Schwarzes Kabinett

Als Schwarze Cabinete, auch Schwarze Kabinette (franz. cabinet noir), bezeichnete man die an wichtigen Postämtern eingerichteten Stellen, bei der auf Anordnung der Staatsregierung oder einer anderen Macht alle von einer Person aus- oder eingehenden Briefe im geheimen geöffnet, eingesehen, abgeschrieben, wieder verschlossen und in den Postverkehr zurückgeleitet wurden.

Die älteste Einrichtung dieser Art gab es angeblich in Frankreich unter König Ludwig XI. (1423–1483). Auf Grund eines Edikts vom 19. Juni 1464 hatte die französische Staatspost eine solche Einrichtung zu schaffen. Dieses Edikt wurde allerdings 1937 von Gaston Zeller als Fälschung aus dem 17. Jahrhundert entlarvt.[1]

Anfangs dienten die Schwarzen Cabinete nur für Staatszwecke. Kuriere und Postillone waren verpflichtet, die ihnen von privater Seite übergebenen Briefe auf für den König schädliche Nachrichten durchzusehen.

Auch bei der von den Thurn und Taxis betriebenen Kaiserlichen Reichspost sind solche geheimen Logen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts in vielen Städten nachweisbar. 1808 erfuhr die bayerische Regierung davon und rechtfertigte damit die Verstaatlichung der Taxis'schen Post.

Gegen das Briefgeheimnis verstoßende Einrichtungen ähnlicher Art (Briefzensur) sind in Kriegszeiten und während der Besatzungszeiten auch weiterhin üblich geworden. So schufen die Franzosen 1809 ein cabinet noir in Berlin. Während des ersten und zweiten Weltkrieges bestand im In- und Ausland eine weitgehende Briefzensur.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Behringer: Im Zeichen des Merkur, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-35187-9, S. 58 und 779 mit Bezug auf Gaston Zeller: Un faux du XVII siècle: L'édit de Louis XI sur la poste, in: Revue Historique 180, 1937, S. 286–292.