Schloss Belvedere

Dieser Artikel befasst sich mit dem Schloss Belvedere in Wien; zu weiteren Schlössern gleichen Namens siehe Belvedere.

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Schloss Belvedere
Oberes Belvedere

Oberes Belvedere

Entstehungszeit: 1714–1716 (unteres Belvedere);
1721–1723 (oberes Belvedere)
Erhaltungszustand: Erhalten
Ständische Stellung: Hoher Adel
Ort: Wien 3
Geographische Lage 48° 11′ 30″ N, 16° 22′ 51″ O48.19166666666716.380833333333Koordinaten: 48° 11′ 30″ N, 16° 22′ 51″ O
Schloss Belvedere (Wien)
Schloss Belvedere
Ansicht von Wien, vom Belvedere aus gesehen. Gemälde von Canaletto, 1758
Unteres Belvedere: Südansicht
Oberes Belvedere, vom Garten aus gesehen

Das Schloss Belvedere (von italienisch: ‚schöne Aussicht‘) in Wien ist eine von Johann Lucas von Hildebrandt (1668–1745) für Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) erbaute Schlossanlage im Bezirk Landstraße. Das Obere Belvedere und das Untere Belvedere bilden mit der verbindenden Gartenanlage ein barockes Ensemble. Die beiden Schlossbauten beherbergen heute die Sammlungen des Belvedere (Österreichische Galerie Belvedere) und Räumlichkeiten für Wechselausstellungen. Am 15. Mai 1955 wurde im Oberen Belvedere der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Unteres Belvedere

Die ursprüngliche Planung sah ein Gartenpalais vor. Prinz Eugen von Savoyen gab 1714 dem Architekten Johann Lucas von Hildebrandt den Auftrag. Steinmetzaufträge erhielten die Meister Hans Georg Haresleben und Elias Hügel aus Kaisersteinbruch.[1]

Das heute sogenannte Untere Belvedere wurde bereits 1716 fertiggestellt. Nur ganz wenige Räume waren als Wohnräume geplant, den größten Platz nahmen die Orangerie und der Prunkstall ein.

Der Marmorsaal ist das Zentrum des Unteren Belvederes und diente ursprünglich zum repräsentativen Empfang von Gästen. Das Original des Mehlmarktbrunnens aus Bleiguss von Georg Raphael Donner ist hier zu sehen. (Der Brunnen auf dem heutigen Neuen Markt, Donnerbrunnen genannt, besteht aus Bronzeabgüssen)

Das Deckengemälde von Martino Altomonte zeigt Prinz Eugen als jugendlichen Helden und als Apoll umringt von Musen. Im Westen schließt das Paradeschlafzimmer und im Osten das Tafelzimmer an. Das Deckengemälde des Paradeschlafzimmers ist ebenfalls von Altomonte (Abend und Morgen) mit Scheinarchitektur von Marcantonio Chiarini und Gaetano Fanti. In einem westlichen Raum sind Groteskmalereien von Jonas Drentwett zu sehen.

2007 wurde die Orangerie (damals Pomeranzenbau mit verschiebbarem Dachstuhl) adaptiert und das Untere Belvedere umgebaut, wo seither laufend Sonderausstellungen stattfinden.

Sonderausstellungen

Garten

Der Garten ist der älteste Teil der Anlage, er wurde schon knapp nach dem Grundstückskauf um 1700 vom Le Nôtre-Schüler Dominique Girard angelegt. Zu dieser Zeit wurden erste Terrassierungen vorgenommen.

Sphinx im Garten des Belvedere

Da das Obere Belvedere um einige Meter höher liegt als das Untere, ist das Thema der Skulpturen sinnigerweise der Aufstieg aus der Unterwelt in den Olymp. Zwischen den beiden Bereichen wurde eine Freitreppe gebaut. Seit 1780 ist die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich.

Nach den UNESCO-Weltkulturerbeauflagen wird über Jahre mit Millionen von Euro die Gartenanlage sukzessive restauriert. Dazu wird die große Fontäne ebenfalls restauriert.

Oberes Belvedere

Das Haupttor zum Oberen Belvedere mit Löwen die das Wappen des Prinzen von Savoyen tragen

Das Obere Belvedere war ursprünglich nur als kleines Gebäude konzipiert, welches den Garten optisch abschließen sollte. Später wurde es dann aber zur Sommerresidenz von Prinz Eugen. Der Prinz lebte aber nach wie vor im Unteren Belvedere, während das Obere Belvedere eher der Repräsentation galt. Die einzige Erbin des Prinzen ließ das gesamte Inventar und die Bibliothek versteigern, sodass heute nichts mehr an die ursprüngliche Ausstattung erinnert.

Als es später an die Habsburger fiel, war es zeitweise eine Art zweiter Familiensitz. Zuletzt residierte hier Erzherzog Franz Ferdinand, der 1914 ermordete Thronfolger, mit seinem Stab.

Das obere Schloss wurde in Kommunikation mit der umgebenden Natur 1721 bis 1723 gebaut, ursprünglich gab es auch viel mehr offene Säle und Galerien. Vor der Eingangsseite befindet sich ein Teich, in dem sich das Schloss spiegelt. Das Gebäude löst sich in mehrere Blöcke auf („Pavillonsystem“), dadurch erhält die Silhouette einen sehr bewegten Eindruck. Jeder dieser Blöcke ist mit einer eigenen Dachkonstruktion versehen, wodurch mancher Beobachter schon an „Türkenzelte“ erinnert wurde.

Atlanten in der Sala Terrana, Aufnahme 2006

Die Sala Terrena im unteren Bereich war ursprünglich offen, sie wurde aber nach dem Einsturz eines Atlanten komplett umgebaut und ist somit in der ursprünglichen Form nicht mehr erhalten. Hier bewahrte der Prinz seine legendäre Bibliothek auf, die sich heute im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek befindet. Auch seine Kunstsammlung war hier untergebracht.

Deckengemälde im Marmorsaal

Auch hier ist der Marmorsaal das Zentrum des Baus. Er ist mit einem Deckengemälde von Carlo Innocenzo Carlone ausgeschmückt, welches neuerdings auch seinem Quadraturisten Marcantonio Chiarini zugeschrieben wird. Rundherum befanden sich Wohnräume, in denen die Sammlung Jahrhundertwende und Wiener Secession gezeigt wird. In der Kapelle finden sich ebenfalls Fresken von Carlone, das Altarbild stammt von Francesco Solimena.

In der östlichen Schmalseite des Hofes befand sich eine Menagerie.

Bei den verwendeten Steinen handelt es sich um Sankt Margarethener Stein, Eggenburger Stein (heute als Zogelsdorfer Stein bezeichnet), festen Kaiserstein aus Kaisersteinbruch, Mannersdorfer Stein, oolithischer Kalkstein (Jura) von Savonnières in Lothringen, Adneter Kalkstein (Lienbacher Stein) und auch Kunstmarmor. In der Sala Terrena bestehen die Atlanten aus Zogelsdorfer Stein, die Sockel aus Kaiserstein.

Das prunkvolle Stiegenhaus

Das prunkvolle Stiegenhaus aus Zogelsdorfer Stein weist eine reiche Dekoration von Laub- und Bandelwerk kombiniert mit Kartuschen und Emblemen auf. Die Stufen sind aus Kaiserstein mit intensiven blauen Einschlüssen, die Bodenplatten beim Mittelabsatz sind aus Mannersdorfer Stein und die Putten aus Savonnières-Kalkstein. Diese sind mit (Theodor) Friedl bezeichnet, ein Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist, dass diese Stiege nach beiden Seiten hin offen war. Erst 1904 beim Umbau als Residenz des Thronfolgers Franz Ferdinand[4], erhielt sie eine Abschließung in Form verglaster Türen und Fenster.[5]

Der Prunksaal (Marmorsaal) wird von Adneter Marmor (Lienbacher Stein) und auch von Kunstmarmor beherrscht. Hofsteinmetzmeister Elias Hügel leitete in Kaisersteinbruch diesen Auftrag, zum Gebäude kamen noch die Steinmetzarbeiten für die Brunnenanlagen mit der Kaskade im Garten hinzu. In Kameradschaft arbeiteten die Meister der Bruderschaft Johann Paul Schilck, Johann Baptist Kral, Simon Sasslaber, Joseph Winkler und Franz Trumler.

Eugens letzte Tage und der Löwe im Belvedere, Franz Wacik, 1913

Prinz Eugens letzte Tage und der Löwe im Belvedere

Hugo von Hofmannsthal schrieb: „… der König von Frankreich, den er so oft besiegt hatte, verehrte ihm einen afrikanischen Löwen … endlich kamen drei Tage, wo der Löwe seinen Herrn nicht mehr sah, er verweigerte alles Fressen und lief unruhig im Käfig auf und nieder … gegen drei Uhr morgens stieß er ein solches Gebrüll aus, daß der Tierwärter hinauslief in die Menagerie um nachzusehen. Da sah er Lichter in allen Zimmern des Schlosses, zugleich hörte er in der Kapelle das Sterbeglöcklein und so wußte er, daß sein Herr, der große Prinz Eugen, zu eben dieser Stunde gestorben war.“[6]

Bedeutung

Das Schloss Belvedere ist aufgrund seiner historischen Bedeutung und als Schauplatz der Unterzeichnung des Staatsvertrages von 1955 von besonderer Symbolik für Österreich. Das Obere Belvedere ist auf der Rückseite der 10-Schilling-Banknote von 1950 zu sehen, sowie eine Ansicht durch das geöffnete Haupttor auf der österreichischen 20-Eurocent-Münze.

Auf Grund des hohen Bekanntheitsgrades des Belvederes wird ein im Entstehen begriffenes, dem Belvedereareal benachbartes neues Stadtviertel um den im Bau befindlichen Wiener Hauptbahnhof im 10. Wiener Gemeindebezirk als Quartier Belvedere bezeichnet.

Die Brunnen des Schloss Belvedere

Film

  • Ute Hoffarth (Regie): Museums-Check mit Markus Brock, Wien: Belvedere. Dokumentation mit Dagmar Koller und Markus Brock, Österreich, 35 Min, 2011.

Filmdrehort

Das Schloss und die Gärten wurden auch als Filmkulisse verwendet:

Siehe auch

Literatur

  • Peter Stephan: Das Obere Belvedere in Wien. Architektonisches Konzept und Ikonographie. Das Schloss des Prinzen Eugen als Abbild seines Selbstverständnisses. Böhlau, Wien 2010. ISBN 978-3-205-77785-4.
  • Maria Auböck, Ingrid Gregor: Das Belvedere. Der Garten des Prinzen Eugen in Wien. Holzhausen (2004), ISBN 3854930704.
  • Hans Aurenhammer, Gertrude Aurenhammer: Das Belvedere in Wien. Bauwerk, Menschen, Geschichte. ISBN 3703102225.
  • Helmuth Furch: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 54, S. 21–33, Juni 1999, Steinkundliche Begehung mit Andreas Rohatsch, TU Wien, Ingenieurgeologie, Belvedere, usw., Nr. 59, Dezember 2000, Kaiserstein in Wiener Bauten, 300 Beispiele.
  • Salomon Kleiner: Residences Memorables De l’incomparable Heros de nôtre Siecle ou Representation exacte des Edifices et Jardins de Son Altesse Serenissime Monseigneur Le Prince EUGENE FRANCOIS Duc de Savoye et de Piemont … Schloss Belvedere und die dazugehörigen Gärten (1731–1740); Augsburger Verlag Jeremias Wolff Erben, Stadtbibliothek Mainz (Sign. 731 f 1 (R)).
  • Heiko Laß, Maja Schmidt: Belvedere und Dornburg. Imhof, Petersberg (1999), ISBN 3932526457.
  • Helmut Nemec: Belvedere. Schloss und Park des Prinzen Eugen. ISBN 3210248710.
  • Ulrike Seeger, Gerbert Frodl: Das Sommerpalais des Prinzen Eugen Belvedere. Brandstätter, Wien 2007, ISBN 3902510978.
  • Ulrike Seeger: Stadtpalast und Belvedere des Prinz Eugen. Entstehung, Gestalt, Funktion und Bedeutung. Böhlau, Wien 2004, ISBN 3205771907.
  • Peter Stephan: Prinz Eugens 'Wunderwürdiges Kriegs- und Siegslager'. Das Obere Belvedere in seiner ursprünglichen Gestalt, in: http://www2.kunstgeschichte.uni-freiburg.de/Online-Publikationen/Stephan_Belvedere/ (ca. 80 S. u. 163 Abb.) (Freiburg 2000).
  • Franz Weller: Die kaiserlichen Burgen und Schlösser in Wort und Bild Aufgrund von Quellenwerken dargestellt Hofburg zu Wien über Augarten, Belvedere, Prater ...Gödöllő, Ischl ...bis über Miramar sind alle kaiserlichen Schlösser erklärt dagelegt. k.k. Hof-Buchdruckerei, Wien 1880, ISBN 0003221717.
  • Prinz Eugen und sein Belvedere. Österreichische Galerie, Wien 1963. ASIN B0000BHVFQ.
  • Ludwig Varga: Belvederegarten. Generalsanierung der Brunnenanlagen 2005 - 2010, Bröschüre der BHÖ in: http://www.burghauptmannschaft.at/uploads/690.013-belvederegarten_-_generalsanierung_der_brunnenanlagen_2005_-_2010.pdf/ (ca. 80 S. u. 163 Abb.) (Wien 2011).

Einzelnachweise

  1. Andreas Rohatsch: Leithakalk aus Kaisersteinbruch, Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse. Verwendungsbeispiele Schloss Neugebäude, Unteres Belvedere. In: Elfriede Iby (Hrsg.) Schloss Schönbrunn: Zur frühen Baugeschichte. Wissenschaftliche Reihe Schönbrunn, Bd. 2, 1996. S. 41.
  2. Alexander Klee, Stephanie Auer, Marianne Hussl-Hörmann, Agnes Husslein-Arco (Hrsg.), Jane Kallir (Hrsg.): Egon Schiele: Selbstporträts und Porträts, Prestel, München 2011, ISBN 3-791-35108-7
  3. Agnes Husslein-Arco (Hrsg.), Thomas Zaunschirm (Hrsg.): Gold: Gold in der Kunst von der Antike bis zur Moderne. Katalogbuch zur Ausstellung in Wien, Unteres Belvedere und Orangerie, 15.03–17.06.2012, Hirmer, München 2012, ISBN 3-777-44971-7
  4. Verwaltungsarchiv, Stadterweiterungsfond.
  5. Peter Tölzer: Scalalogia Schriften zur internationalen Treppenforschung, Treppen in Wien. 1990, S. 102.
  6. Prinz Eugen der edle Ritter, sein Leben in Bildern. Erzählt von Hugo von Hofmannsthal und Franz Wacik. Verlag Seidel und Sohn in Wien, 1913.

Weblinks

 Commons: Schloss Belvedere – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien