Scharnstein

Scharnstein
Wappen von Scharnstein
Scharnstein (Österreich)
Scharnstein
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Gmunden
Kfz-Kennzeichen: GM
Fläche: 47,84 km²
Koordinaten: 47° 54′ N, 13° 58′ O47.90027777777813.960833333333488Koordinaten: 47° 54′ 1″ N, 13° 57′ 39″ O
Höhe: 488 m ü. A.
Einwohner: 4.741 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 99,1 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4644
Vorwahl: 07615
Gemeindekennziffer: 4 07 19
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 13
4644 Scharnstein
Website: www.scharnstein.ooe.gv.at
Politik
Bürgermeister: Rudolf Raffelsberger (ÖVP)
Gemeinderat: (2009)
(31 Mitglieder)
14 ÖVP, 13 SPÖ, 4 FPÖ,
Lage der Marktgemeinde Scharnstein im Bezirk Gmunden
Altmünster Bad Goisern Bad Ischl Ebensee Gmunden Gosau Grünau im Almtal Gschwandt Hallstatt Kirchham Laakirchen Obertraun Ohlsdorf Pinsdorf Roitham St. Konrad (Oberösterreich) St. Wolfgang im Salzkammergut Scharnstein Traunkirchen Vorchdorf OberösterreichLage der Gemeinde Scharnstein im Bezirk Gmunden (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Hauptstraße mit Schloss
Sensenmuseum Geyerhammer

Scharnstein ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Gmunden im Traunviertel mit 4741 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Gmunden.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Scharnstein liegt auf 488 m Höhe im Traunviertel im Herzen des Almtals. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 9,1 km, von West nach Ost 10,5 km. Die Gesamtfläche beträgt 47,8 km². 54,8 % der Fläche sind bewaldet, 36 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.

Ortsteile der Gemeinde sind: Dorf, Mühldorf, Scharnstein, Viechtwang.


Kirchham Vorchdorf Pettenbach
St. Konrad Nachbargemeinden Steinbach am Ziehberg
Gmunden Grünau im Almtal

Geschichte

Die Grafen von Rebgau begannen um 1120 mit dem Bau der Burg Scharnstein. 1204 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung.

Im Jahr 1538 brannte die Burg aus Fahrlässigkeit ab. Johann Fernberger verwendete das Geld nicht für den Wiederaufbau der Burg, sondern für den Bau des Pfleghauses (Schafferleithen). 1584 erwarben die Jörger die Herrschaft Scharnstein und errichteten ein mächtiges Schlossgebäude neben dem bereits bestehenden Pfleghaus und gründeten auch die ersten Sensenhämmer an der Alm. Die Herrschaft Scharnstein unterstand ab 1625 dem Stift Kremsmünster. Während der Napoleonischen Kriege wurde die Region mehrfach von französischen Truppen besetzt, blieb aber immer ein Teil des Landes Österreich ob der Enns. Ab 1848 hieß die Gemeinde Viechtwang. Noch im 19. Jahrhundert war Scharnstein die größte Sensenproduktionsstätte der Monarchie. 700 Beschäftigte erzeugten täglich 4.000 Sensen und 5.000 Sicheln.

Um die schwer arbeitende Bevölkerung zu versorgen, entstand ein besonderes Gebäck. Von einem unbekannten Bäckermeister wurde der nur im Almtal bekannte Zwieballen entwickelt. Sein Name geht auf ein altes Maß der Sensenschmiede zurück: zwei Handballen. Den Zwieballen gibt es nur im Almtal.

Im Jahre 1901 wurde die Almtalbahn von Wels nach Grünau im Almtal fertiggestellt, und somit war Scharnstein über den Schienenverkehr erreichbar geworden. Seit 1918 gehört Scharnstein zum Bundesland Oberösterreich. 1932 wurde Scharnstein zum Ort erhoben. Im Jahr 1976 wurde der Gemeindename wieder auf Scharnstein geändert.

Das Jahr 1987 brachte das Ende der 400 Jahre währenden Scharnsteiner Sensenerzeugung. Im Jahr 2004 wurde die Gemeinde Scharnstein anlässlich ihres 800 jährigen Bestandes von LH Dr. Josef Pühringer zur Marktgemeinde erhoben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Scharnstein: Schloss Scharnstein geht auf das Jahr 1538 zurück. Heute befinden sich im Schloss zwei Museen:
    • Österreichisches Kriminalmuseum und Österreichisches Gendarmeriemuseum: Im Museum wird die Geschichte der österreichischen Justiz und Sicherheitswesens vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart gezeigt. Breiter Raum ist der Geschichte des Gendarmeriewesens von 1849 bis zur Gegenwart gewidmet.
    • Museum für Österreichische Zeitgeschichte: Anhand von Objekten und Bildern wird die Entwicklung Österreichs im vergangenen Jahrhundert gezeigt.
  • Sensenmuseum Geyerhammer: Das Freilichtmuseum zeigt den Übergang von der handwerklichen zur industriellen Sensenproduktion. Schmiedevorführungen mit einem Hammerschmied werden regelmäßig abgehalten.
  • Ruine Scharnstein: Die Burg wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet. Sie bestand einst aus einem Turmvorwerk, einer Vorburg, einem großen Vorratsgewölbe sowie einer Hauptburg mit Palas, Kapelle und Bergfried.
  • Sensenweg: Der 'Sensenweg' ist ein wirtschaftshistorischer Wanderweg mit 2,4 km Länge. Der Senseneg führt zu Produktionsstätten, Wohnhäusern und den Herrenhäusern der Hammerherren. („schwarzen Grafen“).

Wappen

Beschreibung des 1977 verliehenen Gemeindewappens: Gespalten von Silber und Schwarz mit zwei aufrecht stehenden, mit den Schneiden auswärts gekehrten Pflugmessern (Sech) in gewechselten Farben; rechts ein roter, links ein goldener Bord. Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß.

Stammwappen der Jörger, deren Helmhart VIII. durch sein Wirken, insbesondere als Begründer der Sensenindustrie im Almtal, für Scharnstein wirtschaftshistorische Bedeutung erlangt hat. Bereits 1492 erwarb der kaiserliche Pfleger auf Wildenstein, Christoph Jörger zu Reut, von Sigmund Graf Schaunberg die Burg Alt-Scharnstein samt dem Landgericht auf dem Moos, die er jedoch schon wenige Jahre später wieder an Kaiser Maximilian I. verkaufte. 1584 gelang es Helmhart Jörger, die Herrschaft Scharnstein an sich zu ziehen, hier 1585 die ersten Sensenschmiedwerkstätten zu errichten und das nach dem Brand der alten Burg 1538 eingerichtete, neue „Amtshaus an der Schafferleiten“ zum prächtigen Herrensitz auszubauen. In der Gegenreformation wurden 1621 alle Besitzungen der für die Verbreitung der protestantischen Lehre in Oberösterreich mit vollem Einsatz und schließlich mit offenem Widerstand eingetretenen Jörger konfisziert; die Herrschaft Scharnstein wurde 1625 dem Kloster Kremsmünster verkauft. Im 19./20. Jahrhundert verfiel das Gebäude aber zusehends, vor allem während der beiden Weltkriege. Als im Jahre 1967 schließlich Harald Seyrl, ein österreichischer Historiker, das Schloss vom Stift Kremsmünster erwarb, befand es sich in einem hochgradig desolatem Zustand und war teilweise sogar Einsturz gefährdet. In die noch intakten Räume waren außerdem nach dem Krieg Zwischenwände eingezogen und Substandardwohnung errichtet worden, was der historischen Bausubstanz nochmals beträchtlichen Schaden gefügt hatte. Seyrl ließ in Folge den ursprünglichen Zustand der Räume wieder herstellen und schaffte es mit Hilfe des Bundesdenkmalsamtes und des Landes Oberösterreich, das Schloss in mührvoller Kleinarbeit zu renovieren. Seit den 80er Jahren erstrahlt es in neuem Glanz, ist Heimat des österreichischen Kriminal- und Gendarmeriemuseums sowie Familiensitz der Seyrls, die als Burgherren am Sonntag Vormittag auch Führungen durch ihre Privaträume anbieten.

Politik

  • Bürgermeister ist Rudolf Raffelsberger von der ÖVP.

Einwohnerentwicklung

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 4309 Einwohner. 2001 dann 4539 Einwohner und im Jahr 2011 4731 Einwohner.

Vereine

  • Marktmusik Scharnstein-Redtenbacher

Persönlichkeiten

Töchter und Söhne:

  • Hilde Berger (* 1946), Schauspielerin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin (Romane)
  • Wolfgang Leuthner, (1744–1812), Benediktiner und Abt des Stiftes Kremsmünster

Trivia

  • In Scharnstein lebt auch der Rabe Kraxi mit seiner Rabenmutter (siehe Weblinks)
  • Die in Scharnstein gelegene Zughaltestelle Traxenbichl diente als Namensgeber für das Brettspiel „Kennen Sie Traxenbichl?“ der Firma Peri Spiele.

Weblinks

 Commons: Scharnstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien