Schloss Schwarzenberg (Scheinfeld)

Schloss Schwarzenberg bei Scheinfeld im Steigerwald
Schloss Schwarzenberg, Seitenansicht nach Westen

Das Schloss Schwarzenberg ist ein Schloss bei Scheinfeld im fränkischen Steigerwald. Der bauliche Ursprung des Schlosses war eine mittelalterliche Wehranlage, die später in ein repräsentatives Schloss umgebaut wurde. Der Ursprung der Burg ist noch gut zu erkennen: Wehrhafte Wälle, Kasematten und Wehrtürme zeugen noch vom einstigen Zweck. Der verzierte Palas des Schlosses steht auch aus Sicht der andersartigen Architektur in einem deutlichen Kontrast.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1150: Erste urkundliche Erwähnung einer Burganlage, die sich im Besitz der Grafen zu Castell befand. Diese Annahme ist aber nicht unumstritten, denn es kann sich bei der Urkunde auch um die Burg Schwarzenburg bei Waldmünchen handeln.[1] Gesichert ist dagegen die Existenz einer edelfreien Familie von 1215-1235, die mit einem kranken Domherrn 1250 in Würzburg endet.[2] Wenig später tritt die Burg erstmals in der Casteller Erbteilungsurkunde um 1265 in Erscheinung und der Turm wird 1274 genannt. [3]

1405–1421: Nach Besitz durch die Familien von Hohenlohe und derer von Vestenberg erwarb Ritter Erkinger von Seinsheim, Ahnherr des Hauses Schwarzenberg, die Burg.

1607: Zerstörung der mittelalterlichen Burg durch ein Feuer.

1608–1618: Graf Wolfgang Jacob von Schwarzenberg zu Hohenlandsberg ließ die Burg als Renaissanceschloss wieder aufbauen. Der bekannte Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl erstellte die Pläne, die Bauausführung lag bei den Nürnberger Baumeistern Jakob Wolff, Vater und Sohn. Die Innenausstattung wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg erneuert.

1646 fiel der Adelssitz nach dem Tod des Grafen Georg Ludwig von Schwarzenberg zu Hohenlandsberg wieder an die so genannte niederländische (die künftig fürstliche) Linie des Hauses Schwarzenberg.

1670–1674: Aus Anlass der Erhebung des Hauses Schwarzenberg in den Reichsfürstenstand wurde als letzter Bauteil der „Schwarze Turm“ erbaut. Er markiert den höchsten Gebäudeteil des Schlosses.

17. Jahrhundert: Das Haus Schwarzenberg verlagerte den Schwerpunkt seiner Herrschaft nach Wien und Böhmen, das Schloss blieb jedoch bis 1806 Sitz der Regierung und Verwaltung der reichsunmittelbaren fürstlichen Grafschaft Schwarzenberg.

1940: Die Nationalsozialisten beschlagnahmten das Schloss und richteten eine Gauschulungsburg ein. Gegen Kriegsende wurden deutsche Flüchtlinge einquartiert.

1945–1949: Bei ihrem Vorstoß nach Nürnberg besetzten die Amerikaner das Schloss und nutzen es als Lazarett. Ca. 1000 Flüchtlingen aus dem Baltikum bot es als Behelfsquartier der UNO vorübergehend eine Unterkunft.

1986: Das Dokumentationszentrum zur Förderung der unabhängigen tschechoslowakischen Literatur zog in das Schloss ein. Für diesen Zweck ließ Karl zu Schwarzenberg Räume im Schloss einrichten. Im Schloss entstand auch ein kleiner Verlag zum Drucken von Untergrundliteratur.

Heute

Karl zu Schwarzenberg, von 2007 bis 2009 und wieder seit Juli 2010 Außenminister Tschechiens und Oberhaupt des Adelshauses, bewohnt zeitweise das Schloss. Im Schloss befindet sich eine private Real- und Fachoberschule der Mathilde-Zimmer-Stiftung. Es werden Führungen durch das Schloss angeboten (sonn- und feiertags ab 14:00 Uhr oder nach Vereinbarung). Auskunft erteilt die Stadt Scheinfeld.

49.67210.47555Koordinaten: 49° 40′ 19,2″ N, 10° 28′ 32″ O

Literatur

  • Wolfgang Wüst: Die Akte Seinsheim–Schwarzenberg: eine fränkische Adelsherrschaft vor dem Reichskammergericht, in: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 62 (2002) S. 203-230. ISSN 0446-3943

Einzelnachweise

  1. Vgl. G. Wunder, Die Verwandtschaft des Erzbischofs Friedrich I. von Köln, Annalen des Hist, Vereins für den Niederrhein 166, 1964, S. 25 ff
  2. Hohenlohisches Urkundenbuch I, Nr. 34; Baader, Hist. Verein Mittelfranken 22, S. 96 f; Goez, Codex Diplomaticus Ebracensis I, Nr. 152; Monumenta Castellana I, Nr. 99 und 115; Monumenta Boica 37, Nr. 312, S. 348 f.
  3. Monumenta Castellana, Nr. 152; Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Rothenburg, Nr. 487 a = Landgerichtsprotokoll I, fol. 1 r.

Weblinks

 Commons: Schloss Schwarzenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien