Schloss Windhaag

Das neue Schloss Windhaag
Die Burg und das Schloss um 1674, Kupferstich von G.M.Vischer

Die Burg und das Schloss um 1674, Kupferstich von G.M.Vischer

Alternativname(n): Schloss Windhaag
Entstehungszeit: 1642 bis 1673
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: 1681 zur Gänze zerstört
Ort: Windhaag bei Perg
Geographische Lage 48° 17′ 0″ N, 14° 41′ 0″ O48.28333333333314.683333333333500Koordinaten: 48° 17′ 0″ N, 14° 41′ 0″ O
Höhe: 500 m ü. A.
Das neue Schloss Windhaag (Oberösterreich)
Das neue Schloss Windhaag

Das ehemalige Schloss Windhaag war ein Schloss, das in der Zeit von 1642 bis 1673 von Joachim Enzmilner neben dem alten Schloss Windhaag im Stil der Renaissance errichtet wurde. Es wurde bereits acht Jahre später, 1681, von seiner Tochter Eva Magdalena wieder abgerissen, weil die Steine für den Bau des neuen Dominikanerinnenklosters Windhaag benötigt wurden.

Im Gegensatz dazu ist das alte Schloss Windhaag als Burgruine Windhaag erhalten geblieben und wird seit Beginn des 21. Jahrhunderts für touristische Zwecke nutzbar gemacht

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Joachim Enzmilner hatte die Herrschaft Windhaag bei Perg (ohne die Ämter Zell und Weißenbach) am 19. August 1636 von Verwandten der Erben des Lorenz Schütter (Georg Schütter, Martha von Serdain, geborene Schütterin, Dorothea Schütter, geborene Fenzlin von Feuregg, Georg Schütter von Klingenberg und Kollmitz als Gerhab für seine Vetter Wolff Gottfried Schütter) um fünfzigtausend Gulden erworben. Das zu diesem Zeitpunkt von Georg Schütter erstellte und übergebene Urbar umfasste 556 Folioseiten.

Das alte Schloss Windhaag war, soweit der Dachtropfen fiel, zum Zeitpunkt des Erwerbs der Herrschaft Windhaag österreichisches Lehen. Es war im gotischen Stil erbaut, nicht groß, aber wohnlich.

Vorne gegen das Tor war es von einem aufgemauerten Graben, über den die Schlossbrücke führte, umgeben. Auf der Rückseite, gegen Münzbach zu, war es von einer Mauer umfangen. Alle Gebräuchlichkeiten, die außerhalb des Grabens standen, wie die Kapelle, der Rossstall, das Reitstübl, ein gemauerter Getreidekasten, im unteren Hof das Brauhaus, die Schmiede und das Badstübl, sowie beim oberen Tor der Turm, die anstoßenden Mauern und Altanen waren erst 1507 teils von Laßla Prager und teils später von seiner Witwe auf freieigenem Grund erbaut worden.

Enzmilner fand das alte Schloss nicht mehr zeit- und standesgemäß. Er erreichte die Lösung der Lehensbande, brachte das Schloss in seinen Besitz und begann 1642 mit dem Bau eines prächtigen neuen Schlosses in italienischem Stil. Dafür mussten zunächst Berge abgetragen und Schluchten aufgefüllt werden, um vor der alten Burg Platz für den Neubau zu schaffen.

Nach der Errichtung des Gebäudes, die 1648 abgeschlossen war, dauerte es noch 25 Jahre, bis die Inneneinrichtung fertiggestellt war. Wer die Künstler und die Bauleute waren und wie hoch die damit verbundenen Kosten waren, ist nicht mehr bekannt, weil umfangreiches Archivmaterial verloren gegangen ist.

Altes und neues Schloss wurden durch eine Brücke verbunden. Wegen seiner reichen Architektur, seiner aufwendigen Einrichtungen und der schönen Gartenanlagen galt dieses Prachtschloss als das erste und vornehmste im Land ob der Enns.

Innenausstattung

Das Schloss hatte unter anderem eine umfangreiche Bibliothek (Bibliotheca Windhagiana), eine Gemäldegalerie, sowie eine wertvolle Münz- und Kunstsammlung, eine Rüstkammer mit Waffensammlung, eine Werkzeugkammer, eine Apotheke sowie Wohnräume und Herrschaftszimmer.

  • Die Bibliothek beanspruchte drei große Säle. Einen Teil der Bücher hatte Enzmilner von seinem Vater geerbt und durch den Erwerb der Bibliotheken mehrerer adeliger und sonstiger Personen (unter anderem Helmhart Jörger von Schloss Steyregg sowie durch Kauf bei Buchhändlern ausgebaut. Gemäß dem Katalog von Quarient enthielt die Bibliothek 16.000 Bände und war in drei Teile gegliedert: Bibliotheca antiqua (Bücher bis 1550), Bibliotheca nova (Bücher von 1550 bis 1650) und Bibliotheca moderna (Bücher ab 1650). Die Bibliothek wurde in der Zeit von 1656 bis 1670 eingerichtet. Der Dominikanerpater Hyazinth Marianus (Fidler) war jahrelang mit der Ordnung der Bestände beschäftigt.
  • Die Gemäldegalerien nahmen drei Stockwerke in Anspruch. Im untersten Stockwerk waren die vier Monarchien (die babylonische, die persische, die griechische und die römische) bildlich dargestellt. Im mittleren Stockwerk befanden sich Bilder der berühmtesten ausländischen christlichen Kaiser und im oberen Stockwerk die Porträts der vorzüglichsten Kaiser aus dem Haus Österreich und deren Gemahlinnen. Das große Deckengemälde zeigte eine allegorische Darstellung.
  • Ein Saal barg die Kunstsammlung mit Edelsteinen, Uhren, Mineralien, Vogeleiern und einer Wappensammlung. Grundstock waren die 1666 aus der Verlassenschaft des Reitmarschalls der niederösterreichischen Stände Christoph Adam Fernberger von Egenberg erworbenen Kostbarkeiten und Münzen. Neben zahlreichen Kunstgegenständen und Münzen sammelte Enzmilner auch exotische Naturalien. Nur wenige Stücke sind noch nachweisbar, etwa der Sessel aus den Knochen des Elefanten Kaiser Maximilians II., der sich heute im Stift Kremsmünster befindet.
  • Die Münzsammlung war in einem großen Münzkasten mit 600 Schubfächern untergebracht und umfasste insgesamt knapp 20.000 Münzen unter anderem hebräischer, babylonischer und assyrischer Herkunft.
  • Die Rüstkammer enthielt eine Waffensammlung.
  • Die Werkzeugkammer war vierzehn Meter lang und enthielt Werkzeuge für alle Handwerke.
  • Die reichlich ausgestattete Apotheke enthielt Materialzimmer, Laboratorium und Kühlraum.
  • Der Römersaal und der Österreichersaal waren mit rotem und weißem Marmor gepflastert und mit zahlreichen Wand- und Decken-Gemälden ausgestattet.
  • Die Wohnräume und Herrschaftszimmer waren mit kunstvollen Stuckdecken ausgestattet. Die Fußböden wurden mit wertvollen türkischen Teppichen belegt. Im Schlafzimmer befand sich ein schöner vergoldeter Altar.

Das Schloss erhielt in und außerhalb des Gebäudes insgesamt sieben Springbrunnen, vierzehn Trinkbrunnen, ein Wildbädl zum Schwitzen und Lust baden, Grotten mit Wasserspielen für verschieden gefärbtes Wasser, wasserspeiende Statuen und anderes mehr.

Außenanlagen

Außerhalb des Schlosses befanden sich

  • der gut ausgestattete Brauhof und
  • ein großer, durchaus gewölbter Schlossmeierhof mit Meierhofgarten, wo Hirsche, Rehe und Hasen gehegt wurden, ein Fasangarten, ein Tiergarten mit einem Schildkrötenteich, zehn Fischteiche und ein großer Lustgarten mit Lusthaus und Springbrunnen.
  • eine Gloriette auf der Anhöhe nördlich des Schlosses mit einer wunderbare Fernsicht in die südliche Landschaft.
  • das in Erinnerung an eine 1645 Reise nach Italien, darunter auch Assisi, errichtete Portiunkula-Kirchlein (geweiht 1651).

Enzmilner ließ auch die im Bereich des alten Schlosses befindliche Schlosskapelle umbauen und großzügig ausstatten. Die Kapelle wurde 1664 vom Passauer Weihbischof Martin Geiger eingeweiht.

Abriss des Schlosses und Klosterbau

Joachim Enzmiller starb am 21. Mai 1678, seine Tochter erbte das alte und neue Schloss und die gesamte Herrschaft Windhaag.

Eva Magdalena hatte sich vom luxuriösen Leben ihres Vaters abgewandt. Das Kloster im alten Schloss war zu klein, daher ließ sie ab 1681 ein neues Kloster im heutigen Ortszentrum errichten. Für den Bau des Klosters wurde das neue Schloss nur acht Jahre nach dessen Fertigstellung komplett abgerissen und die Steine als Baumaterial verwendet, zusätzlich wurden wiederum Steine von der Ruine Pragtal herbeigeschafft.

Das Kloster war 1691 vollendet, 1693 wurde die zugehörige Kirche geweiht, die heute als Pfarrkirche dient. Eva starb 1700 und wurde im Kloster beigesetzt. Das Dominikanerinnenkloster Windhaag wurde 1765 wegen der Verschuldung dem Domkapitel Linz unterstellt und 1782 aufgehoben (Josefinismus).

Teile des Inventars wurden verkauft oder verschenkt. Drei Brunnen des Schlosses stehen heute als Leopoldbrunnen am Stadtplatz in Steyr, am Marktplatz in Königswiesen und in einem Bauernhof in Ebelsberg.

Literatur

  • Ernst Fietz: Die Steine von Windhaag bei Perg und die Geschichte des Schlosses. Mit drei Textzeichnungen und fünf Abbildungen. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 26, 3/4, 1972, ISSN 0029-7550, S. 108–117, PDF.
  • Georg Grüll: Geschichte des Schlosses und der Herrschaft Windhag bei Perg (Oberösterreich). In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. 87, 1937, ISSN 0379-0819, 1. Teil: S. 185–216, PDF.
  • Georg Grüll: Geschichte des Schlosses und der Herrschaft Windhag bei Perg (Oberösterreich). In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. 87, 1937, 2. Teil: S. 216–278, PDF.
  • Georg Grüll: Geschichte des Schlosses und der Herrschaft Windhag bei Perg (Oberösterreich). In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. 87, 1937, 3. Teil: S. 278–309, PDF.

Weblinks

 Commons: Schloss Windhaag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien