St. Georgs-Orden (Österreich)

Papst Paul II. setzt 1469 in Anwesenheit von Friedrich III. den ersten Hofmeister des St.-Georgs-Ritterorden ein.
Urkunde über die Aufhebung des Benediktinerklosters Millstatt und die Amtseinführung des ersten Hochmeisters.
Amts- und Zeremonienschwert (Kopie) des ersten Hochmeisters Johann Siebenhirter mit Inschrift „AVE MARIA GRACIA PLENA“, ausgestellt im Stiftsmuseum Millstatt

Der österreichische St. Georgs-Orden wurde durch Kaiser Friedrich III. und Papst Paul II. am 1. Januar 1469 in der Lateranbasilika zu Rom durch die Investitur des 1. Hochmeisters Johann Siebenhirter gegründet. Aufgabe des Ordens sollte der Kampf gegen die Türken sein, welche die habsburgischen Erbländer Kärnten, Krain und Steiermark bedrohten. Hauptsitz wurde das ehemalige Benediktinerkloster Millstatt, zweiter Hauptsitz war Wiener Neustadt. Besonderer Förderer des Ordens war Kaiser Maximilian I. Nach dessen Tod verlor der Orden rasch an Bedeutung bis im Jahre 1598 seine Besitzungen dem Jesuitenkolleg in Graz übergeben wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Ordens

Kaiser Maximilian I. diktiert Marx Treitzsaurwein: „Schreibe von meinem Grabstift und St. Georgsorden, auch von meinem auserkorenen Geschlecht und Stamm.“ (Text auf der obersten Stufe des Throns) – Kolorierte Zeichnung, 1512. Österreichische Nationalbibliothek, Wien; Cod. 2835.
Altar von Lieseregg - Der ungläubige Thomas und links unten der kniende Altarstifter Johann Siebenhierter
Gonzaga Brauttruhe mit einem Relief von Andrea Mantegna
Grabplatte des ersten Hochmeisters Johann Siebenhirter

Gründung und Blütezeit des Ordens

Während der Belagerung Kaiser Friedrichs III. im Jahre 1462 in der Burg zu Wien durch seinen Bruder Albrecht VI. und die Bürger der Stadt legte der Kaiser ein dreifaches Gelöbnis ab: Nach seiner Errettung wolle er eine Pilgerfahrt nach Rom machen, ein Bistum und einen Ritterorden zu Ehren des hl. Georg gründen. Im November 1468 brach Friedrich III. zur Pilgerreise nach Rom auf, am 1. Januar 1469 kam es zur Investitur des 1. Hochmeisters Johann Siebenhirter in der Lateranbasilika durch den Kaiser und Papst Paul II. und am 18. Januar wurden vom Papst die beiden Bistümer Wien und Wiener Neustadt errichtet; beide wiesen nur ein kleines Territorium auf. Das Bistum Wiener Neustadt wurde 1479 dem St. Georgs-Ritterorden inkorporiert, aber aufgrund ständiger Streitigkeiten zwischen dem Orden und dem Bischof, vor allem um die Präzedenz, wurde schließlich 1528 diese Union definitiv beendet. Am 14. Mai 1469 wurde dem neuen Hochmeister und den Mitgliedern des Ordens von den letzten Benediktinermönchen das Kloster Millstatt übergeben. Als Vogt des Klosters Millstatt hatte der Kaiser die Aufhebung desselben durch den Papst erwirkt; die Lage des Klosters war für die Pläne des Kaisers sehr günstig, da Millstatt zwar nicht unmittelbar der Türkengefahr ausgesetzt war, aber doch für Verteidigung und Gegenangriff strategisch gut positioniert war. Für eine effiziente Abwehr der Türken wurde dem Orden auch die Burg Rechberg übergeben, wo der Orden Befestigungsanlagen errichtete, um Einfälle der vom Seebergsattel kommenden Türken nach Kärnten zu verhindern. Wegen der geringen Mitgliederzahl konnte der Orden die Erwartungen des Kaisers nicht erfüllen. Große Besitzungen wurden durch Friedrich III. dem Orden übergeben oder in Aussicht gestellt. So kam der Orden in den Besitz der Propstei Maria Wörth, der Herrschaft Pürgg im Ennstal und der Herrschaft Sankt Lorenzen im Mürztal. Zeitweise besaß der Orden auch die Herrschaft Sternberg und Landskron wie auch die Stadtpfarre Bozen, außerdem erwarb der Orden Besitzungen in Wien und in Niederösterreich. Die Übernahme der Zisterzienserabtei Viktring scheiterte am entschiedenen Widerstand der Kärntner Landstände und des Erzbischofs von Salzburg. In Wiener Neustadt übergab Kaiser Friedrich III. dem Orden die vom Baumeister Peter Pusica um 1450 errichtete Kirche in der Burg, die ursprünglich ein Marienpatrozinium hatte, nun aber dem hl. Georg geweiht wurde. Johann Siebenhirter renovierte nicht nur die desolaten Gebäude des Klosters, sondern erweiterte die Anlage zu einem repräsentativen Sitz des Ordenshochmeisters und errichtete Befestigungsanlagen, die umherstreifenden Türken widerstehen konnten. Mit seinem Namen sind auch zahlreiche Kunstwerke verbunden, die er für sich oder für den Orden in Auftrag gab, wie sein, mit zahlreichen Miniaturen versehenen Gebetbuch (Königliche Bibliothek Stockholm), das großartige, reich geschmückte Antiphonar (Universitätsbibliothek Graz), wertvolle Inkunabeln (ebenfalls Universitätsbibliothek Graz) sowie zahlreiche spätgotische Flügelaltare, die er für Millstatt oder für zu Millstatt gehörende Kirchen in Auftrag gab. Heute noch erhalten sind die Flügelaltare von Lieseregg und von der Katharinenkapelle in Bad Kleinkirchheim. Im Kapuzinerkloster zu Wiener Neustadt befindet sich ein Tafelbild mit der Kreuzabnahme Christi, das vermutlich von Siebenhirter für die Georgskirche in der Burg gestiftet worden war. Von Meister Thomas von Villach stammt ein Tafelbild, den Hl. Domitian darstellend, ursprünglich Teil eines Flügelaltares in der Stiftskirche Millstatt (heute im Museum der Stadt Villach) und gemeinsam mit seiner Schule schuf er die Fresken beim Friedhofsportal und im Kreuzgang. Vermutlich gehen auch die Fresken desselben Meisters in der Kirche von Gerlamoos, deren Thema Szenen der Georgslegende sind, ebenfalls auf einen Auftrag Siebenhirters zurück. Der Orden hatte im Bereich dieser Kirche Besitzungen (Lengholz). Zur Zeit Johann Siebenhirters kamen auch die Brauttruhen der Paola Gonzaga nach Millstatt. Sie hatte den letzten Grafen von Görz Leonhard geheiratet, starb aber 1495 ohne Nachkommen (ein Mädchen war schon früh verstorben). Leonhard übergab vier nach Entwürfen des Andrea Mantegna geschaffene Truhen dem St. Georgs-Ritterorden. Zwei Truhen mit Elfenbeinreliefs befinden sich im Dom zu Graz, Stuckreliefs von zwei vergoldeten Holztruhen befinden sich im Landesmuseum Kärnten und in Millstatt blieb eine dieser Truhen erhalten; sie wird im Stiftsmuseum aufbewahrt. Die enge Verbundenheit des Kaisers mit dem von ihm gegründeten Orden zeigte sich auch darin, das er in den Gewändern des Ordens beigesetzt werden wollte. An seinem Grabmal im Stephansdom in Wien wird in mehreren Szenen auf den St. Georgs-Ritterorden Bezug genommen und am Epitaph mit der Darstellung des Kaisers und den Wappen seiner Länder kommt dem Wappen des Ordens ein besonderer Rang zu.

Im Nachfolger Kaiser Maximilian I. erstand dem Orden ein besonderer Förderer, der bis zu seinem Tode dem Orden engstens verbunden blieb und sich für den Orden unmittelbar verantwortlich fühlte. Diese Verbundenheit hängt auch mit der besonderen Verehrung des Heiligen Georg zusammen, dessen Namen Maximilian I. eigentlich tragen sollte und der Maximilian zeitlebens begleitenden Idee, die Türkengefahr zu bannen.

St. Georgs-Bruderschaft

Da der Kaiser feststellen musste, dass der Orden relativ wenige Mitglieder hatte und daher nicht in der Lage war, ernsthaft den Kampf mit den Türken aufzunehmen, gründete Maximilian I. schon kurz nach dem Tod seines Vaters am 17. September 1493 in Innsbruck die St. Georgs-Bruderschaft. Gedacht war an eine weltliche Bruderschaft, die aber dem Orden angegliedert sein sollte, und deren Mitglieder durch Spenden oder auch durch Beteiligung am Kampf gegen die Türken diesen tatkräftig unterstützen sollten. Mit ihrer Hilfe sollte in Rann an der Save (heute Brežice in Slowenien) eine Festung mit einer Besatzung von 2000 bis 3000 Mann errichtet werden. Als zusätzlichen Anreiz sollten die Mitglieder eine Reihe von Privilegien erhalten. Am 28. Oktober 1494 nahm der Kaiser selbst in der Kathedrale von Antwerpen gemeinsam mit seiner ganzen Familie und zahlreichen Reichsfürsten die Mitgliedschaft der St. Georgs-Bruderschaft an. Auch der damaligen Papst Alexander VI. und zahlreiche Kardinäle wurden Mitglieder dieser Bruderschaft. Am 15. November 1494 richtete Maximilian I. einen Appell an alle christlichen Könige und Fürsten sowie an die gesamte Christenheit, der Bruderschaft beizutreten und einen vom Kaiser für das darauffolgende Jahr geplanten Türkenfeldzug zu unterstützen, ohne jedoch viel Interesse zu finden. Den Rittern, die an diesem Feldzug teilnehmen würden, verlieh er das Privileg, in ihrem Wappen eine Krone zu führen und schuf damit den Stand der „gekrönten Ritter“. Aufgrund der zahlreichen Auseinandersetzungen mit Frankreich und Venedig kam es nicht zu dem geplanten Feldzug.

St. Georgs-Gesellschaft

1503 erneuerte der Kaiser seinen Appell zur Unterstützung des Kampfes gegen die Türken und schuf zusätzlich die St. Georgs-Gesellschaft. Die vom Kaiser erhoffte breite Zustimmung trat auch diesmal nicht ein. Bei der Kaiserproklamation Maximilians im Dom von Trient am 4. Februar 1508 kam den anwesenden Georgsrittern die Aufgabe zu, Maximilian formell zur Annahme dieser Würde aufzufordern. Am 10. Oktober desselben Jahres starb der Hochmeister Johann Siebenhirter und wurde in der Stiftskirche zu Millstatt beigesetzt. Sein Epitaph befindet sich heute in der seinen Namen tragenden nördlichen Seitenkapelle. Als Nachfolger wurde Johann Geumann gewählt, der wie sein Vorgänger in einer engen Beziehung zum Kaiser stand und von Maximilian I. später als Testamentsvollstrecker erwählt wurde. Geumann wurde vom Kaiser aber nur als Verweser des Hochmeisteramtes bestätigt, erst am 25. März 1518, also fast zehn Jahre später wurde er in einer feierlichen Zeremonie unter Beteiligung von Vertretern mehrerer Herrscherhäuser in Hall/Tirol als Hochmeister eingesetzt. Vermutlich trug sich Maximilian lange mit dem Gedanken, selbst die Würde eines Hochmeisters zu übernehmen, so wie er als Herzog von Burgund an der Spitze des Ordens vom Goldenen Vlies stand, bis er diese Würde an seinen Sohn Philipp abgeben musste. Eine besondere Rolle kam dem St. Georgs-Ritterorden in den Testamentsentwürfen Maximilians zu. Der Kaiser plante sein Grabmonument als eine Art Gralsburg am Falkenstein bei St. Wolfgang. Dort sollten auch die ehernen Statuen seiner Vorfahren aufgestellt werden, die er in Innsbruck gießen ließ. Die Grabwache sollten die Mitglieder des St. Georgs-Ritterordens übernehmen. Diese Pläne wurden durch den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach durchkreuzt und kurz vor seinem am 12. Januar 1519 erfolgten Tod verfügte der Kaiser, dass sein Leichnam in der Georgskirche von Wiener Neustadt unter den Altarstufen beigesetzt werden soll. Die Grabwache sollte dem St. Georgs-Ritterorden obliegen, der diese Aufgabe auch wahrnahm, solange er dazu in der Lage war. Ferner bestimmte der Kaiser, dass sein Leichnam in den Gewändern des Ordens aufgebahrt und beim Katafalk die Insignien dieses Ordens aufgestellt werden sollen.

Der Südtrakt des ehemaligen Ordensschlosses, das Hochmeisterschloss, wurde lange Zeit als Hotel genutzt.

Kunstwerke Kaiser Maximilians I.

In vielen, vom Kaiser in Auftrag gegebenen Kunstwerken wird auf den St. Georgs-Ritterorden Bezug genommen, so bei der Großen Ehrenpforte, beim Triumphzug, im Theuerdank und im Weißkunig sowie in mehreren Holzschnitten und Kupferstichen mit Darstellungen des Kaisers, der die Insignien des Ordens trägt. Von besonderer Bedeutung ist das Gebetbuch Maximilians I., das er für den St. Georgs – Ritterorden schuf. Mehrere Exemplare wurden auf Pergament gedruckt und waren für Fürsten bestimmt, um sie für den Orden zu gewinnen. Das für den Kaiser bestimmte Exemplar wurde von den bedeutendsten Künstlern aus dem Umfeld Maximilians mit Zeichnungen versehen. Der Großteil dieser Zeichnungen stammt von Albrecht Dürer, daneben waren auch Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach, Jörg Breu, Hans Baldung und Hans Burgkmair der Ältere beteiligt. Der überwiegende Teil dieses Exemplars befindet sich heute als besondere Kostbarkeit in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, der Rest in der Stadtbibliothek von Besançon.

Niedergang und Ende des Ordens

Mit dem Tode Kaiser Maximilians verlor der Orden seine Bedeutung. Kaiser Karl V. und sein Bruder Ferdinand I. hatten kein Interesse an dem Orden, zumal es diesem nie gelungen war, die mit seiner Gründung verbundenen Aufgaben bei der Bekämpfung der Türken zu erfüllen. Die Anzahl der Mitglieder schrumpfte, etliche Mitglieder schlossen sich der Reformation an und die Disziplin ließ immer mehr nach, sodass die Ordensmitglieder in Millstatt wie in Wiener Neustadt und an den anderen Standorten des Ordens wachsendes Ärgernis erregten. Johann Geumann hatte durch eine rege Bautätigkeit in Millstatt und sein Wirken im Umfeld des Kaisers dem Orden noch Glanz vermittelt. Zu seiner Zeit stiftete der dem Orden nahestehende Augustinus Reinwald das großartige Weltgerichtsfresko, das vermutlich von Urban Görtschacher nach 1519 geschaffen wurde. Geumann starb 1536 und wurde ebenfalls in der Stiftskirche zu Millstatt beigesetzt; sein Epitaph steht heute in der südlichen Seitenkapelle, die seinen Namen trägt. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Prandtner, der Diplomat im kaiserlichen Dienst war und sich wenig um den Orden kümmern konnte. Er starb 1541 an der Pest und wurde in Trautmannsdorf bei Wiener Neustadt beigesetzt. Es kam zu keiner Wahl eines neuen Hochmeisters, der Besitz des Ordens wurde teilweise verpfändet, die Verwaltung von kaiserlichen Kommissaren wahrgenommen. Ab 1573 wurden die Erträge in wachsendem Ausmaß für das neugegründete Jesuitenkolleg in Graz verwendet und schließlich 1598 der gesamte Besitz diesem Kolleg und der Jesuitenuniversität in Graz übergeben. Eine formale Aufhebung des Ordens ist schriftlich nicht nachweisbar. Möglicherweise wurde diese doch recht bürokratisch aufwändige Maßnahme unterlassen, da keine Ordensritter mehr namhaft waren.

Literatur

  • Walter Franz Winkelbauer: Der St. Georgs-Ritterorden Kaiser Friedrichs III. (ungedr. Diss., Wien 1949).
  • W. F. Winkelbauer: Kaiser Maximilian I. und St. Georg. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7 (1954), S. 523 - 550.
  • Inge Friedhuber: Maximilian I. und der St. Georgs-Ritterorden. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten 1984. Nachdruck: Studien zur Geschichte von Millstatt und Kärnten (Klagenfurt 1997), S. 431 – 453.
  • Gisela Goldberg: Das Gebetbuch Kaiser Maximilians I. und der St. Georgs-Ritterorden. In: Symposium 1984. Nachdruck: Studien, S. 455 – 484.
  • Walther Brauneis: Die Grabmalpläne Kaiser Maximilians I. und der St. Georgs-Ritterorden. In: Symposium 1984. Nachdruck: Studien, S. 485 – 493.
  • Franz Stubenvoll: Aus dem Leben des Hanns Siebenhirter – Erster Hochmeister des St. Georgs-Ritterordens (1420 – 1508). In: Symposium 1985. Nachdruck: Studien, S. 495 – 510.
  • Robert Wlattnig: Die sogenannte Siebenhirter-Tafel, eine kunsthistorische Analyse. In: Symposium 1985.
  • Gertrud Buttlar-Gerhartl: Der St. Georgs-Ritterorden und Wiener Neustadt. In: Symposium 1985. Nachdruck: Studien, S. 511 – 527.
  • Richard Perger: Der St. Georgs-Ritterorden in Wien. In: Symposium 1987, S. 84 – 94. Erweiterte Fassung: Das S. Martinsspital vor dem Widmertor zu Wien. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 44/45 (1989) S. 7 – 25.
  • Inge Wiesflecker – Friedhuber: Maximilian I. und der St. Georgs-Ritterorden. Zur Frage seiner Ordenszugehörigkeit. In: Symposium 1989, S. 87 – 106. Nachdruck: FS H.J.Mezler-Andelberg. (Graz 1988) S. 543 – 554.
  • Erich Glantschnig: Der Villacher Renaissancemaler Urban Görtschacher – Stil und Zuschreibungsfragen. In: Symposium 1998, S. 21 – 48.
  • Daniela Gregori: Die Brauttruhen der Paola Gonzaga. In: Symposium 1998, S. 49 – 58.
  • Franz Höring: Die Restaurierung der Hochzeitstruhe der Paola Gonzaga. In: Symposium 2002, S. 124 –133.
  • Karl-Georg Pfändtner: Das Gebetbuch des Johann Siebenhirter in Stockholm. Geschichte – Ausstattung – Bedeutung. In: Symposium 2006, S. 43 – 98.
  • Magdalena Bushart: Die Randzeichnungen im Gebetbuch Kaiser Maximilians I. In: Symposium 2006, S. 99 – 114.
  • Christine Baier: Die spätmittelalterliche Buchmalerei in Handschriften aus Millstatt. In: Symposium 2007, S. 35 –68.
  • Karl-Georg Pfändtner: Das Siebenhirterbrevier Cod. 2781 der ÖNB Wien. Neue Aspekte zur Datierung und Lokalisierung. In: Symposium 2007, S. 69 – 96.
  • Johann Tomaschek: Die „Aufhebung“ des Benediktinerklosters Millstatt und dessen Übergabe an den St. Georgs-Ritterorden. In: Symposium 2010, S. 37 – 55.

Die Zeit von 1600 bis 1918

Über die weitere Entwicklung des offenbar weit zerstreuten Ordens liegt wenig vor, es ist weder ein Dokument über eine Aufhebung des Ordens noch über eine spätere Neu- oder Wiedergründung bekannt.

Eine Sonderstellung nimmt die Erwähnung der Georgsritter im „Österreichischen Ordenshandbuch“ ein: „anknüpfende Neugründung einer Rittergesellschaft im 18. Jahrhundert, die in Wien und dann bis 1838 in Bayern, seither in Rom ihren Sitz hat [...] Das Priorat in Österreich ist 1848 von Kaiser Franz Josef I. und 1917 von Kaiser Karl I. bestätigt worden.“[1] Dokumente über diese angebliche barocke Neugründung existieren keine, auch die Bestätigung von 1848 ist nicht belegbar. Anders die Bestätigung des Ordens durch Karl I, welche umständehalber zwar nur mündlich erfolgte, jedoch durch mehrere Zeugen belegt ist.

Auffällig ist, dass der Ursprung des römischen Ordenszweiges (die Italienische Zunge) ebenfalls nicht urkundlich belegt ist, der Orden jedoch den Namen „Imperiale Ordine Militare Capitolare Di S. Giorgio In Carinzia“ führt und von einem Großmeister geleitet wurde.[2]

Die Zeit nach 1918

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand im Zuge der politischen Umwälzungen in Folge der Absetzung der Habsburger eine völlig neue Situation in allen Ordenszweigen. Der Rektor des Collegio Teutonico di Santa Maria dell Anima zu Rom, provisorischer geistlicher Prior des St. Georgs-Ritterordens, Bischof Hudal, erarbeitete ein zehnseitiges Promemoria über die historische Entwicklung sowie den aktuellen Status des Ordens, unter besonderer Berücksichtigung der neuen politischen Situation. Darin nimmt er unter anderem Bezug auf die generelle Bedeutung der Habsburger für den Orden sowie die Bestätigung des Ordens 1917 durch Kaiser Karl I. für die Zukunft als rein weltlicher Ritterorden. Weiters wird angeführt, dass sich Karl I. die Verfügung über verschiedene Ritterorden, wie des Goldenen Vlieses, aber auch des Georgs-Ritterordens vorbehielt. Zwischen 1919 und 1920 wurden die Ordensstrukturen durch vom Kaiser approbierte Personen modernisiert, das Ordensabzeichen „Croce Azzura“ durch Karl I. eingeführt.

Kunstschätze

Im Stiftsmuseum Millstatt werden aus der Zeit des St. Georgs-Ritterordens zahlreiche Kunstwerke gezeigt. Das sind unter anderem Faksimiles einer Reihe von kostbaren Handschriften wie das lateinische Gebetbuch des Johann Siebenhirter mit besonders qualitätsvollen Miniaturen,[3] das prunkvolle Antiphonar des Ordens sowie bedeutende Inkunabeln aus der Frühzeit des Buchdrucks und vor allem das berühmte Gebetbuch Kaiser Maximilians I. mit Federzeichnungen von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer und Lukas Cranach. 1495 schenkte Graf Leonhard von Görz nach dem Tode seiner Gattin Paola Gonzaga die von Andrea Mantegna entworfenen Brauttruhen dem St. Georgs-Ritterorden zu Millstatt, wobei eine dieser Truhen im Museum ausgestellt ist. Zwei vorzüglichst erhaltene Brauttruhen befinden sich als Reliquienschreine im Grazer Dom.

Literatur

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. 2. Auflage, Anton Schroll, Wien 1981, S. 397-408. ISBN 3-7031-0522-4
  • Wilhelm Deuer: Hauptpfarrkirche St. Salvator und Allerheiligen in Millstatt. Christliche Kunststätten Österreichs 274, Verlag St. Peter, Salzburg 1996. (ohne ISBN)
  • Matthias Maierbrugger: Die Geschichte von Millstatt. Marktgemeinde Millstatt im Verlag Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt, 1964; erw. Neuauflage: Carinthia Verlag, Klagenfurt 1989. S. 93-133 (ohne ISBN).
  • Maria Mairold: Die Millstätter Bibliothek. In: Geschichtsverein für Kärnten: Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten. 170. Jahrgang / 1980, S. 87-106.
  • Erika Weinzierl-Fischer: Geschichte des Benediktinerklosters Millstatt in Kärnten. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, Band 33. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt 1951 (ohne ISBN)
  • Roman Freiherr v. Proházka: Österreichisches Ordenshandbuch. Herausgeber Graf Klenau OHG München 1974 (ohne ISBN)
  • Peter F. Wallnöfer - Monte Liechtenberg: Der S.M.H. Ritter-Orden vom heiligen Georg in Kärnten im 20. Jahrhundert Sonderdruck aus Carinthia I, Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde Kärnten, Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt 2005 (ohne ISBN)

Weblinks

 Commons: Knights of St. George (Austria) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Pag. 148. Anstelle von 1838 müsste es wohl 1938 heißen.
  2. Möglicherweise haben hier abgewanderte Ritter aus Millstatt die Tradition weitergeführt.
  3. Karl-Georg Pfändtner: Das Gebetbuch des Johann Siebenhirter in Stockholm. Carinthia I, 2007. S. 107-156. [mit 38 größtenteils färbigen Abbildungen]