St. Martin (Klagenfurt am Wörthersee)

12. Klagenfurter Bezirk
St. Martin
slow. Šmartin pri Celovcu- Otoče
Fläche 14,04 km²
Geografische Lage 46° 37′ N, 14° 17′ O46.62497888888914.280641111111455Koordinaten: 46° 37′ N, 14° 17′ O
Höhe 455 m ü. A.
(Pfarrkirche St. Martin)
Einwohner 19.354 (Stand: 2006)
1378 Einwohner je km²
Postleitzahl 9020, 9022, 9023, 9025
Karte der Bezirke von Klagenfurt
Karte der Bezirke von Klagenfurt

St. Martin (auch: St. Martin-Waidmannsdorf, slow. Šmartin pri Celovcu- Otoče) ist der 12. Bezirk der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee (Österreich).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

St. Martin befindet sich westlich von der Klagenfurter Innenstadt. Im Westen grenzt der Bezirk an den Wörthersee und an die Gemeinden Krumpendorf und Maria Wörth, im Süden bildet die Glanfurt die Grenze zu Viktring, im Osten verläuft die Grenze entlang der Linie Rosentaler Straße - Wiegelegasse - Schmelzhüttenstraße - Goethestraße - Bahnstraße - Humboldtstraße - Josef-Gruber-Straße - Egger-Lienz-Weg - Linsengasse - Adolf-Tschabuschnigg-Straße, nördlich des Kreuzbergls herum, weiter entlang der Linie Ziggullnstraße - Schloßweg - Feldkirchner Straße und verläuft im Norden entlang der Trettnigstraße und des Falkenbergweges südlich der Ortschaft Winklern und südlich des Naturschutzgebietes Halleger Teiche.

Die höchsten Erhebungen des Bezirkes sind der Falkenberg (671 m), der Kalvarienberg (588 m) und die Zillhöhe (536 m).

Geschichte

St. Martin war bis 1938 eine selbständige Gemeinde, bestehend aus den Ortschaften St. Martin und dem heute einwohnerstärkeren und flächenmäßig größeren Waidmannsdorf, das ursprünglich Weitmannsorf hieß (1192 Witansdorf, 1248 Witensdorf, 1480 Weykersdorf, 1785 Weitensdorf, 1830 Weidmannsdorf) und als "Dorf des Witman" gedeutet werden kann.

Die Gemeinde St. Martin bei Klagenfurt wurde am 15. Oktober 1938 zusammen mit einem Teil der Gemeinde Krumpendorf (die heutige an den See grenzende Katastralgemeinde Gurlitsch) sowie kleinen an der Glanfurt gelegene Teile der Gemeinden Maria Wörth und Viktring in die Stadt Klagenfurt eingemeindet. Erst seit dieser Stadterweiterung grenzt das Gemeindegebiet von Klagenfurt an den Wörthersee.

Im Jahr 1938 träumten die Nationalsozialisten von einem Groß-Klagenfurt und von einer Neugestaltung des ganzen Stadtgebietes. Der Krieg machte ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Durch die Gründung der Universität Klagenfurt ist St. Martin zu einem studentischen Zentrum geworden.

Blick auf die Landeshauptstadt vom Schrottbauer

Josefinum

Aus dem Josefinum in der Josefinumgasse vertrieb das NS-Regime die Klosterschwestern, die dort geistig und körperlich behinderte Kinder betreuten. Das Heim war auf eine Initiative der Lehrerin Maria Wratisch hin entstanden. Der 1898 ins Leben gerufene Verein „Zur Gründung und Erhaltung der kärntnerischen Idioten-Anstalt“ in Klagenfurt erwarb aus einer Konkursmasse 1911 um 4000 Kronen das große Grundstück und errichtete darauf das Heim. Das NS-Regime übertrug die Liegenschaft 1939 in das Eigentum der Stadt. Die englische Besatzungsmacht beschlagnahmte 1945 das Haus und gab es erst spät wieder frei. Es stand danach noch längere Zeit den Pfleglingen zur Verfügung, ehe es wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste.

Stadterweiterung

Zu Beginn der 1890er Jahre befand sich die Stadt Klagenfurt in einer Phase des Aufbruchs. Eine neuerliche Stadterweiterung würde wieder Bauland schaffen und man in die Randzonen hineinwachsen können. Für eine Verbauung kamen vor allem die Gründe zwischen Ostbahnhof und künftigem Völkermarkter Ring, das Lerchenfeld nördlich der Linsengasse und das Areal am Fuße des Kreuzbergls in Betracht.

Die von diesen Plänen betroffenen Nachbargemeinden St. Martin, St. Peter und St. Ruprecht hatten einer Änderung der Grenzen zugestimmt, vom 15. bis 17. Dezember 1891 hatte eine Grenzbegehung stattgefunden und die Landesregierung mit Kundmachung vom 14. März 1892 nach Maßgabe des Grenzbegehungsprotokolls die Änderung des Gebietsumfanges der Stadtgemeinde genehmigt. Dies wurde mit dem Beisatze allgemein verlautbart, dass der Zeitpunkt der Aktivierung und Wirksamkeit der neuen Gemeindegrenzen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werde. Dies war noch im selben Jahr der Fall und mit 1. Januar 1893 trat die neue Stadtgrenze in Kraft.

Der Autor Urban Ehrlich beeilte sich, aus diesem Anlass 1893 im Eigenverlag ein neuestes Stadtbüchlein herauszugeben, um diesem denkwürdigen Jahr der Erweiterung und der Einverleibung von Gebietsteilen aus den Ortsgemeinden St. Martin, St. Peter und St. Ruprecht Rechnung zu tragen. Er unterrichtete die Leser darüber, dass von der Ortsgemeinde St. Martin 51 Hektar und 17 Ar zu Klagenfurt kamen, von der Ortsgemeinde St. Peter 60 Hektar und 24 Ar, von der Ortsgemeinde St. Ruprecht 35 Hektar und 51 Ar sowie von der Steuergemeinde Waidmannsdorf 7 Hektar und 75 Ar. Die neue Stadtgrenze im Bereich des Kalvarienberges beschreibt er wie folgt: „Gegen Westen beginnt die Grenze an der Feldkirchner Straße vis-à-vis vom Wanggo-Färber, zieht sich längs des Weges bis unter das Schloss Zigguln und unterhalb desselben auf dem Wege bis zum untersten Kreuzberglteich, von dort in südwestlicher Richtung auf das Kreuzbergl, wo sich selbe an den Weg zur Schießstätte anschließt, so dass die Schießstätte noch im Stadtgebiete, die Scheibenstände aber außerhalb derselben liegen. Von dort zieht sich die Grenze in südöstlicher Richtung bis zu dem vom vlg. Scheriau nach der Stadt führenden Feldweg und mündet am Ende des Feldweges in den Weg nach St. Martin ein, von wo sie nach einigen sonderbaren Zickzack-Richtungen bis an die erste Lendkanalbrücke fortläuft und sich dort an die Südbahnlinie anschließt.“

Mantschemühle an der Glan

Der Müller war früher Untertan der Herrschaften Grafenstein und Ehrenhausen. Ihr Besitzer war ab 1855 Johann Grimschitz.

Die Mantschemühle gehörte ursprünglich zum Anwesen Mantschehof auf der anderen Seite der Glan. Der Mahlbetrieb hieß in alten Zeiten nach den jeweiligen Besitzerfamilien einmal Köglmühle (1544), ein andermal Holzermühle (1622). Die Vulgarbezeichnung Mantschemühle gab ihr das Geschlecht Mantsche von Liebenheim. Diesen Namen behielt sie bis zu ihrem Abbruch. Johann Christian Mantsche war 1691 vom Kaiser wegen der Verdienste seines Vaters als langjähriger Zahlmeister an der kroatischen Militärgrenze in den Adelsstand erhoben und 1698 auch unter die Kärntner Landstände aufgenommen worden. Um 1700 erwarb er Mantschehof und Mantschemühle, aber schon nach einem Menschenalter gab es den nächsten Besitzer. Zeitweise war die Mühle eine eigene Liegenschaft, frei vererbbar und veräußerbar. Johann Lainacher baute die von ihm 1821 erworbene Mühle neu und auf der anderen Seite der heutigen Feldkirchner Straße errichtete er ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude. 1823 kaufte er die angrenzende, bereits 1666 urkundlich erwähnte Katzel- oder Tschurtschekeusche. Lainachers Besitz lag in drei Steuergemeinden. Die in der Ortschaft Kalvarienberg zwischen Fahrweg und Fluss stehende Mahlmühle gehörte zur KG Spitalmühle und bestand an Grundstücken aus Weide, Wiese und kleinem Garten. In der KG St. Martin bei lagen die strohgedeckte Tschurtschekeusche, bestehend aus Stall, Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie dem neuen Mantsche-Wohnhaus. Der Grundbesitz setzte sich aus kleinen Weiden, einem Acker und ein bisschen Hochwald zusammen. In der KG Ehrental befanden sich ein kleiner Acker, drei kleine Wiesenparzellen und eine Stampf. Im Stall hatte Lainacher drei Kühe, drei Mutterschweine, zwei Laufschweine und zwei Rösser stehen.

In der Folge konnte der Besitzstand mehrmals vergrößert werden. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges ließ der Mantschemüller auf seinem Grund noch ein großes Magazingebäude (1912) errichten. Dann ging es auf dieser alten Liegenschaft jedoch bergab und in den späten 1920er Jahren kam sie unter den Hammer. Das endgültige Aus blieb der Mühle erspart, da sie und die Wasserrechte vom Müller Ignaz Kraßnig 1929 erworben wurden. Er schloss seinem Betrieb eine Schwarzbrotbäckerei an. Als Mieter hatte er im Magazingebäude in den 1930er Jahren den Heimatschutz.

Ortschaft Kalvarienberg

Obwohl die Ortschaft Kalvarienberg ohne jegliches Zentrum war, denn es gab weder Gemeindeamt noch Schule noch Kirche, weder Polizeiwache noch Feuerwehr (Gründung erst 1924), bildeten die Bewohner in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht eine Gemeinschaft. Zum beliebten Brauchtum zählten das Neujahrswecken mit einer Musikkapelle, das Faschingbegräbnis und das zweitätige Böllerschießen zu Ostern. Die Kalvarienberger hatten ihre Kirchtage mit Preiskegeln und später ihre Feuerwehrbälle mit Glückshafen, ihre Waldfeste ober dem Urabl-Steinbruch und auf der Schleppealm, die sich über drei Tage erstreckten. Für den Schlittschuhlauf stand der Schleppeteich zur Verfügung, auf der Krainerwiese traf man sich zum Ballspielen.

Wie sahen die Kalvarienberger ihre Welt? Der 1920 geborene Alfred Schlagg erlebte diese Gegend in der Zwischenkriegszeit sehr bewusst. Besonders eingeprägt haben sich ihm die damals bestehenden Gewerbebetriebe und andere Erwerbszweige. Und deren gab es viele. Schlagg in Stichwörtern: „Mantschemühle, Sägewerk Weiß und Obstpresse, Wagnerei Triebelnig, Gärtnerei Safertal, Hühnerfarm Schuhmann, Glaserei Willner, Gaststätte Wartburg, Friseur Bayer, Gemischtwarenhandlung Tomaschitz, Wagnerei Gilch/Ronacher, Tischlerei Wigisser, die Fleischhauer Wölbitsch und Urabl, Schmiede Sussitz mit Hufbeschlag, Spenglerei Huber, Gasthaus Puntschart mit Kegelbahn ...“

Verwaltungsgliederung

St. Martin gliedert sich in drei Katastralgemeinden und in folgende Ortschaften.

  • Gurlitsch:
    • Kohldorf, Waidmannsdorf (westlicher Teil)
  • St. Martin bei Klagenfurt: (slow. Smartin pri Celovcu)
    • St. Martin (slow. Smartin pri Celovcu)
  • Waidmannsdorf: (slow. Otoce)
    • Waidmannsdorf (slow. Otoce)

Bevölkerung und Religion

Der Bezirk St. Martin ist der bevölkerungsstärkste Bezirk von Klagenfurt, jeder vierte Klagenfurter wohnt hier. Die meisten Einwohner leben im Bezirksteil Waidmannsdorf, in dem große Wohnsiedlungen entstanden (Kanaltaler Siedlung, Dag-Hammerskjöld-Siedlung).

Pfarren und Kirchen

Der Bezirk wird in drei katholische Pfarren unterteilt: St. Josef-Siebenhügel, Don Bosco und St. Martin. Der nördlichste Bezirksteil am Kalvarienberg gehört zur Pfarre St. Hemma.

  • Pfarre St. Martin
    • Pfarrkirche St. Martin
  • Pfarre St. Josef Siebenhügel
    • Pfarrkirche St. Josef
    • Kirche Franz von Sales
  • Pfarre Don Bosco
    • Don-Bosco-Kirche
  • Filialkirche Sankt Primus und Felizian im Steinbruch (zur Pfarre Sankt Hemma gehörig)

Der Bezirk gehört zum Sprengel der evangelischen Johanneskirche.

Pfarrkirche Sankt Martin

Sie war früher von einem Friedhof umgeben, der 1929 nach Waidmannsdorf in die heutige Luegerstraße verlegt wurde. Der Sakralbau könnte im Kern aus romanischer Zeit stammen. Aus einer Urkunde von 1472 erfährt man, dass der Lavanter Bischof anlässlich des Chorneubaues und der Anschaffung von drei neuen Altären einen Ablass gewährte. 1837 bekam die Kirche einen neuen Hochaltar. Mit ihrem Vorhallenturm mit hohem Zwiebelhelm und Laterne nimmt sich diese Kirche besonders schön aus. Seitlich sind Kapelle und Sakristei angebaut. Kirchenschiff und Chor präsentieren sich mit Rautenrippengewölben. 1947 wurde St. Martin eigene Pfarre mit großem Pfarrsprengel, doch schon 1962 wurde ein Teil als Pfarre Siebenhügel abgetrennt.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Seepark-Hotel am Lendkanal
Schrottenburg


Wirtschaft und Infrastruktur

Im Bezirk St. Martin befindet sich die Universität Klagenfurt und die Pädagogische Akademie, das Strandbad Klagenfurt (eines der größten Seebäder Europas) mit Zeltplatz, Europapark (größte Parkanlage Kärntens) und Freizeitzentrum, die Schiffsanlegestelle Klagenfurt, der Friedhof St. Martin, das Wulfenia-Kino, das für die Europameisterschaft 2008 erbaute Wörtherseestadion sowie die Jugendherberge Klagenfurt.

Schulen

Die Realschule besaß bis 1939 ein eigenes Schulgebäude und war danach behelfsmäßig im Realgymnasium und im Marianum untergebracht. Das neue Realschulgebäude wurde 1954 neben der Westschule errichtet und 1956 eröffnet. Das Dach des Turnsaaltraktes war das einzige österreichische Beispiel einer Schalenkonstruktion mit vorgespannten Stahlbetongurten. Das Schulgebäude (Lerchenfeldstraße 22, heute Gymnasium und Realgymnasium) steht auf einem 10.000 m² großen Grundstück.

Zu diesem Schulbezirk im Grünen kam dann noch das Bachmann-Gymnasium in der Jergitschstraße 21.

ÖDK-Verwaltung

Mit dem zweiten Verstaatlichungsgesetz von 1947 wurden die elektrizitätswirtschaftlichen Aufgaben in Kärnten der Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (KELAG) und der Österreichischen Draukraftwerke AG (ÖDK) übertragen. Die ÖDK baute ihre Verwaltungszentrale in der Kohldorfer Straße. Der Künstler Anton Mahringer schuf 1964 an der Nordwand der Eingangshalle ein riesiges Mosaik, das die Landschaften Kärntens mit den darin erbauten Kraftwerken der Gesellschaft zeigt. Während die KELAG als Landesgesellschaft die regionalen Versorgungsaufgaben wahrnahm, übernahm die ÖDK als Sondergesellschaft die Projektierung, den Bau und die Betriebsführung von Großkraftwerken. Die Klagenfurter Stadtwerke beschränkten sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine kombinierte Wärme- und Stromerzeugung (Fernheizwerk in der Pischeldorfer Straße) und suchten die Zusammenarbeit mit der KELAG.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Die Gegend zwischen St. Martin und Zigguln, Anton Kreuzer/Gerfried H. Leute, Klagenfurt 2009, Kreuzer Buch, Einigkeitsstraße Nr. 3, 9020 Klagenfurt
  • Die Verlandungszone zwischen See und Stadt, Anton Kreuzer/Gerfried H. Leute/Wilfried R. Franz, Klagenfurt 2009, Kreuzer Buch, Einigkeitsstraße Nr. 3, 9020 Klagenfurt

Weblinks

 Commons: Klagenfurt-St. Martin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Klagenfurt-Sankt Martin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien