Stadtkino (Wien)

Das Stadtkino während der Viennale 2004

Das Stadtkino ist ein traditionsreiches Kino am Schwarzenbergplatz im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Es wurde 1916 als Schwarzenbergkino eröffnet, 1981 als Stadtkino neu gegründet und ist eines der ältesten Programmkinos Wiens.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Stadtkino mit Programmhinweis (Waltz with Bashir, 2008)
Asghar Farhadi im Foyer des Stadtkino, Viennale 2009
Libbie D. Cohn und J.P. Sniadecki, Publikumsgespräch im Stadtkino, Viennale 2012

Das heutige Stadtkino wurde 1916 als Schwarzenbergkino im Souterrain eines Gründerzeitgebäudes am Schwarzenbergplatz im Stil der Logenkinos – Kinos, die im Aufbau an die Theaterarchitektur angelehnt sind – eröffnet und bot Platz für 394 Besucher. Das später in den Besitz der Wiener Kinobetreibergesellschaft Kiba übergegangene Kino wurde Ende der 1970er-Jahre Opfer des Kinosterbens und wurde von der Kiba aufgrund kontinuierlicher Verluste 1980 – zu diesem Zeitpunkt auf den Namen Kammerlichtspiele lautend – geschlossen.[1] [2] [3]

Neugründung als Stadtkino

1981 wurde das Kino auf Initiative der städtischen Kulturabteilung, der ehemaligen Z-Bank, der städtischen Kiba und von Franz Schwartz gekauft, renoviert und als Stadtkino wiedereröffnet. Das Fassungsvermögen wurde auf 174 Besucher reduziert. Das Kino sollte von nun an die Lücke zwischen dem Programm des Filmmuseums und dem kommerziellen Kinoprogramm schließen. Es sollte also im Gegensatz zum Filmmuseum nicht auf ein cineastisches Publikum, sondern auf durchschnittliche Kinobesucher abzielen. Diese heute als Programmkino bekannte Ausrichtung eines Kinos war damals noch kaum verbreitet und in Wien einzigartig.[3]

Das Kino zeigte als eines der wenigen Kinos in Österreich in den 80er-Jahren internationales Autorenkino von Regisseuren wie Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki, Raymond Depardon, Jean-Marie Straub, Chris Marker und Jane Campion und konnte damit ein großes Publikum erreichen. Filme dieser Regisseure wie Down by Law (Jarmusch), The Piano (Campion) oder Sans soleil (Marker) zählen zu meistbesuchten Filmen des Kinos. Von Mitte der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre erreichte das Kino jährlich zwischen 48.000 und 58.000 Besucher – im besten Jahr rund 60.000. Ab Mitte der 90er-Jahre gingen die Zuseherzahlen jedoch zurück.[4]

In den 1990er-Jahren begann das Stadtkino auch als Filmverleih tätig zu werden. Seit 1993 ist das Stadtkino eines der vier Festivalkinos der Viennale. Das 1994 eröffnete Filmhaus am Spittelberg wird ebenfalls vom Stadtkino betrieben. Die Stadtkino-Gesellschaft wurde 2001[4] im Zuge der Auflösung der Kiba als Tochter der Viennale angegliedert und wird zu einem großen Teil durch Förderungen der Stadt Wien finanziert.[5]

Nachdem 2007 bekannt wurde, dass die Kiba die Betriebskosten des Stadtkinos ab 2009 nicht mehr übernehmen werden, übergibt Schwartz, nach 27 Jahren, seinen Posten als Geschäftsführer per 1. Jänner 2009 an Claus Philipp. Für 2008 rechnet Schwartz mit etwa 20.000 Besuchern im Stadtkino und 10.000 im Filmhauskino, sowie rund 70.000 Besucher bei den verliehenen Filmen.[4]

Filmverleih

Seit den 1990er-Jahren ist das Stadtkino auch als Filmverleih in Österreich tätig und hierbei auf internationale Arthouse-Filme spezialisiert. Die jährlich 15 bis 20 verliehenen Filme erreichen zwischen 30.000 und 80.000 Besucher.[6] Der erfolgreichste Film des Stadtkino-Verleihs aller Zeiten war Müllers Büro (1986), ein Film der im Stadtkino selbst nicht gezeigt wurde, österreichweit aber mit 441.000 Kinobesuchen den dritterfolgreichsten Film des Landes seit 1981 darstellt.[4]

Einzelnachweise

  1. KinTheTop – III. Landstraße, artminutes – Büro für Wiener Theaterforschung (Seite abgerufen am 11. April 2008)
  2. KinTheTop – Schwarzenbergkino, artminutes – Büro für Wiener Theaterforschung (Seite abgerufen am 11. April 2008)
  3. a b Gertraud Steiner: Filmbook Austria. Bundeskanzleramt, Wien 1997, S. 121–122
  4. a b c d Falter: Kino ist, wenn das Silberkorn explodiert. Interview von Michael Omasta und Michael Pekler mit Franz Schwartz und Claus Philipp, Nr. 50/08, S. 26
  5. Wolfgang Kralicek, Klaus Nüchtern: Abenteuer Alltag. Falter, Nr. 45/02, 6. November 2002 (Seite abgerufen am 11. April 2008)
  6. Filmwirtschaftsberichte Juni 2006 (PDF) (S. 27), Juni 2007 (PDF) (S. 31) und Dezember 2007 (PDF) (S. 31), Österreichisches Filminstitut, Verleihangaben laut Nielsen EDI (Seiten abgerufen am 11. April 2008)

Weblinks

 Commons: Stadtkino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.19861111111116.377222222222Koordinaten: 48° 11′ 55″ N, 16° 22′ 38″ O