Salzburg Hauptbahnhof

Salzburg Hauptbahnhof
Ansicht vom Südtiroler Platz auf den Haupteingang im Jahr 2008
Ansicht vom Südtiroler Platz auf den Haupteingang im Jahr 2008
Daten
Betriebsart Durchgangsbahnhof, Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 4 Durchgangsbahnsteige
3 Kopfbahnsteige
2 Lokalbahnhof
Reisende ca. 25.000[1]
Abkürzung Sb (ÖBB), XASB (DB)
Eröffnung 1860
Architektonische Daten
Architekt Rudolf Bayer[2]
Lage
Stadt Salzburg
Bundesland Salzburg
Staat Österreich
Koordinaten 47° 48′ 47,3″ N, 13° 2′ 44,8″ O47.81313888888913.045769444444Koordinaten: 47° 48′ 47,3″ N, 13° 2′ 44,8″ O
Höhe 423 m
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Österreich

i1i3i7i12i14i16i15i16i18

Der Salzburger Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof des Ballungsraumes Salzburg und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Westen Österreichs. Er wird von rund 25.000[1] Reisenden täglich frequentiert und hatte lange Zeit die Funktion eines Grenzbahnhofs in Richtung Deutschland. Der Salzburger Hauptbahnhof ist ein Bahnhof sowohl der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als auch der Deutschen Bahn AG (DB). In ihm werden mehrere Fern- und Nahverkehrsstrecken der ÖBB miteinander verknüpft. Dazu gehören die Westbahn von Wien und Linz, die Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg, über die neben internationalen Zügen auch im Korridorverkehr über Rosenheim (das Deutsche Eck) Schnellverbindungen mit Tirol und Vorarlberg gefahren werden. Nach Süden führt als weitere Hauptstrecke die Salzburg-Tiroler-Bahn über Bischofshofen und Zell am See nach Wörgl, von welcher in Schwarzach-St. Veit die Tauernbahn abzweigt. Der Hauptbahnhof verfügt außerdem über eine Verladestelle[3] für Autoreisezüge.

Für den Regionalverkehr bedeutsam ist der Hauptbahnhof als Ausgangspunkt der Bahnstrecke nach Lamprechtshausen und Trimmelkam sowie als Knotenpunkt der S-Bahn Salzburg und zahlreicher Regionalbuslinien für den Großraum Salzburg. Auch befindet sich hier einer der zentralen Knotenpunkte im Streckennetz des Salzburger Oberleitungsbusses sowie der städtischen Autobuslinien. Bis 1957 befand sich am alten Lokalbahnhof am Bahnhofsvorplatz auch noch die Abfahrtsstelle der schmalspurigen, im Volksmund auch „Ischlerbahn“ genannten Salzkammergut-Lokalbahn nach Mondsee und Bad Ischl.

Der Bahnhof wird derzeit einem Totalumbau unterzogen. Die Arbeiten sollen im Jahr 2014 abgeschlossen sein.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Baugestaltung

Luftbild des Hauptbahnhofes im Jahr 2007

Der Salzburger Hauptbahnhof liegt in der Elisabeth-Vorstadt, die Altstadt ist durch den Stadtteil Neustadt abgegrenzt.

Das Aufnahmegebäude des Bahnhofes steht auf dem Südtiroler Platz mit dem Busbahnhof für Regionlabusse und der Bushaltestelle der städtischen Buslinien. Um den Platz befinden sich außerdem Cafés, Restaurants und ein Einkaufszentrum.

Südlich erstreckt sich der Personenbahnhof bis zur Saint-Julien-Straße bzw. Gabelsbergerstraße; der durchgehende Straßenzug unterquert die vom Bahnhof auslaufenden Gleisanlagen Richtung Deutschland im sogenannten Nelböck-Viadukt. Östlich der Gütergeleise befindet sich die Lastenstraße, westlich begrenzen die Rainerstraße sowie der Südtiroler Platz und der Engelbert-Weiß-Weg die Bahnanlagen. Richtung Norden bündeln sich die Geleise zur Westbahn Richtung Wien und zur Salzburg-Tiroler-Bahn Richtung Bischofshofen.

Im Zuge der noch andauernden Bahnhofneugestaltung waren eine Zeitlang alle für die Reisenden benötigten Einrichtungen des Bahnhofs in Containern auf dem Vorplatz untergebracht.

Empfangsgebäude

Das Bahnhofsgebäude 2007

Die Bahnhofsgebäude an der Westbahn wurden alle – oft mehrmals – durch neuere ersetzt. Nur das Salzburger Empfangsgebäude blieb weitgehend im Original erhalten. Das mit Ornamenten verzierte Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Das Bahnhofsgebäude bestand nach der Betriebseröffnung aus einem Mitteltrakt und auf beiden Seiten aus einem jeweils nach hinten versetzten Flügelbau, an den sich wiederum jeweils ein etwas vorgesetzter Gebäudetrakt anschloss. Die Diensträume, Warteräume und Abfertigungsschalter befanden sich im linken Teil des Gebäudes. Mit dem Bahnhofsumbau um 1900 wurde auch das Empfangsgebäude renoviert und umgestaltet. Seitdem wurde das Empfangsgebäude hinsichtlich der Bauelemente nicht mehr verändert. Das Gebäude besitzt heute ein Satteldach und hat einen weiß-grauen Anstrich. Der Mitteltrakt ist mit roten Stilelementen verziert.

Im Zuge des Bahnhofsumbaus wird auch das Empfangsgebäude modernisiert; die UNESCO, die Stadt Salzburg und die ÖBB waren sich einig, dass die Fassade in ihrer bestehenden Form erhalten bleiben muss.

Der Salzburger Hauptbahnhof wurde beim VCÖ-Bahntest 2003 zum zweitschönsten Bahnhof Österreichs gekürt. Durch die baustellenbedingten Einschränkungen verschlechterte sich die Einschätzung naturgemäß. 2010 und 2011 wurde der Bahnhof als hässlichster Bahnhof Österreichs befunden.[4][5]

Zentralperron

Der bereits neueröffnete Bahnsteig 2/3

Der Zentralperron, ein zentraler und großräumiger Inselbahnsteig, wurde mit dem Bahnhofsumbau um 1900 errichtet. Am 19. Februar 1907 wurde mit seinem Bau begonnen, die Eröffnung erfolgte am 5. Juli 1909. Im Zuge des Umbaus wurde der Inselbahnsteig 2009 gesperrt, in der Folge abgetragen und durch herkömmliche Mittelbahnsteige ersetzt.

Der Zentralperron maß 164,5 x 52 Meter, was einer Fläche von 8554 m² entspricht. Der Zentralperron verfügte über eine denkmalgeschützte Überdachung, welche nun in die neuerrichtete Anlage integriert ist. Auf dem Zentralperron befand sich ein Verkehrspavillon unter anderem mit gastronomischen Einrichtungen. Beidseitig endeten an der Schmalseite des Zentralperrons mehrere Kopfgleise, auf der Westseite[6] aus Deutschland kommend, auf der Ostseite endeten hier Züge aus österreichischen Richtungen. Der Zugang zu den Zügen Richtung Deutschland erfolgte bis gegen Jahresende 1997 über eine Grenzkontrolle, die in einem weiteren Gebäude auf dem Inselbahnsteig untergebracht war. An den Längsseiten des Zentralperrons lagen Durchgangsgleise. An seinem östlichen Ende befanden sich zuletzt auf Höhe der Kopfgleise zwei Aufgänge zu einer Fußgängerbrücke zur Lastenstraße (Stadtteil Schallmoos), die zuvor lange Zeit nur von außerhalb des Bahnhofsgebäudes erreicht werden konnte.

Bahnsteiggleise

Der Bahnhof besaß bis zum jetzigen Umbau 14 Bahnsteiggleise. Das Gleis 1 am Hausbahnsteig, darauf folgte ein Durchfahrtsgleis und danach das am Zentralperron liegende Gleis 2. Im Westen des Zentralperrons lagen die Gleise 11–15, im Osten die Gleise 21–26, wobei die Gleise 24 und 25 zuletzt nicht mehr vorhanden waren. Südlich an den Zentralperron schloss das Gleis 3 an. Nach diesem folgte ein weiterer Mittelbahnsteig, an dem die Gleise 4 und 5 lagen.

Der Bahnhofsumbau brachte eine Neuorganisation sämtlicher Bahnsteige mit sich. Seit November 2011 ist der Hausbahnsteig 1, das Durchfahrtsgleis und der neue Mittelbahnsteig 2/3 wieder in Betrieb. Der angrenzende Bereich ist augenblicklich noch in Bau. Vom ehemaligen Mittelbahnsteig 4/5 war bis Juni 2012 nur noch ein Gleis (Bahnsteig 35) im Durchfahrbetrieb. Das Gleis 4 war als Bahnsteig 34 geteilt worden und bestand aus zwei Kopfbahnsteigen. Seit Juni 2012 befinden sich auch die Gleise 4 unf 5 in Betrieb, wobei das Gleis 5 derzeit noch zweigeteilt ist: in 5a für die Regionalbahnen nach Straßwalchen und 5b für die Regionalexpresszüge der Deutschen Bahn nach München. Als Provisorium wird das Gleis 14 am südlichen Ende des Bahnhofs für den REX nach Wörgl in Betrieb gehalten. Außerdem wurde eine provisorische Treppe auf Gleis 5a zur Fußgängerbrücke nach Schallmoos errichtet. Die Gleise 6–9 befinden sich zur Zeit im Aufbau und sollen im Sommer 2013 in Betrieb genommen werden. Dann wird auch eine Unterführung nach Schallmoos begehbar sein.

Gleisplan des Bahnhofes mit den Bahnsteigen und den Gleisen bis zum Jahr 2009

Geschichte

Planung

Erste Planungen zum Bau einer Bahnlinie von Salzburg nach Wien gab es in den Jahren 1838 bis 1842. Im Juni des Jahres 1851 wurde ein Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich unterzeichnet, worin der Bau einer Bahnverbindung von München nach Salzburg und von Salzburg nach Wien beschlossen wurde. Der Bahnhof sollte als Gemeinschaftsbahnhof dienen und gemeinsam geplant werden. Im Staatsvertrag wurde festgelegt, dass hinkünftig Entscheidungen, die den Bahnhof betreffen, gemeinsam zu treffen sind. Auch wurde darin eine Nutzungsregelung festgelegt. Die Benutzung der Gleise im Bahnhof und bis zum Bahnhof war auf der einen Seite nur für die Königlich Bayerische Staatsbahn, auf der anderen Seite nur Österreichischen Bahnen erlaubt. Ein weiterer Teil des Bahnhofsgeländes war zur gemeinsamen Nutzung vorgesehen. Da das im Staatsvertrag vereinbarte Eröffnungsdatum wegen schwieriger Terrainarbeiten beim Bau der Bahnstrecke in Österreich nicht eingehalten konnte, wurde am 21. April 1856 ein neuer Vertrag geschlossen. Dieser verpflichtete Österreich, die Bahnstrecke nach Wien in den darauffolgenden fünf Jahren fertigzustellen.[7]

Beim Standort des Bahnhofes entschied man sich vorerst für das linke Salzachufer. Der Salzburger Gemeinderat gab sich aber mit dieser Lösung nicht zufrieden und plante im Jahre 1853 den Bau eines Bahnhofes auf dem rechten Salzachufer im damaligen – inzwischen eingemeindeten – Vorort Froschheim. Als Vorteile dieses Standortes propagierte man die direkte Verbindung zur Salzburger Innenstadt sowie die größere Nähe zur Salzach, da man mit dieser eine effizientere Umladung von Frachten auf Schiffe erwartete.[8]

Nach Verhandlungen mit Militär, Polizei, Landesregierung, Gemeinderegierung und Vertretern des Stadtministeriums einigte man sich am 21. Juni 1856 auf einen Standort des Bahnhofs rechts der Salzach bei den nördlichen Wällen. Der Bau links der Salzach wäre zwar billiger und topografisch einfacher gewesen, man gab aber die Befürchutng kund, dass ein zweites Stadtzentrum entstehen könne. Als Grund dafür wird angenommen, dass die Stadtverwaltung das Interesse am Verkauf teuerer Altstadtimmobilien verfolgte.[9][10][11][12]

Die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn-Gesellschaft und der bayerische Staat traten angesichts der Kostenlage weiterhin für den Bahnhofsbau links der Salzach ein, aber auch das österreichische Handelsministerium entschied sich am 18. April 1859 für den jetzigen Standort.[13] Die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn-Gesellschaft konnte noch im selben Jahr von den Vorteilen überzeugt werden, der Staat Bayern erst im Jahr darauf.[10][11][12]

Betrieb nach der Eröffnung

Gemälde des Empfangsgebäudes um 1870

Am 12. August 1860 wurde der Bahnhof offiziell eröffnet, Salzburg wurde mit der Eröffnung der Bayerischen Maximiliansbahn von München über Rosenheim nach Salzburg und innerhalb Österreich-Ungarns mit der Kaiserin-Elisabeth-Bahn nach Wien (welche der heutigen Westbahn entspricht) an das internationale Eisenbahnnetz angebunden. Der Bahnhof wurde damals als Durchgangsbahnhof angelegt, er besaß damals ein Empfangsgebäude und zwei Bahnsteiggleise, sowie einige Anlagen für den Betrieb und den Güterverkehr. Die Betriebsanlagen bestanden aus einer Werkstatt und einem Heizhaus für bayerische Züge, einer Wagenremise, die auch für die bayerischen Züge vorgesehen war, einem Heizhaus sowie einer Werkstatt der Österreichischen Bahn. Außerdem waren Betriebsanlagen wie Wassertürme gemeinsam zu nutzen.[14] Die Güteranlagen bestanden aus einem österreichischen und einem bayerischen Güterschuppen sowie aus österreichischen und bayerischen Verladerampen.

Im Jahr 1873 wurde die Bahnhofsstraße, die aus der Innenstadt mittig in den Vorplatz einmündete, in Westbahnstraße umbenannt. Im Jahr 1886 wurde für die Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft (SETG) ein eigener Lokalbahnhof auf dem Bahnhofsvorplatz errichtet. An diesem hatten die Salzburger Straßenbahnlinien ihren Ausgangspunkt.[12][15]

In den folgenden Jahren zeigte sich bald, dass der Bahnhof neuen Streckenzugängen nicht mehr gewachsen sein würde. So war etwa die Tauernbahn in Planung, was einen Verkehrszuwachs auch für den Salzburger Bahnhof erwarten ließ, sodass seine Erweitertung für notwendig erachtet wurde. Die Österreichischen Eisenbahnen entschlossen sich gemeinsam mit der Königlich Bayerischen Staatsbahn für einen Bahnhofsumbau mit einer Trennung von Güter- und Personenverkehr.

Der Güterverkehr sollte nach Salzburg-Gnigl, dem heutigen Standpunkt des Rangierbahnhofes verlegt werden. Für den Personenverkehr plante man eine Mischung aus Kopf- und Durchgangsbahnhof. Es waren zuerst zwei Durchgangsgeleise neben dem Empfangsbahnhof vorgesehen, an diesen sollten wichtige internationale Züge wie der Orient-Express halten. Für die bayrischen und österreichischen Regionalzüge wurde der Zentralperron entworfen, an dessen beiden Seiten fünf Kopfgleise endeten. Auch waren weitere Durchgangsgleise geplant. Außerdem sollte der Bahnhofssteg, ein Fußgängerübergang über die Geleise, von seiner ursprünglichen Position verlegt werden, da beabsichtigt war, auf seinem alten Ausgangspunkt ein Postamt zu errichten.[10][11][12][16][17][18]

Das bayerische Bahnbetriebswerk wurde nach Freilassing verlegt, weshalb in Salzburg nur noch ein sechsständiger Lokschuppen vorgesehen war. Im Norden der Bahnanlagen war ein Rundlokschuppen für die österreichischen Bahnen gedacht.

Umbau des Bahnhofes um 1900

Der Salzburger Hauptbahnhof um 1900; Zu sehen ist auch die längst eingestellte Ischlerbahn

1889 wurden die ersten Planungen öffentlich gemacht. Ein neues Postamt konnte 1902 eröffnet werden, gleichzeitig wurde der Steg auf der Nordseite neu aufgebaut. 1902 wurde auch mit dem Bau des neuen Verschiebebahnhofes in Salzburg-Gnigl begonnen, in Betrieb genommen wurde er am 3. Januar 1905. Die Arbeiten am Unterbau des eigentlichen Bahnhofes fanden vom 4. Februar 1904 bis Juni 1906 statt. Baubeginn für den Zentralperron war der 19. Februar 1907.

Im Jahr 1909 fand die Eröffnung des teilweise als Inselbahnhof umgestalteten Bahnhofs statt. Parallel zum Empfangsgebäude, welches an einem Durchgangsgleis liegt, wurde ein weiteres Gebäude auf einem breiten Bahnsteig, dem Zentralperron, errichtet. Über allem wölbte sich eine Runddachkonstruktion, was den Eindruck einer Halle bewirkte. An der Längsseite dieser Halle befanden sich Durchgangsgleise, an den beiden Schmalseiten wurden Kopfgleise angelegt: auf der östlichen Seite für den innerösterreichischen Verkehr und auf der westlichen für die Züge von und nach Bayern. Während des Umbaus wurde die österreichische Dienststelle von der bayrischen abgetrennt; diese bekam einen separaten Bereich mit einer eigenen Fahrdienstleitung. Zudem war die Bayern zugedachte Seite des Bahnhofs nun durch eine Zollstation abgetrennt.[12][19][20]

Mit dem Ausbau weiterer Strecken, zuletzt mit der Fertigstellung der Tauernbahn nach Villach und weiter nach Triest im Jahr 1909, stieg die Bedeutung des Salzburger Hauptbahnhofs als Verkehrsknotenpunkt. Von dem am Bahnhofsvorplatz angelegten, heute nicht mehr existenten Lokalbahnhof fuhren ab 1886 die Salzburger Lokalbahn und ab 1893 die Salzkammergut-Lokalbahn ab.

Im und nach dem Zweiten Weltkrieg

In den Jahren 1944 und 1945 waren der Bahnhof und die Gleisanlagen Ziel zahlreicher Bombenangriffe der amerikanischen Flottenverbände im Zweiten Weltkrieg. Der Bahnhof wurde dadurch teilweise zerstört. Einige Blindgänger werden auch noch heute im Bereich der Bahnanlagen im Erdreich vermutet, was bei Tiefbauarbeiten immer wieder zu Problemen führt. (Im Juli 2003 kostete die missglückte Entschärfung einer 250 kg schweren Fliegerbombe zwei Sprengstoffexperten das Leben. Im Juli und August 2007 suchten die ÖBB das Gelände des Bahnhofs auf weitere verborgene Bomben ab.)

Im Jahr 1988 wurde der Vorplatz neu gestaltet, es entstand ein Kaufhaus, die Post wurde neu gebaut und eine Tiefgarage errichtet.[21]

Seit dem Jahr 1996 hat die Lokalbahn Salzburg–Lamprechtshausen ihren Ausgangspunkt in einer Station unter dem Südtiroler Platz. Eine unterirdische Verlängerung der Bahn als U-Bahn beziehungsweise Stadtbahn in oder durch das Stadtzentrum war geplant und wird auch weiterhin als Option gehandelt. Mit der Errichtung und dem Ausbau des S-Bahnsystems im Großraum Salzburg wird der Bahnhof in seiner Bedeutung erneut aufgewertet, wobei er aufgrund der wenigen Durchgangsgleise vor dem derzeitigen Umbau immer mehr an seine Kapazitätsgrenzen stieß.

Umbau

Die Struktur des Bahnhofs mit seinen Kopfbahnsteigen und fünf durchgehenden Bahnsteigen wurde für den Bahnverkehr angesichts der offenen Staatsgrenzen nach dem Schengener Abkommen für eher hinderlich als sinnvoll gehalten. Deshalb ist im Rahmen der sogenannten ÖBB-Bahnhofsoffensive ein völliger Neubau der Gleisanlagen und Bahnsteige im Gange, wobei die Kopfbahnsteige durch durchgehende Bahnsteige ersetzt und die drei unterirdischen Gleiszugänge durch eine breite Einkaufspassage unter sämtlichen Gleisen vom Südtiroler Platz bis zur rückwärtig des Bahnhofs gelegenen Lastenstraße auf der südlichen Seite der Gleisanlagen ersetzt werden.

Den Architektenwettbewerb gewann Klaus Kada, welcher schon den neuen Hauptbahnhof in Klagenfurt konzipiert hatte. Sein Siegerprojekt wurde bereits im Mai 1999 präsentiert. Diese für die zukünftige Funktionalität als Taktknoten im Fern- und Nahverkehr erforderliche Baumaßnahme wurde jedoch immer wieder hinausgezögert, unter anderem wegen einer Kontroverse um den Marmorsaal, der sich in dem Gebäude auf dem breiten Inselbahnsteig (Zentralperron) befand und für den Umbau abgerissen werden musste. Beim Marmorsaal handelte es sich um einen nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Saal des Bahnhofsrestaurants. Eine Bürgerinitiative[22] postulierte, er sei historisch wertvoll und solle deshalb erhalten werden. Von Seiten der Stadt Salzburg wurde als Kompromiss vorgeschlagen, den Saal abzutragen und an anderer Stelle im neuen Gebäude wieder aufzubauen. Später hat die zuständige Behörde den Streit beendet, indem der Abriss unter diesen Bedingungen genehmigt wurde. Der Marmor aus dem Marmorsaal wurde unter Aufsicht des Denkmalschutzamtes fachgerecht abgetragen und wird von den ÖBB gelagert. Durch die Entfernung von Panelen in der Eingangshalle des Bahnhofs sind alte, gut erhaltene Fliesenbilder wieder zum Vorschein gekommen.

Die stählerne Dachkonstruktion der Halle auf dem Inselbahnsteig stand schon zuvor unter Denkmalschutz. Deshalb wurde sie Anfang November 2009 vorsichtig abgetragen, um in Linz restauriert und in den neuen Bahnhof integriert zu werden. Im Februar 2011 wurde der erste der sieben Spannbögen der Konstruktion wieder aufgestellt.[23]

Das Gesamtbudget für den Bahnhofsneubau beträgt 270 Millionen Euro, wovon knapp über 10 % vom Land Salzburg eingebracht werden.[24] Der Spatenstich erfolgte am 7. November 2008. Aktuell ist der Umbau des Salzburger Hauptbahnhofs in vollem Gang, laut Projektleiter der ÖBB liegen die Arbeiten exakt im Zeitplan. Der Bahnhof soll 2014 fertiggestellt sein.[24]

Der Umbau bei fortlaufendem Betrieb erfordert von den Planern besondere Maßnahmen:

  • Von 2009 bis Juni 2012 waren die Serviceeinrichtungen der ÖBB in Container am Bahnhofsvorplatz übersiedelt. Dort befanden sich die Schalterhalle, Fahrkartenautomaten, Reisecenter, Bahnhofsrestaurant, Buch-, Zeitschriften und Tabakwarenhandel sowie eine Infobox inklusive einer Ausstellung zum Bahnhofsumbau. Im Juni 2012 sind die Trafiken, ÖBB-Infocenter und -Fahrkartenverkauf und Press&More in die neuen Tunnelpassage übersiedelt, der Container wird nunmehr nur noch vom Cafe und einer Bäckereifiliale benutzt.
  • Die verringerte Anzahl an zur Verfügung stehenden Gleisen stellt eine logistische Herausforderung für die Aufrechterhaltung eines Betriebes nach Fahrplan dar. In Einzelfällen kommt es daher zu Verzögerungen im Zugverkehr sowie zu wiederholten Veränderungen des angefahrenen Bahngleises.
  • Seit 27. Oktober 2009 steht der Bahnhofsvorplatz für den Individualverkehr nur noch eingeschränkt zur Verfügung, der öffentliche Verkehr ist davon nicht betroffen.
  • Bis November 2011 waren die Zugänge zu den Bahnsteigen temporär anders geregelt; die alte Schalterhalle war geschlossen und provisorische Zugänge zu den Zügen befanden sich links und rechts vom Bahnhofsgebäude. Von November 2011 bis Juni 2012 wurden die Gleise 33–35 (ehemals 3–5) über eine provisorische Holzrampe bedient, mittlerweile sind diese Gleise im Umbau und der Zugang zu den aktiven Gleisen 1–5 und 14 geschieht komplett durch den Tunnelbau.

Verkehr

Fernverkehr

Ein ICE T der DB AG verlässt den Salzburger Hauptbahnhof in westlicher Richtung
Zug der Rollenden Landstraße bei Itzling
Triebzug der S-Bahn vor dem Zentralstellwerk

Der Salzburger Hauptbahnhof ist auch ein Knotenpunkt im Fernverkehr, zurzeit sind bedingt durch den Umbau nur drei Bahnsteige für diesen verfügbar. Der Bahnhof wird im Zweistundentakt von Railjets der Relation MünchenBudapest bedient. Außerdem hält im Bahnhof ein ICE-Zugpaar von Innsbruck nach Wien. Der Bahnhof wird von den Eurocitylinien EC 62 und EC 32 bedient, die zusammen einen Zweistundentakt herstellen. Auf der Linie EC 62 verkehrt ein Zugpaar von München nach Klagenfurt, zwei Zugpaare fahren von Frankfurt am Main nach Klagenfurt, ein weiteres von Frankfurt nach Graz, eines von Frankfurt nach Linz und ein Zugpaar von Saarbrücken nach Graz. Das eine Zugpaar des EC 32 verkehrt von Münster (Westfalen) oder Dortmund nach Klagenfurt und trägt den Namen Wörthersee. Mit einzelnen Zugpaaren endet außerdem die IC-Linie 60 Karlsruhe–München–Salzburg und die Intercity-Linie Salzburg–Wien im Salzburger Hauptbahnhof. Zudem verkehrt im Stundentakt die EC beziehungsweise RJ-Linie Wien–Zürich.

Linie Strecke Taktfrequenz
WB FreilassingSalzburgLinzWien 1- oder 2-Stundentakt
RJ 90 MünchenSalzburgLinzWien (– Budapest) 2-Stundentakt
ICE InnsbruckSalzburg – Linz – Wien ein Zugpaar
EC 32 Wörthersee:
(Münster (Westf) –) DortmundEssenDüsseldorfKölnKoblenzFrankfurtMannheimHeidelbergStuttgartAugsburgMünchenSalzburgKlagenfurt
ein Zugpaar
IC 60 KarlsruheStuttgartAugsburgMünchenSalzburg einzelne Züge
EC/IC 62 (FrankfurtHeidelberg) / (SaarbrückenMannheim) – StuttgartAugsburgMünchenSalzburg (– Klagenfurt / Graz / Linz) 2-Stundentakt
IC Salzburg – Wien
EC/RJ Wien – Salzburg – Innsbruck – Bregenz / Zürich Stundentakt

Seit Dezember 2011 verkehren außerdem im Stundentakt Züge der WESTbahn von Salzburg nach Wien.

Regionalverkehr

Vom Salzburger Hauptbahnhof bestehen Direktverbindungen in Richtung München, Landshut, Mühldorf am Inn, Linz, Wörgl und Braunau. Die Regionalzüge enden meist am Salzburger Hauptbahnhof, deswegen halten sie meist an den Kopfgleisen.

Linie Strecke Taktfrequenz
RE München-Salzburg-Express:
MünchenRosenheimTraunsteinFreilassingSalzburg
Stundentakt
REX Linz / Braunau – Salzburg – Salzburg Taxham/Europark
REX SalzburgWörgl
REX/R/RB Attnang-Puchheim – Salzburg (– Salzburg Taxham-Europark)
RB Salzburg – Freilassing – MühldorfLandshut 2-Stundentakt

S-Bahn-Verkehr

Der Salzburger Hauptbahnhof wird von vier S-Bahn-Linien der S-Bahn Salzburg bedient, gleichzeitig dient er als zentraler Umsteigepunkt zwischen den Linien. Die S-Bahn-Linien S1 und S11 fahren an den Gleisen 11 und 12 im Tiefgeschoss des Lokalbahnhofes ab.

Linie Linienverlauf Taktfrequenz
Logo Salzburger Verkehrsverbund.svg S1  Salzburg (Tiefgeschoss) – Bürmoos – Lamprechtshausen Halbstundentakt
Logo Salzburger Verkehrsverbund.svg S11  Salzburg (Tiefgeschoss) – Bürmoos – Trimmelkam überwiegend Halbstundentakt
Logo Salzburger Verkehrsverbund.svg S2  Salzburg – Straßwalchen Stundentakt
Logo Salzburger Verkehrsverbund.svg S3  Bad Reichenhall – FreilassingSalzburg – Golling – Abtenau (einzelne Züge bis Schwarzach Sankt Veit und Saalfelden) Halbstundentakt

Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr

Vor dem Bahnhofsgebäude befindet sich auf dem Südtiroler Platz ein Busbahnhof. Von dort aus verkehren etliche Regionalbusse in die Umgebung Salzburgs. Zudem ist die Bushaltestelle Hauptbahnhof ein zentraler Umsteigepunkt für städtische Autobusse und Oberleitungsbusse.

Unter dem Bahnhofsvorplatz liegt auf zwei Etagen der Salzburger Lokalbahnhof, wo der Streckenverlauf der Salzburger Lokalbahn (S 1 und S 11) beginnt. Die Verteilerebene auf der ersten unterirdischen Etage ist so konzipiert, dass ein Ausgang zur Plattform für alle Busse in Richtung Stadtzentrum und ein zweiter Auufgang zu den Bussen Richtung stadtauswärts führt. Ein dritter Zugang besteht zur ehemaligen Schalterhalle des Aufnahmegebäudes.

Salzburg Lokalbahnhof

Der Salzburger Lokalbahnhof vor der Tieferlegung im Jahr 1992
Der unterirdische Bahnhof im Jahr 2008

Im Jahr 1886 wurde auf dem Bahnhofsvorplatz für die Lokalbahn Salzburg–Hangender Stein (ab 1886) beziehungsweise die Straßenbahn Salzburg (ab 1887) ein eigener Bahnhof erbaut. Ab 1891 hielten auch die schmalspurigen Züge der Salzkammergut-Lokalbahn, die ebenfalls als Lokalbahn von Salzburg nach Mondsee oder Bad Ischl führte, im Lokalbahnhof. Im Jahr 1896 wurde auch die Lokalbahn Salzburg–Lamprechtshausen in den Lokalbahnhof integriert, diese begann ebenfalls in einem neuen Nordbahnhof des Lokalbahnhofs. Im Jahr 1909 wurde zeitgleich mit dem Bahnhofsumbau auch der Lokalbahnhof umgebaut, im Jahr 1926 wurde der Bahnhofsvorplatz umbenannt, zum Andenken an den Verlust Südtirols wurde er – wie etliche andere Bahnhofsvorplätze in Österreich auch – Südtiroler Platz genannt.

1940 wurde die Straßenbahn durch den Oberleitungsbus ersetzt. 1953 wurde dann auch die Lokalbahn in den Süden der Stadt stillgelegt. Am 30. September 1957 folgte die Stilllegung der Salzkammergutbahn nach Bad Ischl, nur die Strecke nach Lamprechtshausen blieb bis heute erhalten. Der Lokalbahnhof war durch die Streckenstilllegungen unnötig geworden, der nördlich Teil wurde im Jahr 1973, der südliche im Jahr 1978 abgerissen. Für die Lokalbahnbetrieb blieb ein kleines Haltestellengebäude und ein Mittelbahnsteig vorhanden.

1992 wurde der Lokalbahnhof in Tieflage neu erbaut, um den Bahnhofsvorplatz zu erweitern und neu gestalten zu können.[10][11][25] Seit 2011 erfolgt der Zugang zum Lokalbahnhof auch durch die restaurierte Bahnhofshalle. Die beiden Gleise des Lokalbahnhofs erhielten nach dem Bahnhofsumbau die Nummern 11 und 12.

Literatur

  •  Armin Franzke, Josef Mauerer: 1860-2010: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. PB Service, München 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3.
  • Ronald Gobiet u.a.: Der neue Salzburger Hauptbahnhof: Stationen seiner Geschichte von 1860 bis 2014, Salzburger Beiträge zur Kunst und Denkmalpflege Bd. VI, 2012, ISBN 978-3-7025-0665-0 [26]

Einzelnachweise

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Viele Einzelnachweise sind bibliogafisch unvollständig. Eweht (Diskussion) 17:26, 20. Dez. 2012 (CET)
  1. a b Salzburger Hauptbahnhof Ende der Umwege auf diepresse.com
  2. Kubinsky, S. 38/39.
  3. Terminalbeschreibung ÖBB Autoreisezug Autoverladestelle Salzburg Hauptbahnhof (Pdf-Datei)
  4. VCÖ: Bahntest 2010
  5. VCÖ: Bahntest 2011
  6. Der gesamte Bahnhof liegt geografisch in nordnordöstlich-südsüdwestliche ausgerichtt. Die hier angegebenen Himmelsrichtungen (west für die südsüdwestliche Seite etc.) erfolgen aus der Sicht der generellen Fahrtrichtung der Züge.
  7. Eisenbahn-Jahrbuch, 1. Jahrgang, S. 121.
  8. Geschichte der Maximiliansbahn
  9. Krejs, Salzburgs Stadterweiterung, S. 105-108 Vgl. T. N.: Ein Beitrag zu Salzburger Bahnhof-Frage. In: NSZ Nr. 109, 17. Mai 1853.
  10. a b c d  Armin Franzke, Josef Mauerer: 1860-2010: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. PB Service, München 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3.
  11. a b c d Buchdetails zum Buch:  Armin Franzke, Josef Mauerer: 1860-2010: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. PB Service, München 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3.
  12. a b c d e Geschichte des Bahnhofes auf rettetdenbahnhof.at
  13. SLA Landesregierung, 1859 XIII E 13, Erlaß des Handelsministeriums, 18. April 1859.
  14. Hykysch, Rudolf: Die Bahnhöfe im Lande Salzburg. Diss. Salzburg 1989. S. 189, Nr.3.
  15. AStS, Gemeinderatsprotokoll, Sitzung vom 17. Februar 1873, S.224. „18. Westbahnstraße für die Straße vom Ende des Mirabellplatzes bis zum Bahnhofs Rayon.“
  16. Projekt zum Bau eines Mittelbahnsteiges (Projekt für die Adaptierung des Aufnahmegebäudes und die Errichtung eines Zentralperrons in Salzburg), Hykysch, S. 194.
  17. Commisions- Protokoll über die Verhandlung wegen Umbau und Erweiterung der Stationsanlage in Salzburg.
  18. Umgestaltung des Personen- Bahnhofes der Strecke Linz- Salzburg, Nr. 13.291 am 7.,8.,9. und 10. Oktober 1901. S. 11, 18.
  19. Fischer, Michael W.: Salzburger Photographien. Stadt und Land nach 1920.- Salzburg, Wien: Residenzverlag 1986. S. 258.
  20. „Friedrich Archleitner sieht den Hauptbahnhof ein Beispiel dafür, wie bereits die beamten Architekten den Jugendstil rezipierten.“ Achleitner I, S. 280.
  21. Schivelbusch, S. 171
  22. Webseite der Bürgerinitiative "Rettet den Bahnhof" (abgerufen am 28. November 2011)
  23. Salzburger Nachrichten Salzburger Bahnhof neu im Retrolook (mit Video) (abgerufen am 16. Februar 2011)
  24. a b Umbau des Hauptbahnhofes beginnt auf salzburg.orf.at
  25. Webseite der Salzburger Lokalbahn
  26. BDA abgerufen am 2. November 2012

Weblinks

 Commons: Salzburg Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien