Siegfried Theiss

Siegfried Theiss (* 12. November 1882 in Pressburg/Pozsony heute Bratislava; † 24. Jänner 1963 in Wien; auch Siegfried Theiß) war ein österreichischer Architekt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Siegfried Theiss stammte aus gutbürgerlichem Haus. Der Vater war Mittelschullehrer, die Mutter kam aus einer Gutsbesitzerfamlie. Nach dem Architekturstudium an der Technischen Hochschule (1901–06) und der Akademie der bildenden Künste (1906–07) in Wien tat sich Theiss mit dem aus Nordböhmen stammenden Hans Jaksch zu einer höchst erfolgreichen Ateliergemeinschaft zusammen, die 1907 bis 1961, also 54 Jahre, währte. Darin galt Theiss, ein begabter Zeichner, eher als der künstlerische Teil, Jaksch oblag mehr die Akquisition der Projekte und der praktische Teil der Durchführung.

Im Ersten Weltkrieg geriet Jaksch in russische Kriegsgefangenschaft, zuerst in Turkestan, dann, nach einem erfolglosen ersten Fluchtversuch, in Sibirien. Siegfried Theiss gelang es aber, das Büro fortzuführen und Großaufträge wie die Fliegerkaserne in Wiener Neustadt abzuwickeln. Das Atelier Theiss und Jaksch blieb auch in den schwierigen Zeiten der Ersten Republik erfolgreich, Theiss wurde zum außerordentlichen Professor an die Technische Hochschule Wien berufen, und das Büro Theiss und Jaksch baute unter anderem Gemeindebauten für das Rote Wien.

Auch in den stürmischen 1930er Jahren blieben Theiss und Jaksch sehr gut im Geschäft; zu nennen sind das Hochhaus Herrengasse und die Wiener Reichsbrücke, ein Prestigeprojekt des Ständestaats. Dennoch hatten die beiden Architekten, in damaliger Terminologie beide volksdeutscher Herkunft, keine Probleme, nach dem „Anschluss“ Österreichs der NSDAP beizutreten. Auch Theiss, wie viele andere, befürwortete den „Anschluss“.[1] Die Tätigkeit des Büros befasste sich nun unter anderem mit Industrieanlagen der Molkereiwirtschaft.

1945 wurde Siegfried Theiss wegen seiner Parteimitgliedschaft kurz der Technischen Hochschule verwiesen, durfte aber seine Lehrtätigkeit schon Ende 1945 wieder aufnehmen. Theiss und Jaksch blieben auch in der Wiederaufbauperiode erfolgreich – ein bemerkenswertes, allerdings keineswegs isoliertes Beispiel für die Kontinuität der österreichischen Architekturszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über alle Regimewechsel hinweg.

Anerkennungen

Literatur

  • Georg Schwalm-Theiss: Theiss & Jaksch: Architekten 1907–1961, Brandstätter Verlag, Wien 1986, ISBN 3-85447-196-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Adolf Hitler und der neue deutsche Baustil. In: Neue Freie Presse, 9. April 1938, S. 12 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp