Spitzelofen-Marmor

Der Spitzelofen-Marmor kommt auf der Alm Klein-Aibel bei Sankt Georgen im Lavanttal im österreichischen Kärnten vor. Der Steinbruch liegt auf etwa 1.060 Meter über Meereshöhe am Westabfall der Koralpe.[1] Dieser Steinbruch ist der am besten beschriebene römische Steinbruch Kärntens und er wurde vermutlich bis ins 4. – 5. Jahrhundert von den Römern betrieben.[2] Spitzelofen-Marmor fand überwiegend regional begrenzte Anwendung im römischen Noricum[3]; historisch bedeutend ist ein Schriftzug für römische Gottheiten in einer Steinbruchwand.

Inhaltsverzeichnis

Name

Mit dem Wort «Ofen» werden sichtbare Felsblöcke oder Felswände im Gebiet der Saualpe und Koralpegebiet bezeichnet. Eine weitere Erklärung stammt von Fritz Lochner von Hüttenbach[4] nach der südseitige Felshänge, die von der Sonnenhitze erwärmt, als Ofen benannt werden und spitz zulaufende Fluren als Spitz, wie auch Personen, die auf spitz zulaufenden Grundstücken wohnen, als Spitzl bezeichnet werden.[5]

Geschichtlicher Hintergrund

Dass die Steinbrucharbeiten abrupt beendet wurden, wird an den auf der Steinbruchsohle und am Waldrand hinterlassenen unbearbeiteten Marmor-Quadern deutlich, und es wird angenommen, dass seit der Römerzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Steinbrucharbeiten mehr stattfanden. Das Ende der Steinbrucharbeiten dürfte durch die im Alpenraum stattfindende Völkerwanderung hervorgerufen worden sein. Ende des 19. Jahrhunderts ließ der damalige Eigentümer, die Gutsverwaltung Schütte, das Gelände an der Steinbruchwand einebnen und ab dem Jahre 1920 bis 1922 legte Gudmund Schütte die Steinbruchwände weiter frei.[2] Im Jahr 1930 wurde weiteres Schuttmaterial bis zu einer Tiefe von 7 Metern entfernt. Im Jahre 1995 wurde das Bodendenkmal von Gehölzen befreit und teilweise Erdreich abgetragen.[6]

Gesteinsbeschreibung

Bei diesem Gestein handelt es sich um einen gering glimmerhaltigen Marmor mit über 98 Prozent Calciumcarbonat, der grobkörnig (bis 5 mm Korngröße) und weißgrau gebändert ist. Er enthält Graphit, Pyrit und hellen Glimmer.[7] Diese stofflichen Beimengungen aus den Ursprungsgesteinen führen zu typischem Dekor, der so genannten Marmorisierung.

Geologie

Der Gebirgszug der Koralpe besitzt einen komplexen geologischen Aufbau. In Glimmerschiefer, Gneisen und Amphiboliten sind Marmorzüge eingelagert, wie am Spitzelofen. Beim römischen Spitzelofen-Steinbruch handelt es sich um ein kleines regionales Marmor-Vorkommen, das an anderen Stellen auf der Koralpe ausstreicht und deshalb mehrere weitere Abbaustellen aufweist, die in jüngerer Zeit genutzt wurden.[8]

Steinbruch

Römischer Steinbruchbetrieb

Im Steinbruch des Spitzelofen-Marmors lassen sich von Süden kommend vier Abbruchwände feststellen auf denen die Spuren der römischen Marmorgewinnung an den Rillen erkennbar sind, die die Steinmetzen mit einem Spitzhammer oder Zweispitz in die Steinbruchwände schlugen.[9] Gefunden wurden im Spitzelofen-Steinbruch ein Hammer, ein Zweispitz und ein eiserner Spaltkeil[10] Insbesondere an der nördlich gelegenen Abbruchwand sind unvollständig bearbeiteten Quader erkennbar, die dort stufenförmig im Gestein liegen.[11] Unterhalb des Stollenlochs, der dritten Wand und vor der zweiten Wand liegen Rohlinge im Gestein, die noch nicht gelöst wurden.[12]

Abgebaut wurde im manuellen Schrämverfahren, dabei wurden zunächst die Steinblöcke ringsum auf vier Seiten freigeschlagen, anschließend mit Keilen vom Untergrund abgespalten und sie sollen auf Holzbalken von Ochsen ins Tal verfrachtet worden sein. Erstmals als Relikt römischer Steinbruchstätigkeit wurde diese Abbaustelle 1817 durch Eichhorn beschrieben. Die hinterlassenen Strukturen des Steinbruchs lassen auf einen sehr umfangreichen Steinabbau in der römischen Periode schließen.[13][14][15]

Die Steinbrucharbeiter waren römische Sklaven und es sollen sich eine Feldküche, Feldschmiede und Tischlerei im Steinbruch befunden haben. Des Weiteren wird angenommen, dass aus dem bei der Steingewinnung und Steinbearbeitung entstandenen marmornen Gesteinsschutt Kalk gebrannt wurde. Eine Untersuchung im Umfeld des Steinbruchs nach Meilern, Gruben oder Öfen zur Kalkherstellung hat bisher nicht stattgefunden.[16]

Eine weitere ungeklärte Besonderheit als rechteckige Vertiefung befindet sich im oberen Teil der vierten nördlich befindlichen Steinbruchwand, die auf das frühere Vorhandensein einer Steintafel schließen lässt und oberhalb des Steinbruchs befindet sich eine durch Schrämtechnik hergestellte Nische in diesem Marmorvorkommen. Beides lässt nach Konopasek darauf schließen, dass der Steinbruch eine römische Weihestätte gewesen sein könnte.[17]

Römische Weiheinschrift

In der Steinbruchwand über dem Stollenmundloch ist auf zwölf Meter Höhe ein römischer Schrifttext als Weiheinschrift eines Heiligtums eingeschlagen, der entsprechend der verwendeten Schriftart aus dem 3. Jahrhundert stammen dürfte[17] und als «Spitzelofendenkmal» bekannt geworden ist:

S.(ilvano) SAXANO AUG(usto) SAC(rum) ADIUTOR ET SECUNDUS
DEM SILVANUS SAXANUS, DEM EHRWÜRDIGEN, DIE WEIHUNG: ADIUTOR UND SECUNDUS.[17]

Die Weiheinschrift ist unterschiedlich interpretiert worden, so wird beispielsweise in einer anderen Übersetzung von dem „erhabenen Gott der Wälder und der Steinbrüche“ gesprochen.[18] Die Schrift ist schwer erkennbar, da sie von den herabsickernden Wassern, die Erdbestandteile aufgenommen haben, schwarz gefärbt und überkrustet ist. Des Weiteren haben sich dort Algen und Flechten abgesetzt.[17]

Der genaue Ort des mutmaßlichen Heiligtums ist nicht bekannt. Deutungen gehen davon aus, dass es sich entweder um den Felsenkessel selbst handelt oder dass es dort eine hölzerne Kapelle gab, die abbrannte.

Mit Silvanus wird der Waldgott bezeichnet, der weder Tempel hatte noch einen Kult im römischen Staat bildete. Silvanus wurde im Westen des römischen Reiches in unterschiedlicher Form verehrt; geopfert wurden ihm Dinkelmehl, Speck, Fleisch und Wein. Saxanus war die Gottheit der Felsen und Steinbrüche. Beide Götter waren miteinander verbunden und es wird eine Weihung des Steinbruchs durch den Steinbruchbesitzer angenommen.[19]

Stollen

Spekulationen, dass sich unter der Inschrift ein verwunschenes Schloss, ein Silberschatz befindet oder dass ein Geist Gesteinstrümmer in Gold verwandelte, führten dazu, dass Schatzsucher um 1890 einen Stollen von 2 Meter Höhe und 2 Meter Breite mit einer Tiefe von 3,5 Metern, in die Steinbruchwand auf einer Höhe von 2,5 Metern über der heutigen Steinbruchsohle gesprengt haben.[5] Weitere damit eventuell eintretende Zerstörungen wurden 1890 durch das Revierbergamt Klagenfurt unterbunden.[13] Dieser Steinbruch ist der am besten dokumentierte in Kärnten[3], und dieser Marmor fand u. a. Verwendung in der antiken Stadt auf dem Magdalensberg für Grabstelen.

Heute

Ein Gesteinsabbau findet in dem Bodendenkmal nicht mehr statt und das Gelände wird häufig von Wanderern aufgesucht.

Um die Geschichte des Steinbruchs zu sichern und weiter zu erforschen, stellte Konopasek im Jahre 2006 Forderungen auf, wie Sicherung der Weiheinschrift, Freilegung der Steinbruchsohle und Ausgrabung bis zur Sohle aus römischer Zeit, Markierung der römischen Transportwege, Vermessung der nicht fertiggestellten Werksteine, Suche nach Spuren der Kalkherstellung, Vermessung von Markierungen, Zeichen und Buchstaben im Steinbruch und Erforschung einer, in der Nähe des Steinbruchs liegenden ausgeschrämten Nische.[20]

Der Marmorsteinbruch wird auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt, wie beispielsweise im Jahr 2004 für eine Sonderaufführung des Schauspiels «NYCTIVOE» des griechischen Dimitris Lyacos mit sechs Masken, die der Bildhauers Fritz Unegg gestaltete.[21][22]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kieslinger: Gesteine Kärntens. S. 267 (siehe Literatur)
  2. a b Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 45 (siehe Literatur)
  3. a b Alexandra Steiner: Südnorische Grabelemente und ihr Marmor auf Frankfurter elektronische Rundschau zur Altertumskunde 1 (2006) Auszug aus einer Diplomarbeit
  4. Schreiben von Fritz v. Lochner vom 20. Oktober und 3. November 2004 an Konopasek: In: Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 48 und Anhang S. 64
  5. a b Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 48
  6. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 46
  7. Kieslinger: Gesteine Kärntens. S. 262, 268
  8. Kieslinger: Gesteine Kärntens. S. 269–270
  9. Abbildung der römischen Bearbeitungsspuren auf ubi-erat-lupa.org. Abgerufen am 19. Juni 2010
  10. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 51
  11. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 54
  12. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 55
  13. a b Kieslinger: Gesteine Kärntens. S. 268
  14. Franz Jantsch: Antike Bodenforschung in Kärnten. In: Carinthia I 121, 1931, S. 1–17.
  15. Geschichte der Gemeinde St. Georgen auf der Webseite sankt-georgen.at. Abgerufen am 15. Juni 2010
  16. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 52/53
  17. a b c d Robert Konopasek: Spitzelofen, S. 49
  18. Interpretation auf getfuture.at. Abgerufen am 3. Juli 2010
  19. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 50
  20. Robert Konopasek: Spitzelofen. S. 63 f.
  21. Dimitris Lyacos, Fritz Unegg: NYCTIVOE auf Austrian Cultural Forum vom März 2004. Abgerufen am 15. Juni 2010
  22. Information auf der Webseite von Kärnöl (kaernoel.at). Abgerufen am 15. Juni 2010

46.7423914.933939Koordinaten: 46° 44′ 33″ N, 14° 56′ 2″ O