Stadttheater Baden

Stadttheater Baden (2009); Theaterplatz (ehemals: Auf der Burg, Theatergasse[1] [Anm. 1]
Halblinks: Übergang zum 2012 fertig renovierten Schulanbau Batzenhäusel [Anm. 2]
Altes Stadttheater (um 1900) [Anm. 3]
Altes Stadttheater (1908)
Redoutengebäude (1799–1908; hier: um 1900, gesehen vom heutigen Kaiser-Franz-Ring), abgebrochen im Rahmen des Baus des heutigen Theaters
Theaterkiosk, ebenfalls 1909 im Zuge des Neubaus des Stadttheaters nächst dessen Rückseite fertiggestellt (Theaterplatz 6; auch: Kaiser-Franz-Ring 16) [Anm. 4]
Unausgeführt gebliebener Entwurf von Josef Hackhofer & Moriz Hans Schieder, Architektenwettbewerb 1898/99, 1. Preis [2]

Das Stadttheater Baden ist eines der Theater in Baden in Niederösterreich und gehört organisatorisch zur Bühne Baden. Die künstlerische Leitung obliegt seit 2005 Robert Herzl [3]. Gespielt werden im Stadttheater Sprechtheater ebenso wie Operetten und Musicals.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Das Theaterleben in Baden wurde durch die häufigen Besuche der kaiserlichen Familie von jeher stark forciert. Seit 1716 lässt sich in Baden eine ständige Theatertruppe verfolgen. Ab 1770 wurde das sogenannte Hellhammer-Stadel für die laufenden Aufführungen benutzt. [4] Bereits 1775 wurde im Auftrag der Gemeindevertretung durch den italienischen Architekten Condini auf dem heutigen Theaterplatz, einem Teil der Badener Burg [5], das sogenannte Comoedien Haus erbaut. [6] Der Ziegelbau, noch mit Schindeln gedeckt, war ein Jahr älter als das Teutsche Nationaltheater (Burgtheater) von Kaiser Joseph II[Anm. 5]. Bis 1785 leiteten Mathias Meninger sowie Karl Marinelli die Bühne, danach Johann Georg Wilhelm bis 1811. [7]

Nächst dem Schauspielhause wurde 1799 vom Theaterunternehmer Johann Georg Wilhelm das (bis 1908 bestehende) mit dem Theaterbau verbundene Redoutengebäude errichtet, dessen Hauptraum, der Salon (bzw. Redoutensaal)[Anm. 6], am 20. September 1801 eröffnet wurde und das dem Theaterbesucher als Annehmlichkeiten neben dem Salon diverse Speisesäle sowie ein Billardzimmer bot. [8]

1811 wurde das Theater öffentlich feilgeboten. Da kein Angebot einlangte, erstand es Franz Freiherr von Zinnique (1760–1832), ein brabantischer Oberst [Anm. 7], um 1.237 Gulden Wiener Währung für sechs Jahre. Nicht zuletzt wegen des schlechten Bauzustandes ließ der neue Besitzer und Direktor (1811–1818) das Haus noch 1811 abreißen. [4] Bereits im Folgejahr wurde nach den Plänen von Joseph Kornhäusel ein neues Theater gebaut (Eröffnung: 9. Mai 1812); es trug den Namen Das Hoftheater an der Schwechat. Es wurde in der Kurstadt lange Zeit nur im Sommer bespielt. Erst 1867 kam auch eine Winterspielzeit hinzu, und eine neue Bühne, Steinstiegen sowie eine Gasbeleuchtung wurden eingebaut.

Bis 1842 waren nach Zinnique Theaterleiter: Karl Friedrich Hensler, Leopold Hoch[Anm. 8], Ignaz Sebastian Scheiner[Anm. 9], Johann Nepomuk Scheiner[Anm. 9] sowie Franz Pokorny[Anm. 9][9]

Dieses Theater, dass die einzige Unterhaltung in der Kurstadt bot, wurde von Kurgästen auch als ein Ort der Freizügigkeit beschrieben. [10]

Geschichte des heutigen Hauses

Die Baufälligkeit, permanente Brandgefahr sowie fehlende Hygiene erzwangen, trotz diverser (vor allem im Lichte des Ringtheaterbrandes angezeigter) baulicher Adaptionen [11], den Abbruch des 1200 [12] Personen fassenden Kornhäusel-Theaters sowie einen Neubau an selber Stelle. Dem war 1898 die Initiative der Stadtgemeinde vorausgegangen, eine letzte große Adaptierung des Hoftheaters vorzunehmen. Da das Land Niederösterreich einer Sanierung des heruntergekommenen Altbaues ungern zustimmen würde, wies die Stadtgemeinde auf ihre Absicht hin, in nächster Zeit an einen Neubau zu schreiten, und untermauerte die Ernsthaftigkeit ihres Wollens mit der Auslobung eines prominent jurierten Architektenwettbewerbs [2]. – Keine der drei prämiierten Einreichungen wurde je verwirklicht. Die Generalreparatur, die sich letztlich auf 15.000 Gulden belaufen sollte, wurde genehmigt, und erst zehn Jahre später, am 9. Juli 1908 [13], fasste die Gemeindevertretung den Beschluss für einen Neubau. [14] [Anm. 10]

So wurde das heutige Gebäude (zu einem Drittel der Baukosten unterstützt von Vergnügungsverein, Badener Sparkasse sowie Badener Trabrennverein[15] gemäß den Plänen des freihändig beauftragten Büros Fellner & Helmer [Anm. 11] nach nur zehnmonatiger Bauzeit am 2. Oktober 1909 im Beisein von Erzherzog Rainer feierlich eröffnet. [13] Die ursprünglich vorgesehene Bezeichnung der Spielstätte lautete Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Stadttheater. Da der Wiener Hof das entsprechende Ansuchen nicht erledigte, wurde auf Jubiläums-Stadttheater verkürzt.

Der im Jugendstil gehaltene Saal umfasste im Parterre und den zwei Rängen insgesamt 816 Plätze. [Anm. 12] Zur Eröffnung des Hauses wurde Beethovens Die Weihe des Hauses, das in Baden komponiert wurde, die Belehnungsszene aus König Ottokars Glück und Ende von Grillparzer sowie die 1894 zur Oper erhobene [16] Fledermaus von Johann Strauß, die, nach Textindizien[17], in Baden handelt, gespielt. [Anm. 13] Dieses Traditionsprogramm hält sich für festliche Anlässe bis heute.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Theater fast ständig bespielt. Erst im Herbst 1944 wurde es auch geschlossen. Aber gleich nach dem Krieg wurde es durch eine Arbeitsgemeinschaft von Künstlern wieder betrieben, wobei die Besetzung der Stadt Baden durch die Rote Armee, dessen Oberkommando in Baden residierte, diesen Betrieb erschwert hat.

Im Jahr 1973 wurde der Theaterplatz im Rahmen des Ausbaues der Fußgängerzone umgestaltet.

Bis heute erfuhr das Theater schon mehrmals komplette Außen- und Innenrenovierungen, besonders auch anlässlich der 500-Jahr-Feier der Stadt Baden 1977 und 1978. Auch der Zuschauerraum erhielt wieder sein ursprüngliches Aussehen.

Im Jubiläumsjahr 2009 wurden einige Erweiterungen wie einer neuen Tonanlage, ein neuer Probenraum für den Chor und anderen Restaurierungen vorgenommen.

Literatur

  • Paul Tausig: Die Eröffnung des neuen Theaters. In: Badener Zeitung, Nr. 80/1909, 6. Oktober 1909, S. 2 ff. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  • Paul Tausig: Das älteste Badener Theater. (Teil I). In: Badener Zeitung, Nr. 69/1914, 29. August 1914, S. 1 ff. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
    • —: (Teil II). In: Badener Zeitung, Nr. 70/1914, 2. September 1914, S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
    • —: (Teil III, Schluss). In: Badener Zeitung, Nr. 72/1914, 9. September 1914, S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  • Ein Tag in Baden; vor vierzig Jahren. In: Franz Gräffer, Anton Schlossar (Hrsg.): Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke. Band 1. Müller, München 1918, S. 112–123. – Volltext online.
  • Kurt Drescher (Hrsg.), Familie Drescher: Streifzüge in und um Baden – unter Berücksichtigung vieler historischer Daten. Drescher, Baden 1982.
  • Johann Kräftner (Hrsg.): Im Schatten der Weilburg. Baden im Biedermeier. Eine Ausstellung der Stadtgemeinde Baden im Frauenbad vom 23. September 1988 bis 31. Jänner 1989. Grasl, Baden 1988, ISBN 3-85098-186-X.
  • 90 Jahre Stadttheater Baden. In: Hans-Gerd Ramacher (Red.): Amtliches Nachrichtenblatt der Stadtgemeinde Baden. Band 6.1999 (XLIV. Jahrgang), Vorlage:2384600-8. Stadtgemeinde, Baden 1999.
  • Viktor Wallner: Badener Theaterg’schichten. Neue Badener Blätter, Band 1,2, ZDB-ID 2161928-1. Gesellschaft der Freunde Badens und Städtische Sammlungen – Archiv, Rollettmuseum der Stadtgemeinde Baden, Baden 1990.
  • Viktor Wallner: Der „Gute Kaiser Franz“ und seine „Sommerresidenz“ Baden. Neue Badener Blätter, Band 3,4, ZDB-ID 2161928-1. Gesellschaft der Freunde Badens und Städtische Sammlungen – Archiv, Rollettmuseum der Stadtgemeinde Baden, Baden 1992.
  • Otto Wolkerstorfer: Walzerseligkeit und Alltag. Baden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Grasl, Baden 1999, ISBN 3-85098-243-2.
  • Günther Konecny: 100 Jahre Stadttheater Baden. In: Österreichische Theatertechnische Gesellschaft (Hrsg.): Prospect. Magazin für Bühnen- & Veranstaltungstechnik. Heft Dezember 2009, ZDB-ID 2538148-9. Producer Zeitschriftenverlag Weichselbaum & Partner OEG, Wien 2009. S.  14–17. — Volltext online (PDF-Datei).

Einzelnachweise

  1. Julius Böheimer: Straßen & Gassen in Baden bei Wien. Lexikon der Straßen, Gassen, Plätze, Wege, Stege, Brücken. Grasl, Baden 1997, ISBN 3-85098-236-X, S. 112.
  2. a b Local-Nachrichten (…) Bau des neuen Stadttheaters. In: Badener Zeitung, Nr. 6/1899, 21. Jänner 1899, S. 5. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt,
    Local-Nachrichten (…) Zum Theaterbau. In: Badener Zeitung, Nr. 9/1899, 1. Februar 1899, S. 3. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  3. Patrick Schenker (Red.): Robert Herzl. In: buehnebaden.at, abgerufen am 29. Februar 2012.
  4. a b Drescher: Streifzüge, S. 141.
  5. Kommunal-Zeitung. Historische Betrachtungen zum Theaterbau (Ein Mahnruf). In: Badener Zeitung, Nr. 36/1908, 2. Mai 1908, S. 2 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  6. Tina Lipsky: Baden, Österreich. Stadttheater. In: Gerhard M. Dienes (Hrsg.): Fellner & Helmer. Die Architekten der Illusion. Theaterbau und Bühnenbild in Europa. Anläßlich des Jubiläums „100 Jahre Grazer Oper“. Stadtmuseum Graz, Graz 1999, ISBN 3-900764-21-2, S. 132.
  7. Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 427 f. – Online.
  8. Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 427 – Online.
  9. Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 428 f. – Online.
  10. Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 4.
  11. Eröffnung des Stadttheaters. In: Badener Bezirks-Blatt, Nr. 84/1882, 21. Oktober 1882, S. 2 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb,
    E. B.: Stimmen aus dem Publikum. Geehrter Herr Redacteur!. In: Badener Bezirks-Blatt, Nr. 97/1882, 5. Dezember 1882, S. 3. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb.
  12. Kräftner: Im Schatten der Weilburg, S. 196.
  13. a b 20 Jahre Jubiläums-Stadttheater. In: Badener Zeitung, Nr. 79/1929, 2. Oktober 1929, S. 2 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  14. Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 24.
  15. Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 25.
  16. Tausig: Die Eröffnung des neuen Theaters, S. 3, oben rechts.
  17. Hildegard Hnatek, Rudolf Maurer: Der Walzerkönig in Baden. (…) Spielt die „Fledermaus“ in Baden? In: Wolkerstorfer: Walzerseligkeit und Alltag, S. 198 f.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Die als Brückenkonstruktion gelöste Straßenquerung sollte, vom Bauherrn bedungen, die Gehverbindung zu der ebenfalls neu- bzw. wiedererrichteten, heute noch bestehenden Restauration Batzenhäusel herstellen. Eine zunächst vorgesehene symmetrische, das Theater mittig einspannende Variante wurde (wahrscheinlich aus Kostengründen) nicht ausgeführt. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 26.
  2. Der Volksmund bedachte zur Zeit der Theatereröffnung den Übergang mit dem Beinamen Seufzerbrücke. – Tausig: Die Eröffnung des neuen Theaters, S. 4.
    Der Spottname widerspiegelt die resignative Kritik der Öffentlichkeit am Gemeindeausschuss, der den als missglückt empfundenen, im Grundriss einer angeschnittenen Pastete gleichenden Zubau zur Pfarrschule genehmigte.
  3. Der Bau ist 1817 wesentlich erweitert worden, insbesondere wurde ein Stockwerk aufgesetzt. Vom ursprünglichen Zustand existieren keine Abbildungen. – Kräftner: Im Schatten der Weilburg, S. 195.
  4. In den Vorgaben zu dem das Stadttheater ergänzenden Bauwerk war ein größerer Anbau untersagt gewesen. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 26.
    Im Juli 1919 wurde in der Baulichkeit ein Lebensmittelgeschäft eröffnet. – Siehe: Eröffnungsanzeige (…). In: Badener Zeitung, Nr. 59/1919, 23. Juli 1919, S. 4 oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  5. Dessen Nachfolger nach Leopold II., Franz II./I., verbrachte von 1792 bis 1834 die [meisten] Sommer in Baden. — Wallner: Der „Gute Kaiser Franz“, passim.
  6. Ausmaße des Salons: 21,8 m lang, 13,3 m breit, 8,5 m hoch.
  7. Zinnique (auch: Zinnicq), der in der Schlacht bei Charleroi ein Bein verloren hatte, spielte als talentierter Komponist in der Wiener Gesellschaft eine große Rolle. Von 1813 bis 1816 leitet er neben dem Badener Sommertheater auch das Theater in Preßburg. — Siehe: Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 429 f. – Online.
  8. Hoch war während des Jahres 1834 kurzzeitig (erfolgloser) Direktor des Theaters in der Josefstadt. — Siehe: Feodor Wehl (Red.): Die Deutsche Schaubühne. Organ für Theater und Literatur. Heft 10.1862, dritter Jahrgang, ZDB-ID 380223-1. Meinhold, Dresden 1862, S. 55. – Text online.
  9. a b c Siehe Direktoren des Theaters in der Josefstadt.
  10. In der letzten Vorstellung im Altbau, am 3. Mai 1908, wurde Paul Lindaus Die Erste (Schauspiel in vier Aufzügen) gegeben. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 27.
  11. Oberbaurat Fellner war Berater in dem 1906 gegründeten Theaterkomitee. Aus dieser Position dürfte sich der Planungsauftrag entwickelt haben. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 26.
  12. Im Architektenwettbewerb von 1898/99 wurden 850–900 Plätze vorgegeben. – Siehe: Rudolf Krausz (1872–1928), Josef Tölk (1861–1927): Stadttheater für Baden. In: Der Architekt, Jahrgang 1899, V. Jahrgang, S. 20. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/arc.
  13. Am 4. September 1876 dirigierte Johann Strauß Die Fledermaus im Badener Stadttheater zugunsten der bei einem Großfeuer in Sooß zu Schaden Gekommenen. – Hildegard Hnatek, Rudolf Maurer: Der Walzerkönig in Baden. In: Wolkerstorfer: Walzerseligkeit und Alltag, S. 194.

48.0095716.23525Koordinaten: 48° 0′ 34″ N, 16° 14′ 7″ O