Schloss Schrattenthal

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Schloss Schrattenthal
Schloss Schrattenthal/Ostfassade

Schloss Schrattenthal/Ostfassade

Entstehungszeit: um 1435
Burgentyp: Niederungsburg: Wasserschloss
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Ministerialen
Ort: Schrattenthal
Geographische Lage 48° 42′ 52″ N, 15° 54′ 21″ O48.71444444444415.905833333333Koordinaten: 48° 42′ 52″ N, 15° 54′ 21″ O
Schloss Schrattenthal (Niederösterreich)
Schloss Schrattenthal

Schloss Schrattenthal ist eine ehemalige Wasserschloss-Anlage im Süden der Stadtgemeinde Schrattenthal im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich. Das Schloss und die ehemaligen Wehranlagen stehen unter Denkmalschutz.

Die in Privatbesitz befindliche, etwa 4,5 Hektar große Anlage mit Schloss, Vorburg und Schlosspark besteht heute aus diversen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Schlosskapelle, sowie ehemaligen Befestigungs- und Verteidigungsanlagen und kann besichtigt werden.

Die Schlossanlage geht auf eine Verteidigungsanlage zurück, die im Jahre 1220 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die im Jahre 1435 errichtete spätgotische neue Wasserburg wurde zwischen 1660 und 1719 barockisiert und erhielt durch mehrere Um- und Ausbauten im 19. Jahrhundert ihr heutiges Aussehen. Sie war gemeinsam mit mehreren Gebäuden der Vorburg Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Stadt Schrattenthal.

Das Schloss diente als Drehort für die zwischen 1988 und 2002 entstandene Fernsehserie Julia – Eine ungewöhnliche Frau.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mit dem Abschluss der Kolonisation des nordwestlichen Weinviertels gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde die Grenze zu Böhmen durch eine Kette von Befestigungen gesichert. Bestandteil dieser Anlagen war ein hölzerner Turm am Rittsteig in Schrattenthal, das in einer Urkunde Herzog Leopolds VI. aus dem Jahre 1220 erstmals urkundlich erwähnt wird.[2] Der Rittsteig war ein Fernweg, der von Krems nach Znaim führte.

Die Grundherrschaft war landesfürstlich und wurde als Lehen an Ministeriale vergeben. Als erster Lehensnehmer scheint im Jahre 1245 der Truchsess des Herzogs Friedrich II., Drusigerus de Schretentale, auf.

Die Herrschaft wurde im Jahre 1382 von den Grafen von Maydburg-Hardegg erworben und als Lehen weitergegeben. Als Lehensträger scheint 1427 Tobias von Rohr, der Besitzer von Burg Ottenstein, auf. Am 4. April 1434 folgte ihm Ulrich von Eyczing und machte Schrattenthal zu seinem Hauptsitz.

Wappen der Eyczinger über dem Portal des Presshauses

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts drangen die Hussiten bis nach Schrattenthal vor, sodass sich Ulrich von Eyczing veranlasst sah, im Jahre 1435 eine neue Wasserburg zu errichten, welche in die Ortsbefestigung einbezogen wurde und die Südseite der Siedlung zu decken hatte. Das Wasser für den Burggraben wurde durch Drainage der umliegenden Sümpfe gewonnen.

Im Jahre 1439 wurde Ulrich von Eyczing vom Kaiser in den Freiherrnstand erhoben und war Hubmeister von König Albrecht II., was ihm beträchtliches Vermögen einbrachte, sodass er die Herrschaft im Jahre 1448 als Freies Eigen erwerben konnte. Er starb am 20. November 1460 im Alter von 62 Jahren an der Pest und wurde in der Pfarrkirche von Schrattenthal begraben.

Nach ihm verwaltete sein Bruder Stephan den Besitz. Da der Kaiser bei der Familie beachtliche Schulden hatte, erhielt Stephan unter anderem für Schrattenthal zahlreiche Rechte, so etwa die Stadterhebung am 18. September 1472.

Im Jahre 1479 teilte Stephan von Eyczing den Besitz auf seine vier Söhne auf, wobei Schrattenthal an die beiden ältesten, Martin und Georg, ging. Nachdem die Herrschaft in den folgenden Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, gelangte sie schließlich an Michael Freiherr von Eyczing. Am 10. Juli 1522 wurde er wegen Rebellion und Hochverrats angeklagt, hingerichtet und alle Güter wurden eingezogen.

Seinem Sohn Ulrich IV. Freiherr von Eyczing und dessen Bruder Christoph gelang es, den Familienbesitz wieder zu erlangen. Bis zum Jahre 1620 blieb die Herrschaft im Besitz der Eyczinger. Letzter Eyczinger war Philipp Christoph Freiherr von Eyczing, mit dessen Tod die Eyczinger ausgestorben waren. Ein Großteil des Erbes ging an Christoph Freiherr von Bräuner, einen Verwandten der Eyczinger, der auch das Familienwappen übernahm.

Von 1620–1660 besaßen die Grafen von Strozzi den Ort. Vom März bis Oktober 1645 waren die Schweden mit ihrem General Lennart Graf Torstensson in der Stadt, der im Schloss sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte.

Wappen Putz von Adlersthurm über dem Portal des Schüttkastens

Im Jahre 1660 erwarb Markus Putz Freiherr von Adlersthurm die Herrschaft Schrattenthal. Er ließ die militärisch bedeutungslos und im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstörte Wasserburg im Barockstil in das heutige Schloss umwandeln.

Seine Tochter Maria Theresia Esther (* 13. September 1686 in Schrattenthal; † 27. April 1740 in Prag), die seit 24. November 1705 mit Ludwig Reichsgraf von Hartig verheiratet war, vollendete bis 1719 den Bau und ließ im Norden des Schlosses einen Park mit Fasangarten, Jägerhaus und Sommerpavillon anlegen.

Im Jahre 1797 kaufte Johann Jakob Freiherr von Chartard die Herrschaft, veräußerte sie jedoch bereits 1803 an Anton August Reichsgraf von Attems, der einige Umbauten vornehmen ließ. Die Gartentore und das Stiegenhaus stammen aus der Zeit seiner Herrschaft. Nach den Franzosenkriegen wurde der Schlosspark im englischen Stil umgestaltet und erweitert.

In den Jahren 1822 und 1826 war Nikolaus Lenau auf Einladung seines Schwagers Anton Xaver Schurz, der zu dieser Zeit Verwalter der Herrschaft war, im Schloss zu Gast. Eine Tafel bei Eingang zum Torturm erinnert an diese Besuche. Schurz verfasste nach dem Tod von Lenau eine Biografie über den Dichter (1855, 2 Bände), die ein wichtiges Quellenwerk für die Lenau-Forschung darstellt.[3]

Als im Jahre 1848 die Grundherrschaften aufgehoben wurden, wählten die Bürger von Schrattenthal Hermann Graf Attems, den letzten Herrschaftsinhaber, zum Bürgermeister. Im folgten als Schlossherren Friedrich Steininger (1869 - 1871) und Theodor Freiherr von Offermannn, der mehrere Umbauten und Modernisierungen vornehmen ließ. Zwischen 1911 und 1917 war das Schloss im Besitz von Prinz Friedrich von Schönburg-Waldenburg, der auf dem Gelände einen Rennstall unterhielt. Ihm folgte als Guts- und Schlossherrschaft die Familie Schumpeter, welche den Besitz im Jahre 1924 an Ingenieur Erwin Schubert zunächst verpachtete und 1932 verkaufte.

Im Jahre 1945 wurde im Schloss ein russisches Militärlazarett eingerichtet, doch zog die Besatzung ein Jahr später wieder ab.

Das Schloss befindet sich bis heute im Besitz der Familie Schubert. Magister Brigitte Schubert, die Gattin des gegenwärtigen Eigentümers, Doktor Karlheinz Schubert, ist seit dem Jahre 1986 damit beschäftigt, die einzelnen Gebäude des Areals zu restaurieren. In den Bauten des äußeren Schlosshofes sind meist Wohnungen untergebracht.

Baubeschreibung

Plan der Schlossanlage

Die weitläufige Anlage, welche die gesamte Südseite des Stadtgebietes von Schrattenthal einnimmt, besteht aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Befestigungsanlagen. Im 13. Jahrhundert erstmals als einfache Verteidigungsanlage urkundlich erwähnt, wurde die ursprünglich spätgotische Stadtburg aus dem Jahre 1435 zwischen 1660 und 1719 barockisiert und ab dem 19. Jahrhundert mehrfach aus- und umgebaut.

Umgeben ist die etwa 300 mal 150 Meter große Anlage von einer durch Bastionen verstärkten Bruchsteinmauer aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Etwa drei Fünftel der Gesamtfläche entfällt auf die großräumige Vorburg, welche durch tiefe, aus dem Fels gehauene Gräben gesichert ist.

Über eine Brückenzufahrt gelangt man vom Stadtgebiet zunächst auf das weitläufige Gelände der Vorburg. Eine Steinbrücke über den heute trockenen Graben mit den Statuen der Heiligen Johannes Nepomuk und Antonius von Padua führt von der Vorburg auf den halbrunden Torturm zu, durch den man den Hof des Schlosses erreicht.

Das Schloss

Bei dem Gebäude handelt es sich um eine zweigeschossige, unregelmäßige Zweiflügelanlage südlich eines von Wirtschaftsgebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhunderts umgebenen großen Hofes in der Stadtsiedlung, von welchem es durch den Schlossgraben getrennt ist.

Außen

Schlosskapelle mit Wehrgang und Schloss mit einem Teil der vermauerten Laube im Erdgeschoss

Der Haupttrakt (Nordtrakt) des Schlosses ist ein langgestrecktes Gebäude mit Walmdach und umlaufendem gekehlten Traufgesims aus der Zeit um 1700. Die Fassade ist durch Lisenen und putzfaschengerahmte Fenster mit gekehlten Sohlbänken gegliedert. Das Wohnschloss stammt im Kern aus der Spätgotik, ist aus der ursprünglichen Wasserburg durch Überbauung des Zwingers[4] hervorgegangen und wurde im 17. Jahrhundert durch die Freiherrn von Adlersthurm barockisiert.

An der Südfassade des Nordtraktes haben sich im Erdgeschoss drei verstäbte spätgotische Fenster erhalten. Die ursprünglich vorhandene dreiachsige, offene, spitzbogige Laube wurde später vermauert.

An der Ostseite ist durch einen Anbau an den Torturm und den vorgezogenen Kopf des langgestreckten Nordflügels ein ehrenhofartiger Terrasseneinsprung mit Balustradenabschluss entstanden.

Der in der Achse der Brücke stehende spätgotische Torbau teilt den an den Nordtrakt rechtwinkelig anschließenden langen Südosttrakt, der ursprünglich vermutlich als Schüttkasten gedient und wahrscheinlich im 16. Jahrhundert zum Wohngebäude ausgebaut wurde.[4] Der aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammende Turm hat ein abgerundetes barockes Aufsatzgeschoss über einem breiten Gesims und ein mächtiges Portalgewände mit profiliertem Segmentbogenabschluß. Seitlich befindet sich eine Mannspforte.

Der nördlich des Tores gelegene Teil dieses Traktes ist mit einem Satteldach, der südlich gelegene mit einem Schopfwalmdach versehen.

Südlich des Torturmes befinden sich tonnengewölbte Kasematten, welche das Kellergeschoss des südlichen Wohntraktes bilden.

Gegen Westen hin schließt an diesen Gebäudetrakt ein ehemaliger Pferdestall in Mischmauerwerk mit Stichkappe an, der aus dem 16. Jahrhundert stammen dürfte[5] und heute als Garage dient.

Westlich folgt das sogenannte Mehltürml, welches im späten Mittelalter als halbrunder Schalenturm errichtet und im 19. Jahrhundert zum neugotischen zweigeschossigen Gartenpavillon umgebaut wurde.

In der als Allee nach Westen hin fortgesetzten Hauptachse des Nordtraktes gelangt man über eine Freitreppe mit vasenbekrönten Torpfeilern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem Parkportal mir Resten der Beringmauer.

Innen

Die Räume des Haupttraktes sind durchwegs barockisiert, lediglich eine Wendeltreppe mit Handlauf stammt noch aus der Spätgotik. Die Räume des Erdgeschosses sind mit Stichkappen überwölbt, das Obergeschoss hat Flachdecken. Diese Decken haben teilweise Stuckspiegel aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. In der Längsachse verläuft ein mit Hufeisentonne auf kräftigen Gesimsen überwölbter Mittelflur. Die Türen der äußeren Saalflucht haben Rahmungen aus den Jahren 1911/1917. Ein barockes Stiegenhaus mit einer platzlgewölbten Pfeilerhalle im Obergeschoss aus der Zeit um 1700 befindet sich in der Nordostecke.

Im Tortum sind an beiden Wänden der tonnengewölbten Einfahrt durch kleine Säulen getrennte Sitznischen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts mit profilierten Segmentbögen. Beide Geschosse sind mit Stichkappen, vermutlich aus der Zeit des Ausbaues in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, überwölbt.[5]

Im Obergeschoss des südlichen Wohntraktes, das man über eine aus der Bauzeit stammende Wendeltreppe erreicht, befand sich ursprünglich ein Festsaal mit einer aus dem 16./17. Jahrhundert stammenden Kassettendecke. Unter dieser verläuft eine gemalte Galerie mit Figuren aus allen Gesellschaftsschichten, die im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts angefertigt und in den Jahren 1999/2000 restauriert wurde.

Der ehemalige Pferdestall hat einen gepflasterten Boden mit einem über die ganze Länge mittig verlaufenden Güllekanal. An der hinteren Längswand ist noch eine steinerne Tränke erhalten.

Das Obergeschoss des Mehltürmls, das im 19. Jahrhundert auch als Kutscherwohnung gedient hat,[4] ist als kreuzgratgewölbte Türmerstube ausgebaut.

Die Schlosskapelle

Die dem Heiligen Martin geweihte, geostete Schlosskapelle wurde 1436 bis 1438 erbaut und schließt westlich schräg an das Schloss an.

Außen

Dreipaßluke im Treppentürmchen

Die nahezu frei stehende Schlosskapelle mit ihrem hinter einer Maßwerkbrüstung über die gesamte Südseite verlaufenden Wehrgang unter dem hohen mit einigen Dachgauben versehenen Ziegeldach wurde als spätgotische Wehrkirche erbaut. Der Wehrgang ist am Chorscheitel durch einen ursprünglich offenen Gang, der im Barock gedeckt wurde, mit dem Schloss verbunden. Unterhalb des Wehrganges sind profilierte Spitzbogenarkaden zu Nischen eingefügt, in denen sich die Fenster befinden. Zwischen den einzelnen Nischen stehen starke Strebepfeiler. An der südlichen Hofseite befindet sich oberhalb des profilierten Spitzbogenportals mit spätgotisch beschlagenem Tor ein niedriges dreiteiliges Maßwerkfenster, nach Osten gefolgt von einem hohen dreiteiligen sowie einem hohen zweiteiligen Maßwerkfenster. Ein weiteres zweiteiliges hohes Maßwerkfenster dient der Belichtung des Chores. Unterhalb der Fenster befindet sich ein umlaufendes Kaffgesims. Im unteren Bereich eines Strebepfeilers ist eine Sonnenuhr.

An der Südwestecke der Kapelle ist ein Treppentürmchen mit barockem Aufsatzgeschoss angebaut, das durch eine Wendeltreppe vom Inneren der Kapelle aus erschlossen wird. Über diese Treppe, die ihr Licht über schmale Dreipaßluken erhält, erreicht man auch die Empore. An der Nordwestseite ist am Polygon der Apsis ein weiterer erkerartiger Turmaufsatz mit Pyramidendach und einem Rundbogenfenster angebaut.

Innen

Die Kapelle ist ein dreijochiger Saalbau mit einem 5/8-Schluss. Im westlichen Joch ist eine kreuzrippenunterwöbte Orgelempore, welche zum Kirchenraum hin durch eine Brüstung und einen profilierten Spitzbogen abgeschlossen wird. Brüstung und Orgelfuß sind durch Maßwerk gegliedert. Ein Schulterbogenportal bildet den Zugang zum Treppentürmchen. An der Nordseite sind durch den Einzug von Strebepfeilern zwei Nischen entstanden.

Der Kapellenraum wird durch ein Kreuzrippengewölbe abgeschlossen, dessen Rippen auf den vom umlaufenden Kaffgesims gekappten Rundstabvorlagen ruhen.

Ausstattung

Der Boden besteht aus Adneter Marmor, die drei Maßwerkfenster der südlichen Außenmauer und jenes der Apsis sind mit nahezu farblosen grünstichigen Mondscheiben verglast.

Apsis der Schlosskapelle

In der Apsis erhebt sich hinter der schlichten Mensa ein großes aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammendes Kruzifix aus Holz. An der nördlichen Außenmauer befindet sich ein spätgotisches Sakramentshäuschen mit übergiebeltem Tabernakelaufsatz und Rosettengitter. Der Giebel ist mit gotischen Zierelementen in Form von Krabben besetzt und wird von einer Kreuzblume bekrönt. Links neben dem Sakramentshäuschen sind an der Wand Stuckfiguren der Heiligen Felix von Cantalice und Johannes Nepomuk aus dem 18. Jahrhundert. Zur Ausstattung gehört ein gotisierendes Gestühl mit spätgotischen Wangen.

Die Orgel befindet sich symmetrisch auf der Empore, der Spieltisch ist freistehend mit Blickrichtung des Organisten zum Altar. Dahinter steht ein Unterkasten, der anlässlich der Übertragung des Instrumentes erhöht wurde, mit Balganlage und zwei Windladen, auf den Laden befindet sich das freistehende Pfeifenwerk mit teilweise gekröpften Pfeifen.

Das Instrument wurde im Jahre 1934 innerhalb eines knappen halben Jahres von der Firma Johann M. Kauffmann aus Wien für die Spitalskirche St. Gertrud in Klosterneuburg erbaut. Für den Bau war vermutlich der Vater des letzten Firmeninhabers, Johann M. Kauffmann (1883–1953), verantwortlich. Die Auftragsvergabe erfolgte am 17. Mai 1934, Andreas Weißenbäck legte am 26. Juni die Disposition fest, am 4. November fand die Weihe des Instrumentes durch den damaligen Prälaten von Stift Klosterneuburg statt.

Im Jahre 1941 wurde die Orgel durch die Erzeugerfirma in die Kirche St. Leopold transferiert, wo sie bis zum Jahre 1990 verblieb. Anschließend war sie in der Servitenkirche in Wien als Zweitorgel in Verwendung, wo sie an der Emporenrückwand aufgestellt war. In den Jahren 2001 und 2002 war sie zum Verkauf inseriert und sollte nach Tschechien verkauft werden. Der Konvent der Serviten fasste den einstimmigen Beschluss, das Instrument müsse in Österreich bleiben, sodass die Orgel im Jahre 2002 schließlich in das Eigentum der Besitzer von Schloss Schrattenthal überging. Die neuerliche Weihe am derzeitigen Standort fand am 10. August 2002 statt.[6]

Das Instrument wird über eine pneumatische Traktur angesteuert und verfügt über sieben Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilen. Hinter einem fünfachsigen Prospekt steht das Pfeifenwerk in einem nach oben offenen Gehäuse. Die flächige Schauseite wird außen und in der Mitte durch drei Pfeifenpyramiden in Terz-Aufstellung geprägt. Zwei nach außen aufsteigende flache Harfenfelder mit diatonischer Pfeifenaufstellung verbinden die Pyramiden. Die Orgel weist folgende Disposition auf:

I Manual C–g3
1. Principal 8′
2. Gedeckt 8′
3. Oktav 4′
II Manual C–g3
Gedeckt (aus Nr. 2) 8′
4. Salicional 8′
5. Spitzflöte 4′
6. Rauschquinte 22/3
Pedal C–f1
7. Subbass 16′

Die Vorburg

Das Pförtnerhaus

Die Vorburg wird durch eine Brückenzufahrt vom Stadtgebiet im Norden her erschlossen und besteht aus mehreren Gebäuden.

Pförtnerhaus

Westlich der Brückenzufahrt steht das im Kern spätgotische barockisierte Gebäude mit Satteldach, das zwischen 1784 und 1918 als Pfarrhof verwendet wurde. Die Südfassade ist durch Putzbänder sowie durch barocke, schmiedeeiserne Korbgitter vor den mit Sohlbänken versehenen Fenstern gegliedert.

Scheune

Sitznische in der Scheune

Östlich der Brückenzufahrt liegt die langgestreckte und mit einem Satteldach versehene Scheune. Ihre nördliche steinsichtige Umfassungsmauer, an deren Innenseite eine Sitznische vor einem Schlitzfenster und mit einer nach unten zur Zufahrt gerichteten Schießscharte freigelegt wurde, war Teil der Befestigungsanlage. Außer diesem Schlitzfenster gibt es an der Nordfassade noch zwei Rundbogenfenster.

Das Gebäude stand eine Zeit lang als protestantisches Bethaus in Verwendung[7] und erhielt seine heutige Gestalt im 19. Jahrhundert. Andere Quellen vermuten das Bethaus an der Stelle des heutigen Schafstalles.[4] Die Südfassade mit zwei Segmentbogenfenstern und dem zweiflügeligen segmentbogigen Hoftor wurde verputzt und durch Lisenen und Putzfaschen gegliedert.

Mittlerweile wurden zwei vermauerte Rundbogenfenster zu beiden Seiten des Hoftores freigelegt, die hinter Lisenen verborgen waren. Freigelegt wurden ferner ein Spitzbogenportal mit profiliertem Gewände an der Westseite der Fassade und mehrere Schlitzbogenfenster.

Schafstall

Erweiterungsbau des Schafstalles

Südöstlich der Scheune liegt das eingeschossige Gebäude mit Satteldach, an welches im westlichen Drittel rechtwinkelig ein niedrigerer Erweiterungsbau anschließt. Der westliche Teil des Gebäudes verfügt über einen spätgotischen Baukern mit vierjochigem quadratischen Einstützenraum mit abgefastem Kreuzrippengewölbe auf einem Achteckpfeiler aus dem 15. Jahrhundert. Die schlichte Fassade hat mehrere quadratische Fenster mit einfachen Steingewänden. Ein teilweise vermauertes Portal mit profiliertem Gewände befindet sich im westlichen Bereich des Gebäudes. An der Südostecke befinden sich Mauerreste der ersten Befestigungsanlagen aus dem 13. Jahrhundert.

Der barocke Erweiterungsbau hat ebenfalls ein Satteldach, am Giebel des Torvorbaus befindet sich eine Blendädikula aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Ecken hatten ursprünglich eine geritzte Ortssteinquaderung, die teilweise wieder freigelegt wurde. Im Inneren des Erweiterungsbaus führt eine breite Treppe aus Ziegeln und mit Ziegelüberwölbung in einen Kellerraum.

Hungerturm

Der Hungerturm

Im Zentrum der südöstlichen Eck- und Torbefestigung erhebt sich der freistehende mächtige Rundturm mit einem Durchmesser von etwa 18 Meter und einer Mauerstärke von mehr als 5 Meter. Der in der Höhe reduzierte Turm stammt in seiner heutigen Gestalt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er hat an der Ostseite einen hochgelegenen Spitzbogeneinstieg in Rechteckblende mit Zugseillöchern. Dahinter liegen spitzbogige profilierte Innenportale und ein unverputztes über Schalung gemauertes Kreuzgratgewölbe. Die Treppe zwischen den Mauerschalen erhält ihr Licht durch eine Trichterluke.

Ulrich von Eyczing dürfte den Bau nach 1435 als Wehranlage gegen die Hussiten errichtet haben, zu einer Zeit, als die Gefahr bereits gebannt war. Die Innenportale beweisen, dass der Turm zumindest zeitweise für Gerichtszwecke genutzt wurde. Dafür spricht auch das Vorhandensein eines Verlieses im Keller.[4]

Unmittelbar südlich des Turmes befindet sich in der Wehrmauer eine Toranlage, die aus einer Einfahrt und einer Mannpforte besteht und ursprünglich durch eine Zugbrücke gesichert war.

Schüttkasten

Westlich des Hungerturmes steht der langgestreckte zweigeschossige spätbarocke Schüttkasten aus dem Jahre 1713. Die Fassade ist durch Putzfaschen gegliedert, die Fenster- und Türöffnungen haben Steingewände. In den mit Kugelaufsätzen bekrönten Giebeln befinden sich Okuli.

Das Erdgeschoss hat ein mehrjochiges Tonnengewölbe auf mächtigen Stützen mit quadratischer Basis und abgefastem Schaft. Das Obergeschoss hat eine Holztramdecke über der sich ein Dachboden befindet.

Über dem Rechteckportal des Schüttkastens ist eine mit 1713 bezeichnete Portalbekrönung mit allegorischen Figuren und einer Wappenkartusche mit dem Wappen des Freiherrn Putz von Adlersthurm angebracht. Zu beiden Seiten des Portals befindet sich je ein vermauertes Spitzbogenfenster.

Wachturm

Zwischen dem Schüttkasten und dem Presshaus liegt etwas nach Süden zurückgesetzt ein dreiachsiges Gebäude mit Satteldach und schmuckloser Fassade, das aus einem Wachturm entstanden ist und nun als Wohngebäude genutzt wird.

Presshaus

Im Südwesten der Vorburg steht die im Kern spätgotische eingeschossige Dreiflügelanlage. Die vorderen Flügelköpfe haben Volutengiebel mit Okuli vom Ausbau aus dem 18. Jahrhundert. Über dem rechteckigen Mittelportal befindet sich eine mit 1553 bezeichnete Lünette mit dem Wappen der Eyczinger. An der Fassade sind Reste eines Spitzbogenfensters. Im Längsflügel befindet sich eine Holzbalkendecke, eine breite Treppe führt in den Weinkeller.

Umgebung

Benachbarte Burgen bzw. Schlösser sind Ruine Neudegg, Schloss Therasburg, Wasserschloss Oberhöflein und Schloss Fronsburg.

Literatur

  • Eva Berger: "Historische Gärten Österreichs: Niederösterreich, Burgenland", Bd. 1. Böhlau Verlag Wien, 2002, ISBN 3-205-99305-5.
  • Georg Binder: Die niederösterreichischen Burgen und Schlösser. Bd. 2. Hartleben, Wien 1925.
  • Georg Clam-Martinic: Österreichisches Burgenlexikon. Landesverlag Linz 1991/1994, ISBN 3-85214-559-7.
  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Bearbeitet von Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle u.a. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1059ff.
  • Franz Eppel: Kunst im Lande rings um Wien. Verlag St. Peter Salzburg 1977, ISBN 3-900173-23-0.
  • Thomas Hofmann: Das Weinviertel und das Marchfeld. Falter-Verlag Wien 2000, ISBN 3-85439-250-8.
  • Manfred Jasser, Peter Kenyeres: Schlösser und Burgen im Weinviertel. Eigenverl. Kulturbund Weinviertel, Anton Gössinger 1979.
  • Laurin Luchner: Schlösser in Österreich I. Beck, München 1978, ISBN 3-406-04507-3.
  • Franz N. Mehling: Knaurs Kulturführer Österreich. Droemer-Knaur, München 1977.
  • Franz Müller, Anton Resch: 500 Jahre Stadt Schrattenthal. Festschrift zur 500-Jahrfeier der Stadterhebung nach Recherchen von Raimund Oblistil, herausgegeben von der Gemeinde Schrattenthal, Eigenverlag 1972.
  • Gerhard Reichhalter, Karin Kühtreiber, Thomas Reichhalter: Burgen-Weinviertel. Freytag & Berndt, Wien 2005, ISBN 3-7079-0713-9.
  • Franz Xaver Schweickhardt: "Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens,Viertel unterm Manhartsberg", Ronthal bis Schönborn, Mechitharisten, Band 6, Wien 1835.
  • Gerhard Stenzel: Von Burg zu Burg in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1973, ISBN 3-218-00229-X.
  • Gerhard Stenzel: Von Schloß zu Schloß in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1976, ISBN 3-218-00288-5.
  • Mella Waldstein: Menschen und Denkmale. Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Kultur und Wissenschaft, St. Pölten 2006 (Denkmalpflege in Niederösterreich; 36).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Schloss Schrattenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Schrattenthal auf geomix Abgerufen am 12. Oktober 2012
  2. Dehio S. 1057
  3. Liste der Straßennamen von Wien (Schurzgasse)
  4. a b c d e Schrattenthal auf burgen-austria Abgerufen am 12. Oktober 2012
  5. a b Dehio S. 1060
  6. aus den Unterlagen der Schlossbesitzer über die Orgel
  7. Dehio S. 1059