Schaftrieb über den Ötztaler Alpenhauptkamm

Schaftrieb ins Schnalstal am Hochjoch

Der Schaftrieb in den Ötztaler Alpen ermöglicht es Schafsbauern aus dem Südtiroler Schnalstal sowie dem Passeiertal, ihre Weiderechte im hinteren Ötztal zu nutzen. Dazu werden Schafe über drei verschiedene, teilweise vergletscherte Passrouten Anfang Juni in nördlicher und Mitte September in Gegenrichtung getrieben.

Inhaltsverzeichnis

Routen

Schafe werden aus dem Schnalstal zu ihren Weiden oberhalb von Vent über zwei verschiedene Routen getrieben. Die eine führt über das Hochjoch (2770 m ü. A.), die andere über das Niederjoch (3019 m ü. A.). Die Schafe stammen zu einem großen Teil aus dem Vinschgau, aus dem sie zunächst durch das Schlandrauntal über das Taschljöchl ins obere Schnalstal gelangen.

Schafe aus dem Passeiertal erreichen über das Timmelsjoch (2474 m ü. A.) ihre Weiden oberhalb von Obergurgl. Bis 1962 erfolgte der letztgenannte Schaftrieb über den Gurgler Ferner, wobei der Alpenhauptkamm am Gurgler Eisjoch (3154 m ü. A.) überschritten wurde.

Geschichte

Dass die Routen der Schaftriebe schon seit mindestens 6000 Jahren genutzt werden, gilt heute als belegt. Auch der Fund des Ötzi am Tisenjoch, das in der Nähe des Niederjochs liegt, kann in diesem Zusammenhang gesehen werden.[1]

Die Weiderechte Schnalser Bauern auf den Almen des „Rofenbergs“ werden bereits in einem Dokument des Jahres 1357 bestätigt. Aus dem Jahr 1415 stammt ein das Niedertal betreffender Weiderechtsvertrag für den Zeitraum Mitte Juni bis Mitte September.[2]

Bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden sogar Rinder über die Pässe getrieben. Auch nach der Teilung Tirols am Ende des Ersten Weltkriegs blieb die Tradition des Schaftriebs erhalten.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Schaftriebe hat allerdings nachgelassen. Heute werden ungefähr 3.500 Schafe aus dem Schnalstal in die beiden Venter Täler getrieben, während es 1977 noch doppelt so viele waren.

Im Oktober 2011 wurden die „Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen“ in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich der Österreichischen UNESCO-Kommission aufgenommen. Als Begründung wurde dabei neben der ökologischen vor allem die kulturelle Bedeutung genannt, die in grenzüberschreitenden Ritualen und Bräuchen (Festlegen der Weideplätze, gemeinsamer Kirchgang ...) und einer dadurch entstehenden „gemeinsamen regionalen Identität“ zum Ausdruck kommt.[1]

Bilder

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen, immaterielleskulturerbe.unesco.at, abgerufen am 19. Feber 2012
  2. Der Schaftrieb im Ötztal, zusammengestellt von T. Schmarda