Salomon Krenberger

Salomon Krenberger (* 23. Januar 1861 in Triesch; † 1. Februar 1931 in Wien) war ein bedeutender österreichischer Repräsentant (Theoretiker und Praktiker) der deutschsprachigen Heilpädagogik.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Der aus einer jüdischen Familie stammende Krenberger widmete sich nach dem Studium der Bildung und Erziehung abnormer Kinder. 1890 gründete er in Tulln ein ärztliches Pädagogium für geistesschwache Kinder, das er 1893 nach Wien verlegte. Wenige Jahre später übernahm er die Leitung der Israelitischen Taubstummenanstalt in Wien, die aus wirtschaftlichen Gründen 1926 geschlossen wurde. Krenbeger publiziere 1909 Itards Bericht über den Wilden von Aveyron in deutscher Sprache und veröffentlichte 1912 die erste deutsche Übersetzung des Hauptwerkes Édouard Séguin: Die Idiotie und ihre Behandlung nach psychologischer Methode. Ein besonderes Anliegen war ihm die internationale Vernetzung aller Theoretiker und Praktiker der Abnormenpädagogik. Demzufolge rief er 1905 die Fachzeitschrift EOS. Vierteljahreszeitschrift für die Erkenntnis und Behandlung jugendlicher Abnormer ins Leben, die sich bis 1920 auf dem Markt behaupten konnte. 1929 gründete Kernberger die vierteljährlich erscheinende Fachzeitschrift Levana, internationale wissenschaftliche Beiträge zur gesamten Heilpädagogik. Im Vorwort schrieb er über seine Intention:

'Levana' soll [...] die wissenschaftliche und praktische Arbeit an Blinden, Taubstummen, Idioten, Schwachsinnigen, Sehschwachen, Schwerhörigen, Sprachgestörten, Psychopaten und Krüppeln fördern. Ärzte und Lehrer aus der ganzen Kulturwelt werden hier zu Worte kommen und bedeutende Gelehrte und Fachmänner sind Mitarbeiter. Die Beiträge sollen ein Bindeglied sein zwischen den Gleichstrebenden aller Nationen. Die Geschichte jedes Zweiges der Heilpädagogik, Artikel aus der Praxis, wissenschaftliche Erörterungen der Probleme, Besprechungen sind Teile der neuen Zeitschrift[1].

Für beide genannten Periodika hatte er viele Aufsätze verfasst, die an dieser Stelle nicht angefürht werden können. Diesbezüglich hatte Marcel Schumann in seiner Masterarbeit mit Akribie alle Beiträge Krenbergers aufgelistet[2].

Krenberger war ein entschiedener Gegner des Begriffes 'Heilpädagogik', weil das heilende Moment einer gesicherten Grundlage entbehre, setzte sich aber ein für die Fassung 'Spezialpädagogik', die nicht mehr verspreche als sie halten könne[3].

Werke (Auswahl)

  • Über Hilfsschulen für schwachbefähigte Kinder, Wien 1890
  • "Der Wilde von Aveyron", in: EOS 1918, S. 1-2
  • Intelligenzprüfungen taubstummer Schüler und Anregungen zu einer erhöhten Sprachentwicklung, München 1927
  • Die belgische Methode (Decroly), in: Levana 1929, S. 37-38

Literatur

  • Max Kirmsse: Krenberger, Salomon, in: Enzyklopädisches Handbuch der Heilpädagogik, Band 1, Halle an der Saale 1934, Sp. 1469
  • Sieglind Luise Ellger-Rüttgardt: Geschichte der Sonderpädagogik. Eine Einführung, München/Basel 2008, S. 87 f
  • Marcel Schumacher: Spurensuche: Salomon Krenberger und sein Beitrag zur deutschsprachigen Heilpädagogik, München 2011 (unveröffentlichte Masterarbeit)

Einzelnachweis

  1. zit. n. Schumann 2011, S. 65
  2. vgl. Schumann 2011, S. 145 ff.
  3. Kirmsse 1934, Sp. 1469