St. Sebald am Heiligenstein

Wallfahrtskirche St. Sebald am Heiligenstein
Das Wappen von Gaflenz mit der Wallfahrtskirche St. Sebald am Heiligenstein

St. Sebald am Heiligenstein ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in der oberösterreichischen Marktgemeinde Gaflenz im Bezirk Steyr-Land. Sie ist eine Filialkirche der Pfarre Gaflenz.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die im gotischen Baustil errichtete Kirche St. Sebald am Heiligenstein befindet sich am Gipfel des steil abfallenden Heiligensteins (782 m ü. A.). Die römisch-katholische Wallfahrtskirche ist als einzige Kirche Österreichs nach dem heiligen Sebaldus von Nürnberg geweiht. Dieser hat möglicherweise im 8. Jahrhundert als Einsiedler in der Gegend von Nürnberg gelebt und Stadtpatron von Nürnberg. Am 26. März 1425 wurde Sebaldus durch Papst Martin V. heiliggesprochen.

Geschichte

Die um 1430 geschnitzte spätgotische Sebaldusstatue, deren barocke Bemalung anlässlich einer Kunstausstellung in Nürnberg entfernt wurde, steht nun im Originalzustand aus Sicherheitsgründen in der Pfarrkirche von Gaflenz. Stattdessen steht heute eine Nachbildung vom Bildhauer Adelsberger in der Sebalduskirche am Heiligenstein. 1413 wurde die Kapelle „ad sanctum lapidem“ zu Ehren aller Heiligen, besonders aber dem hl. Sebald geweiht. Mit der Heiligsprechung des Sebaldus kam es zu einem Aufschwung des Wallfahrens auf den Heiligenstein. Im Gaflenzer Pfarrarchiv finden sich in einer Handschrift um 1850 Mirakelberichte, die von sechs Fällen wunderbarer Heilung auf dem Heiligenstein berichten. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Ausbau der spätgotischen Kirche. Während der Gegenreformation feierten oft protestantische Bürger, die aus Steyr geflohen sind, den Gottesdienst oben mit. 1665 erfolgte der Bau des Glockenturmes, welcher 26 Jahre später umgebaut wurde und 1733 sein heutiges Aussehen erhielt. Bald darauf erfolgte auch der Bau der barocken Sebaldikapelle, mit der Grotte. Mit der Kirche am Heiligenstein wurde soviel Geld eingenommen, dass mit dem Geld im 18. Jahrhundert Kreditgeschäfte gemacht werden konnten. Zur selben Zeit erfolgte auch die Errichtung des Kalvarienberges mit 5 Stationen von Gaflenz auf den Heiligenstein. 1707 begann man mit der Errichtung des „Mesnerhauses“ damit die Pilger und Wallfahrer und der Mesner, der sogenannte Einsiedler, einen Unterstand haben. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Kanzel und die heutigen Altäre aufgestellt. 1806 wurde die Kirche durch die französischen Soldaten stark in Mitleidenschaft gezogen und 1810 erfolgte eine zwangsweise Ablieferung des Kirchensilbers. Die entstandenen Kriegsschäden wurden in den Jahren 1811/12 beseitigt. Die Ausbesserungsarbeiten fanden mit dem Kauf der 600kg schweren Glocke 1813 ihren Abschluss. 1832 erhält der Heiligenstein die alte Orgel aus Weyer und bis 1843 wurde das Wallfahrtswesen wieder belebt. Im 2. Weltkrieg, wurden die zwei Glocken von Heiligenstein als Kriegsbedarf entfernt. 1945 quartierten sich russische Soldaten am Heiligenstein ein. 1949 wurde die erste neue Glocke, mit 250kg geweiht, die alte kehrte 1950 zurück, sie lag im Hamburger Hafen versenkt. Zur Wiedereröffnung fand 1951 das Sebaldifest mit 2000 Wallfahrern statt. In den Jahren 1984/85 erfolgte eine Außenrenovierung der Kirche und der Sebaldikapelle. Heute kommen vor allem an Wochenenden und bei schönem Wetter viele Wanderer auf den Heiligenstein. Ein häufiges Anliegen der Wallfahrer, vor allem der Wallfahrerinnen, ist der Wunsch nach einem Ehemann und Kindern.

Architektur und Ausstattung

Die Wallfahrtskirche St. Sebaldus ist ein spätgotischer kubischer Bau mit Walmdach. Der 5/8-Chor entstand im frühen 15. Jahrhundert. Nordseitig schließt die Sakristei mit einem darüberbefindlichen Oratorium an den Chor an. Dieses ist von außen über eine Stein-Wendeltreppe erreichbar. Interessant ist das als Schulterbogen ausgebildete Südportal in spätgotischer Stabrahmung. An das Langhaus schließt im Westen ein Vorbau, die sogenannte „Laube“ an, deren Gewölbe zu Beginn des 19. Jahrhunderts einstürzte.Auf drei Seitzen wird die Kirche von einer Friedhofsmauer umschlossen, die 1969 mit Holzbrettern neu eingedeckt wurde.

Turm

Der Kupferstich „Heyliger Stain“ von Andreas Matthäus Wolfgang zeigt, dass der 1665 errichtete Glockenturm ursprünglich als Dachreiter ausgebildet war. 1691 wurde der heutige Turm im südöstlichen Winkel des Chores aus Tuffstein gebaut und wurde 1692n mit der Sonnenuhr des Garstener Hofmalers Johann Georg Staindorfer ausgestattet. In den jahren 1732 bis 1733 wurde der Turm auf die heutige Höhe von etwa 20 Metern gebracht und mit einem barocken Turmhelm, direkt über der Glockenstube ausgestattet. Die Glockenstube birgt zwei Glocken. Die größere mit einem Durchmesser von 110 cm wiegt 600 kg und ist auf f' gestimmt. Sie ist dem Hl. Sebald und dem Hl. Florian geweiht und trägt die Umschrift: „sit nomen domini benedictum“ (übersetzt:„Der Name des Herrn sei gepriesen“) sowie:

Literatur

  • Winklmayr, Elisabeth u.a.; Das Mesnerhaus am Heiligenstein und seine Entwicklung zur Jausenstation. Festschrift zum Jubiläum 300 Jahre Mesnerhaus 1707 – 2007, Gaflenz 2007, Pfarr- und Gemeindeamt Gaflenz, Blatt 5

Weblinks

 Commons: Sebalduskirche am Heiligenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


47.88194514.701933776Koordinaten: 47° 52′ 55″ N, 14° 42′ 7″ O