Schloss Pragtal

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ehemaliges Schloss Pragtal
Pragtal um 1674, Stich von G.M.Vischer

Pragtal um 1674, Stich von G.M.Vischer

Entstehungszeit: 1564
Burgentyp: Gutshof
Erhaltungszustand: 1681 zur Gänze zerstört
Ort: Altenburg (Gemeinde Windhaag)
Geographische Lage 48° 15′ 44″ N, 14° 39′ 56″ O48.26222222222214.665555555556Koordinaten: 48° 15′ 44″ N, 14° 39′ 56″ O
ehemaliges Schloss Pragtal (Oberösterreich)
ehemaliges Schloss Pragtal

Schloss Pragtal war ein kleines Schlösschen in der heutigen Ortschaft Pragtal in der Katastralgemeinde Altenburg in der Gemeinde Windhaag im Bezirk Perg im Unteren Mühlviertel, das 1564 errichtet und 1681 zerstört wurde.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Schloss wurde 1564 vom Freiherrn Friedrich von Prag zu Windhag errichtet und in den 1680er-Jahren von Eva Magdalena Enzmilner wieder abgerissen, da die Steine für den Bau des Dominikanerinnenklosters Windhaag gebraucht wurden.

Aus Kupferstichen aus dem 17. Jahrhundert von Clemens Beutler und Georg Matthäus Vischer ist ersichtlich, dass es sich um einen Vierkanthof mit zwei Stockwerken (Gaden) gehandelt hat, der an jeder Ecke ein Rondell aufwies und außen von einem mit verschiedenen fruchtbaren und unfruchtbaren Bäumen bepflanzten Erdwall umgeben war. Für den Bau sollen Quadersteine von der nahen, damals schon öden, Burg Mitterberg verwendet worden sein.

Das Schloss verfügte über einen gewölbten Keller. Das untere Geschoss enthielt schöne Gewölbe, Zimmer und Stuben für den Bäcker sowie Bad und Stallungen. Im oberen Stockwerk befanden sich ebenfalls Zimmer, Stuben sowie ein großer Saal. Unter dem Dach war ein geflötzter Getreideboden.

Zwischen dem umgebenden Wall und dem Schloss war ein zwei Tagwerk großer Anger angelegt. Als Hofgärten gehörten zum Schloss zwanzig Tagwerk, die teils mit Obstbäumen bepflanzt waren.

Der Grundbesitz für den Meierhof wurde durch Zusammenlegung von drei Bauernhöfen geschaffen. Die Bauern des Hofes am äußeren Krottental, des Lehens im mittleren Krottental und des Gutes im Aichet wurden dazu abgestiftet. Der Grundbesitz des Meierhofes umfasste acht Tagwerk Gärten, in denen unter anderem Brein, Möhren und Hanf angebaut wurden, 52 Tagwerk Äcker und 43½ Tagwerk Wiesen.

Neben dem Meierhof gehörte auch ein großer Ziegelofen samt Stadel zum Schloss, mit dem zehntausend Ziegel gleichzeitig gebrannt werden konnten, weiters gute Tachetgründe mit Tonvorkommen im Ausmaß von ein Tagwerk am Lamplberg und Schreckenberg.

Das Schloss besaß ein Weingarthäusl mit Weingärten in der Umgebung, die allerdings im 17. Jahrhundert bereits wieder als Acker verwendet wurden. 1590 wurde auf der Liegenschaft ein Landgerichtsdienerhäusl errichtet und mit 3/4 Tagwerk Grund ausgestattet. Als 1681 Eva Magdalena Enzmilner das Dominikanerinnenkloster Windhaag und die Klosterkirche errichten ließ, wurden die Ziegel dafür in Pragtal gebrannt. Aus Mangel an Steinen und weil die Erhaltung des Schlosses ohnehin schwer fiel, wurde das Schloss Pragtal in diesen Jahren abgerissen und die Steine für den Klosterbau sowie für diverse Baulichkeiten in Pragtal verwendet. Nur der verbliebene Wall (Schanzen) lässt die Größe des Landgutes noch erahnen.

Besitzverhältnisse

Der erste Besitzer war der Erbauer Freiherr Friedrich von Prag zu Windhaag. Ihm folgte 1569 sein Sohn Friedrich, dem die Herrschaft Windhaag zufiel, der aber auch die hohen Schulden seines Vaters übernehmen musste. Für die Tilgung der Schulden war unter anderem auch der Verkauf des Schlosses vorgesehen, der jedoch vorerst nicht zustande kam.

1597 gelangte die Herrschaft Windhaag und damit auch das Schloss Pragtal an den Hauptgläubiger des Pragers, Lorenz Schütter auf Klingenberg. Nach dessen Tod erbte dessen Sohn Georg Schütter die Herrschaft Windhaag, musste diese jedoch schuldenhalber 1636 an Joachim Enzmilner verkaufen. Erbin war nach seinem Tod seine einzige Tochter, Eva Magdalena von Windhag, die erste Priorin des Dominikanerinnenklosters Windhaag, die das Schloss abreißen ließ.

Literatur

  • Georg Grüll: Geschichte der Herrschaft und des Schlosses Windhag bei Perg, in: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 1937, Oberösterreichischer Musealverein Gesellschaft für Landeskunde (Herausgeber), Linz 1937 PDF

Weblinks

 Commons: Schloss Pragtal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien