Schlacht auf dem Amselfeld (1389)

Schlacht auf dem Amselfeld
Teil von: Türkenkriege
Schlacht auf dem Amselfeld, patriotisches Historiengemälde des serbischen Malers Adam Stefanović (1870)
Schlacht auf dem Amselfeld, patriotisches Historiengemälde des serbischen Malers Adam Stefanović (1870)
Datum 15. Juni 1389
Ort bei Priština
Ausgang Sieg der Osmanen. Beide Seiten verloren ihren Staatsführer.
Konfliktparteien
verschiedene christliche Fürstentümer Osmanisches Reich
Befehlshaber
Fürst Lazar Hrebeljanović †, Vuk Branković, Vlatko Vuković Sultan Murad I. †, Bayezid I., Yakub
Truppenstärke
15.000-25.000 Mann 30.000-40.000 Mann
Verluste
unbekannt unbekannt

Die Schlacht auf dem Amselfeld fand am 15. Juni 1389[1] auf dem Amselfeld im Kosovo statt. Auf der einen Seite kämpften die Truppen der serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović und Vuk Branković sowie eine bosnische Armee unter dem Heerführer Vlatko Vuković, der vom wichtigsten Verbündeten Lazars, dem bosnischen König Tvrtko I., entsandt war, auf der anderen das Heer der Osmanen unter Murad I. und dessen Söhnen Bayezid I. und Yakub.[2] Die christliche Koalition stand unter der Führung des Fürsten Lazar.

Zur Schlacht haben sich im Lauf der Zeit zahlreiche Sagen und Legenden gebildet. Sie ist mit dem Kosovo-Zyklus Teil der serbischen epischen Gedichte.

Als Erinnerung an den Tag der Schlacht dient der Vidovdan, der am 15. Junijul./ 28. Junigreg.Vorlage:JULGREGDATUMVorlage:JULGREGDATUM in Serbien gefeiert wird. Fürst Lazar, dessen Gebeine sich heute wieder in seinem Mausoleum, dem Kloster Ravanica, befinden, ist einer der wichtigsten Heiligen der serbisch-orthodoxen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach der Schlacht an der Mariza 1371 im heutigen griechisch-türkischen Grenzgebiet zwischen einer serbischen Streitmacht unter König Vukašin Mrnjavčević und Despot Jovan Uglješa und dem osmanischen Heer unter dem Beylerbey Lala Şahin Paşa zerfiel das serbische Großreich, das unter Stefan Uroš IV. Dušan die Vormachtstellung in Südosteuropa errungen hatte. Aus der Erbmasse entstanden einzelne kleinere serbische Fürstentümer, die von den Lazarevići, Brankovići, Mrnjavčevići und Balsići regiert wurden. Mehrere osmanische Feldzüge führten nachfolgend über Bulgarien in die serbischen und bosnischen Fürstentümer, wodurch die Osmanen ihr Einflussgebiet sukzessive auch auf die altserbischen Länder auszuweiten vermochten. Die osmanische Expansion erlitt mehrere Rückschläge (1381 Niederlage gegen die Serben bei Paraćin, 1388 Niederlage gegen die Bosnier in der Schlacht bei Bileća), doch ging Niš 1386 an die Osmanen verloren.

Nach der Abwehr der osmanischen Eroberungszüge 1387 rechnete der mächtigste serbische Teilherrscher, Fürst Lazar von Morava-Serbien, nicht so schnell mit einem neuen Feldzug der Osmanen, da diese zur selben Zeit Krieg mit Ungarn führten. Sowohl Lazar als auch der bosnische König Tvrtko I. unterstützten im ungarischen Thronstreit die Gegenpartei Sigismunds von Luxemburg. Den innenpolitischen Konflikt in Ungarn ausnutzend, fiel Lazar in Syrmien ein, besiegte die dortigen ungarischen Truppen und besetzte einige Ortschaften. Überrascht von der Nachricht eines bevorstehenden osmanischen Aufmarsches, zog sich Lazar aus Syrmien wieder zurück, bot König Sigismund von Luxemburg einen Waffenstillstand an, versöhnte sich mit diesem und richtete ein Hilfsgesuch an Ungarn, um eine Koalition gegen die Osmanen zu bilden. Diesem Gesuch folgten jedoch lediglich der bosnische König Tvrtko I., der den Woiwoden Vlatko Vuković Kosača entsandte, und Vuk Branković, der im Gebiet des heutigen Kosovos und in Skopje herrschte. Nach einer sorgfältigen Vorbereitung wurde das Amselfeld 1389 als Austragungsort der Schlacht gewählt.

Einigen Historikern zufolge kämpften an der Seite der Serben auch Ivan Paližna (bzw. Ivan Horvat; ein Verbündeter Lazars im Streit mit Sigismund) mit seinen Ordensrittern, Prior des Johanniterordens in Kroatien, genannt Ivanovci, der in einigen Quellen als Banus von Kroatien genannt wird.[3] Es sollen sich ebenso Hilfskontigente aus Bulgarien eingefunden haben, sowie die der albanischen Fürsten Theodor Muzaka II. und Pal Kastrioti.[4] Sowohl Ivan Paližna als auch die Fürsten Theodor Muzaka II. und Pal Kastrioti sollen in der Schlacht gefallen sein.

Kräfteverhältnisse

Zahlen über die bewaffneten Kräfte der Kontrahenten sind nicht überliefert. „Alle abendländischen und türkischen Quellen berichten über die zahlenmäßige Überlegenheit des christlichen Heeres – mit einer Ausnahme: Runciman, Verfasser eines Standardwerkes über die Kreuzzüge, spricht von einer ,großen zahlenmäßigen Überlegenheit der Türken‘ auf dem Amselfeld.[5] Etwa 40.000 Mann, von denen ein Großteil aus Anatolien kam, soll seine Stärke diesen Darstellungen zufolge betragen haben. Zu diesen Truppen sollen sich auch serbische Fürsten aus Mazedonien gesellt haben, wie zum Beispiel Konstantin Dejanović.

Im christlichen Lager sollen hingegen unter Fürst Lazar lediglich rund 25.000 Mann versammelt gewesen sein, von denen rund 18.000 Mann von Fürst Lazar selbst, die übrigen Männer vom bosnischen Feldherrn Vlatko Vukotić und vom Fürsten Vuk Branković gestellt worden sein sollen. Sollten diese Zahlen stimmen, so hätte es sich tatsächlich um eine für die damalige Zeit beachtliche Heeresstärke gehandelt. Zum Vergleich: 1415 in der Schlacht von Azincourt im Hundertjährigen Krieg kämpften etwa 20.000 Franzosen gegen 6.000 Engländer.

Schlachtverlauf

Die Schlachtaufstellung, Gazimestan

Detaillierte Berichte zur Schlacht gibt es nicht, weswegen auch die nachfolgenden Ausführungen nur eine mehr oder minder wahrscheinliche Rekonstruktion des tatsächlichen Schlachtverlaufs darstellen. Insbesondere die serbische nationale Geschichtsschreibung wartet diesbezüglich mit zahlreichen Details auf, die jedoch allesamt historisch nicht zu belegen sind. Gesichert ist lediglich, dass Fürst Lazar die Streitkräfte im Zentrum anführte, der Fürst Vuk Branković die Streitkräfte des rechten Flügels und der bosnische Feldherr Vlatko Vukotić die Streitkräfte des linken Flügels.

Wahrscheinliche Truppenaufstellung zu Beginn der Schlacht, rot: serbisches Heer, grün: türkisches Heer

Auf türkischer Seite führte Sultan Murad I. das Zentrum, sein älterer Sohn und Thronfolger Bajezid I. den rechten und der jüngere Sohn Jakub den linken Flügel. Der Grieche Evremos Beg war auf Gegenspionage und Abwehr christlicher Strategien spezialisiert. Ein gewisser Haidar war Kommandant der osmanischen Artillerie, die damals schon benutzt wurde. Es wurden schwere Salven auf die christlichen Ritter geschossen, die bis dato noch keinem Artilleriebeschuss ausgesetzt waren. Auch das serbische Heer hatte Kanonen. Die ersten Kanonen waren importiert und erstmals 1373 eingesetzt worden, 1385 wurden in Serbien die ersten eigenen Kanonen gegossen. Entgegen späterer Volksüberlieferungen und Legenden, die Erklärungen für das eigene Schicksal suchten, war das serbische Heer gut vorbereitet.

Die osmanischen Kanonen sollen die Schlacht eröffnet haben.[6] Sie sollen Stein- und Eisenkugeln in die näher kommenden Linien der christlichen Reiterei geschossen haben. Es bedurfte eines Volltreffers, um einen Reiter samt Pferd aufzuhalten, daher war die Artillerie am Amselfeld nicht besonders wirkungsvoll, abgesehen von der psychologischen Wirkung. Dem Artillerieeinsatz folgte ein Pfeilregen der Bogenschützen. Der Beschuss hatte nur schwache Wirkung, er hatte lediglich die Pferde verstört. Die schwer gepanzerten Reiter ritten in schwerfälligem Galopp auf die Bogenschützen zu, diese suchten auszuweichen und davonzuspringen. In der Zwischenzeit war die osmanische Reiterei hervorgebrochen. Sie suchte die hinter der christlichen Reiterei gehenden Fußsoldaten zu erfassen. Der rechte Flügel unter Vuk Branković brachte dem Vernehmen bzw. den Berichten des osmanischen Thronfolgers Bajezid nach den linken osmanischen Flügel unter Jakub in schwerste Bedrängnis, auch im Zentrum schlugen die christlichen Ritter breite Bahnen in die osmanischen Reihen. Erst der Einsatz des rechten osmanischen Flügels unter Bajezid konnte eine sich anbahnende Niederlage der Osmanen abwenden. Weiter ist der Verlauf der Schlacht nicht bekannt.

Folgen

Fürstin Milica, nach 1389 Herrscherin über Morava-Serbien. Kloster Ljubostinja, frühes 15 Jh.

Unmittelbare Wirkung

Zwar wird die Schlacht auf dem Amselfeld heute allgemein als Sieg der Osmanen betrachtet, aus rein militärischer Sicht muss diese jedoch eher als unentschieden gewertet werden. Da beide Anführer der Truppen gefallen waren und beide Verbände sich vom Schlachtfeld zurückzogen sowie die Osmanen die zwei nicht mit dem Osmanischen Reich verbündeten wichtigsten serbischen Fürstentümer, das Fürstentum der Lazarevići in Morava-Serbien und das Fürstentum der Brankovići im Kosovo und Mazedonien, nicht besetzten, galt die Schlacht unter den christlichen Chronisten des Mittelalters als Sieg der Christenheit. Daher werden die unmittelbaren Folgen der Schlacht als gering veranschlagt.[7] Wesentlich für die osmanischen Siege in den Schlachten des ausgehenden 14 Jh. war jedenfalls deren „straff geleitete ... Armee“, der die „zusammengewürfelten gegnerischen Einheiten“ in den meisten entscheidenden Schlachten nicht gewachsen waren.[8]

Politik

Die häufigen Darstellungen heiliger Krieger zur Zeit Stefan Lazarevićs (hier Resava um 1420) zeugt von der kriegerischen Phase seiner Regierungszeit.

Die Staatsidee Zar Dušans, des Basileus der Griechen und Zaren der Serben, zu einem balkanischen Großreich durch Zusammenfügung griechischer und serbischer Herrschaft, kam nach der Niederlage an der Maritza 1371 zu einem Ende und führte nach der Amselfeldschlacht zwangsläufig zur Konsolidierung des serbischen Territoriums und der Herausbildung eines stärkeren serbischen Nationalbewusstseins und kultureller sowie ethnischer Homogenisierung. Die zwischen Dušans Tod 1355 und der Schlacht an der Mariza 1371 auf dem alten Reichsgebiet fortgesetzte Herausbildung kleinerer, heterogener feudaler Herrschaftsgebiete unter Führung einer serbischen Aristokratie wurde durch die osmanischen Eroberungen und die Herausbildung eines Gegenpols im aufstrebenden Fürstentum Lazars beendet. Nun kam es zu einer Zusammenfassung der serbischen Länder im Despotat Stefan Lazarevićs und Durad Brankovićs.[9]

Zwischen den zwei regionalen Großmächten Ungarn und dem Osmanischen Reich eingezwängt war das kleine Morava-Serbien durch Besitzungen der Brankovići vom osmanischen Reich getrennt, blieb jedoch ungarischen Aspirationen ausgesetzt. So wurde durch die strategische Verschiebung des serbischen Staates von Süden nach Norden die Witwe Lazars, Fürstin Milica Hrebeljanović Vasallin des osmanischen Reichs, mit deren Unterstützung sie 1390 zur Absicherung der Nordgrenze in ungarische Gebiete eingefallen war.[10] Das tributpflichtige Fürstentum der Lazarervići stellte in den nachfolgenden Kämpfen Truppen gegen die christlichen und mongolischen Opponenten der Osmanen. So kämpfte die serbische Panzerreiterei unter Stefan Lazarević an der Seite Bayezids in einigen bedeutenden Schlachten (Schlacht von Rovine, Schlacht von Nikopolis, Schlacht bei Ankara). Seine Schwester Olivera Despina wurde außerdem mit Bayezid vermählt. Stefan und Bayezid hielten auch dadurch bedingt zeitlebens ein korrektes Verhältnis aufrecht. Weder bauten die Osmanen in Stefans Herrschaftsgebiet Stützpunkte, noch beteiligten sich osmanische Truppen zwischen 1389 und 1402 an Übergriffen auf sein Reichsgebiet.

Vuk Branković als direkter Nachbar der Osmanen bewahrte sich demgegenüber bis zuletzt in scharfer Opposition zum osmanischen Herrschaftsanspruch seine Unabhängigkeit. So beteiligte sich Vuk weder an den osmanischen Eroberungszügen in Bosnien noch an der Schlacht von Rovine. Skopje musste er 1392 allerdings den Osmanen übergeben und 1396 wurde er endgültig von Bayezid besiegt.

Im September 1396 mussten sich die Osmanen einem Kreuzfahrerheer unter dem ungarischen König und späteren Kaiser Sigismund stellen. Die Osmanische Armee schlug in der Schlacht von Nikopolis das Kreuzfahrer-Heer (mehrheitlich bestehend aus ungarischen und französisch-burgundischen Kreuzfahrern). Die Schlacht wird manchmal als 'der letzte Kreuzzug' bezeichnet. Diese Schlacht stärkte die Position der Osmanen wieder.

Wirtschaft

Novo Brdo, die ehemals größte Stadt Serbiens und Kulturmetropole am Amselfeld: Befestigungen aus dem 14 Jh.

Schon zu Lazars Regierungszeit hatte Morava-Serbien allmählich die ökonomische Führungsrolle der serbischen Länder übernommen. Damit wurde die vorhergehende Ausrichtung einer territorialen Ausweitung des serbischen Kaiserreiches Richtung Byzanz, die unter Stefan Uroš IV. Dušan in einer Ausdehnung bis in die Ägäis gipfelte, beendet. Stattdessen kam es nun zu einer positiven demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung Morava-Serbiens und einer Festigung seiner Nordgrenze zu Ungarn. In dieser Entwicklung lag der Grundstein des modernen serbischen Staates, dessen Zentrum sich mit der osmanischen Eroberung des Balkans ins südöstliche Mitteleuropa an die Donau verlagerte.[11] Der wirtschaftliche Aufschwung Morava-Serbiens wurde durch die Silber- und Goldminen begünstigt. Novo Brdo und Srebrenica stiegen zu den reichsten Städten im Fürstentum und späteren Despotat Stefan Lazarevićs auf.[12]

Kultur

Die Amselfeldschlacht stellt in der serbischen Kulturentwicklung eine bedeutende Zäsur, die nach Jahren des Niedergangs des Nemanjiden-Erbes zu kultureller Renaissance sowie künstlerischer Emanzipation führte. In der Architektur trennte sich mit der Morava-Schule die serbische Kunst von strikten gotischen und byzantinischen Vorbildern und in einer internationalen spätbyzantinischen Stilform teils mit Übernahme orientalischer Motive in Serbien, Bosnien, der Walachei und der Moldau bis ins 17 Jh. nachwirkte.

Durch einen regen Austausch und eine oftmals erzwungene Migration gebildeter Bevölkerungsschichten im Balkanraum des ausgehenden 14 Jh. verbreiten sich Wissenschaften und Literatur. Die spätbyzantinische Literatur erlebte insbesondere in Morava-Serbien mit der Resava-Schreibschule einen letzten Höhepunkt (insbesondere Konstantin Kostenecki). Nach der Amselfeldschlacht kam es so zu einer letzten kulturellen Blüte vor der osmanischen Besetzung. Sie prägte die höfische Kultur der Lazarevići und Brankovići in der Nachfolge der Nemanjiden.

Quellen

Unmittelbar nach den Ereignissen sowie in den nachfolgenden Jahrzehnten wird die Schlacht auf dem Amselfeld in zahlreichen Quellen behandelt, darunter dem Koporinski letopis, den Aufzeichnungen des Mönchs Ignatije, der Vita Stefan Lazarevićs von Konstantin Philosoph, dem Slovo kneza Lazara, einer der vier Aufzeichnungen Patriarch Danilos III. (Danilo Banjski, 1390–1400), dem Bericht Jörgs von Nürnberg und bei Marvo Orbini.[13] Dabei herrschte über den Ausgang der Schlacht selbst unter Zeitgenossen Unklarheit. Der Franzose Mézières, ein russischer Mönch namens Ignatij, die annales ragusini anonymi aus Dubrovnik und Berichte des Königs Tvrtko I. an Florenz und Trogir bejubeln einen Sieg des Christentums.[13] In Paris wurden die Kirchenglocken von Notre Dame als Zeichen des Siegs der Christenheit geläutet.

In den erhaltenen serbischen Aufzeichnungen aus dem ersten Jahrzehnt nach der Schlacht wurde insbesondere in kirchlichen Schriften das Ereignis durch einen Sieg des Martyriums und Triumphs eines himmlischen Königreiches über das irdische Königreich interpretiert (so bei Danilo III. im Slovo Kneza Lazara). Die Symbolik der kirchlichen Texte zu Lazars Martyrium folgt im Ton den frühen liturgischen Texten zu christlichen Märtyrern. Im Slovo kneza Lazara wurde dieses religiöse Moment besonders betont: Der Heroismus im Martyrium stellt ein Zeugnis des Glaubens und der Wiedergeburt Christi dar und markiert den Triumph Lazars, der mit seinem Opfer ein ewiges himmlisches Reich gewonnen hat.

Neben den Aufzeichnungen Danilo Banjskogs haben sich auch weitere serbische Chroniken erhalten, etwa zehn an der Zahl. Darunter unter anderem der eminente Text der ehemaligen Despotin und Nonne Jefimija. Ihre lyrische Lobpreisung des Fürsten Lazar macht diesen zu einem christusgleichen Erlöser:

„Um die Unsicherheit irdischer Herrschaft abzulegen/um dein Blut zu vergießen/und dich den Kriegern des himmlischen Königs anzuschließen/erreichtest du zwei Ziele:/Du tötetest das Ungeheuer/und erlangtest das Märtyrergewand von Gott.“

Jefimija, Serbische Nonne[14]

Der als eigentlicher Epitaph abgefasste Text auf der Kosovo-Säule Stefan Lazarević, Sohn Lazars und Despot des serbischen Reiches, der sich bis ins späte 15. Jahrhundert erhalten hatte, feierte den großen Fürsten in einer feierlichen rhetorischen Erzählung als „Wunder der Erde“ und „Herren der Serben“ und beschrieb durch drastische und heroische Intonation das Ereignis der Schlacht:[15]

„Wanderer, du, der du über das serbische Land gehst, egal woher du kommst, fremder oder einheimischer, betritst du dieses Feld, das sich Amselfeld nennt, dann wirst du auf diesem die Gebeine der Toten erblicken und auch eine steinerne, kreuzartige Säule vorfinden, die sich geschmückt inmitten des Feldes erhebt.“

Stefan Lazarević, Serbischer Despot[16]

Eine historisch präzisere Darstellung findet sich in den zwölf oder 13 Jahre nach dem Waffengang geschriebenen Aufzeichnungen des Mönchs Ignatije, der den Moskauer Metropoliten Pimen nach Konstantinopel begleitete und erstmals auch denjenigen nannte, der Murat getötet hatte. Zur Schlacht vermerkt er Folgendes:[13]

„Es war vor unserer Reise, dass der Zar Amurat mit seinem Heer gegen den serbischen Zaren Lazar zog, und so vernahm man, dass beide in der Schlacht gefallen sind. Zuerst ward Amurat durch Verrat eines Vertrauten Lazars, mit Namen Miloš, getötet, und just in dieser Stunde erkoren die Türken Bayazit zum Zaren, den Sohn Amurats; und wieder erstarkten die Türken und nahmen mit ihren Händen den serbischen Zaren Lazar und seine Fürsten und seine Vojvoden, seine Ritter und seine Diener und sein ganzes Heer gefangen; die einen brachten sie um, die anderen nahmen sie in Gefangenschaft. Dann erschlug der türkische Zar den serbischen Zaren Lazar mit seinem Schwert.“

Ignatije, Russischer Mönch

Auf die Zusammenstellung von Lazars Heer wurde insbesondere in türkischen Quellen eingegangen, die unter anderem von einer Beteiligung von Walachen, Bulgaren, Albanern, Deutschen und Tschechen berichten. Doch außer Tvrtko und Vuk Branković unterstützte keiner der mächtigeren benachbarten Fürsten und Könige Lazar. Dass Lazar aber um Beistand gebeten hatte, erschließt sich auch aus dem Slovo kneza Lazara:[13]

„Dann bat er (Lazar) Angehörige und Mächtige und Heerführer und Krieger, bedeutende und unbedeutende, sich ihm anzuschließen.“

Danilo III., Serbischer Metropolit

Der genaue Schlachtverlauf ist nicht überliefert, doch wurde zum Teil die Heftigkeit des Kampfes betont, etwa im Dubrovniker Letopis aus dem 15. Jahrhundert:[13]

„1389, 15. Juni, am Vidovdan, am Dienstag, fand die Schlacht zwischen den Serben und dem türkischen Zaren statt. Unter den Serben waren da: Lazar, der serbische König, Vuk Branković und Vlatko Vuković, Vojvoden. Und es gab zahlreiche Opfer, türkische und serbische, und nur wenige kehrten heim. Zar Murat wurde getötet und der serbische König. Die Schlacht gewannen nicht die Türken. Und auch nicht die Serben, da es viele Tote gab. Die Schlacht war auf dem Amselfeld.“

Dubrovniker Annalen, 15. Jahrhundert

Auf das Schicksal Murats nehmen viele Quellen Bezug und entwickeln sich bereits zu sagenhaften Darstellungen, die je nach Standpunkt unterschiedlich gefärbt sind. Bei Jörg von Nürnberg, der 1460 Gefangener der Osmanen in Konstantinopel war und später in die Dienste des Papstes trat, kam Murat durch eine List ums Leben:[13]

„So hatte der Despot Lazar zwei Onkel die ständig im Streit miteinander lagen. Als er mit den Türken zu kämpfen hatte, wetteiferten die beiden, wer morgen der Beste in der Schlacht sein würde. Während der Nacht überbrachte einer der Onkel dem Türken die Nachricht, dass er ihm in der Früh mit seinen Truppen zuhilfe kommen werde. Darüber war der Türke hoch erfreut, und am Morgen, als er angekommen war und ihm die Füße küssen sollte, da zog er sein Schwert und erstach den Türken.“

Jörg von Nürnberg

Die erste türkische Quelle zum Amselfeld wurde 1512 von Mehmed Nesri, dem Dichter Sultan Selims verfasst. Darin wird der Märtyrertod Sultan Murads betont und Bezug auf Miloš Obelić genommen, was auf den direkten Einfluss der serbischen Volksdichtung, die um diese Zeit schon auf der Balkanhalbinsel verbreitet war, zurückgeführt wird. So sind die sagenhaften Züge von Murads Tod, der hier erst nach dem Sieg über die Serben und nicht während der Schlacht erfolgt, weiter ausgearbeitet:[17][18]

„Märtyrertod des Khodawendkiar Ghäzi Muräd Khan — Gott der Erhabene erbarme sich seiner! Als das Heer der Ungläubigen geschlagen und eine unzählige Menge derselben über die Klinge gesprungen war, ... strebte Muräd Khan Ghäzi danach, auf der Walstatt den Märtyrertod zu erleiden. ... indem er mit einigen seiner vertrauten Diener diese selshügel Getöteter besichtigte, befand sich unter ihnen ein Ungläubiger namens Milos Obelic, ein beherzter und mutiger Verfluchter. ... Als Muräd Khan Ghäzi zu diesem Ungläubigen kam, stand dieser auf, halb fallend, halb sich erhebend, und ging auf den Khonkiär los. ... aber Muräd Ghäzi ließ ihn seinem Wunsche gemäß heran ... er kam heran, und indem er sich stellte, als wollte er den Steigbügel des Khonkiär küssen, stach er auf den Khonkiär los. ... Jenen Ungläubigen zerhieb man an dieser Stelle; schnell holte man ein Zelt herbei, um den Sultan darunter zu bringen, seinen Sohn Bäjazit brachte man zur Fahne des Glaubens, den Prinzen Jakub Celebi führte man unter dem Vorwande: „Komm, Dein Vater verlangt Dich!" in das Zelt und erwürgte ihn da. Zufälligerweise war der Fürst Lazar mit seinem Sohne gefangen genommen worden; man schleppte sie herbei und tötete beide, in jener Nacht gab es unter dem islamischen Heere große Verwirrung und Aufregung, am anderen Morgen setzten sie den Sultan Bäjazit auf den Thron. – Das Datum aller dieser Ereignisse ist das Jahr 791 der Hidschra.“

Mehmed Nesri, Dichter

Der Ausgang der Schlacht ist gar nicht klar, die ältesten Quellen berichten nichts von einer tragischen Niederlage der Serben. Laut Sima Ćirković gebe es in Wirklichkeit so wenig Primärquellen, dass er sogar zweifelt, ob die Schlacht überhaupt stattgefunden hat.[19][20]

Nationalmythos der Serben

Gazimestan, Denkmal der Amselfeldschlacht

Die Schlacht auf dem Amselfeld ist dasjenige historische Ereignis, das im Lauf der serbischen Geschichte am meisten verklärt worden ist. Im religiösen und nationalen serbischen Selbstverständnis ist das Amselfeld damit der schicksalhafte Ort der serbischen Geschichte, dessen Singularität Vasko Popa beispielhaft in dem Gedicht Kosovo polje zusammenfasst: Ein Feld wie kein zweites, Himmel darüber, Himmel darunter.[21] Im Werk des Dichters Matija Bečković findet sich die Sichtweise des serbischen Schicksalsortes in ihrer exemplarischen mythologisch-religiösen Bedeutung: Kosovo ist der Äquator des serbischen Planeten, das Dach seiner unterirdischen und die Basis seiner oberirdischen Welt. Hier wurde das Gedächtnis des serbischen Volkes auf die Zeit vor und nach dem Kosovo gestellt. Kosovo ist die große Flut der serbischen Geschichte, das serbische Neue Testament.[22] Fürst Lazar, als Führer der christlichen Koalition, wird schon unmittelbar nach der Schlacht die Aureole des Märtyrers zugesprochen. Er nimmt durch die Heiligsprechung, die literarische Behandlung und den Kult des Amselfeldmythos bis heute eine exponierte Stellung im serbischen Nationalbewusstsein ein.

Dieses Syntagma, das den Kosovo zum teuersten serbischen Wort (Kosovo najskuplja srpska reč, Matija Bečković 1989) erklärt, wurde in serbischen Medien und der serbischen Bevölkerung ab Ende der 1980er Jahre zu einem geflügeltem Wort und untermalt markant die Periode nationaler Selbstfindung und nationalistischer Exzesse im Jugoslawien der späten 1980er- und gesamten 1990er-Jahre. Es fungierte somit als eine Kurzfassung des nationalserbischen politischen Aufbruchs im zerfallenden Jugoslawien.[23][24][25]

Der Kosovo-Zyklus in der serbischen epischen Dichtung

Herkunft und literarische Einflüsse

In der serbischen epischen Dichtung sind die Gesänge des Kosovozyklus seit dem späten 15. Jahrhundert bekannt. Die serbische epische Dichtung wurde oral tradiert und wird bis heute von einem Sänger, dem Guslar, der zumeist die Spießgeige Gusle als Begleitinstrument nutzt, vorgetragen.

Strukturell sind diese Gesänge aus der mittelalterlichen Dichtung in den feudalen Zentren an der Adriaküste, den bugarstice, hervorgegangen (14 oder 16 Silben in einer Verszeile).[26] Hier wurden die Heroen der Schlacht vom Amselfeld, nach dem Zusammenbruch des serbischen Reiches 1459, durch die Emigration zahlreicher serbischer Adliger an die Adriaküste und die Herzegowina literarisch von den ehemaligen serbischen Hofdichtern sowie der Tradition verhafteten Adligen als zentrale Gestalten in die epischen Gesänge aufgenommen, die bald zu einem Zyklus verschiedener Geschichten anwuchsen, die auch außerhalb des Amselfeldkontexts Themen fanden.

Vermutlich sind die serbischen epischen Gesänge durch die italienische Dichtung, insbesondere von Ariosto und Tasso, sowie von der Tradition der Trobadore und den kastilischen Romances (Romanceros, romances), die den Konflikt zwischen Islam und Christentum behandeln, in den feudalen Zentren Dalmatiens wie Ragusa, dem späteren Dubrovnik, beeinflusst worden. Die Schlacht selbst wird in den Gesängen nicht beschrieben, aber die Figuren und Handlungen kreisen um das große Ereignis der Schlacht.

Das Mädchen vom Amselfeld – einer der epischen Gesänge

Eine der bekanntesten Figuren aus den epischen Gesängen ist das Mädchen vom Amselfeld.[27] Es sucht nach der Schlacht nach Überlebenden und versorgt die Verwundeten mit Essen und Wein. Durch die Erzählung des tödlich verwundeten Helden Pavle Orlović erfährt es, was sich zugetragen hat. Das Mädchen vom Amselfeld ist in der serbischen Kultur seither Sinnbild von Güte und Hilfsbereitschaft:[28]

Frühe Rose, junges Mädchen vom Amselfeld
Frühe Rose am sonntäglichen Morgen
Rose vor der strahlenden Morgensonne
Die weißen Ärmel ihrer Robe hat sie zurückgeworfen
Hat sie hinter ihre weichen, weißen Ellenbogen geworfen
Trägt auf ihren Schultern weißes Brot
Trägt zwei leuchtende Krüge
Mit frischem Wasser hat sie den einen gefüllt
und den anderen mit gutem dunklen Wein
Dann sucht sie die weite Niederung des Amselfeldes
Sucht den Platz, wo Zar Lazar stand
Wandert zwischen verblutenden Helden
Als sie einen lebenden darunter entdeckt
Gibt sie ihm kühlendes Wasser
Gibt ihm, wie das Sakrament, den roten Wein
Und bietet dem Helden das gute, weiße Brot

Serbische Kulte um den Veitstag und die Amselfeldschlacht

Eine Byzantinische Pfingstrose (Paeonia peregrina) am Fuße des Denkmals am Gazimestan
Nadežda Petrović, Rote Pfingstrosen (serb. Kosovski božuri)

In Erinnerung an die Gefallenen der Amselfeldschlacht entstanden zahlreiche Rituale und Symbole: der kultische Totentanz Vidovdanka, die Pfingstrose, die aus dem Blut der Gefallenen entsprossen sein soll, oder das am Gedenktag sprudelnde heilige Wasser Vidovica.[29]

Nach dem Volksglauben entwickelten sich beispielhaft die Amselfelder Pfingstrosen aus vergossenem Blut der Amselfelder Helden; die roten aus serbischem und die blauen aus türkischem.[30] So entstand auch der Brauch, dass der Hausherr auf dem Amselfeld am Vorabend des Vidovdan jedem Menschen, der zur Vidovdanka aufbrach, einen Strauch Päonienblüten mitgab. Generell verbanden sich im serbischen Volksbrauchtum parallele Entwicklungen im Kult um den Veitstag (der heidnische Kult des Svantovit wurde hier mit Christlichem vermischt) und den Hl. Veit sowie den Amselfeldmythos.[31] Dabei haben sich im Sankt-Veits-Kult die ursprünglichen Vegetationsrituale des Veitstages erhalten und mit der Amselfeldschlacht verbunden.

Die Amselfeld-Pfingstrose wird in den serbischen Volksliedern oft mit mythischem Bezug besungen. Das Päonien-Motiv ist hier ein Symbol der Wiedergeburt und Fruchtbarkeit und hat auch eine sexuelle Konnotation. Das bekannteste Beispiel eines solchen serbischen Voksliedes aus dem Kosovo ist Kosovski božuri (dt. Amselfeld-Päonien, auch Usnila je dubok sanak), das beispielsweise von der Volkssängerin Jelena Tomašević eingespielt worden ist.[32]

Kosovski božuri (Usnila je dubok sanak) Amselfeld-Päonien (Es träumt einen tiefen Traum)

Usnila je dubok sanak
sa Kosova Rada,
pa se svome milom, dragom
u naručju jada.

Refrain
Hej, dragi, dragi
božurove sadi
ja ću vodu, a ti koren
nek izniknu mladi

Vidiš, dragi, sirom polja
božurova nema
samo kamen, ljuto trnje
pod oblakom drema

Refrain

Da procveta ravno polje
oko manastira
i da pastir ispod brda.
u frulu zasvira

Es träumt einen tiefen Traum/
Rada vom Amselfeld/
in dem sie ihren Liebsten, Teuersten/
im Leid umarmt/
/
Refrain /
Hey Liebster, Liebster/
pflanze Päonien/
ich bringe Wasser, du die Wurzel/
denn kommen sollen junge/
/
Siehst du Liebster, auf dem ganzen Feld/
nicht eine Päonie/
nur Fels und böse Dornen/
die unter Wolken dösen/
/
Refrain/
/
Damit das ebene Feld/
ums Kloster erblüht/
und der Hirt am Berg/
die Flaute spielt/

Von serbischen Lyrikern ist das Blut-Emblem der Pfingstrose zahlreich behandelt worden, darunter Milan Rakič (Božur),[33], Vasko Popa (Kosovo polje);[34], Vuk Drašković (Kosovo),[35] Dragoljub Filipović (Kosovski božuri, Pesme 1917).[36] In der bildenden Kunst hat die Expressionistin Nadežda Petrović das Thema in ihrem bekannten Gemälde Rote Pfingstrosen behandelt.

Bis heute ist die Pfingstrose eine Metapher für das Opfer der serbischen Krieger auf dem Amselfeld, aber auch ein wesentlicher Bestandteil nationalistischer Parolen und daher selbst in modernen und aktuellen Bezügen eine stark emotionalisierende Vokabel.[37][38][39] Die Byzantinische Pfingstrose (Paeonia peregrina Mill.) trägt aus den gesagten Gründen sowie ihrer in Serbien hauptsächlich auf den Kosovo beschränkten Verbreitung wegen im Serbischen bezeichnenderweise auch den Trivialnamen Kosovski božur (kyrill: Косовски божур). Božur ist zudem im Serbischen ein männlicher Vorname.[40]

Serbische und osmanische Erinnerungsbauten

Das Meşhed-i Hüdavendigar
Karyatiden des Vidovdanski hram von Ivan Mestrovic

Sowohl die Serben als auch die Türken haben die Stelle der Schlacht durch Erinnerungsbauten geehrt. Im Meşhed-i Hüdavendigar wird ein Teil der sterblichen Überreste Murats aufbewahrt. Stefan Lazarević ließ auf dem Kosovo Polje ein Marmorkreuz mit einer Inschrift anbringen.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Bau einer Kathedrale, dem Vidovdanski hram, durch Aleksandar Obrenović in Auftrag gegeben.[41] Der Hofbildhauer Ivan Meštrović entwarf 1905 dazu eine monumentale Basilika mit zahlreichen Plastiken der Heroen aus dem Amselfeldmythos. Zwar wurde das Projekt durch die Ermordung Aleksandar Obrenovićs nicht über das Entwurfsstadium hinaus fortgeführt, jedoch konnte Meštrović einen Großteil der überlebensgroßen Plastiken anfertigen, darunter die Karyatiden, die Marmorskulptur des Miloš Obilić (heute im Serbischen Nationalmuseum), die Bronze Miloš Obilićs im königlichem Schloss auf dem Dedinje,[42] Banović Strahinje (heute in der Tate Gallery) sowie die Marmor-Skulpturen Srđa Zlopogleđa und Male udovice und die Bronzeskulptur Kraljević Marko.[43][44]

Die Skulpturen des Vidovdanski hram wurden erstmals 1908 in Paris, der damals fertige Zyklus 1910 auf der Wiener Sezessions-Ausstellung, das Holzmodell der Kathedrale 1911 auf der Weltausstellung in Turin im serbischen Pavillon zusammen mit den Skulpturen ausgestellt, wo seine Arbeit mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde, was Meštrovićs Weltruhm als Bildhauer begründete. Bis 1968 befand sich das Modell anschließend in New York, danach kam es nach Kruševac, wo es heute im Museum der Stadt ausgestellt ist.[45]

Im sozialistischen Jugoslawien wurde 1953 durch Aleksandar Deroko anstelle der Kathedrale ein Denkmalkomplex errichtet, in dessen Zentrum ein Turm in Form eines mittelalterlichen Donjons stand. Das Gazimestan genannte Ensemble hatte unter den Kommunisten nur geringe Bedeutung, wurde aber durch die 600-Jahr-Feier der Schlacht 1989 zu einem symbolträchtigen Ort.

Während des Kosovokriegs und der Verwaltung des Kosovos durch die UNMIK wurden Teile des Gazimestan-Denkmals 1999 und 2004 beschädigt. Insbesondere wurde die Treppe im Innern des Turmes zerstört. Die KFOR übergab 2010 die Bewachung des Denkmalkomplexes den kosovarischen Behörden und der einheimischen Polizei.

Politische Staatsakte

Als formeller Staatsakt wurde der Vidovdan in Serbien erstmals zur 550-Jahr-Feier 1939 begangen. Doch schon zur Krönung von König Peter I. 1904 wurden Szenen der Amselfeldschlacht nachgestellt und im Kult um Knez Lazar und Miloš Obilić mit der Zeremonie der Inauguration von König Peter verbunden.[46]

Der Vidovdan wurde während des Ersten Weltkrieges 1916 auch in den mit Serbien verbündeten Entente-Mächten Frankreich und Großbritannien im sogenannten Kosovo Celebration Day offiziell begangen.[47][48][49][50] Selbst in den USA wurde des Tages der Amselfeldschlacht 1918 unter dem damaligen amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson als Kossovo Day gedacht. Hierbei wurden die Amerikaner aufgerufen, in Kirchen für die Serben zu beten und am Weißen Haus auch die serbische Fahne gehisst.[51][52][53]

Der Auftritt von Slobodan Milošević zur 600-Jahr-Feier der Schlacht am 28. Juni 1989 in Gazimestan und seine dortige Amselfeld-Rede wird als erste bedeutende Demonstration der serbischen Nationalbewegung und des schwierigen Prozesses der serbischen Identitätsfindung im krisengeschüttelten Jugoslawien der 1980er-Jahre gesehen. Die Nationalitätenkonflikte im späten Jugoslawien, die mit der Abkehr von einer Identifizierung mit der jugoslawischen Gesellschaft und Ablehnung eines gemeinsamen Staates zu den Jugoslawienkriegen beitrugen, wurden insbesondere im Westen aus der Amselfeldrede herausgelesen.

Datum

Als Datum der Schlacht wird manchmal der 28. Juni angegeben. Dies liegt daran, dass ab 1900 der 15. Juni des Julianischen Kalenders auf den 28. Juni des heute international benutzten Gregorianischen Kalenders fällt. Da die serbisch-orthodoxe Kirche den gregorianischen Kalender nicht übernommen hat,[54] gilt in Serbien heute der 15. Junijul./ 28. Junigreg.Vorlage:JULGREGDATUMVorlage:JULGREGDATUM als Gedenktag. Zum Zeitpunkt der Schlacht gab es aber noch keinen Gregorianischen Kalender, daher war damals das Datum eindeutig.

Unter dem Einfluss der Romantik und des Panslawismus des 19. Jahrhunderts wurde der Vidovdan (deutsch: St.-Veits-Tag) als Feiertag des altslawischen Gottes Svantovit (deutsch: „der heilige Herrscher/Sieger“) interpretiert. Er soll der oberste Kriegsgott der alten Slawen gewesen sein. Die Serben sollen diesen Tag gewählt haben, um mit den Osmanen die Schlacht auf dem Amselfeld auszutragen. Die moderne serbische Geschichtswissenschaft vermutet hingegen, dass der Vidovdan ein Überbleibsel des im 12. Jahrhundert beinahe dominierenden römisch-katholischen Einflusses war oder dass deutsche Siedler und Bergleute, die im 13. Jahrhundert nach Serbien kamen, den Feiertag mitbrachten und dieser dann auch von den orthodoxen Serben übernommen wurde.

Heute ist der 28. Juni in Serbien Gedenk- und Feiertag.

Literatur

Spezielle Darstellungen:

  • Slavenko Terzić (Hrsg.): Kosovska bitka u istoiografiji. Zbornik radova Istorijskog instituta XI, Belgrad 1990.

Allgemeine Darstellungen:

Weblinks

Siehe auch

Fußnoten

  1. Das Datum 15. Juni ist nach dem damaligen (Julianischen) Kalender. Nach unserem heutigen (Gregorianischen) Kalender, der damals noch nicht eingeführt worden war, wäre der Schlachttag der 23. Juni gewesen. Die Schlacht fand also zwei Tage nach Sommersonnenwende statt.
  2. Dušan Bataković, Kosovo chronicals, Belgrad 1992 Kosovo chronicals, The Age of Ascent
  3. Franjo Rački, Boj na Kosovu. Zagreb 1889; Mihailo Dinić, Kosovska bitka, Enciklopedija Jugoslavije, Belgrad 1962
  4.  Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 978-99956-11-68-2, Mbërritja e osmanëve.
  5. Ferenc Majoros und Bernd Rill: Das Osmanische Reich 1300–1922. Die Geschichte einer Großmacht. Marix Verlag GmbH, Wiesbaden 2004, S. 116.
  6. In den meisten Quellen ist nichts von einem osmanischen Artillerieeinsatz zu lesen. Solche Aussagen stützen sich im Allgemeinen auf eine nicht unumstrittene Passage in der Geschichte des Osmanischen Reiches von Hammer-Purgstall. Majoros/Rill: Das Osmanische Reich 1300–1922. S. 117.
  7. Klaus-Peter Matschke, Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege. Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich 2004, S. 74.
  8. Josef Matuz: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Primus Verlag, Darmstadt 1996, S. 38.
  9. Sima M. Ćirković, Moravska Srbija u istoriji srpskog naroda. In: Vojislav J. Durić (Hrsg.), Moravska skola i njeno doba. 101-109. Beogra.
  10. Ivan Bzic, Srpske Zemlje u doba Stefana Lazarevića. In: Vojislav J. Durić (Hrsg.) Moravska Skola i njeno doba. S. 113. Beograd, 1972
  11. Sima M. Ćirković, Moravska Srbija u istoriji srpskog naroda. In: Vojislav J. Durić (Hrsg.), Moravska skola i njeno doba. 101-109. Beogra.
  12. Mirjana Čorović-Ljubinković, Znacaj Novog Brda u Srbiji Lazarevića i Brankovića. In: Vojislav J. Durić, Moravska Skola i njeno doba. 123-142, Beograd, 1972.
  13. a b c d e f Projekt Rastko
  14. Jefimija: Lobpreisung des Fürsten Lazar
  15. Srednjevekovni srpski spisi o kosovu (Mittelalterliche serbische Schriften zum Kosovo) Stefan Lazarević – Ove reči su bile pisane na stubu mramornom na Kosovu
  16. Stefan Lazarević: Marmor-Säule am Amselfeld
  17. Thomas A. Emmert: The Battle of Kosovo: Early Reports of Victory and Defeat. In: Wayne S. Vucinich, Thomas A. Emmert (Hrsg.): Kosovo: Legacy of a Medieval Battle. University of Minnesota, Minneapolis, Minn. 1991, OCLC 26765277.
  18. Felix Kanitz: Das Königreich Serbien und das Serbenvolk von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Land und Bevölkerung. 2. Bände, Leipzig, 1909.
  19. Wolfgang Höpken: Die schaurige Sage vom Amselfeld In: Die Zeit vom 12. März 1998.
  20. Carsten Wieland: Nationalstaat wider Willen. Politisierung von Ethnien und Ethnisierung der Politik: Bosnien, Indien, Pakistan. Campus, Frankfurt 2000, ISBN 3-593-36506-5, S. 119.
  21. Vasko Popa: Collected Poems 1943–1976, trans. Anne Pennington (Manchester: England Carcanet Press 1978), S. 109.]
  22. Matija Beckovic, Kosovo, najskuplja srpska rec. Bibliotheka Glas Crkve. Tome IXV. Valjevo 1989. [1]
  23. Alida Bremer, Literatur und Nationale Ideologien. In Dunja Melčić, Der Jugoslawien-Krieg: Handbuch zur Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen. S. 279 [2]
  24. NIN, 5. Juni 2003 Sta ce Srbima Kosovo
  25. b92, Blog Najskuplja srpska rec Najskuplja srpska rec
  26. Die Schlacht auf dem Amselfeld. Serbische Epische Gesänge. Englische Übersetzung von John Matthias und Vladeta Vuckovic mit einem Vorwort von Charles Simic [3]
  27. Legenden der Kosovoschlacht [4]
  28. The Maiden of Kosovo Serbische Epische Gesänge – Das Mädchen vom Amselfeld
  29. Klett, Der Balkan als Konfliktherd (PDF)
  30. NZZ Folio, O9/94 Fremde Sitten - Blut-rote Pfingstrosen
  31. Srdan Petkovic: Der nationale Diskurs unter Einfluß von Kriegspropaganda, Kirche und Folklorismus. Zur Entwicklung serbischer Selbstwahrnehmung Kosovski bozuri und vidovdan
  32. Jelena Tomasevic: "Usnila je dubok sanak"
  33. Božur
  34. Kosovo polje
  35. Vuk Drašković Kosovo
  36. Projekt Rastko, Gracanica the myth in art
  37. Holm Sundhaussen, Geschichte Serbiens: 19.–21. Jh. S. 409: „Wird warmes Blut dann fließen, / Wo alljährlich Pfingstrosen sprießen?“
  38. Carl Polonyi, Heil und Zerstörung: Nationale Mythen und Krieg am Beispiel Jugoslawiens, S. 188 Auf dem Kosovo welkt die Pfingstrose, sie beklagt die ausgewanderten Serben
  39. Maximilian Händler, Notizen, Projekte und Kurzbeiträge zur Popularmusikforschung. 3. 2004 Niederlage als nationaler Mythos. Das Kosovo-Motiv in der serbischen Popularmusik heute.
  40. Politika, 10. August 2011 Božur
  41. Vecernje novosti, 7. Juni 2006 Zov kosovskih junaka
  42. http://www.royalfamily.org/artwork/01_08/0108.swf
  43. http://mestrovic.kkz.hr/web_redizajn/BIOGRAFIJAhr.htm
  44. http://www.kralemarko.org.mk/default-sr.asp?ItemID=83B05BEAE5A810438F1E651635AE8E99
  45. http://www.blic.rs/Vesti/Srbija/52001/Mestrovic-za-penziju-dao-maketu-hrama
  46. Sanja Petrović Todosijević, „NACIONALNO VREME“ - OKVIR ZA SAMOPERCEPCIJU GRAĐANA REPUBLIKE SRBIJE, 2010. In: Vojin Dimitrijević (Hrsg.), NOVOSTI IZ PROŠLOSTI-Znanje, neznanje, upotreba i zloupotreba istorije, S. 76, Beograd.
  47. William M. Klimon Chesterton, Kossovo of the Serbians, and the Vocation of the Christian Nation
  48. Imperial War Museum [http://www.iwm.org.uk/collections/item/object/9912 La Journée Serbe Serbian Day
  49. Journée Serbe. 25 juin 1916. French WW1 Propaganda Posters
  50. Brown University library La Journée Serbe 25 Juin 1916: anniversaire de la Bataille de Kossovo
  51. New York Times, 16. Juni 1918 KOSSOVO DAY, 1918.; The Anniversary and Its Meaning for All the Western Slav Races and for the Allies.
  52. New York Times, 28. Juni 1918 Appeals to Americans to pray for Serbians.
  53. Vuk Jeremic, Vecernje Novosti, 24. Dez. 2011 Vuk Jeremić: Borba volje protiv sudbine
  54. Der julianische Kalender wird von der russischen und der serbischen orthodoxen Kirche, vom Patriarchat von Jerusalem und von einigen Klöstern auf dem hl. Berg Athos sowie von der äthiopischen Kirche verwendet.