Schildhof

Schildhöfe in Passeier
Schildhof Gomion
Schildhof Saltaus

Die Schildhöfe in Passeier sind Adelssitze, die dem niederen Adel in Tirol ab dem 14. Jahrhundert zuzuordnen sind. Sie unterscheiden sich baulich von den damals üblichen Höfen, verfügen teilweise über Türme und Mauern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1317 verlieh Graf Heinrich von Tirol einigen Ministerialen besondere Privilegien: Sie wurden von der Steuer befreit. Als Gegenleistung waren sie verpflichtet, innerhalb Tirols zu dienen in Waffen und zu Pferd.

Sie wurden Schildherren genannt, ihre Stellung war als Einschildritter die des niederen Adels. Durch diese Zugehörigkeit zum Adel entstand ein weiteres Privileg: Das uneingeschränkte Recht, Waffen zu tragen.

Namentlich waren diese Schildherren: Egno von Saltaus, Haupold und Heinold von Passeier, Heinrich von Puchach, Friedrich von Weingart, Friedrich von Gereut und Berchtold von Steinhaus. Ihre Namen sind teilweise noch heute namensgebend für ihre Höfe.

Seit dem Freiheitsbrief von Herzog Leopold (1396) unterstanden sie nicht mehr der ordentlichen Gerichtsbarkeit, sondern dem Adelsgericht und erhielten Jagd- und Fischereirecht auf ihrem Besitz.

Die Rechte der Schildherren und deren Erben gingen im 15. Jahrhundert auf die Schildhöfe über.

Ab 1524 waren die Schildhöfe im Tiroler Landtag vertreten.

Im Steuerkataster von 1694 wurden bereits elf Schildhöfe aufgeführt.

Bei Prozessionen gehen heute die Schildhofbauern in Tracht und mit einem Schild, auf dem der Hofname steht, sowie mit einer Hellebarde um zu zeigen, dass die Schildhofbauern früher für ihren Herrn kämpfen mussten.


Die folgenden Schildhöfe sind noch (teilweise) erhalten, sie befinden sich in St. Martin bzw. in St. Leonhard:

Schildhöfe in St. Martin

  • Saltaus: erwähnt 1230.
  • Haupold: erwähnt 1317.
  • Weingarten-Granstein: erwähnt 1284.
  • Kalm: erwähnt 1288; Turm und Reste einer Ringmauer erhalten.
  • Pseirer: erwähnt 1288, viereckiger Turm und Reste einer Ringmauer erhalten.
  • Baumkirch: Fresko des Hl. Christopherus aus dem 15. Jh.
  • Gereut: erwähnt 1288.
  • Steinhaus: erwähnt 1285; Erker, Spitzbogen- und Eselrückentüren aus dem 15. Jh.

Schildhöfe in St. Leonhard

Alle im 14. Jahrhundert erwähnt, bis auf Gomion ohne bauliche Besonderheiten.

  • Ebion
  • Buchenegg
  • Happerg
  • Gomion: ehemals Besitz von Albert von Gomion, natürlicher Sohn von Meinhard II.; im Keller älterer Baubestand, Eingangstor mit Spitzbogen und Wappenstein.

Sonderfälle

Als Sonderfall gilt der Gadenackerhof, welcher aus dem Buchenegghof herausgebrochen wurde. Früher waren beide Höfe in einem Besitzer vereinigt. Beide Höfe hatten aber separate Häuser und Ställe. Als im Jahr 1779 Johann Hafner, Besitzer des Buchenegg- und Gadenackerhofes starb, teilten seine Söhne den Hof unter sich auf, sodass Mathias Hafner den Buchenegghof und Josef Hafner den Gadenackerhof bekam. Der Gadenackerhof gilt deshalb als Sonderfall, weil er als Schildhof gedeutet wurde, obwohl er keiner ist. Das kam daher, weil er aus dem Schildhof Buchenegg herausgebrochen wurde. Wenn die Schildhofbauern bei den oben erwähnten Prozessionen mitgehen, gibt es sogar einen Schild mit der Aufschrift "Gadenacker", den der Gadenackerbauer zusammen mit der Hellebarde mit sich trägt.

Literatur

  •  Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols Bd. 2. 7. Auflage. Athesia, Bozen 1991, ISBN 88-7014-642-1.
  •  Heinz Moser: Die Schildhöfe im Passeier. 1. Auflage. Athesia, Bozen 1988, ISBN 88-7014-493-3.
  •  Werner Graf: Häuser- und Höfegeschichte in St. Leonhard in Passeier 1775–1913. Papier Profi St. Leonhard, St. Leonhard in Passeier 1993.

Weblinks