Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch

Kreuzblume St. Stephan, Steinmuster der Steinbrüche
Handwerksordnung 1650, Steinmetzheilige
Kaisersteinbruch um 1900, Blick auf die Steinbrüche
herrschaftlicher Gasthof, Herberge für Wandergesellen
Kartensammlung ab 1590

Das Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch wurde im Juni 1990 vom dortigen Museums- und Kulturverein gegründet. Die 1939 zwangsweise abgesiedelten Kaisersteinbrucher erhielten damit ein Zentrum, mit ihren geistigen und materiellen Beiträgen konnte diese Privatinitiative gewagt werden. Zitat von Frau Johanna Markowitsch, Gästebuch vom 6. Oktober 1990: Seit es ein Museum in Kaisersteinbruch gibt, habe ich hier auch wieder ein Zuhause! Danke dafür!

Die Großgemeinde Bruckneudorf stellte einen Raum der ehemals zweiklassigen Schule zur Verfügung. Zur Ausstellung in diesem Klassenraum mit Schultischen der 1920er Jahre (teilweise noch mit versenktem Tintenfass), gelangten anfänglich Bestände, die in jahrelanger Sammler- und Forschertätigkeit zusammenkamen.

Jahrhunderte lang lebten hier Menschen vom Stein,
er gab ihnen das Brot.

Inhaltsverzeichnis

Schausammlung

Das Museum ist einerseits Forschungszentrum, sowie Dokumentations- und Bildarchiv des hiesigen Steinmetzhandwerkes, und andererseits des Kriegsgefangenenlagers Stalag XVII A im Zweiten Weltkrieg und der nachfolgenden sowjetischen Besatzung in Kaisersteinbruch. Eine Münzsammlung aus dem Bereich der einstigen römischen Villa, die ins 1. Jahrhundert vor Christus zurückreicht (begutachtet vom Archäologen Heinrich Zabehlicky), eine Kartensammlung – ab 1590, mit ersten Nennungen des Kayserlichen Steinbruches.

In der Mitte ein Lapidarium mit Zitaten von St. Stephan, als Leihgabe der Wiener Dombauhütte, eine Kreuzblume vom nördlichen Heidenturm (dreiseitig) mit Brandspuren, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus St. Margarethener Kalksandstein, eine angearbeitete Fiale mit Krabben, versintert, vom nördlichen Heidenturm, 15. Jahrhundert, aus Leithakalksandstein. Detail eines zerstörten Altares der Kaisersteinbrucher Kirche aus Breitenbrunner Kalksandstein.

Kaiserstein vom Schloss Neugebäude, Schloss Schönbrunn, Albertina-Hofburg, Vermählungsbrunnen, Steinmuster der Brüche (Meister Opferkuh), Steinmetzwerkzeuge (Fritz Koresch), Fotoalben und ein Gästebuch als Beleg einheimischer und internationaler Besucher.

Das ehrsame Handwerk der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch wird das Zentrum des Leithagebirges

Die Kaisersteinbrucher Meister wurden 1617 eine Viertellade[1] der Wiener Neustädter Bauhütte mit eigener Abschrift der „Handwerksfreiheiten“. Sehr kunstreich gestaltet die Handwerksordnung unter Kaiser Ferdinand III. mit gemaltem Bild der Zunftfahne. Um diese kaiserlichen Freiheiten bemühte sich der nobilitierte Hofbildhauer Pietro Maino Maderno und sein jüngerer Mitmeister Ambrosius Regondi bei Graf Otto Felician von Heissenstein, Regent der niederösterreichischen Lande.[2]

Der Wirkungsbereich der Kaisersteinbrucher Zunft umfasste 1649 die Marktflecken der Herrschaft Scharfenegg, Sommerein, Mannersdorf, Hof, und Au, weiters Maria Loretto, Winden, Jois und Kaisersteinbruch selbst[3]

Das bedeutet, dass jede Zunfthandlung, wie „Aufdingung“ (Aufnahme von Lehrlingen), „Freisprechung“ (zum Gesellen freisprechen), usw. vor offener Lade in Kaisersteinbruch abgehalten wurde. Dieses „Freisprechbuch der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch“ dokumentiert die tatsächliche Bedeutung dieses Handwerks.

Die Handwerksordnungen können als Kopien im Museum studiert werden.

Lehrbrief für Georg Koppitsch 1844

Lehrbrief von 1844
Historische Aufnahmen der zerstörten Kaisersteinbrucher Kirche

Das Steinmetzmuseum erwarb 1997 ein Originaldokument des eigenständigen Kaisersteinbrucher Steinmetz-Handwerkes, eine 1853 ausgestellte Bestätigung des Lehrbriefes von 1844, mit Unterschriften und großem Siegel des ehrsamen Handwerks der Steinmetzen und Maurer allhier.

Wir N.N. Zechmeister und ein ganzes ehrsames Handwerk der Steinmetz- und Maurermeister im Stift heiligenkreuzerischen Ort = Steinbruch am Leythaberg bekennen kraft dieses Lehrbriefs, nachdem der ehrsame Georg Koppitsch von Neusiedl am See bey Herrn Georg Abt zu Kaisersteinbruch am 2. Juni 1839 bei offener Lade auf 5 Jahr das Steinmetz-Handwerk zu erlernen aufgedungen und am 9. Juni 1844 freigesprochen worden, auch in dieser Zeit vollkommen ausgelernet … so sollen auch seine gewesenen Bürgen, die ehrbaren Gesellen Joseph Buchinger und Joseph Madle, ihrer geleisteten Bürgschaft halber, quitt, frei und los sein… gegenwärtigen Lehrbrief am 5. Juni 1653 mit unserem anhängend größern Handwerks-Insiegel bestätigt.

Johann Krasny, Obervorsteher
Michel Weidbacher, Untervorsteher

Hier ist die Gegenüberstellung der Ortsnamen zu beachten: Die Herrschaft befahl „Heiligenkreuzer Ort – Steinbruch am Leithaberg“, die Meister fügten „Kaisersteinbruch“ in den Text hinzu.

Der Alltag eines Steinmetz

Steinmetzwerkstätte

Zu Anfang des Jahrhunderts (um 1900) bot sich im „Waldbruch“, ein sogenannter „Römersteinbruch“, folgendes Bild:[4] eine einfache Hütte aus Holz mit großem Tor und Fenstern mit kleinen Glasscheiben, vor die ein sogenanntes Spritzgitter gehängt war, um Steinsplitter abzufangen. Etwa 4 bis 5 Leute arbeiteten hier. Die Werkstücke standen auf ca. 60 cm hohen und 120 cm langen Blöcken „aufgebänkt“, wie es in der Sprache der Steinmetzen heißt. Die Werkzeuge, die man während eines Tages brauchte, wurden auf ein eigenes Brett gelegt, um sie immer griffbereit zu haben. Unerlässlich war der Schleifstein (ein Quarzsandstein mit ca. 60 × 20 × 20 cm), da nur mit regelmäßig geschliffenen Eisen optimal gearbeitet werden kann.

Zunftmäßige Sprache

Vor der Hütte stand die Steinmetzrodl, mit der die noch unbehauenen Steinblöcke aufgebänkt wurden. Bei dieser schwierigen Tätigkeit ist Hilfe erforderlich. Der Steinmetz geht in die Hütte und ruft: „Der Karl, der Josef, die Herren sind angesprochen.“ Ein paar Steinmetze unterbrechen ihre Arbeit und helfen. Mit viel Ho-ruck wird er mit einer Stange als Hebel hinaufgehievt, in die richtige Lage gebracht und in der Werkstätte aufgestellt. Die Herren sind bedankt, das rhythmische Hämmern und Klopfen ertönt wieder.

Bevor eine Seite von einem Stein fertig war, musste man ihn umdrehen, bei großen gab der Steinmetz die Kommandos: „Wir schlagen ihn um, legen einen Bohrer, drehen ihn und stellen ihn im Strich.“

Kleidung

Der Steinmetz trug blaue Hose und Bluse, eine ebenfalls blaue Schürze, die fast bis zu den Knöcheln reichte und ein Gilet mit Taschenuhr. Als Kopfbedeckung trug man eine Papierhaube, um die Haare vor dem Steinstaub zu schützen.

Es war eines der ersten Dinge, die der Altgeselle einem Lehrling zeigte, wie man so eine Haube faltet. Diese Altgesellen zeichneten sich durch eine besondere Ruhe und Sicherheit in ihrer Arbeit aus. Jeder Schlag mit dem Meißel saß, besonders bei dichtem Kaiserstein und Marmor, die schwieriger zu bearbeiten waren.

Das Werkzeug [5] wird vom Schmied geholt, der oben in der Nähe des Waldes seine Werkstätte hat. Mit einem Schmied sollte man sich als Steinmetz immer gut vertragen, das Werkzeug ist zu wichtig, um seine Qualität dem Zufall überlassen zu können.

Steinmetzwerkzeuge

Der Schlägel (auch Fäustel) leitet die Kraft des Hiebes auf das Schlagwerkzeug weiter. Muss schwere Bossierarbeit geleistet werden, so muss der Schlägel ein schwerer sein. Er muss spielerisch in der Hand liegen, so wird ein empfindsamer Steinmetz jedes neue Gerät entweder neu bestielen, oder den vorhandenen zurechtrichten, dass er bestmöglich in der Hand liegt. In früheren Zeiten bestand er aus weichem Eisen. Spitz- und Breiteisen, für manche Arbeiten braucht man ein kurzes Eisen, lange Eisen können prellen oder federn. Das Breiteisen ist zum Formen von geraden oder gebogenen Flächen bestimmt. Dieses Eisen ist der wahre Gradmesser des Könners. In der Hand eines solchen entstehen meisterliche Arbeiten.

Holzmodell von Schloss Neugebäude

Für die Ausstellung Fürstenhöfe der Renaissance 1990, im Kunsthistorischen Museum, Neue Burg, hatte Architekt Manfred Wehdorn ein Holzmodell von Schloss Neugebäude angefertigt. Wesentliche Teile davon wurden dem Museum als befristete Leihgabe 1993 zur Verfügung gestellt, da die Anfänge des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerks eng mit dem Bau des Neugebäudes zusammenhängen.

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Wiener Neustadt, Steinmetzakten, Meisterbuch 1617
  2. Stadtarchiv Wiener Neustadt, H 109/1, Schreiben des Ortsrichters Andre Ruffini am 11. Mai 1644 an die Neustädter Meister
  3. Landesarchiv Burgenland: Zunftakten, „Freisprechbuch der Steinmetzen und Maurer in Steinbruch“ A/VI-1l, Fasc. 1/2. Am Buchdeckel mit „ab 1764“ beschrieben, tatsächlich ab 1791
  4. Friedrich Opferkuh: Der Alltag eines Steinmetz, Erinnerungen, Anekdoten, Berichte. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, 9. Jahrgang, Nr. 50, Juni 1998.
  5. Friedrich Opferkuh: Formung des Steines und Werkzeuge von der Antike bis heute. Mannersdorf 1993, maschinschriftliches Exemplar im Steinmetzmuseum.

Weblinks