Sonny Rollins

Sonny Rollins
bei Jazz à Juan, 2005

Sonny Rollins (* 7. September 1930 in New York City, eigentlich Theodore Walter Rollins) ist ein amerikanischer Tenor-Saxophonist und Komponist des Hardbop. Sonny Rollins ist einer der einflussreichsten Jazz-Saxophonisten.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Rollins' Eltern stammen von den karibischen Jungferninseln, seine Mutter hat ihm als Junge häufig und gerne Lieder aus ihrer Heimat vorgesungen.[1] Er wuchs in Harlem auf und als im Alter von sieben Jahren einer seiner Onkel ihm zum ersten Male ein Saxophon gezeigt hatte, stand für ihn sein Berufswunsch fest.[2] Doch zunächst begann er als Pianist, wechselte danach zum Altsaxophon und kam 1946 zum Tenorsaxophon. Erste Erfahrungen sammelte sr im Harlemer Jazzclub Luckey’s Rendezvous.[3] 1949 nahm er mit Babs Gonzales seine erste Schallplatte auf. Im gleichen Jahr folgten Aufnahmen mit J. J. Johnson, Bud Powell und Art Blakey. In der Anfangszeit seiner Karriere arbeitete Sonny Rollins am häufigsten mit Miles Davis zusammen, mit dem er seit 1951 auch zusammen aufnahm. Im Januar 1951 entstand auch „I Know“, die erste Single unter Rollins´ Namen bei Miles Davis´ erster Session für Prestige (Miles Davis and Horns).

1954 komponierte er für eine Davis-Aufnahme drei Rollins-Kompositionen, die zu Jazzstandards werden sollten: „Airegin“, „Doxy“ und „Oleo“. Außerdem entstanden Aufnahmen mit dem Pianisten Thelonious Monk, der ihn stark beeinflusste.

Wie viele Jazz-Musiker in den 1950er Jahren war Sonny Rollins drogenabhängig. Nach dem Entzug 1955 spielte er als Nachfolger von Harold Land bis 1956 im Quintett zusammen mit Clifford Brown und Max Roach. Nach Browns Tod 1956 und einem kurzen Gastspiel im Miles-Davis-Quintett trat er im folgenden meist unter eigenem Namen auf, häufig im Trio ohne Klavier. 1956 erschien mit Saxophone Colossus eine seiner bedeutendsten Aufnahmen, u. a. mit dem Calypso St. Thomas (eine Reverenz an die karibische Herkunft seiner Mutter), der ebenfalls zum Jazzstandard wurde. Auch in den folgenden Jahren schrieb er mit Blues Waltz, Valse Hot, Pent Up House, Blue Seven und Pauls Pal noch Kompositionen, die häufig von anderen Musikern interpretiert werden. 1956 fand auch die einzige Studiobegegnung mit John Coltrane statt (Tenor Madness), als sie über einen Blues in B zwölf Minuten improvisierten.[4]

In den 1950ern galt Sonny Rollins als talentiertester Nachwuchssaxophonist. Er gewann 1957 die Kritiker-Umfrage des einflussreichen Down Beat-Jazzmagazins und galt einige Zeit als der neben John Coltrane meistversprechende Tenorsaxophonist.

Sonny Rollins (Stockholm 2009)

1959 hatte er in San Francisco ein Quartett mit Scott LaFaro, Elmo Hope und Lennie McBrowne, das danach Harold Land übernahm. Im selben Jahr trat er im Trio mit Pete LaRoca und Henry Grimes auch in Deutschland auf, besuchte das San Remo Jazzfestival und trat in Chicago beim Playboy Jazz Festival auf. In der Zeit zwischen 1959 und 1961 zog er sich jedoch aus der Öffentlichkeit zurück, da er nach eigener Aussage zu viel in zu kurzer Zeit erreicht hatte. Er gab das Rauchen und den Alkohol auf, las viel in seinem Apartment in Manhattan, wurde Rosenkreuzer und versuchte sogar das Saxophon-Spiel „neu zu lernen“. Da das den Nachbarn zu laut war, übte er häufig auf der nach Brooklyn führenden Williamsburg Bridge in New York City, wo er sich auch gelegentlich mit Steve Lacy traf. Über seine Erfahrungen, die „das Fundament für sein Leben als unerreichbarer Improvisator“ legten,[4] sagte Rollins zu Whitney Balliett:

„Du stehst da oben über der ganzen Welt. Du kannst runterschauen, und da ist die Skyline, das Wasser, die Bucht. Es ist ein wunderschönes Panorama. Du kannst da oben so laut spielen, wie du willst. Und du kommst ins Nachdenken. Diese Pracht gibt dir eine ganz neue Perspektive.“[4]

Die erste Aufnahme nach seinem Comeback (auf dem Wohltätigkeitskonzert für die Witwe von Booker Little 1961) nannte er in Anspielung darauf The Bridge. Bis 1966 arbeitete er viel mit Jim Hall (mit dem er ein Quartett hatte), Don Cherry (der Hall 1963 in seinem Quartett ersetzte) und Paul Bley zusammen. 1963 reiste er nach Japan, 1965 auf das Berliner Jazzfestival und nach London. Ab 1966 zog er sich wieder zurück, diesmal bis 1972 und reiste u.a. 1968 nach Indien, trat aber auch z.B. 1968 mit Mary Lou Williams in Kopenhagen und 1974 mit Rufus Harley auf den Berliner Jazztagen auf. Seine Schallplatten der 70er und 80er Jahre, bei denen er sich oft am Klang der Fusion-Welle orientierte, konnten jedoch qualitativ oft nicht an seine früheren Aufnahmen anknüpfen. In den 1970er Jahren war er regelmäßig mit eigenem Quintett (ab 1972) und mit den Milestone All Stars (Ron Carter, Al Foster, McCoy Tyner, ab 1978) auf Tour, auch verschiedentlich in Europa, wie auch in den 1980er Jahren.

Seit den 90er Jahren hat er sich als einer der herausragenden Solisten des klassischen Modern Jazz etabliert und gilt Vielen als einer der größten noch lebenden Jazzmusiker, der diese Stilrichtung noch persönlich geprägt hat. Seine Spielweise ist kraftvoll, manchmal fast derb, jedoch immer sehr melodisch und von einem lakonischen Humor durchsetzt (er galt schon in der Schule als Spaßmacher). Er veröffentlicht weiterhin Aufnahmen, die von der Kritik wohlwollend aufgenommen werden, und tritt regelmäßig auf. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 wurde Rollins aus seiner Wohnung in Downtown Manhattan evakuiert; unter dem Eindruck dieser Erlebnisse nahm er das Album Without a Song: The 9/11 Concert auf, für das er 2006 den Grammy bekam.[4]

2004 starb seine Frau und Managerin Lucille, die sich jahrzehntelang um seine Plattenverträge und Auftritte gekümmert hatte. Rollins gründete nach einer Zeit der Trauer seine eigene Produktionsfirma Doxy Records. Er benannte sein Label nach seiner Komposition Doxy, die seine erste Aufnahme mit Miles Davis war.[5] Ein weltweit operierender Vertrieb organisiert den Verkauf seiner Aufnahmen. Auf seiner Website bietet er die Möglichkeit an, sich seine neueste Musik auf den iPod herunterzuladen.

Sonny Rollins (2007)

Sonstiges

Sein Spitzname ist Newk, außerdem wird er auch mit seinem wirklichen Vornamen Theodore angesprochen.

Pete Wilson drehte 1968 über ihn den Film Rollins und Robert Mugge Saxophon Colossus 1998 (mit einer Aufführung des Concerto for Saxophone and Orchestra von Rollins aus dem Jahr 1986, Rollins kommt selbst zu Wort).

Rollins war früher für sein eigenwilliges Auftreten bekannt, beispielsweise hatte er die Angewohnheit, versonnen durchs Publikum zu gehen (wobei er den Raumklang erforschte) - was allerdings auch mehrfach zu Stürzen bei Auftritten führte.

Neben seiner Körpergröße von nahezu zwei Metern verfügt Rollins auch über ein hohes Selbstbewusstsein, das im Titel eines seiner meistgeschätzten Alben anklingt und das er bereits als 25-Jähriger 1956 einspielte: «Saxophone Colossus».[6]

St. Thomas ist im Soundtrack des New York-Films Working Girl von Mike Nichols 1988 und Tenor Madness in The Talented Mr. Ripley von Anthony Minghella von 1999. Sein Alfie wurde für den Soundtrack des britischen Films Der Verführer läßt schön grüßen (Alfie) von Lewis Gilbert von 1966 geschrieben, der Michael Caine zum Durchbruch verhalf.

Rollins lebt seit Jahrzehnten im ländlich gelegenen Germantown, das von Philadelphia eingemeindet worden ist.

Auszeichnungen

Diskografie (Auswahl)

als Leiter

Literatur

Zitat

„Ich bin mir sicher, Jazz ist die freieste, radikalste, herrlichste musikalische Ausdrucksform, um sich die Welt schön zu gestalten! Gerade weil einem der Jazz ein unglaubliches Maß an Überschwänglichkeit, Kreativität und Magie bietet. Jazz bringt dich weiter.“

Sonny Rollins, 2008 [2]

Weblinks

Interviews
Konzertkritiken

Einzelnachweise, Belege

  1. Sonny Rollins: „Ich habe einen Traum“, Die Zeit, 29. Juni 2006
  2. a b Michael Fuchs-Gamböck: „Es ist das schönste Leben, das ich mir vorstellen kann“, Der neue Tag, 29. November 2008
  3. Porträt des Luckey’s Rendezvous bei Big Apple Jazz
  4. a b c d Andrian Kreye: Der Koloss - Zum 80. Geburtstag des Tenorsaxophonisten Sonny Rollins. Süddeutsche Zeitung, 7. September 2010, S. 13.
  5. Christian Broecking: „Keine Zeit zu verschwenden“, Die Zeit, 26. Januar 2007
  6. Heinrich Oehmsen: „Der Riese aus Harlem mit dem rauen Ton“, Hamburger Abendblatt, 27. November 2008
  7. Christian Broecking: Jazz ist eine Protestmusik Jungle World 2004
  8. Besprechung (Nordwestradio)