Sofiensäle

Blick entlang der Marxergasse auf die Sofiensäle, um 1900
Sofienbad um 1850 Lithografie F. Kalivoda
Sofiensäle Bauruine (Innenraum)

Sofiensäle ist der Name eines Gebäudes bzw. seiner Veranstaltungsräumlichkeiten in der Marxergasse 17 im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Synonyme Bezeichnungen sind Sofiensaal und Sofienbadsaal. 2001 brannten die Sofiensäle größtenteils ab. Seitdem standen nur mehr die tragenden Mauern als Brandruine. Die Revitalisierung der Sofiensäle als Wohn- und Geschäftshaus ist seit Mai 2011 im Gange, die Fertigstellung ist für Ende 2013 geplant.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Ruine der Sofiensäle von der Marxergasse aus gesehen
Seitenansicht der Ruine

1838 wurde an der Stelle der späteren Sofiensäle von Franz Morawetz (1789–1868) ein russisches Dampfbad errichtet. In den Jahren 1845–1849 wurde am Standort des Dampfbads das Sophienbad nach Plänen der Architekten Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg errichtet.

Der große Saal des Sophienbads (=Sofiensaal) wurde im Sommer als Schwimmhalle, im Winter unter dem Namen Sofiensaal (meistens Sofienbad-Saal) als Tanz-, Konzert- und Versammlungssaal genutzt. Dazu wurde das Schwimmbecken mit Holzbrettern abgedeckt und erhielt durch den sich darunter befindlichen Hohlraum (Schwimmbecken) eine ausgezeichnete Akustik.[1]

Kurz nach der Fertigstellung des Sophienbades 1846, d. h. beginnend mit dem 16. Jänner 1850, der Uraufführung des Walzers Frohsinns-Spenden (op. 73 ) und endend am 10. Februar 1896 mit der Uraufführung der Schnellpolka Klipp-Klapp (op. 465) nach Motiven seiner Operette Waldmeister hat Johann Strauss (Sohn) fast 100 seiner Werke – Walzer, Polkas und Quadrillen – im Sofiensaal aus der Taufe gehoben.

1870, 1886 und 1899 kam es zu Umbauten und Umgestaltungen. So wurde in den Jahren 1898 und 1899 die Fassade vom Architekten Ernst Gotthilf-Miskolczy neu erbaut. Im Dehio wird sie fälschlicherweise den Architekten Dehm & Olbricht zugeschrieben.[2] 1886 wurde der zweite, kleinere Saal dazugebaut, der den Namen „Blauer Salon“ trug. Erst seit diesem Zeitpunkt ist die Bezeichnung „Sofiensäle“ in Verwendung. Im März 1912 hielt Karl May dort seinen letzten öffentlichen Vortrag („Empor ins Reich des Edelmenschen!“) vor ca. 2000 Zuhörern. In den Sofiensälen wurden im September 1913 unter dem Titel „Sprechender Film“ erstmals auch in Wien mit Sprechton begleitete Filme präsentiert (Edison Kinetophon und Gaumont-Vorführungen). Aus unterschiedlichen Gründen, etwa dem geringen Angebot am Filmmarkt und Problemen mit der Synchronität von Bild und Ton wurden diese Vorführungen bald wieder eingestellt.

Die Sofiensäle sind aber auch mit dunklen Kapiteln der Wiener Geschichte verbunden: So wurde dort von Richard Suchenwirth in einer Versammlung im Mai 1926 die NSDAP in Österreich gegründet. Ab 1938 wurden die Sofiensäle für zur Deportation bestimmte Juden als Sammelstelle verwendet.

1948 wurde bei einer Restaurierung durch den Architekten Carl Appel die ursprüngliche Deckenkonstruktion freigelegt. Der Künstler Konrad Honold gestaltete die Wandflächen im Foyerbereich.

In den 1950er-Jahren installierte das Recordlabel DECCA das modernste Aufnahmestudio Europas im Gebäude, in dem bis in die 1970er Aufnahmen etwa mit den Wiener Philharmonikern eingespielt wurden. In den 1980er-Jahren waren die Sophiensäle eine beliebte Location für Bälle, wie z. B. das traditionelle jährlich stattfindende Elmayer-Kränzchen, sowie für das ÖKISTA Gschnas. In den 1990er-Jahren wurden die Sophiensäle für Clubbings, Ausstellungen der Wiener Festwochen und diverse Veranstaltungen genützt.

Bereits seit 1986 bestanden Pläne, die denkmalgeschützten Sofiensäle abzureißen und an ihrer Stelle ein Hotel zu errichten. Am 16. August 2001 wurden die Sofiensäle durch einen Brand schwer beschädigt. Auslöser waren Flämmarbeiten an der Dachkonstruktion, wobei sich der hölzerne Dachstuhl entzündete. Die Säle brannten vollständig aus, die Dachkonstruktion stürzte ein. Als Brandruine sind Reste der Außenmauern, Foyer und drei Seitenwände des „Großen Saales“ vorhanden.

Rechtsstreit und Zukunft der Säle

Sofiensaal-Ruine von oben aus der Marxer Gasse 24
Sofiensaal Neubau 2012

Die Sofiensäle standen unter Denkmalschutz, die nach dem Brand verbliebene Fassade, das Foyer und der „Große Saal“ stehen nach wie vor unter Denkmalschutz, weshalb ein Abriss vom Bundesdenkmalamt nicht gestattet wird. Der Eigentümer plante die Errichtung eines Hotels und wünschte daher den vollständigen Abriss der Brandruine, da eine Einbindung der Fassadenteile in das neue Hotel laut Eigentümer nicht wirtschaftlich beziehungsweise nicht umsetzbar gewesen wäre.

Nach dem Brand entstand daher ein andauernder Streit zwischen Eigentümer und Bundesdenkmalamt, der die Gerichte beschäftigte. Die Fassadenteile der Säle waren der Witterung ausgesetzt, weshalb ihr Zustand nach und nach schlechter wurde.

Am 27. Jänner 2006 erwarb die der Stadt Wien nahestehende Immobilienfirma ARWAG das Grundstück samt Brandruine und versprach eine denkmalgerechte Sanierung. Für die erneute Nutzung war im Gespräch die Sofiensäle zu Wohnungen oder in ein Hotel umzubauen. Im Juli 2008 wurde beschlossen, dass die Sofiensäle in ein Hotel umgebaut werden sollten. Der denkmalgeschützte Saal und der Stiegenaufgang sollten renoviert und ins Hotel integriert werden.[3] Im August 2009 wurde bekannt, dass die Pläne zum Umbau in ein Hotel mangels Interessenten aufgegeben wurden.

Zum neunten Jahrestag des Brandes im August 2010 erneuerte die Bürgerinitiative "Rettet die Sofiensäle" ihre Forderung nach Errichtung eines Kulturzentrums, da Wien diesen zentral gelegenen, multifunktionalen Veranstaltungsort dringend benötige. Das 2004 angedachte Johann-Strauss-Zentrum für klassische Musik solle ebenfalls in den Sofiensälen etabliert werden.

Der neue Eigentümer, die IFA AG, eine Tochter der Soravia Finanzgruppe, sieht aktuell eine Nutzung für Wohnungen, Büros und Geschäfte vor.[4] Geplant ist bis 2013 rund 90 Wohnungen und 140 Tiefgaragenplätzen, ein Restaurant, ein Kaffeehaus, Geschäfte sowie eine Bildungseinrichtung (möglicherweise ein Uni-Institut). Die denkmalgeschützten Gebäudeteile werden in das Projekt integriert, der große Saal soll laut Erwin Soravia, Leiter der Soravia Gruppe einer zeitgemäßen kulturellen Nutzung zugeführt und so weiter für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Baubeginn war im Mai 2011, die Fertigstellung ist für Ende 2013 geplant.[5][6]

Einzelnachweise

  1. Das Glück ist ein Vogerl - selbst für die Sophiensäle: LaCage hatte gestern Premiere im WUK. vom 4. April 2009, abgerufen am 8. Februar 2010
  2. Ernst Gotthilf-Miskolczy
  3. http://wien.orf.at/stories/293037
  4. http://wien.orf.at/stories/385090/
  5. Wienweb.at Sofiensäle, Neuer Phönix aus der Asche
  6. derstandard.at Soravia will "Sofie" neues Leben einhauchen, 5. September 2010

Literatur

Weblinks

 Commons: Sofiensäle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.20681944444416.391158333333Koordinaten: 48° 12′ 25″ N, 16° 23′ 28″ O