Schloss Würting

Schloss Würting um 1674, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer
Schloss Würting 1849, Lithographie von Leopold Weismann
Schloss Würting 2009
Schloss Würting: Eingangstor

Das Schloss Würting in der Gemeinde Offenhausen in Oberösterreich wurde erstmals 814 als romanischer Hof (actum ad wirtingen) erwähnt. Es gehörte damals den Grafen zu Lambach und später dann den Bischöfen von Würzburg, von denen es der Babenberger Herzog Leopold im Jahre 1120 kaufte. Nach einigen Eigentümerwechseln ging das Anwesen im Jahr 1455 an Jörg Perkheimer, der das Schloss 1462 auf dem Grundriss der mittelalterlichen Wasserburg im Stil der Renaissance neu errichtete.

1534 erreichte Jörg III. von Perkheim bei König Ferdinand I. auf Verlangen der Einwohner von Offenhausen und seine Fürbitte für das ihm untertänige Dorf, die Erhebung zum Markt. Dieses hatte sich zu einem regionalen Zentrum von Handel, Gewerbe und Handwerk entwickelt.

Von 1604 bis 1617 gehörte das Schloss dem Welser Handelsherrn und Burgvogt Christoph Weiß. Weiß hoffte in den Freiherrenstand erhoben zu werden. Er ließ bereits 1610 das Schloss nach Osten und Süden erweitern und stattete es reich aus. Erst sein Enkel, Hans Christoph, wurde 1651 von Kaiser Ferdinand III. zum Freiherrn von Weißenberg erhoben. Zahlreiche Stuckarbeiten und Deckengemälde wurden in dieser Zeit im Schloss angebracht. 1698 ging das Schloss in den Besitz der Grafen von Seeau über, die es bis ins 19. Jahrhundert hielten. Nach kurzem Besitz durch die ungarische Adelsfamilie Földvary von Földvar ging es 1860 an den Bürgerlichen Johann Karl Grillmayer, den Gründer der Spinnerei Kleinmünchen (heutige Linz-Textil AG).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der gesamte Grundbesitz des Schlosses schrittweise verkauft. Nach mehreren Besitzerwechseln geriet das Gebäude in immer schlechteren Zustand. 1921 kaufte der Wiener Bankier Heinrich Gutmann das Schloss für seine Frau Stefanie, woraufhin es eine erneute, kurze Blütezeit erlebte. Das Schlossgebäude wurde restauriert und mit wertvollem Mobiliar und Gemälden ausgestattet, darunter Ölbilder des Malers John Quincy Adams, dem ersten Mann von Stefanie Gutmann.

1923 schrieb Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi auf Schloss Würting sein programmatisches Buch Pan-Europa, in dem er seine Ideen eines vereinten Europa beschreibt, die er bald darauf durch die Gründung der Paneuropa-Union propagieren wollte.[1][2][3]

1938 ging das Schloss zu einem Bruchteil seines Wertes an den Reichsgau Oberdonau. Die wertvolle Einrichtung wurde verkauft oder verschwand auf unbekannten Wegen, in das Schloss zog eine SA-Schule ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dort für kurze Zeit Flüchtlinge untergebracht. 1952 erhielt Stefanie Gutmann das stark in Mitleidenschaft gezogene Anwesen zurück, verkaufte es aber umgehend. Erneut folgten mehrfache Besitzwechsel bis das Schloss 1975 an den Künstler und Paläontologen Herbert Schaffer ging, der dort seine paläontologische Sammlung unterbrachte.

Trotz Unterstützung durch die öffentliche Hand ist das Schloss heute in schlechtem Zustand. Das Anwesen ist nicht öffentlich zugänglich.

Weblinks

 Commons: Schloss Würting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://paneurope.org.ua/content/view/23/40
  2. http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20041111
  3. http://www.radio.cz/de/artikel/124302

48.14583333333313.830833333333Koordinaten: 48° 8′ 45″ N, 13° 49′ 51″ O