Scheinmohn

Scheinmohn
Sorte Meconopsis 'Slieve Donard'

Sorte Meconopsis 'Slieve Donard'

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Unterfamilie: Papaveroideae
Tribus: Papavereae
Gattung: Scheinmohn
Wissenschaftlicher Name
Meconopsis
Vig.

Scheinmohn (Meconopsis) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Die blau blühenden Arten und Sorten werden auch Blauer Mohn genannt. Die etwa 54 Arten weisen eine Verbreitung in der Sino-Himalaja-Region auf; davon weicht nur eine westeuropäische Art ab.

Beschreibung

Illustration vom Nepal-Scheinmohn (Meconopsis napaulensis)
Blüte des Tibet-Scheinmohn (Meconopsis betonicifolia) mit vier Kronblättern, den vielen Staubblättern und dem Fruchtknoten

Vegetative Merkmale

Scheinmohn-Arten wachsen als ein- bis mehrjährige, monokarpische oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die Pflanzenteile führen einen gelben Milchsaft. Bei monokarpischen Arten sind dicke oder verdickte Pfahlwurzeln mit Faserwurzeln vorhanden oder sie besitzen nur Faserwurzeln. Die ausdauernden Arten bilden Rhizome[1]. Wenn ein erkennbarer Stängel vorhanden ist, dann kann er verzweigt und beblättert sein und ist er flaumig oder borstig behaart oder kahl.[2]

Die wechselständig und spiralig am Stängel verteilten und/oder in einer basalen Rosette angeordneten Laubblätter sind gestielt bis ungestielt. Manchmal sind die Laubblätter stängelumfassend. Die Blattspreite kann fiederschnittig bis -teilig oder einfach sein. Die Blattränder sind glatt oder gesägt. Die Blattflächen sind borstig behaart oder kahl. Nebenblätter fehlen.[2]

Blütenstände und Blüten

Die Blüten stehen einzeln oder in traubigen, rispigen oder pseudodoldigen Blütenständen. Die oberste Blüte öffnet sich als Erste. Oft hängen die Blütenknospen.[2]

Die relativ großen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und schüssel- oder tellerförmig mit einer doppelten Blütenhülle. Die zwei (selten drei oder vier in der obersten Blüte) freien, oft borstig behaarten Kelchblätter fallen beim Öffnen der Blüte ab. Die Farbe der vier bis zehn (selten mehr) Kronblätter variiert je nach Art von oft blau bis purpurfarben, manchmal rosafarben bis rot oder gelb, selten weiß. Die vielen freien, fertilen Staubblätter werden zentripetal gebildet. Die Staubfäden sind meist lineal.[2] Die Staubbeutel sind oft länglich[1]. Drei oder mehr Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen, der fast kugelig, eiförmig, verkehrt-eiförmig oder schmal-zylindrisch ist. Es sind viele Samenanlagen vorhanden. Auf dem Fruchtknoten befinden sich ebenso viele freie Griffel wie Fruchtblätter, die Griffel sind kurz bis kaum erkennbar und enden in kopfigen bis keulenförmigen Narben.[2]

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie).

Früchte und Samen

Die flaumig bis borstig behaarten, stacheligen oder kahlen Kapselfrüchte sind fast kugelig, eiförmig, verkehrt-eiförmig, elliptisch oder zylindrisch und enthalten viele Samen. Die Kapselfrüchte besitzen drei bis zwölf (-18) Fruchtfächer, deren Segmente leicht gelappt sind oder sie öffnen sich von der Spitze in Richtung Basis auf einem Drittel ihrer Länge oder mehr. Die eiförmigen, nierenförmigen, sichelförmig-länglichen oder länglichen Samen sind glatt oder longitudinal konkav.[2]

Wald-Scheinmohn (Meconopsis cambrica)
Wald-Scheinmohn (Meconopsis cambrica)
Großer Scheinmohn (Meconopsis grandis)
Knospige und offene Blüten vom Stachligen Scheinmohn (Meconopsis horridula)
Ganzblättriger Scheinmohn (Meconopsis simplicifolia)

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Meconopsis wurde 1814 durch Louis Guillaume Alexandre Viguier in Histoire naturelle, médicale et économique des pavots et des argémones, S. 48 aufgestellt. Als Typusart ist Meconopsis cambrica Vig. festgelegt. [3] Synonyme für Meconopsis Vig. sind Cathcartia Hook. f. und Cumminsia King ex Prain nom. inval.[4]

Die Gattung Meconopsis gehört zur Tribus Papavereae in der Unterfamilie der Papaveroideae innerhalb der Familie der Papaveraceae [4].

Es gibt etwa 54 Arten in der Gattung Scheinmohn (Meconopsis), die fast nur in der Sino-Himalaja-Region vorkommt, aber eine Art ist in Westeuropa heimisch:[2][1][5][4]

  • Meconopsis aculeata Royle: Sie kommt im südwestlichen Tibet, südwestlichen Indien und in Pakistan vor.
  • Meconopsis argemonantha Prain: Sie kommt im südwestlichen Tibet in Höhenlagen zwischen 3700 und 4600 Meter vor.
  • Meconopsis balangensis T.Yoshida, H.Sun & D.E.Boufford: Sie wurde 2011 in Plant Diversity and Resources, Volume 33, S. 409 erstbeschrieben. Es sind zwei Varietäten bekannt, die als Endemiten in der chinesischen Provinz Sichuan vorkommen. Meconopsis balangensis var. balangensis in Höhenlagen zwischen 3600 und 4300 Meter nur in Balang Shan und Wenchuan und Meconopsis balangensis var. atrata an der Grenze zwischen Xiaojin und Baoxing Xian in Höhenlagen zwischen 3950 und 4000 Meter.
  • Meconopsis barbiseta C.Y.Wu & H.Chuang ex L.H.Zhou: Dieser Endemit gedeiht auf Alpinen Matten in Höhenlagen von etwa 4400 Meter nur in Jigzhi im südöstlichen Qinghai.
  • Meconopsis bella Prain: Sie kommt im Himalaja (Nepal bis Bhutan) in Höhenlagen zwischen 3000 bis 5000 Meter vor.
  • Tibet-Scheinmohn (Meconopsis betonicifolia Franch.): Er kommt im südöstlichen Tibet (Cona, Mainling, Nyingchi), nordwestlichen Yunnan und nördlichen Myanmar in lichten Wäldern und in Feuchtwiesen auf Sand in Höhenlagen zwischen 3000 und 4300 Metern vor.
  • Meconopsis biloba L.Z.An, S.Y.Chen & Y.S.Lian: Sie wurde 2009 in Novon, Volume 19, S. 286 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht auf Felsschutt und felsigen Hängen in Höhenlagen von etwa 3050 Meter nur in Lingtan in Gansu.
  • Kambrischer Scheinmohn (Meconopsis cambrica (L.) Vig.): Er ist die einzige westeuropäische Art. Die Zugehörigkeit zur Gattung Papaver wird diskutiert; dort müßte er den Namen Papaver cambricum L. tragen.
  • Wald-Scheinmohn (Meconopsis chelidoniifolia Bureau & Franch.): Er gedeiht im Schatten im Wald, an Bachufern und Straßenrändern in Höhenlagen zwischen 1400 und 2700 Meter im nördlichen und westlichen Sichuan sowie nordöstlichen Yunnan.
  • Meconopsis concinna Prain: Sie gedeiht an grasigen Hängen, unter Rhododendron-Sträuchern, Berg-Moorlandschaften und Heiden, Waldrändern in Höhenlagen zwischen 3300 und 4500 Meter im südwestlichen Sichuan, südöstlichen Xizang und nordwestlichen Yunnan.
  • Kalk-Scheinmohn (Meconopsis delavayi (Franch.) Franch. ex Prain): Dieser Endemit gedeiht an grasigen Hängen, stabilisierten Moränen und felsigen Matten in Höhenlagen zwischen 2700 und 4000 Meter nur von Heqing bis Yulong Xueshan im nordwestlichen Yunnan.
  • Dhwoj-Scheinmohn (Meconopsis dhwojii G.Taylor ex Hay): Sie kommt in Nepal in Höhenlagen zwischen 3500 und 5600 Metern vor.
  • Meconopsis discigera Prain: Die Heimat ist das südliche Tibet, Bhutan, Sikkim sowie das zentrale und östliche Nepal.
  • Meconopsis florindae Kingdon-Ward
  • Meconopsis forrestii Prain
  • Meconopsis georgei G.Taylor
  • Meconopsis gracilipes G.Taylor
  • Großer Scheinmohn (Meconopsis grandis Prain): Er kommt in Nepal, Sikkim und Tibet in Höhenlagen zwischen 3300 und 5600 Metern vor.
  • Meconopsis henrici Bureau & Franch.
  • Stachliger Scheinmohn (Meconopsis horridula Hook. f. & Thomson): Er kommt in Westnepal, im Himalaja und in Südwestchina vor in Höhenlagen zwischen 3000 und 6000 Metern
  • Meconopsis impedita Prain
  • Gelbhaariger Scheinmohn (Meconopsis integrifolia (Maxim.) Franch.): Er kommt China, Tibet sowie im nördlichen Myanmar in Höhenlagen zwischen 2700 und 5200 Metern
  • Meconopsis lancifolia (Franch.) Franch. ex Prain
  • Meconopsis latifolia (Prain) Prain
  • Meconopsis lyrata (H.A.Cummins & Prain) Fedde ex Prain
  • Nepal-Scheinmohn (Meconopsis napaulensis DC., Syn.: M. nepalensis DC.): Er kommt im Himalaja (Nepal bis Bhutan) in Höhenlagen zwischen 2700 bis 6000 Metern und im südlichen Tibet sowie im westlichen China vor.
  • Meconopsis neglecta G.Taylor: Die Art ist nur vom Typusstandort im westlichen Pakistan bekannt.
  • Meconopsis oliveriana Franch. & Prain ex Prain
  • Rispen-Scheinmohn (Meconopsis paniculata (D.Don) Prain): Er kommt im Himalaja im südöstlichen Tibet in Höhenlagen zwischen 3000 und 4700 Meter vor.
  • Meconopsis pinnatifolia C.Y.Wu & H.Chuang ex L.H.Zhou
  • Meconopsis prattii (Prain) Prain
  • Meconopsis primulina Prain
  • Meconopsis pseudohorridula C.Y.Wu & H.Chuang
  • Meconopsis pseudointegrifolia Prain
  • Meconopsis pseudovenusta G.Taylor
  • Roter Scheinmohn (Meconopsis punicea Maxim.): Er kommt in Tibet vor.
  • Teppich-Scheinmohn oder Fünfnerviger Scheinmohn (Meconopsis quintuplinervia Regel): Er kommt in Tibet und Westchina vor.
  • Meconopsis racemosa Maxim.
  • Meconopsis rebeccae H.S.Debnath & Nayar
  • Pracht-Scheinmohn (Meconopsis regia G.Taylor): Er kommt in Nepal in Höhenlagen zwischen 3500 und 4600 Meter vor.
  • Meconopsis rudis (Prain) Prain
  • Schotter-Scheinmohn oder Ganzblättriger Scheinmohn (Meconopsis simplicifolia (D.Don) Walp.): Er kommt in Nepal sowie Tibet in Höhenlagen zwischen 3300 und 5800 Meter vor.
  • Meconopsis sinuata Prain: Die Art kommt im Himalaja (Nepal bis Bhutan) in Höhenlagen zwischen 2400 bis 3500 Meter vor.
  • Meconopsis sinomaculata Grey-Wilson
  • Meconopsis smithiana (Hand.-Mazz.) G.Taylor ex Hand.-Mazz.
  • Meconopsis speciosa Prain
  • Silber-Scheinmohn (Meconopsis superba King ex Prain): Er kommt in Bhutan und Tibet vor.
  • Meconopsis taylorii L.H.J.Williams: Sie kommt in Nepal in Höhenlagen zwischen 3600 und 4500 Meter vor.
  • Meconopsis tibetica Grey-Wilson
  • Meconopsis torquata Prain
  • Meconopsis venusta Prain
  • Zottiger Scheinmohn oder Haariger Scheinmohn (Meconopsis villosa (Hook. f.) G.Taylor): Er kommt im östlichen Himalaja (östliches Nepal bis Bhutan) in Höhenlagen von 1500 bis 3200 Metern vor.
  • Meconopsis violacea Kingdon-Ward: Sie kommt in Tibet und Myanmar vor.
  • Meconopsis wilsonii Grey-Wilson
  • Meconopsis wumungensis K.M.Feng & H.Chuang
  • Meconopsis zangnanensis L.H.Zhou
Blüte der Sorte Meconopsis 'Lingholm'

Nutzung

Einige Sorten werden als Zierpflanzen in Parks und Gärten verwendet. Die Samen von Meconopsis grandis werden geröstet oder eingelegt gegessen.[6] Aus den Samen von Meconopsis napaulensis wird ein Öl gewonnen.[7] Die medizinischen Wirkungen von Meconopsis aculeata und Meconopsis napaulensis wurden untersucht.[8][7]

Quellen

  • Mingli Zhang & Christopher Grey-Wilson: Meconopsis in der Flora of China, Volume 7, 2008, S. 262–275: textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitt Beschreibung)
  • Eintrag in der Flora of Pakistan. (Abschnitt Beschreibung)
  • J. C. Carolan, I. L. Hook, M. W. Chase, J. W. Kadereit & T. R. Hodkinson: Phylogenetics of Papaver and Related Genera Based on DNA Sequences from ITS Nuclear Ribosomal DNA and Plastid trnL Intron and trnL–F Intergenic Spacers, In: Annals of Botany, Volume 98, Issue 1, 2006, S. 141-155: Fulltext-Online.
  • Walter Erhardt u. a.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Exkursionsflora von Deutschland. Band 5. Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag. Berlin, Heidelberg 2008. ISBN 978-3-8274-0918-8

Einzelnachweise

  1. a b c Eintrag in der Flora of Pakistan.
  2. a b c d e f g Mingli Zhang & Christopher Grey-Wilson: Meconopsis in der Flora of China, Volume 7, 2008, S. 262–275: textgleich online wie gedrucktes Werk.
  3. Eintrag bei Tropicos. Zugriff Januar 2012.
  4. a b c Eintrag bei GRIN. Zugriff Januar 2012.
  5. Eintrag in der Annotated Checklist of the Flowering Plants of Nepal.
  6. Meconopsis grandis Eintrag bei Plants for A Future.
  7. a b Meconopsis napaulensis Eintrag bei Plants for A Future.
  8. Meconopsis aculeata Eintrag bei Plants for A Future.

Weblinks

 Commons: Scheinmohn (Meconopsis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien