Schloss Gschwendt

Schloss Gschwendt

Schloss Gschwendt liegt im Ortsteil Gries der Gemeinde Neuhofen an der Krems.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schloss Gschwendt nach Georg Matthäus Vischer von 1674

Die Herrschaft Gschwendt wird 1308 als Passauer Lehen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Als Lehensmann wird Heinrich der Gwschendtner bzw. Heinrich von Volkenstorff erwähnt. 1492 kam Gschwendt in den Besitz der Losensteiner. Mit der Herrschaft war auch das Landgericht verbunden. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Wasserburg in die Liste der Flucht- und Verteidigungsorte in Kriegszeiten aufgenommen, was auf die Wehrhaftigkeit der Anlage schließen lässt. Im großen Bauernkrieg kam es 1626 in der Nähe des Schlosses zu einer Schlacht zwischen den von Achaz Wiellinger geführten Bauern und den kaiserlichen Truppen unter Obrist Löbl. Die schlecht gerüsteten Bauern verloren dabei angeblich mehr als tausend Mann.

Gedenksäule an die Schlacht von 1626 vor dem Schloss Gschwendt

1692 ist die Familie der Losensteiner im männlichen Stamm mit dem Ableben des Passauer Domherrn Graf Franz Anton von Losenstein, der in den Fürstenstand erhoben worden war, ausgestorben. Erbin wurde Maria Katharina, die Schwester des letzten Grafen; diese war mit dem Fürsten Johann Weikhard von Auersperg verheiratet. Um 1750 gehörten zur Herrschaft Gschwendt 502 Untertanen. Im Schloss wurde angeblich noch 1843 die Folter angewandt, obwohl diese in der Habsburgischen Monarchie bereits im 18. Jahrhundert abgeschafft worden war.

Gschwendt blieb bis zum Jahre 1851 im Besitz der Auersperger, dann verkaufte Fürst Karl von Auersperg das Schloss an den Besitzer der Hoftaverne Franz Leuck. Die dazugehörigen Gründe wurden parzelliert und an Bauern verkauft. 1893 kommt Gschwendt an das Land Oberösterreich und dient seitdem als Landes-Heil- und -Pflegeanstalt.

NS-Zeit

In Schloss Gschwendt war eine Zweiganstalt der Landesirrenanstalt Niedernhart in Linz untergebracht. Als Direktor fungierte der Euthanasiearzt Rudolf Lonauer. Schloss Gschwendt wurde für Patienten verwendet, die z. T. aus anderen Anstalten der "Ostmark" angeliefert wurden und nicht sogleich in die Tötungsanstalt nach Hartheim verbracht werden konnten.

Auch nachdem die Transporte nach Hartheim eingestellt waren, wurden unter der ärztlichen Leitung von Rudolf Lonauer weitere Patienten mittels Unterernährung oder mit Medikamenten ermordet. Es wäre aber falsch, die Verantwortung für diese Vernichtungsmaschinerie nur dem Leiter der Anstalt zuzuschreiben. Das System konnte nur mit Hilfe vieler weiterer Helfer, Krankenschwestern, Pfleger, Sekretärinnen, Fahrer, Ärzte und weiterer Mitwisser und Mittäter funktionieren.

Als der Bombenkrieg in Linz begann, zog Lonauer mit seiner Familie nach Neuhofen a. d. Krems. Er fand Unterschlupf in Lining, im Haus der Wirtschafterin Hermine Zehetner. Mit dieser wird Lonauer ein "Naheverhältnis" nachgesagt.[1] Bei Kriegsende, eine Stunde vor Eintreffen der US-Armee, tötete er mit Gift zuerst seine Frau, danach seine zwei Töchter (geb. 1938 bzw. 1943) und erschoss sich dann selbst. Die Familie ist im Friedhof von Neuhofen an der Krems begraben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde strafrechtlich gegen 61 Beteiligte ermittelt; nur gegen drei fanden Strafprozesse statt [2]. Von diesen tötete sich Anton Schrottmayer (Leiter der Frauenabteilung in Gschwendt) am 4. August 1946 im Gefangenhaus Ybbs selbst. Die meisten Verfahren wurden eingestellt.

Skulptur von Josef Baier, installiert im September 2003, Titel: "...aufwärts"

Schloss Gschwendt heute

Ursprünglich war Gschwendt ein Wasserschloss, das mit einer doppelten turmbewehrten Mauer umgeben war. Drei Querflügel verbanden den vorderen mit dem hinteren Schlossteil. Diese Bauteile und die umgebenden Teiche sind alle verschwunden; übrig blieb nur der zehnachsige Haupttrakt, das frühere Herrenhaus des Schlosses. An Stelle der früheren Steinbrücke führt eine Metall-Glas-Brücke über eine neu angelegte Wasserfläche zu dem Schloss. Erwähnenswert ist eine schneckenartige Metallskulptur, die aus der Wasserfläche emporragt.

Vor wenigen Jahren wurde das Schloss aufwändig renoviert und mit Zusatzbauten zu einem modernen Oberösterreichischen Landespflege- und Betreuungszentrum für psychisch Kranke umgestaltet.

Vor dem Schloss erinnert eine 1976 aufgestellte Säule an die Schlacht von 1626.

Literatur

  • Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Ein Leitfaden für Burgenwanderer und Heimatfreunde. 1976, Linz: Oberösterreichischer Landesverlag.

Weblinks

 Commons: Schloss Gschwendt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Walter Kohl: "Ich fühle mich nicht schuldig." Georg Renno, Euthanasiearzt. 2000, Wien: Paul Zsolnay Verlag, ISBN 3-552-04973-8.
  2. Nachkriegsjustiz

48.13766882416714.236060380833Koordinaten: 48° 8′ 16″ N, 14° 14′ 10″ O