Sankt Oswald in Freiland

St. Oswald in Freiland ist der Name des zentralen Ortes der Gemeinde Kloster im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark, Österreich. Die Pfarre trägt ebenfalls den Namen St. Oswald in Freiland.

St. Oswald von Osterwitz aus

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Ort liegt auf dem östlichen Rücken des Schwarzkogels (Wolfsriegel) in der Katastralgemeinde Klosterwinkel. Zum Gebiet der Pfarre gehört neben Klosterwinkel auch die zweite Katastralgemeinde der Gemeinde Kloster, Rettenbach.

Das Ziborium von St. Oswald in Freiland

Die Lage der Gemeinde Kloster führte dazu, dass eine Reihe von Bauernhöfen aus der Gemeinde Osterwitz, Ortsteil Osterwitz-Winkel (u. a. Pöschl, Kleinreinisch, Stoff und Stefflpeterkeusche/Pust) kürzere und bessere Wegeverbindungen in die Gemeinde Kloster hatten als zur eigenen Gemeinde.[1] Kinder dieser Osterwitzer Höfe besuchten (teils mit, teils ohne schulbehördliche Genehmigung) dennoch die Schule in St. Oswald.[2] Verstorbene aus diesen Gebieten werden auf dem Friedhof von St. Oswald bestattet. Gleiches traf auf eine Reihe von Höfen im Tal des Wildbaches in der Katastralgemeinde Sallegg der Gemeinde Bad Gams zu.

St. Oswald besteht aus etwa 50 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Gemeindeamt und Volksschule sind in einem gemeinsamen Gebäude untergebracht, eine Mehrzweckhalle wird für verschiedene gesellschaftliche Veranstaltungen herangezogen. Zwei Gastwirtschaftsbetriebe (vlg. „Triftweber“ und „Steffelbauer“) liegen im Ort, ebenso der Standort einer Frächterei, deren Schwerpunkt auf Holztransporten liegt (Fa. Horvath).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche

Die römisch-katholische Kirche St. Oswald in Freiland wurde 1434 als Filialkirche von St. Jakob in Freiland urkundlich erwähnt und 1892 zur Pfarrkirche erhoben. Sie steht unter Denkmalschutz.

Ziborium von St. Oswald

Das Ziborium von St. Oswald ist ein spätgotischer Speisekelch (Ziborium) aus Silber mit vergoldeter Einlage. Er wird im Grazer Diözesanmuseum aufbewahrt.[3] Das Ziborium ist 43,2 cm hoch und trägt auf dem Deckel einen Baldachin aus Maßwerk mit Fialen, Krabben, Wimpergen und Eselsrückenbogen,[4] welcher eine Christusstatue als Schmerzensmann umschließt. Als Entstehungszeit wird das Ende des 15. Jahrhunderts[4] oder die Zeit von 1480 bis 1520[5] angegeben, die Form wird auf den Umbau des Trinkbechers eines Admonter Prälaten[6] zurückgeführt.

Namen

Die amtliche Schreibweise für Ort[7] und Pfarre ist „St. Oswald in Freiland“ (bewusst in, nicht im). Im Alltag wird auch die Variante „St. Oswald im Freiland“ verwendet. Die Bezeichnung „in Freiland“ bedeutet die einfache geografische Angabe der Gegend, in der der Ort liegt, ohne dass auf die mit dieser Bezeichnung verbundene Aussage eingegangen würde (z. B. dahin, ob Grundherrschaft, Pfarre usw. gemeint würden). Nach dem Duden bezieht sich eine Schreibung mit „im“ auf etwas bereits Erwähntes, Bekanntes, Erschließbares, mit „in“ nicht.[8] Das m stammt aus dem Artikel „dem“, mit dem die Aussage verstärkt wird.[9] Die Schreibvariante mit m erinnert an die Geschichte des Ortes: Die Bezeichnung „im Freiland“ umfasst den Bedeutungsschwerpunkt „in dem freien Land“, also die Beschreibung der Lage in einem konkreten Gebiet, „in der Grundherrschaft Freiland (des Stiftes Admont)“, in einer bestimmten Verwaltungseinheit.

Der südliche Ortsteil mit dem Gasthof „Triftweber“ kam erst 1891 zur Gemeinde

Der Name wird oft „St. Oswald i. Freiland“ geschrieben. Die Abkürzung „i.“ ist meist nicht auf Platzprobleme zurückzuführen (schon gar nicht bei Schriften gleicher Schrittweite, wie sie im 20. Jahrhundert bei Schreibmaschinen häufig waren), sondern darauf, dass damit das Thema „m oder n“ vermieden wird.

Weiters gibt es die Schreibung „St. Oswald ob Freiland“. Diese Variante beruht darauf, dass St. Oswald (vom Bezirkshauptort gesehen) oberhalb von Freiland liegt (ob für ober, wie bei St. Oswald ob Eibiswald). Im Alltag wird zwischen den Namensvarianten nicht genau unterschieden.

Zur Unterscheidung von

werden auch die Varianten „St. Oswald (Kloster)“ oder „St. Oswald/Kloster“ verwendet. Die Schreibweise „St. Oswald/Fr.“ wird nur innerhalb der Steiermark verwendet, weil sie Verwechslungen mit dem Ort „St. Oswald bei Freistadt“ in Oberösterreich auslösen kann. In Unterlagen, die aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie stammen, sind Verwechslungen mit dem Ort St. Oswald an der Drau (St. Oswald im Drauwalde, Ožbalt, in Slowenien, ca. 30 km südöstlich) möglich, weil die Weststeiermark und das Drautal damals gemeinsam im Marburger Kreis lagen: Die Pfarre wird in der älteren Literatur unzutreffend als Localie der Pfarre St. Oswald bei Mahrenberg dargestellt.[10]

Im Alltag (hier: Buslinienfahrplan 2008/09) wird der Ort St. Oswald unterschiedlich mit „o(b). F(reiland)“ und „i(n). F(reiland)“ bezeichnet und auch bei ausreichendem Platz das Wort „in“ mit „i.“ abgekürzt

Lager des Reichsarbeitsdienstes

Im Zweiten Weltkrieg befand sich im Ort St. Oswald ein Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD), dessen Bewohner die Straßenverbindung nach Bad Gams (Klosterwinkelstraße, heutige Landesstraße 645) auszubauen hatten. In den Jahren 1944 und 1945 kam es zu Konflikten zwischen den Lagerbewohnern und Partisanen aus dem Gebiet des früheren Jugoslawien. Diese Gruppe hatte in der Bevölkerung teilweise Unterstützung gefunden. Es hatten sich ihr auch einige desertierte deutsche Soldaten angeschlossen.[11] Im Lauf dieser Konflikte wurden am Ostersonntag, den 1. April 1945, fünf Widerstandskämpfer von Bewohnern des RAD-Lagers gefangengenommen und im Bereich des Lagers erschossen.[12]

Bilder

Weblinks

 Commons: Sankt Oswald in Freiland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen

  1. Gerhard Fischer: Osterwitz. ain wunderthätig Ort im hochen gepürg. Leben, Freude und Leid einer Gegend und ihrer Bewohner. Osterwitz 2002. Herausgeber und Verleger: Gemeinde Osterwitz. Keine ISBN. Seite 39.
  2. Gerhard Fischer: Osterwitz. Seite 152.
  3. Maximilian Riederer, Gunther Riedlsperger, Johann Tomaschek: Freiländer Ortschronik. Eigenverlag der Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg, 1988. Keine ISBN. Seite 227.
  4. a b Heimo Kaindl: Diözesanmuseum Graz. Auswahlkatalog. Graz 1994. Keine ISBN. Seite 60–61 (mit Bild).
  5. Heimo Kaindl: Eins + 385. Kirchenkunst zum Staunen. Ein Handbuch kirchlicher Kunstschätze. Ausstellungskatalog Graz 2008. ISBN 978-3-901810-21-3. Seite 71–72 (Abbildung Nr. 116).
  6. Adolf Bischofberger: Bergwallfahrt 1925, zitiert nach: Gunther Riedlsperger: Eine „Bergwallfahrt“: Deutschlandsberg-Freiland-Kloster-Osterwitz, 3. Teil. In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 20. Juli 1996. Nr. 29. Seite 14.
  7. Otmar Pichler, Alexander Steiner: Österreichischer Amtskalender 2006/2007. Das Lexikon der Behörden und Institutionen. 74. Jahrgang (Hof- und Staatshandbuch 118. Jahrgang, niederösterreichischer Amtskalender 130 Jahrgang). Zusammengestellt aus amtlichen und offiziellen Quellen. Wien 2006. Verlag Österreich (vormals Verlag der k. u. k. Hof- und Staatsdruckerei). ISBN 3-7046-4888-4. Seite 1577.
  8. Peter Eisenberg, Franziska Münzberg, Kathrin Kunkel-Razum: Duden. Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 6. vollständig überarbeitete Auflage. Duden Band 9. Dudenverlag Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG. Mannheim 2007. ISBN 978-3-411-04096-4. Stichwort in/im. Seite 463.
  9. Duden. Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 6. Auflage. Stichwort „geografische Namen“, Punkt 2.1. Seite 375.
  10. Franz Raffelsperger (Hrsg.): Allgemeines geographisches Lexikon des österreichischen Kaiserstaates. In einer alphabetischen Reihenfolge. Nach ämtlichen Quellen und den besten vaterländischen Hilfswerken, von einer Gesellschaft Geographen, Postmännern. Wien 1847. Im Haupt-Verlage der k.k.a.p. typo-geographischen Kunst-Anstalt Leopoldstadt Instituts-Gebäude No. 237. Seite 588. Raffelsperger, allg. geogr. Lexikon 1847 in der Google Buchsuche. Bereits vorher bei Carl Schmutz: Steyermärkisches Lexicon - Historisch-topographisches Lexicon von Steyermark. Gedruckt bei Andreas Kienreich Gratz 1822. Dritter Theil N–Se, Seite 87 Schmutz, hist.-topogr. Lexicon 1822 in der Google Buchsuche.
  11. Christian Fleck: Koralmpartisanen - Über abweichende Karrieren politisch motivierter Widerstandskämpfer. Ludwig-Boltzmann-Institut für Historische Sozialwissenschaft, Materialien zur Historischen Sozialwissenschaft Band 4. Verlag Böhlau. Wien-Köln 1986. ISBN 3-205-07078-X.
  12. Herbert Blatnik: Zeitzeugen. Seite 122.
    Bezirkstopographie. Erster Teilband. Herbert Blatnik: Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg und Besatzungszeit. Seiten 198-200.

46.88916666666715.100527777778Koordinaten: 46° 53′ N, 15° 6′ O