesamten Bewaffnung und einer vielteiligen Gürtelgarnitur. Darüber hinaus wurden in Gräbern der damaligen Oberschicht, Schmuckgegenstände gefunden, die eindeutig bayrischer Herkunft waren. Da aus der Zeit ab 700 keine weiteren Gräber mehr gefunden wurden, kann man davon ausgehen, dass ab dieser Zeit bereits genügend Eigenkirchen mit Friedhöfen existierten, so dass Säben als Bestattungsort uninteressant wurde.
  • Heilig-Kreuzkirche:
    Um 600 wurde am oberen Ende des Säbener Berges die Heilig-Kreuzkirche mit dazugehöriger Siedlung errichtet, die ausschließlich vom Klerus bewohnt wurde. Die als Doppelkirche konzipierte, nahezu quadratische (etwa 13x13 Meter) Heilig-Kreuzkirche beherbergte im Atrium des Nordteiles ein gemauertes Grab, das vermutlich das des Bischofs Ingenuin war [1]. Die Südkirche besaß einen im Osten errichteten Vorbau mit Taufbecken sowie eine Vorhalle, eine Treppe und eine im Altarbereich gemauerte Abschrankung. Der Fund eines kästchenförmigen Reliquienbehälters darf als besonders wertvoll angesehen werden. Es war ursprünglich im barocken Hochaltar eingemauert und dürfte aus der Kirche im Weinberg stammen.

Kloster Säben

Auf dem Säbener Berg wurde 1686 ein Frauenkloster „Zum Heiligen Kreuz“ gegründet. Das benediktinische Kloster Säben ist heute Mitglied der Beuroner Kongregation.

Literatur

  • Sybille-Karin Moser, Marcellina Pustet, Volker Bierbrauer, Hans Nothdurfter, Josef Gelmi, Anja Rainer: Säben. Tappeiner Verlag, Bozen 1992
  • Reimo Lunz: Archäologische Streifzüge durch Südtirol. Band 1, Athesia, Bozen 2005, ISBN 88-8266-258-6

Einzelnachweise

  1. a b c d Josef Gelmi, Kirchengeschichte Tirols, Innsbruck 1986, ISBN 3-7022-1599-9, S. 10ff

Weblinks