Schloss Inzersdorf

Schloss Inzersdorf war die Bezeichnung für zwei Gebäude in Inzersdorf.

Inhaltsverzeichnis

Altes Schloss

Das alte Schloss nach Georg Matthäus Vischer 1672

Das alte Schloss, welches von den Rittern von Inzersdorf im 17. Jahrhundert erbaut wurde, war samt Kirche und dem sich hinter derselben ausbreitenden Friedhofe mit einem Wassergraben umgeben, über den zwei Brücken führten, und zwar die eine in das Schloss, die andere in die Kirche. Letztere stand so, dass der Turm in der Richtung gegen die Mühle sich befand.

Der rückwärtige Teil der Kirche war durch einen gedeckten Gang mit dem Schlosse verbunden. Das alte Schloss musste 1965 einem Gemeindebau weichen.

Neues Schloss

Das neue Schloss wurde 1765 südwestlich vom alten errichtet.[1] Es hieß ehemals »Spiegelhof« und war ein Freihof, der ursprünglich aus vier Häusern zusammengebaut wurde, von denen zwei der Herrschaft und zwei der Familie Rambach, die zu jener Zeit ebenfalls einen Hof mit Unterthanen besaß, dienstbar waren.

Diese Edel- oder Freihöfe waren wohl nicht von den Gemeindelasten, doch von den Herrschaftsleistungen befreit. Sie hatten ihre eigenen Unterthanen, ihr eigenes Grundbuch und einen vom Hofbesitzer bestellten Grundrichter, der seine Unterthanen in Gemeindeangelegenheiten vertrat.

Ein solcher Freihof bildete eine eigene Gemeinde in der Gemeinde.

Die verlässlichen Nachrichten über den Spiegelhof reichen bis zum Jahre 1640 zurück, zu welcher Zeit derselbe Eigentum der Familie Geyer von Osterburg war.

Das Schloss in Inzersdorf (zum Unterschiede von dem neben der Kirche befindlichen »alten« Schlossgebäude auch das »neue Schloss« genannt) wurde im Jahre 1765 vom damaligen Herrschaftsbesitzer Ferdinand Grafen Harrach an Stelle des sogenannten »Spiegelhofes« erbaut. 1857 kam das Schloss und die Herrschaft Inzersdorf in den Besitz der Großindustriellenfamilie von Heinrich von Drasche-Wartinberg. Der Gebäudekomplex trug den Charakter der damaligen Bauweise ausgeprägt an sich und befand sich, mit der Nordfront an der Liesing—Schwechater Bezirksstraße gelegen, in einem 17 Joch großen, vorzüglich gepflegten Parke französischen Stils.

Vis-ä-vis, nur durch die genannte Bezirksstraße getrennt, befand sich ein circa 25 Joch großer, im englischen Stile gehaltener Schlosspark. Von den einzelnen Räumlichkeiten war der in reinem Barockstile erbaute große Musiksaal, sowie der im Empirestile renovierte Speisesaal besonders bemerkenswert.

Im Schlosse, welches nur während einiger Sommermonate von dem damaligen Besitzer bewohnt war, befand sich auch eine reichhaltige Mineraliensammlung.

Die Schlösser wurden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs durch Bombentreffer beschädigt beziehungsweise zerstört und schließlich 1965 im Zuge der Errichtung der Wiener Südosttangente ganz abgerissen. Zum Teil wurde das Gelände durch den neu errichteten Straßenzug überbaut und zum anderen Teil eine öffentliche Parkanlage errichtet, siehe Draschepark.[1]

Literatur

  • Primo Calvi: Darstellung des politischen Bezirkes Hietzing Umgebung durch umfassende Beschreibung aller Dörfer, Ortschaften, Kirchen, Schulen, Schlösser, Anstalten und bemerkenswerten Objecte etc. etc. Selbstverlag, Wien 1901. S. 116-117.

Einzelnachweise

  1. a b Wien.gv.at: Draschepark