Sportverein Austria Salzburg

Dieser Artikel behandelt den 2005 gegründeten Fußballclub. Für den Verein, der bis 2005 SV Austria Salzburg hieß, siehe FC Red Bull Salzburg.
Sportverein Austria Salzburg
Vereinswappen von Austria Salzburg
Voller Name Sportverein Austria Salzburg
Ort Salzburg, Österreich
Gegründet 7. Oktober 2005
Vereinsfarben violett-weiß
Stadion My Phone Austria Stadion
Plätze 2.000
Vorstand Walter Windischbauer (Obmann)
Trainer Thomas Hofer
Homepage austria-salzburg.at
Liga Regionalliga West (III)
2011/12 8. Platz
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Heim
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Auswärts

Der Sportverein Austria Salzburg, kurz SV Austria Salzburg, ist ein österreichischer Fußballverein aus der Stadt Salzburg. Er spielt in der Regionalliga West.

Der Verein wurde im Anschluss an den Einstieg von Red Bull beim gleichnamigen Bundesliga-Verein SV Austria Salzburg und dessen Neuausrichtung als FC Red Bull Salzburg gegründet. Als Vorbild dienten die fangetragenen englischen Vereine AFC Wimbledon und FC United of Manchester. Der Verein sieht sich als Nachfolger der früheren Austria und beruft sich als solcher auf deren Geschichte von 1933 bis 2005, deren Traditionen und deren Erfolge. Die Vereinsfarben sind dementsprechend Violett und Weiß.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Farbenstreit und die Initiative Violett-Weiß

Als im April 2005 die Pläne der Red Bull GmbH für einen Einstieg bei Austria Salzburg bekannt wurden, standen dessen Fans dem Vorhaben, das durch die schlechte finanzielle Situation des Vereines sehr willkommen schien, noch positiv gegenüber. In Österreich ist die Umbenennung eines Sportvereins vergleichsweise normal, viele Teams im Fußball oder Eishockey tragen den Namen eines Sponsors, üblicherweise, um ihre Finanzen zu sanieren bzw. ihr Budget aufzustocken. In der Regel geschehen solche Umbrüche aber mit Rücksicht auf die Tradition des Vereins, die nur behutsam verändert wird. In diesem Fall war es eine radikale Vereinsumgestaltung, die faktisch einer Übernahme des Vereins gleichkam – Red Bull ließ sich in den Vereinsstatuten das alleinige Bestellungsrecht für den Vereinsvorstand festschreiben –, die zur Gründung der Initiative und einem Machtkampf zwischen der Fanszene der Austria und dem neuen De-Facto-Eigentümer führte. Streitpunkte waren die fehlende Akzeptanz der Vereinsgeschichte (die neue Führung gab ursprünglich als Gründungsjahr des Vereins das Jahr 2005 an, was erst auf Druck des ÖFB rückgängig gemacht wurde) und vor allem die Traditionsfarben Violett-Weiß, die auf dem Papier zwar weiterhin die offiziellen Vereinsfarben blieben, aber faktisch nicht mehr existent waren. Rot-Weiß ersetzte die Traditionsfarben Violett-Weiß – nicht nur als Farbe der Trikots – und das Red-Bull-Logo verdrängte das Vereinswappen.

Als Reaktion auf die traditionsfeindliche Umgestaltung des Vereins von Seiten des neuen Eigentümers gründeten Fans die Initiative Violett-Weiß, deren Ziel zunächst der Erhalt der violett-weißen Vereinstradition war. Agiert wurde dabei auf mehreren Ebenen: Einerseits wurde mit Verantwortlichen des Vereins verhandelt, andererseits wurden Aktionen wie die friedliche Stürmung und Besetzung des Platzes während eines Freundschaftsspiels durchgeführt.

Die Gespräche scheiterten endgültig, als Red Bull als einzigen Kompromiss eine violette Kapitänsschleife, auf den Trikots lediglich ein kleines violettes Logo des neuen Ausrüsters Adidas und violette Stutzen für den Torwart anbot. Im Laufe der ersten Hälfte der Saison 2005/06 spaltete sich das Fanlager der Austria in traditionelle violette Fans und neue Red-Bull-Fans. Protestspruchbänder, -gesänge, weiterhin violette Choreographien und die von den Fans weiterhin getragenen violetten Trikots und Schals waren ebenfalls Ausdruck der Ablehnung von Red Bull und Dietrich Mateschitz.

Während der Gespräche, verstärkt aber nach deren Scheitern, kam es zu diversen Zwischenfällen zwischen den traditionsbewussten Fans und der Führung von Red Bull Salzburg. Für weitere Aufregung sorgte die Umwandlung des Fansektors von einem Steh- in einen Sitzplatzsektor und pauschal ausgesprochene Hausverbote gegen vermeintliche Randalierer aus violetten Fankreisen, die jedoch zum Teil wieder rückgängig gemacht wurden.

Solidarität der Fans und Medienecho

Solidaritätskundgebung der Fans von Maccabi Haifa im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Red Bull Salzburg („Herz statt Kommerz“)

In ganz Österreich und in vielen europäischen Stadien gab es Solidaritätskundgebungen von Fangruppierungen mit den violetten Fans. Deren Protest wird gemeinhin als Kampf der Fußballfans gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Sports verstanden und entsprechend unterstützt. Entgegen den üblichen Rivalitäten zwischen den Anhängern verschiedener Vereine haben die Entwicklungen in Salzburg dazu geführt, dass die Fußballfans sich als Einheit verstehen und gemeinsam „gegen den modernen Fußball“ agieren. Ziel ist es, die Tradition und Identität des jeweiligen Vereins zu wahren und zu verhindern, dass die Vereine zu reinen Werbeträgern werden. Die Fans selbst sehen sich als diese Traditionsträger, da die Spieler, Trainer und Vorstand sich ändern. Insbesondere in der Ultrà-Bewegung wurde die Vehemenz, mit der sich die Salzburger Fans gegen die neue Identität ihres Vereins wehrten, begrüßt und unterstützt.[1]

Insgesamt haben sich Anhänger aller österreichischen Erstligisten mit Spruchbändern und Choreographien mit der Initiative Violett-Weiß solidarisiert, ebenso die Fans der meisten Zweitligisten. Auch in Deutschland haben die Fans vieler Bundesligisten ihre Solidarität bekundet, zum Teil auch die Kurven in den unteren Ligen. Insgesamt handelt es sich um 23 Fußball-Fanklubs aus Österreich, 53 aus dem übrigen Europa und sogar zweien aus den USA, die ihre Solidarität mit der Initiative erklärt haben. Ein derartiger Zusammenschluss und -halt unter den Fans ist in der österreichischen und europäischen Fußballgeschichte neu. Auch prominente Fußballer und Trainer wie Hans Krankl, Paul Scharner, Toni Pfeffer, Ernst Dospel und Herbert Prohaska unterstützen die Initiative der violetten Fans.

Auch diverse Fernsehsender wie das ZDF oder ARTE dokumentierten im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verstärkt die Tätigkeiten der Initiative Violett-Weiß und die Gründung des neuen Vereins, um über den Umgang der Fußballfans mit der Kommerzialisierung ihres Sports zu informieren. In der Ausgabe vom Februar 2008 ging auch das Wirtschaftsmagazin brand eins unter dem Titel Der zwölfte Mann[2] ausführlich auf diese Thematik ein.

Gründung einer neuen Austria

Sämtliche Spieler der Salzburger Austria, November 2007

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den neuen Vereinsverantwortlichen zog sich der Großteil der violetten Fans aus dem Stadion zurück. Ziel war die Gründung einer neuen Austria Salzburg. Der erste diesbezügliche Schritt war die Gründung des Vereins durch Eintragung im Vereinsregister unter dem Namen Sportverein Austria Salzburg am 7. Oktober 2005.

Die Vereinsneugründung als letzter Schritt des Protests hat seine Vorläufer in England. Bereits bei ähnlichen Fällen in London, wo der AFC Wimbledon als Reaktion auf den Umzug des Wimbledon FC gegründet wurde, und Manchester (nach dem Kauf von Manchester United durch Malcolm Glazer kulminierten die Proteste im neuen Verein FC United of Manchester) konnten die neuen Vereine über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Anhänger binden.

Der neue Verein hatte schnell etwa 800 Mitglieder und eine große Anhängerschaft. Um möglichst bald in den Spielbetrieb einsteigen zu können, wurden Verhandlungen mit der Fußballsektion des PSV/Schwarz-Weiß Salzburg geführt, die schließlich zu einer Spielgemeinschaft für das Frühjahr 2006 führten. Gespielt wurde in violett-weißen Trikots, welche die Vereinswappen beider Vereine trugen. Zum Ende der Saison wurde jedoch die Kooperation wieder beendet, da von Seiten des PSV keine Garantien für eine zukünftige Auslagerung der Fußballsektion gegeben wurden.

Die unterste Klasse und der Weg zurück nach oben

Spieler der Austria bei einem Auswärtsspiel in Seekirchen (13. Oktober 2006)

Die Austria begann in der Saison 2006/07 daher – trotz sportlich erzieltem Klassenerhalt in der Landesliga – als eigenständiger Verein mit komplett neuem Kader (darunter einige Fußballer aus der eigenen Fankurve) in der untersten Spielklasse, der Salzburger 2. Klasse Nord A, und schaffte im ersten Anlauf den Aufstieg. Als Spielstätte diente dabei die inzwischen dem Sportzentrum Mitte gewichene Anlage des UFC Salzburg-Danubia im Nonntal.

Rechtzeitig zu Beginn der Saison 2007/08 konnte auch die Suche nach einer neuen längerfristigen Spielstätte beendet werden. Der SV Austria Salzburg trägt seine Spiele nun auf der Sportanlage West im Salzburger Stadtteil Maxglan aus. Auch in den drei folgenden Saisonen sicherte sich der Verein den Meistertitel, wodurch der Durchmarsch in die Regionalliga West, die dritthöchste Spielklasse Österreichs, gelang. Die Austria war mit dem Erfolg auch der erste Verein aus dem Bundesland Salzburg, dem vier Aufstiege in Serie gelangen.

Mit dem Aufstieg in die Westliga war der Verein zum ersten Mal als eine der sechs besten Salzburger Mannschaften automatisch in der Vorrunde des ÖFB-Cups startberechtigt und konnte sich in dieser am 27. Juli 2010 in einem Heimspiel mit 2:0 gegen den Westliga-Konkurrenten TSV Neumarkt durchsetzen. Die späten Tore von Marco Vujić (89. Minute per Elfmeter) und Raphael Reifeltshammer (90.+3, direkter Freistoß) nach einer frühen Roten Karte für Florian Hirsch (13., wegen Nachtretens)[3] bedeuteten die erstmalige Qualifikation für den Hauptbewerb. Eine Qualifikation über den Gewinn des Salzburger Landescups war der Austria zuvor nicht gelungen. Als Gegner in der ersten Runde wurde der Erstligist Austria Lustenau zugelost; gegen die Vorarlberger verlor man am 14. August 2010 zuhause mit 0:3 und schied aus. Die Premierensaison in der Regionalliga schloss die Austria mit dem 5. Platz ab.

Die Saison 2011/12 begann wieder mit der Vorrunde für den ÖFB-Cup, diesmal gegen den USK Anif. Das Heimspiel am 23. Juli 2011 war nahezu eine Kopie der Vorrundenpartie aus dem Vorjahr: Hirsch sah in der 18. Minute die Gelb-Rote Karte, aber durch Tore von Reifeltshammer (58. Minute) und Vujić (87. Minute) gewann die Austria mit 2:0. Bereits in der 12. Minute hatte Neuzugang Martin Eisl einen Foulelfmeter pariert.[4] In der ersten Hauptrunde schied die Austria am 6. August 2011 ebenfalls wie im Vorjahr mit 0:3 aus; dieses Mal in einem Auswärtsspiel beim Ostligisten Parndorf. Nach mäßigen Leistungen in der Liga trat Trainer Didi Emich am 19. September zurück und wurde am 6. Dezember durch Thomas Hofer vom Ligarivalen Anif ersetzt. In der Zwischenzeit wurde das Team interimistisch von Sportchef Gerhard Stöger betreut. Die Liga-Saison beendete die Austria im Mittelmaß der Tabelle auf Platz 8, dafür konnte sie aber am 23. Mai 2012 in Eugendorf erstmals den Salzburger Landescup durch ein 4:0 (2:0) im Finale gegen den SAK 1914 erobern.

Die nächste Saison begann für den Verein nach dem Sieg im Landescup am 13. Juli 2012 direkt in der ersten Cup-Hauptrunde. Die Austria unterlag dem FC Pasching aus der Regionalliga Mitte auswärts mit 1:2 (0:2).

Vereinsstruktur

Vorstand

Name Funktion Nationalität
Walter Windischbauer Obmann Österreicher

Sektion

Name Funktion Nationalität
Gerhard Stöger Sportlicher Leiter Österreicher
Thomas Hofer Trainer Österreicher
Christian Schaider Co-Trainer Österreicher
Thomas Kloschan Tormanntrainer Österreicher
Herbert Laux Individualtrainer Österreicher
Peter Lechenauer Vereinsarzt Österreicher

Aktueller Kader

Stand: 2. Juli 2012[5]

Name # Staatsangehörigkeit
Tormann
Stefan Ebner 1 OsterreichÖsterreich
Lukas Mitterhofer 33 OsterreichÖsterreich
Abwehr
Misel Danicic SerbienSerbien
Fabio Strauss 2 OsterreichÖsterreich
Mihael Rajic 8 OsterreichÖsterreich
Leonhard Ettlmayr 16 OsterreichÖsterreich
Elias Kircher 17 OsterreichÖsterreich
Florian Hirsch 19 OsterreichÖsterreich
Simon Sommer 20 OsterreichÖsterreich
Mittelfeld
Raphael Reifeltshammer 4 OsterreichÖsterreich
Peter Urbanek 6 OsterreichÖsterreich
Raimund Friedl 10 OsterreichÖsterreich
Benjamin Taferner 11 OsterreichÖsterreich
Rene Zia 12 OsterreichÖsterreich
Matthias Öttl 13 DeutschlandDeutschland
Fabian Dachs 15 DeutschlandDeutschland
Michael Perlak 18 OsterreichÖsterreich
Nicholas Mayer 21 OsterreichÖsterreich
Angriff
Karim Onisiwo 9 OsterreichÖsterreich
Christoph Hübl 7 OsterreichÖsterreich
Marco Vujić 24 OsterreichÖsterreich

Spielstätten

Austria-Fans bei einem Heimspiel am UFC-Platz
  • PSV-Platz (im Stadtteil Salzburg-Süd): Frühjahr 2006
  • SAK-Platz (im Stadtteil Nonntal): letztes Spiel in der Frühjahrssaison 2006
  • UFC-Platz (im Stadtteil Nonntal): Saison 2006/07
  • Sportanlage West (im Stadtteil Maxglan): seit der Saison 2007/08

Abschlusstabellen

Saison Spielklasse Platz Sp S U N Tore Pkt. Anmerkungen
2005/2006 1. Landesliga 11/14 26 08 03 15 035:65 27 in Spielgemeinschaft mit dem PSV Schwarz-Weiß
2006/2007 2. Klasse Nord A 01/14 26 24 01 01 109:08 73 Aufstieg in die 1. Klasse Nord
2007/2008 1. Klasse Nord 01/14 26 25 00 01 094:10 75 Aufstieg in die 2. Landesliga Nord
2008/2009 2. Landesliga Nord 01/14 26 21 04 01 090:28 67 Aufstieg in die 1. Landesliga
2009/2010 1. Landesliga 01/14 26 19 03 04 068:24 60 Aufstieg in die Regionalliga West
2010/2011 Regionalliga West 05/16 30 15 09 06 061:37 54
2011/2012 Regionalliga West 08/16 30 12 04 014 054:54 40

Meisterjahre sind grün unterlegt.

Einzelnachweise

  1. Solidaritätsbilder aus den Kurven Europas
  2. brandeins.de: Der zwölfte Mann (abgerufen am 30. April 2008)
  3. Spielbericht auf der Vereinswebsite (abgerufen am 28. Juli 2010)
  4. Spielbericht auf der Vereinswebsite (abgerufen am 27. Juli 2011)
  5. Aktueller Kader. In: Website der Austria. Abgerufen am 2. Juli 2012.

Weblinks

 Commons: Sportverein Austria Salzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien