Schloss Walchen

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Schloss Walchen
Schloss Walchen heute

Schloss Walchen heute

Entstehungszeit: 1590 (Nachfolgerbau von Burg Walchen)
Erhaltungszustand: renoviert, bewohnt
Ort: Ortsteil Walchen der Gemeinde Vöcklamarkt
Geographische Lage 47° 59′ 7,1″ N, 13° 29′ 28,8″ O47.98531356289613.49132251733Koordinaten: 47° 59′ 7,1″ N, 13° 29′ 28,8″ O
Schloss Walchen (Oberösterreich)
Schloss Walchen

Das Schloss Walchen steht im Ortsteil Walchen der Gemeinde Vöcklamarkt im Bezirk Vöcklabruck des Landes Oberösterreich (Walchen 1).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hans Christian Geymann (Geumann) hat 1583 die Herrschaft Walchen erworben. Anstelle der früheren Burg Walchen ließ er 1590 ein neues Schloss erbauen. Sein Sohn Ortolf besetzte während der Adelsrevolte im Auftrag der protestantischen Stände Schloss Kogl (Attergau). Er musste jedoch nach dem Einmarsch der Bayern zu Friedrich V. (Pfalz) dem sogenannten Winterkönig nach Prag fliehen. Die Stiefbrüder des Ortlofs waren wiederum Parteigänger des Kaisers und konnten Walchen für die Familie retten. Dem Sohn Hans Paul Geymanns kaufte 1632 Franz Christoph Khevenhüller die Herrschaft Walchen. Bereits 1638 verkaufte er den Besitz an Nikolaus von Gurland, den Rat und Schatzmeister von Kaiser Ferdinand II..

Schloss Walchen einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674

Das Geschlecht der Grafen Gurland ist 1736 binnen kurzer Zeit (eventuell durch eine Pest- oder Choleraepidemie) ausgestorben. Das Erbe trat Graf Leopold Christoph von Schallenberg an, dessen Mutter Dorothea Juliana eine Gräfin von Gurland war († 1749). Die Gräfin soll aus Schmerz über den Verlust ihrer Familie „wahnsinnig“ geworden werden. Der Legende nach geistert sie immer noch als „weiße Frau“ im Schloss Walchen. Christoph von Schallenberg verkaufte Walchen 1766 an den Grafen Johann Gottlieb von Clam. 1786 kam Walchen in den Besitz des Freiherrn Christoph von Aretin. Nachfolger von diesem war 1802 Josef Preuer. Dessen Gattin Rosalie wurde 1821 von Josef Klemens von Weichs abgelöst. Unter den Weichs-Glon entwickelte sich Walchen in Zusammenhang mit Felix von Pausinger, der das unweit gelegene Schloss Kogl besaß, zu einer Art Künstlerkolonie, der auch Rudolf von Alt angehörte. [1] 1881 erwarb Georg von Aichinger von den Geschwistern Gabriele, Heinrich, Theresia, Friedrich, Maria und Sophie Weichs-Glon den Besitz. Nachfolger wurden dann Otto Steinbeis (1889), Felix Freiherr von Than-Dittner (1903), Georg Kaisinger (1914), Anton Gartner-Romansbruck (1916), Friedrich und Emma Waldeck, Otto und Ernst Mitteiswicz (1917), die Familie Schaumburg-Lippe; die letzte Besitzerin aus dieser Familie war Prinzessin Walpurgis zu Schaumburg-Lippe. Besucher bei den Schaumburg-Lippes auf Walch waren Friedrich Georg Jünger oder Martin Heidegger.

1959 wurden das Schloss und der dazugehörige Gutsbetrieb von Frau Pauline Hanreich-Ludwig erworben. Diese entstammte einer Wiener k. und k. Hofkunsttischlerfamilie und sie erwarb das Schloss, um ihrer Sammlung von antiken Möbeln einen würdigen Rahmen zu geben. Die Tochter Paulines, Dr. Eugenie Hanreich, sammelte im Laufe ihrer Volkskundelaufbahn einen stattlichen Fundus an Gerätschaften, Spielsachen und Gegenständen der Kinderwelten der nahen und fernen Vergangenheit, die den Grundstock des heutigen Kinderweltmuseums bilden. Die gegenwärtigen Schlosseigentümer sind Friedrun und Christoph Hanreich-Öttl, die sich um eine Revitalisierung des großen Schlosses bemühen. Die Familie Hanreich besitzt auch das Schloss Feldegg.

Schloss Walchen heute

Das Schloss ist ein dreigeschossiger Bau mit einem gebrochenen Walmdach. Auf der linken Seite ist ein zweigeschossiger Flügel angebaut. In dem Dreiecksgiebel oberhalb des Eingangstores befindet sich eine Uhr, darunter ist das Familienwappen der Geymanns (?) angebracht. Der früher vorhandene und auf einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674 erkennbare Uhrenturm ist nicht mehr vorhanden, ebenso ist die das Schloss umgrenzende Mauer verschwunden. Das Tor zum Schloss ist ein einfaches Steinportal mit einem Segmentbogen und einen hervorstehenden Schlussstein. 2001 wurde dem Schloss der oberösterreichische Handwerkerpreis der Firma Hochholzer für die hervorragende Restaurierung der Fassade verliehen.

Im zweiten Stockwerk befinden sich die Bibliothek und weitere Repräsentationsräume, wobei bei der Renovierung im Jahr 1961 eine bemalte Kassettendecke (Dübelholzdecke) aus dem Ende des 16. Jahrhunderts herausgearbeitet wurde. Weitere Deckengemälde zeigen biblische Szenen, Jagddarstellungen sowie die vier Jahreszeiten. Die barocken Öfen stammen aus dem Schloss Losensteinleithen. In dem Schloss sind auch zwei Kapellen vorhanden: Die barocke katholische Kapelle bildet den Ostabschluss einer Zimmerflucht. Ihre Flachdecke weist Deckenstuck von 1750/1770 auf. Im Emporraum befindet sich ein Rokokoaltar aus dem 18. Jahrhundert. Eine Nepomukstatue stammt von 1760/1770. Die spätgotischen Glasfenster sind aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts. Die schlichte evangelische Kapelle wurde erst bei der Renovierung des Schlosses 1960/70 gefunden, als die als Kohlenkeller dienenden Parterreräume ausgeräumt wurden. Sie dürfte noch aus der Erbauungszeit des Schlosses stammen. Ein schmiedeeisernes Abschlussgitter, dessen Rauten mit der bemalten Kassettendecke übereinstimmen, ist hervorzuheben. Im Freskenschmuck der Kapelle kann man u. a. die Taufe Christus im Jordan erkennen. Sie dürfte auf die Geymanns, die dem protestantischen Glauben anhingen, zurückgehen. Bilder der Innenräume des Schlosses sowie der dort gesammelten Kunstwerke finden sich in dem Journal „money, das klubjournal, 2007, Ausgabe 2 . [2]

Zum Schloss gehört eine Lindenbaumallee, die 1822 von dem Freiherrn von Walchs gepflanzt wurde. Sie gilt als ein Naturdenkmal. [3]

Im Park finden sich spätbarocke Steinfiguren, welche den heiligen Donatus und den heiligen Florian darstellen. In dem ehemaligen Meierhof des Schlosses ist das Kinderweltmuseum untergebracht. Weitere Maßnahmen zur zeitgemäßen Nutzung des Schlosses beziehen sich auf Ausstellungen im Schloss (z.B. „Goldhauben in Österreich“), die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte (2011: „Essbare Landschaften“ [4]; 2012: Verkauf von Produkten aus schlosseigener Produktion im Hofladen). Das Schloss kann auch als Location für Hochzeiten oder für andere Veranstaltungen (Konzerte) genutzt werden. Auch ein Therapieangebot wird 2013 im Schloss eingerichtet. [5]

Literatur

  •  Oskar Hille: Burgen und Schlösser in Oberösterreich einst und jetzt. Verlag Ferdinand Berger & Söhne, Horn 1975, ISBN 3-85028-023-3.
  •  Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Ein Leitfaden für Burgenwanderer und Heimatfreunde. 3. Auflage. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1976, ISBN 3-85214-157-5.
  •  Herbert Erich Baumert & Georg Grüll: Burgen und Schlösser in Oberösterreich, Band 2: Innviertel und Alpenvorland. Birken-Verlag, Wien 1985, ISBN 3-85030-049-3.

Einzelnachweise

  1. Walter Koschatzky: Rudolf von Alt: mit einer Sammlung von Werken der Malerfamilie Alt. 2001, Wien; Böhlau, S. 189.
  2. Titelstory „Sagenhaftes Kunstjuwel“
  3. Lindenallee im Schlosspark Walchen
  4. Vöcklamarkt: Schloss Walchen produziert „Essbare Landschaften“
  5. Therapie im Schloss Walchen in Vöcklamarkt

Weblinks

 Commons: Schloss Walchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien