Stadtpfarrkirche St. Ulrich (Vöcklabruck)

Nordostansicht der Stadtpfarrkirche St. Ulrich
Südwestansicht der Stadtpfarrkirche St. Ulrich

Die Stadtpfarrkirche St. Ulrich ist eine von drei Kirchen der oberösterreichischen römisch-katholischen Pfarre Vöcklabruck. Sie befindet sich in der Hinterstadt direkt neben dem sogenannten Heimathaus, dem ehemaligen Benefiziatenhaus, und wurde 1391 erstmals urkundlich genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach dem Bau der Stadtmauer lagen die bereits vorhandenen Kirchen - Schöndorfer Kirche und Dörflkirche - außerhalb der Stadtmauer. Daher wurde um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Eigeninitiative der Stadtväter eine Ulrichskapelle innerhalb der Stadtmauern errichtet. Anfang des 15. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau der Kapelle.

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde für die Kirche ein Benefizium gestiftet, welches von 1550 bis 1625 evangelische Geistliche innehatten.[1] In dieser Zeit wurden ältere Fresken übertüncht, die bei der Restaurierung im Jahr 1985 entdeckt wurden.

Nach der Benefiziumstiftung wurde 1450 mit dem Bau des zweischiffigen Langhauses begonnen und die Kapelle als Chorraum umgestaltet. 1476 erfolgte die Einweihung.[2] Im 17. und 18. Jahrhundert erfolgten barocke Zubauten wie die Sakristei und das Oratorium. 1925 errichtete man in und über der Westfassade einen Dachreiter, der Türme aus dem 18. und 19. Jahrhundert ersetzte.

Unter Kaiser Josef II. wurde St. Ulrich im Zuge der Josephinischen Reformen 1785 zur Stadtpfarrkirche erhoben. Nachdem der Benefiziat Sebastian Schwarz in unmittelbarer Nähe 1842 die erste Kinderbewahrungsanstalt errichtete und 1850 den Franziskanerorden der Vöcklabrucker Schulschwestern gründete,[3][4] gab es bis 1965 Bestrebungen, die zu kleine Stadtpfarrkirche zu vergrößern oder durch einen Neubau zu ersetzen.

Baubeschreibung

Der einjochige gotische Chor mit 5/8-Schluß hat ein Kreuzrippengewölbe, das spätgotische, zweischiffige und dreijochige Langhaus ein Netz- und Sternrippengewölbe. Die zweigeschossige, hölzerne Empore steht auf drei Säulen.[5]

Ausstattung

Die vier Glasfenster im Chor und die sechs des Langhauses sind ein Werk aus dem Jahr 1922 vom rheinländischen Glasmaler Josef Raukamp (* 1880), der 1915 in Linz eine Glasmalerei erwarb.[6] Die 14 Kreuzwegbilder an der Langhauswand und der unteren Emporebrüstung schuf 1872 Anton Fölsch. Das Fresko „Der Gute Hirte“ im Triumphbogen malte in Annäherung an den Jugendstil 1936 der Linzer Künstler Alfred Stifter (1904-2003).

Der barocke Hochaltar stammt aus der Zeit um 1760. Der Meister des Hochaltarbildes ist unbekannt; die Statuen hl. Christophorus (links) und hl. Florian sowie die Thronengel werden der Werkstatt Schwanthalers zugeschrieben. Der linke Seitenaltar mit einem Altarbild von Bartholomäus Altomonte (um 1760) ist dem hl. Sebastian, der rechte mit einem Altarblatt von Bernhard Schmidt aus Gmunden dem hl. Josef geweiht.

Die Lourdeskapelle mit Tonnengewölbe und Stichkappen war ursprünglich eine Annakapelle, die um 1660 direkt an die Stadtmauer angebaut worden ist. Um 1930 erfolgte ihre Umgestaltung zur Lourdeskapelle.

Die Orgel aus dem Jahr 1878 ist ein Werk von Johann Nepomuk Carl (1818–1884) aus der Orgelbauerfamilie Mauracher (Fügener Linie). 1993 wurde von der Werkstätte des Orgelbaumeisters S.F. Blank aus Lingewaal in Holland in das bestehende Gehäuse ein neues Werk eingebaut.

Die alten Glocken wurden im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. 1987 wurden vier neue Glocken der Salzburger Glockengießerei Oberascher (mit einem Gewicht von 120 bis 590 kg) erworben.

Bildergalerie

Literatur

  • Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 458; Verlag St. Peter, Salzburg 2006, ISBN 3-9501654-4-4

Weblinks

 Commons: Stadtpfarrkirche Vöcklabruck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vöcklabruck.at: Stadtpfarrkirche / Kirche St. Ulrich; abgerufen am 1. Jän. 2012
  2. Die Stadt und Pfarre Vöcklabruck bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, Kapitel 6
  3. Freunde der Franziskanerinnen: Sebastian Schwarz (1809–1870); abgerufen am 31. Dez. 2011
  4. Franziskanerinnen Vöcklabruck: Wir über uns; abgerufen am 31. Dez. 2011
  5. Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1971, 5. Auflage
  6. Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 6, Heft 1, Seite 65

48.00732513.654583Koordinaten: 48° 0′ 26″ N, 13° 39′ 16″ O