Stift Dürnstein

Dürnstein

Stift Dürnstein ist ein ehemaliges Kloster in Dürnstein in der Wachau in Niederösterreich. Heute gehören die Gebäude und der große Grundbesitz dem Augustinerchorherren-Stift Herzogenburg, das auch die Pfarre Dürnstein betreut. Der Turm der Stiftskirche mit seiner blau-weißen Färbung gilt als das Wahrzeichen der Wachau.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Jahre 1372 wurde am Platz des heutigen Stifts eine Kapelle gegründet. 1400 wurde diese erweitert und eine Krypta gebaut. Stift Dürnstein wurde 1410 gegründet. 1710 wurde Hieronymus Übelbacher zum Propst von Dürnstein gewählt. Er veranlasste den barocken Umbau des Stifts. Die heutige Innen- und Außengestaltung stammt von den Architekten und Baumeister Joseph Munggenast, Jakob Prandtauer und Matthias Steinl. Mit der Klosteraufhebung 1788 unter Kaiser Joseph II. kam Stift Dürnstein mit seinen Pfarren und dem großen Grundbesitz zum Augustinerchorherren-Stift Herzogenburg, dem es heute noch angehört. Heute beherbergt es ein internationales Begegnungszentrum.

Baugeschichte

Innenansicht der ehemaligen Stiftskirche.
Das Portal des ehemaligen Augustinerchorherrenstiftes.
Das Stift in Dürnstein ( 2008 / Video)
  • 1371 errichtete  Elsbeth von Wallsee eine Kapelle zu Ehren der Hl. Maria und stiftete gemeinsam mit ihrem Vetter Heidenreich von Meissau 3 Kaplanstellen.
  • 1395 Hans III. von Meissau stiftete eine 4. Kaplanstelle und verfügte, dass täglich ein Choralamt gehalten und täglich drei Stille Messen gelesen werden.
  • 1399 kauften Hans III. von Meissau und Stephan von Haslach von den Wallseern Güter zu Willendorf und schenkten sie der Dürnsteiner Stiftung.
  • 1402 unter Otto IV. und Leutold II. von Kuenring wurde mit Zustimmung von Herzog Albrecht IV. die Kapelle der Feste Dürnstein mit der Frauenkapelle zusammengelegt. Dadurch wurde der Unterhalt von 10 Priestern gesichert. Dies war ein wesentlicher Schritt zur Entwicklung der Propstei Dürnstein.
  • 1408 ernannte der Passauer Bischof Graf Georg Hohenlohe den Oberkaplan Stephan von Haslach zum Dechanten.
  • 1409 mit dem Tode des Dürnsteiner Pfarrers Heinrich Schenk fiel die Pfarrstelle der Kunigunden-Pfarrkirche unter dem Dechanten Stephan von Haslach an die Frauenkirche. Bischof Graf Georg Hohenlohe knüpfte an den Zusammenschluss der Kirchen die Bedingung, dass innerhalb von 2 Jahren ein Kollegiatstift entstehen müsste.
  • 1410 mit der Übersiedlung von regulierten Chorherren aus Wittingau (Böhmen) nach Dürnstein wurde die Bedingung Bischofs Hohenlohe erfüllt. Anstatt des geforderten Kollegiatstiftes entstand ein Ordenstift. Der Wittingauer Martin wurde, nach dem Stephan von Haslach ablehnte, zum ersten Propst des Stiftes Dürnstein gewählt. Bischof Graf Georg Hohenlohe bestätigte am 14  Juni 1410 die Gründung des Chorherrnstiftes Dürnstein. Inkorporiert wurden die Pfarre Dürnstein, die Kapelle der Feste Dürnstein und die Pfarre Grafenwörth.

300 Jahre nach der Gründung des Klosters wurde Hieronymus Übelbacher zum Propst gewählt. Das Gebäude war in schlechtem Zustand, und so beschloss er, es zu barockisieren. Er verband dies mit einem großen inhaltlichen Konzept und war Mittelpunkt und Koordinator des künstlerischen Programms. Als Dürnstein sein barockes Aussehen erhielt, standen Religion, Wissenschaft und Kultur in enger Wechselbeziehung. Am auffallendsten ist der blau-weiße Turm der Stiftskirche, der in seiner ursprünglichen Farbgebung wiederhergestellt wurde. Durch die markanten Farben und das edle Material, das ihn keramisch wirken lässt, steht er als Architektursignal in der Landschaft. Das theologische Programm des Dürnsteiner Stiftsturmes lautet:

„Im Kreuz ist Heil, durch das Kreuz sind wir gerettet, alles Leid mündet in die Herrlichkeit der Auferstehung ein.“

Der Turm ist mit kostbaren Reliefs des Leidens Christi überzogen. Auf der Bekrönung steht das verklärte Kreuz: in diesem Zeichen hat Christus Leid und Tod besiegt. Unter dem Kreuz stehen als dessen Interpreten die Evangelisten. Vier Obelisken am Turm tragen die Bilder der Apostel. Sie sind Zeugen Christi: Zeugen seines Lebens, Leidens und Auferstehen.

Restaurierung

Durch zwei Jahrhunderte konnten am Kloster nur die dringendsten Erhaltungsarbeiten ausgeführt werden. Seit 1985 war es durch eine gemeinsame Initiative von Stift Herzogenburg, Land Niederösterreich, Diözese St. Pölten, Wissenschaftsministerium, Stadt Dürnstein, Medien und vieler privater Spender möglich, die Gesamtkosten von 50 Millionen Schilling aufzubringen und das Gebäude außen, sowie in bedeutenden Innenbereichen (Kreuzgang, Festsaal) einer gründlichen Restaurierung zu unterziehen. 1994 wurde mit den Arbeiten in der Gruftkapelle begonnen. 1998 konnte mit dem Erntedankfest auch der Abschluss der Außenrenovierung gefeiert werden. Ausständig ist noch die Renovierung des eigentlichen Stiftsgebäudes.

Bei der Restaurierung in den 1980er Jahren stieß man auf eine blaue Färbelung. Aufgrund der zahlreichen Rechnungen unter Probst Hieronymus über smalte-blaue Farbstoffe wird angenommen, dass der Turm der Stiftskirche zu der Zeit diese Farbe bekam. Aus diesem Grund entschloss man sich dem Kirchturm diese ursprüngliche Farbe zu verleihen. Zur Zeit der Restaurierung war diese Farbe stark umstritten. Erst in den Folgejahren entwickelte sich das Aussehen in dieser Farbe zu einem Wahrzeichen in der Wachau.[1]

Literatur

  • Helga Penz und Andreas Zajic: Stift Dürnstein. 600 Jahre Kloster und Kultur in der Wachau (Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes Band 51), Horn, Waidhofen/Thaya 2010, ISBN 978-3-900708-25-2.
  • Burgen,Stifte und Schlösser Regionen Waldviertel, Donauraum, Südböhmen, Vysočina, Südmähren ISBN 978-3-9502262-2-5, S. 27 ff

Weblinks

 Commons: Stift Dürnstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Aussagen vom Herzogenburger Probst Maximilian Fürnsinn zum 25-jährigen Jubiläum der Restaurierung am 27. November 2011 in ORF-NÖ TV

48.39527777777815.518888888889Koordinaten: 48° 23′ 43″ N, 15° 31′ 8″ O