Sarntal

Dieser Artikel behandelt die politische Gemeinde Sarntal; zum Sarntal im geomorphologischen Sinne siehe Sarntal (Tal).
Sarntal
(ital.: Sarentino)
Wappen von Sarntal
Sarntal in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Salten-Schlern
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2013)
6.896/6.958
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
98,07 % deutsch
1,82 % italienisch
0,10 % ladinisch
Koordinaten 46° 38′ N, 11° 21′ OKoordinaten: 46° 38′ N, 11° 21′ O
Meereshöhe: 570–2781 m s.l.m. (Zentrum: 966 m s.l.m.)
Fläche: 302,5 km²
Dauersiedlungsraum: 28,5 km²
Fraktionen: Aberstückl, Agratsberg, Astfeld, Auen, Außerpens, Dick, Durnholz, Essenberg, Gebracksberg, Gentersberg, Glern, Innerpens, Kandelsberg, Muls, Niederwangen, Nordheim, Öttenbach, Putzen, Rabenstein, Reinswald, Riedelsberg, Sarnthein, Steet, Trienbach, Unterreinswald, Vormeswald, Weißenbach, Windlahn
Nachbargemeinden: Franzensfeste, Freienfeld, Hafling, Jenesien, Klausen, Mölten, Ratschings, Ritten, St. Leonhard in Passeier, Schenna, Vahrn, Villanders, Vöran
Partnerschaft mit: Rückersdorf (Mittelfranken)
Postleitzahl: 39058
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021086
Steuernummer: 80009170210
Bürgermeister (2015): Franz Locher (SVP)

Sarntal (italienisch: Sarentino) ist eine von der Talfer durchflossene Gemeinde mit 6958 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) nördlich von Bozen in Südtirol (Italien). Sie nimmt einen Großteil des gleichnamigen Sarntals sowie eine Reihe kleinerer Seitentäler und die umliegenden Berggebiete ein. Sarntal ist die flächenmäßig größte Gemeinde Südtirols und umfasst insgesamt 28 Ortsteile (Fraktionen). Hauptort ist Sarnthein.

Bekannt ist das Sarntal für das Kunsthandwerk der Federkielstickerei.

Geographie

Das Sarntal gegen Norden
Gedeckte Brücke über die Talfer in Sarnthein

Vom Norden Bozens aus zieht sich das Sarntal über eine Länge von 50 km bis zum Penser Joch auf 2.211 m. Mit dem Hauptort Sarnthein und seinen 27 Ortsteile (Aberstückl, Agratsberg, Astfeld, Auen, Außerpens, Dick, Durnholz, Essenberg, Gebracksberg, Gentersberg, Glern, Innerpens, Kandelsberg, Muls, Niederwangen, Nordheim, Öttenbach, Putzen, Rabenstein, Reinswald, Riedelsberg, Steet, Trienbach, Unterreinswald, Vormeswald, Weißenbach, Windlahn) ist die Gemeinde die flächenmäßig größte in Südtirol.[1]

Es gibt zwei Hauptzufahrten in das Sarntal: Der Südzubringer führt vom Bozner Talkessel aus durch die Sarner Schlucht. Bereits 1494 wurde ein «gemain farweg und strazzen in das tal Sérnntein an der Etsch» von König Maximilian I. in Auftrag gegeben und vom Sarntheiner Amtmann Blasius Anich ausgeführt.[2] Diese oftmals verlegte Straße wurde 1936 zwischen Schloss Ried und Moarhäusl mit einer orografisch rechtsseitigen Tunnelstraße ersetzt (SS 508), die wegen eines allerdings nicht verwirklichten Stauseeprojekts in hoher Felsenlage trassiert wurde.[3] Dank einiger Großprojekte wurde die Sarntaler Staatsstraße mehr und mehr durch Tunnel geführt und die verbliebenen gefährdeten Abschnitte durch Felssicherungsarbeiten abgesichert. Somit sind Sperren heute seltener geworden. Eine Neutrassierung, bei der zwei Tunnels von insgesamt etwa 3,5 km Länge fünfzehn kleinere und enge Tunnels ersetzen, begradigt die Straße und hält sie aus felsschlaggefährdeten Bereichen heraus. Die Fertigstellung ist für Sommer 2016 vorgesehen.[4] Da etwa 1.400 Einwohner der Gemeinde Sarnthein täglich nach Bozen pendeln, ist diese Strecke von großer Bedeutung.[5]

Die verkehrsmäßige Norderschließung erfolgt von Sterzing aus über das Penser Joch und das Penser Tal, wie der nördliche Abschnitt des Sarntals genannt wird. Dieser Pass ist jedoch im Winter gesperrt, meist vier bis fünf Monate.

Eine weitere Zufahrt verläuft über den Ritten/Wangen. Diese Straße ist wegen ihrer engen, kurvenreichen und steilen Abschnitte für Busse (außer für Linienbusse bei Sperrung der Staatsstraße) und LKW gesperrt und mündet nach der Sarner Schlucht in die von Bozen kommende Staatsstraße. Trotzdem hat diese Zufahrt schon oft ihre Wichtigkeit bewiesen, verblieb sie doch in der Vergangenheit als einziger noch befahrbarer Zugang zum Tal, sobald die Staatsstraße wegen Steinschlags gesperrt war und für das Penser Joch noch die Wintersperre bestand.

Die höchste Erhebung des Gemeindegebiets ist der Hirzer (2781 m s.l.m.).

Politik

Bürgermeister seit 1952:[6]

  • Anton Rott: 1952–1980
  • Franz Kienzl: 1980–1985
  • Alois Kofler: 1985–1988
  • Franz Kienzl: 1988–1990
  • Florian Murr: 1990–1995
  • Karl Thaler: 1995–2005
  • Franz Locher: 2005–

Wirtschaft und Infrastruktur

Das Sarntal ist stark bäuerlich geprägt. Die Viehwirtschaft, im Großteil auf Bergbauernhöfen unter oft sehr schwierigen geografischen Bedingungen, herrscht vor. Oft besitzen Bauern neben dem traditionellen Südtiroler Grauvieh (einer Rinderrasse) auch Pferde der traditionellen Südtiroler Rasse der Haflinger. Viele Kleinbauern betreiben den Hof nur als Nebenerwerb und gehen tagsüber einer anderen Arbeit nach.

Handwerksberufe sind ein weiteres wirtschaftliches Standbein des Sarntales.

In der Handwerkerzone des Hauptortes Sarnthein wurde vor einigen Jahren ein Fernheizwerk errichtet, das von den örtlichen Bauern und einigen Verbrauchern als Genossenschaft geführt wird. Hier wird ausschließlich für die Holzindustrie nicht verwertbares Holz aus dem Tal in effizienter Weise verheizt. In der Fraktion Reinswald besteht ein Skigebiet, das in den letzten Jahren modernisiert und geringfügig erweitert wurde.

Kultur

Sehenswürdigkeiten

Friedhof in Sarnthein

Sprache

Der Sarner Dialekt ist durch die relative Abgeschiedenheit (im Vergleich zu anderen Gemeinden Südtirols) noch sehr ursprünglich und wenig von seiner Umgebung beeinflusst.

Traditionen

Im Sarntal spielt das lokale Trachtenwesen noch eine wichtige Rolle. Es gibt viele Kunsthandwerke im Sarntal: die Federkielstickerei, die Holzbildhauerei, die Herstellung der beliebten „Sarnar Toppar“ (wärmenden Filzpantoffeln), sowie die Weiterverarbeitung von Loden. Auch Produkte der Sarner Latschenkiefer sind beliebt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Der Sarner Alpenadvent findet jedes Adventwochenende statt. Dort stellen die Sarner Produzenten ihre Waren vor oder man genießt eine heiße Tasse Glühwein bei besinnlicher Musik und Lagerfeuer. Auch eine Märchensuchaktion für Kinder ist organisiert. Das Klöckeln wird an jedem Donnerstagabend im Advent, den sog. Klöckelnächten zelebriert. Die Sarner Männer und Jungen treiben in einer alten abgenutzten Tracht und unter einer selbstgebastelten Maske (Lårf) aus natürlichen Produkten wie Baumbart in Gruppen (Kutt, pl: Kuttn) ihr Unwesen, um die bösen Geister zu vertreiben und Jesus' Weg an Weihnachten zu bereiten.

Zu fixen Terminen zählen auch der traditionelle Bauernmarkt (samstags im Sommer) und der Sarner Kirchtag (erstes Wochenende im September).

Persönlichkeiten

Literatur

  • Erika Kustatscher: Die Deutschordenspfarre Sarnthein (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 17), Lana: Tappeiner, 1996. ISBN 3-7708-1075-9
  • Leo Andergassen: Sarntaler Kirchenkunst, Lana: Tappeiner, 1996. ISBN 88-7073-214-2
  • Rudi Hofer: Die Freiwillige Feuerwehr Sarnthein und ihr Heimattal (Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum der FFS), 2007
  • Außerer, Burger, Thurner: Die Tradition verpflichtet – den Blick voraus (200 Jahre Musikkapelle Sarnthein), 2009

Videodokumente

  • Wo die Welt noch fast in Ordnung ist – Das Sarntal in Südtirol, D 1994. Regie: Hans-Dieter Hartl (Länge ca. 45 Minuten)

Weblinks

 Commons: Sarntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Sarntal, abgerufen am 17. Februar 2016.
  2. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500, Band 2, Bozen: Stadtgemeinde Bozen 2008, ISBN 9788890187018, S. 218f Nr. 1291.
  3. Karl Theodor Hoeniger: Altbozner Bilderbuch, 3. Aufl., Bozen 1968, S. 276.
  4. Ausbau der Sarntaler Straße, abgerufen am 17. Februar 2016.
  5. Sarntaler Straße: Zweiter Tunnel durchstochen, abgerufen am 17. Februar 2016.
  6. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015 (PDF; 15 MB).