Stein (Adelsgeschlecht im Südschwarzwald)

Wappen derer vom Stain in der Zürcher Wappenrolle, um 1340

Die Herren von Stein (auch Herren vom Stein[1]) waren ein südbadisches Adelsgeschlecht, das im 13. und 14. Jahrhundert im Südschwarzwald nachgewiesen ist und dort die Burg Altenstein (wahrscheinlich auf der Gemarkung des heutigen Häg-Ehrsberg) besaß. Durch Erbschaft kam ihr Besitz an die elsässische Familie der Herren von Schönau und begründete damit deren wichtige Rolle an Ober- und Hochrhein.

Inhaltsverzeichnis

Stammtafel

Folgende Herren von Stein sind bekannt[2]:

  • Heinrich I., verstorben 1283
    • Seine Söhne Heinrich II.(verstorben 1321) und Rudolf I. (verstorben 1302) sowie eine Elisabeth
      • Heinrichs II. Sohn Heinrich IV. (vermutlich minderjährig verstorben) und eine Tochter unbekannten Namens
      • Rudolfs I. Sohn Heinrich III. (verstorben 1349/50), Rudolf II. (verstorben 1321) und Mathis (1339 verstorben).
        • Heinrichs III. Tochter[3]

Heinrich III. von Altenstein verheiratete seine Tochter Margareta von Stein um 1330 mit Rudolf I. von Schönau. Da er ansonsten kinderlos blieb, starben die Herren vom Stein in der Mitte des 14. Jahrhunderts im Mannesstamm aus, und ihr Besitz kam an die Herren von Schönau.[4]

Besitz

Die Herren vom Stein standen in Diensten des Damenstifts Säckingen und hatten dort das „große“ Meieramt inne. Ihren Sitz hatten die Herren vom Stein auf Burg Altenstein. Die genaue Lokalisation der Burg ist umstritten, vermutet wird sie entweder beim gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Häg-Ehrsberg oder auf dem „Henschenberg“ bei Zell im Wiesental.[5] Eindeutig zu ihren Befugnissen gehörten dabei die Dinghöfe Stetten, Zell im Wiesental, Zuzgen, Kaisten, Ittenthal, Wegenstetten, Mettau und Sulz. Daneben hatte die Familie auch mehrer Höfe, Güter und andere Rechte als Eigenbesitz, oft in den gleichen Dörfern, in denen sie auch das Meierrecht innehatten (so zum Beispiel in Zell, Zuzgen und Stetten).[6][7] Ein Eigengut hatte die Familie offenbar bei Wegenstetten: 1303 übergab Heinrich von Stein seine Rechte dem Hochstift Basel und erhielt den Hof von diesem wieder zu Lehen.[8] Weiterer Eigenbesitz bestand bei Schwörstadt, Obersäckingen, Säckingen, Wieladingen, Laufenburg, Mettau und Kaisten.[9]

Eine weitere „Herrschaft Neuenstein“ bestand auf St. Blasischem Gebiet südöstlich des Zeller Dinghofes; Der ursprüngliche Umfang der Herrschaft lässt sich nicht genau bestimmen[10]; als die Herrschaft 1400 von den Erben der Steiner an Baden-Hachberg verkauft wurde, umfasste sie die Burg Neuenstein (wahrscheinlich das Burgholz auf der Gemarkung Raitbachs[11]), die Dörfer Gersbach, Schlechtbach, Schweigmatt, Raitbach und weitere Höfe und Rechte zwischen Wehra- und Wiesental[12], also grob gesprochen den östlichen Teil der Gemarkung des heutigen Schopfheim. Möglich ist, dass auch Hausen im Wiesental ursprünglich zur Herrschaft Neuenstein gehörte, aber Anfang des 14. Jahrhunderts durch einen Erbgang an die Basler Familie zer Sunnen gelangte.[13]

Neben diesen Besitzungen im Wiesental und im Hochrheingebiet erwarb Heinrich III. von Stein im Jahr 1342 auch das halbe Dorf Marzell im Kandertal.[14] Verkäufer waren die Herren von Neuenfels, die den Verkauf von Heinrich aber sogleich wieder zu Lehen erhielten.[15] Einnahmen bestanden darüber hinaus aufgrund von habsburgischen Pfandschaften, so in Wehr, Siggenthal, Baden AG, Rheinfelden AG und der Grafschaft Hauenstein.[16]

Stein und Wieladingen

Wappen derer von "Wilfendingen" (Wieladingen) in der Zürcher Wappenrolle, um 1340

Eine nahe Verwandtschaft bestand wahrscheinlich zwischen den Herren von Stein und den Herren von Wieladingen (siehe auch Burgruine Wieladingen). Zum einen besteht eine große Ähnlichkeit der beiden Wappen: Das Wappen derer von Stein zeigt eine silberne, nach unten zeigende Fidel auf rotem Grund (siehe z.B. das Wappen der Gemeinde Stein AG), das Wappen derer von Wieladingen weist 3 nach unten zeigende rote Fideln auf silbernem Grund auf[17]. Zum anderen bestand offenbar eine Unterteilung des säckingschen Meieramtes in Groß- und Kleinmeier, wobei die Herren von Stein das Erstere, die Herren von Wieladingen das Letztere innehatten.[18]. Zum Kleinen Meieramt gehörten der Dinghof Schliengen[19] sowie die Hälfte der Höfe Herrischried, Murg, Oberhof, Stein und Hornussen, deren andere Hälfte dem Großmeier gehörte[20]. Die Aufteilung des Meieramtes und die hälftige Aufteilung der fünf genannten Höfe könnte auf eine Erbteilung des Meieramtes hindeuten[21]. Als möglicher Begründer der Wieladinger Seitenlinie wird ein Rudolf von Stein genannt[22], der aber wohl schon eine Generation vor Heinrich I. lebte. Die genannte Halbierung der Meierhöfe ist jedoch nicht umstritten. Eine andere Interpretation geht davon aus, dass die Herren von Wieladingen die Höfe Herrischried, Murg, Oberhof, Stein und Hornussen zunächst als Ganzes besaßen, und dass erst die Herren von Schönau als Erben der Herren von Stein die Hofhälften erwarben.[23]

Literatur

  • Werner H. Frese: Die Herren von Schönau- Ein Beitrag zur Geschichte des Oberrheinischen Adels, Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte, Band XXVI, Freiburg/München, 1975
  • Andre Gutmann: Unter dem Wappen der Fidel. Die Herren von Wieladingen und die Herren vom Stein zwischen Ministerialität und adliger Herrschaft Unter Mitarbeit von Christopher Schmidberger (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte, Bd. 55), Freiburg i. Br./München 2011
  • Thomas Kreutzer: Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert in: Wernher von Schönau und Katharina Frings (Hrsg):Adel an Ober- und Hochrhein- Beiträge zur Geschichte der Freiherren von Schönau, Freiburg im Breisgau,2001, ISBN 3-7930-9282-8, S.99-124
  • Klaus Schubring: Die genealogische Entwicklung der Familie in: Wernher von Schönau und Katharina Frings (Hrsg):Adel an Ober- und Hochrhein- Beiträge zur Geschichte der Freiherren von Schönau, Freiburg im Breisgau,2001, ISBN 3-7930-9282-8, S.75-98
  • Klaus Schubring: Die Herrschaft Neuenstein und Hausen im Wiesental, in: Das Markgräflerland Heft 1/1994, S. 43-62
  • Aenne Schwoerbel: Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, Landesdenkmalamt, Säckingen, 1998

Anmerkungen

  1. Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, S. 100
  2. Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel, S. 525
  3. Diese Tochter wird von Merz, Die mittelalterlichen Burganlagen und Wehrbauten des Kantons Aargau und Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, S.101 als Margareta bezeichnet; Merz sieht sie außerdem als Tochter Heinrichs II., Kreutzer schlägt vor, sie als Tochter Heinrichs III. anzusehen, ebenso Gutmann in seiner Stammtafel des Geschlechts
  4. Schubring, Die genealogische Entwicklung der Familie, S.83
  5. Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel, S. 320 für die Zuordnung zum Henschenberg; Klaus Schubring: Wo lag die Burg Altenstein?. In: Das Markgräflerland, Band 1/2012, S. 106-117
  6. Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, 104-107
  7. Frese, Die Herren von Schönau, S.102-107
  8. Bader: Regesta des ehemaligen Hochstifts Basel von 1281 bis 1341, S. 367 in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1853, S. 356-384, online verfügbar via MDZ
  9. Frese,Die Herren von Schönau, S.99ff.
  10. Kreutzer,Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, S.104f.
  11. Klaus Schubring: Die Herrschaft Neuenstein und Hausen im Wiesental, in: Das Markgräflerland Heft 1/1994, S. 43-62. Siehe dort v.a. S. 50f.
  12. Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg, Bd. 1, Urkundennummer h857
  13. ausführlich hierzu siehe Klaus Schubring: Die Herrschaft Neuenstein und Hausen im Wiesental, Das Markgräflerland- Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, Jahrgang 1994, Heft 1, S.43-63
  14. Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, S. 107
  15. Krieger, Albert: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Band 2, S. 153, online verfügbar via Universitätsbibliothek Heidelberg
  16. Frese, Die Herren von Schönau, S.95f.
  17. Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, S. 100
  18. Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, S. 101
  19. Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, S.102
  20. Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, S.103
  21. Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, S. 102
  22. Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald, S. 100
  23. Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, S.103; die Verwandtschaft wird dabei aber nicht ausgeschlossen