Stift Sankt Peter (Salzburg)

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Stift Sankt Peter, auch Erzabtei St. Peter (lat. Archiabbatia sancti Petri Salisburgensis), in Salzburg ist das älteste bestehende Kloster im deutschen Sprachraum. Die Mönche leben hier nach der Benediktinerregel.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

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St. Peter in Salzburg wurde vom heiligen Rupert um 696 zur Mission in den Südostalpen gegründet bzw. wiederbelebt. Funde von Mauerresten unter dem Altar der heutigen Stiftskirche, welche auf das fünfte Jahrhundert datiert wurden deuten darauf hin, dass schon zu Zeiten des hl. Severin an dieser Stelle ein erster kirchlicher Bau vorhanden war, der vermutlich von einer kleinen romanischen Mönchsgemeinschaft erbaut und von Rupert erneuert und erweitert wurde. Bis 987 war das Amt des Bischofs mit dem des Abtes durch Personalunion verbunden, doch blieb St. Peter trotz der in diesem Jahr erfolgten Trennung der beiden Ämter noch bis 1110 die Residenz des Salzburger Erzbischofs.

Im Mittelalter war das Stift Sankt Peter vor allem wegen seiner hervorragenden Schreibschule bekannt. Es ist auch das Mutterkloster der Benediktinerabtei Admont in der Steiermark. 1074 wurden 12 Mönche von St. Peter nach Admont gesandt, um ein klösterliches Leben zu beginnen. Im 15. Jahrhundert schloss sich das Stift der Melker Reform an. 1622 errichtete Erzbischof Paris von Lodron die Benediktiner-Universität Salzburg, die bis zu ihrer Aufhebung 1810 mit dem Kloster eng verbunden war.

Die Bemühungen von Abt Petrus Klotz um eine Katholische Universität wurden 1926 durch die Gründung des Studienkollegs der Benediktiner, des Kolleg St. Benedikt, belohnt - ein Vorgang, der später zur Wiederbegründung der Universität Salzburg führen sollte. 1927 erfolgte die Erhebung St. Peters zur Erzabtei. In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurden die Mönche vertrieben, das Kloster aber nicht aufgehoben. Die Mönche kehrten nach dem Krieg zurück. Von 2009 bis 2010 leitete Erzabt Bruno Becker das Stift St. Peter. Nach dem Rücktritt von Erzabt Bruno im März 2010 leitete übergangsweise P. Prior Korbinian Birnbacher OSB das Stift bis am 13. April 2010 P. Benedikt Röck OSB auf drei Jahre zum Administrator der Erzabtei gewählt wurde. Dem Stift gehören zur Zeit 21 Mönche an (Stand: September 2012).

Siehe auch: Liste der Äbte des Stifts Sankt Peter

Stiftskirche

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Mittelschiff der Kirche
Hauptartikel: Stiftskirche Sankt Peter

Die erste Klosterkirche von St. Peter wurde um 696 errichtet, als Rupert (Hruodpert) die dort vermutlich seit der Spätantike bestehende romanische Klostergemeinschaft erneuerte. Die heutige Kirche geht im Kern auf einen Bau zurück, der 1125-1143 erbaut wurde und 1147 geweiht. Der mächtige Kirchturm, der um 1400 romanisierend erhöht wurde, stammt im Kern aus dem 9. Jahrhundert.

Die Hauptorgel wurde 1444 vom Mainzer Orgelbauer Heinrich Traxdorf auf dem Lettner geschaffen. Die gotischen Kreuzrippengewölbe sind in der Vorhalle erhalten. Im Stil der Renaissance wurde die Kirche selbst 1605/06 umgestaltet, 1619/20 eingewölbt und 1622 mit einer schlanken Vierungskuppel versehen. Der unverwechselbare barocke Zwiebelturm wurde unter Abt Seeauer 1756 errichtet. Die beiden Hochaltäre sind wesentlich von Martin Johann Schmidt („Kremser-Schmidt“) gestaltet. Bekannt ist auch der Maria-Säul-Altar mit einer Madonna von 1425. Das Innere der Kirche ist 1760-66 durch Roccaillestuck und Deckenbilder mit reicher Rokokoausstattung unter Mitarbeit von Franz Xaver König, Lorenz Härmbler, Johann Högler, Benedikt Zöpf und anderen im Rokokostil neu gestaltet, wobei die alte romanische Baustruktur gut erkennbar bleibt. Das große prunkvolle Rokokogitter (Kirchenabschlussgitter) wurde von Philipp Hinterseer gestaltet.

Kapellen in der Kirche sind die Wolfgangkapelle und die Heiliggeistkapelle.

Die kleine Katharinenkapelle (Mariazeller Kapelle) ist an den südlichen Querarm der Kirche angebaut und wurde nach der Stiftung des Jahres 1215 durch Herzog Leopold VI. 1227 geweiht. Sie besitzt Kreuzgratgewölbe. Die Rokokostuckaturen von 1792 wurden von Peter Pflauders ausgeführt.

Die nahe Marienkapelle (früher St. Veitskapelle genannt), eingebaut in den Klosterbezirk St. Peter hat ihren gotischen Geist zur Gänze bewahrt. Es ist das wohl älteste erhaltene gotische Bauwerk der Stadt. Hier liegt Abt Johannes Staupitz († 1524) begraben, der einst der Ordensobere (als ehemaliger Augustiner) von Martin Luther war.

Bibliothek

Blick durch die Zellenbibliothek

St. Peter beherbergt die älteste Bibliothek Österreichs. Die kostbarste unter den 800 Handschriften ist das Verbrüderungsbuch, das 784 von Bischof Virgil angelegt wurde. Durch kontinuierlichen Ausbau ist die Bibliothek auf 100.000 Bände angewachsen, wobei Werke über Benediktinisches Mönchtum, mittelalterliche Kirchengeschichte, Kunstgeschichte und Salisburgensia die Sammelschwerpunkte bilden. Sonderbestände bilden die Inkunabeln und Frühdrucke, sowie die Graphiksammlung mit der Andachtsbildchensammlung des P. Gregor Reitlechner und die Landkartensammlung.

1768 ließ Abt Beda Seeauer die Zellenbibliothek im Rokokostil umgestalten. Sie wurde 1999 restauriert und ist nur mit spezieller Erlaubnis zugänglich. Die Bibliothek ist nach Vereinbarung benutzbar.

Im November 2006 wurden Teile des Bibliotheksbestandes, die doppelt vorhanden waren, an diverse Bibliotheken, Sammler und Universitäten in Österreich und Deutschland verkauft.

Archiv

Das Archiv dient der Verwaltung des Stiftes und der Erforschung seiner Geschichte. Es enthält schriftliche Aufzeichnungen vom 8. bis zum 20. Jahrhundert und umfasst folgende Bestände:

  • Urkundenreihe: ca. 4300 Urkunden bis zum Jahr 1700
  • Handschriftenreihe A: Chroniken, Tagebücher, Kapitelprotokolle, Visitationen, Stiftungen, Nekrologe und Roteln, Inventare, Rechnungsbücher u.a.m.
  • Handschriftenreihe B: Amtsbücher der Grundherrschaft (Urbare, Grundbücher, Geschäftsbücher des Hofrichters).
  • Akten: Unterlagen und Korrespondenzen der Äbte, der Konventualen, der Kämmerei und anderer Verwaltungsstellen des Stiftes; Grundherrschaftsakten
  • Sammlungen: Fotos, Karten und Pläne.

Musikarchiv

Bedingt durch den Kontakt mit bedeutenden Salzburger Musikern besitzt St. Peter eine bedeutende, auch autographe Überlieferung mit Werken von Johann Ernst Eberlin, Anton Cajetan Adlgasser, Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Michael Haydn, Sigismund von Neukomm, Robert Führer und Karl Santner.

Stiftsmusik St. Peter

Das Kloster St. Peter ist seit jeher berühmt für sein musikalisches und kulturelles Wirken. Die Stiftsmusik und die Stiftskantorei St. Peter tragen dabei wesentlich zur Gestaltung und Umrahmung kirchlicher Feste bei. Vor allem Werke von Haydn, W.A. Mozart und anderer (auch zeitgenössischer Komponisten) kommen zur Aufführung. Mozarts Große Messe in c-Moll sollte hier, vermutlich am 26. Oktober 1783 mit seiner Frau Constanze als Sopran-Solistin, aufgeführt werden.

Weitere Sammlungen

Andachtsbildchensammlung, Fotosammlung, Gemäldesammlung, Graphiksammlung, Kirchenschatz, Kunsthandwerk, Mineraliensammlung, Möbeldepot, Musikinstrumentensammlung, Münzenkabinett, Naturalienkabinett (nicht benutzbar)

Institute in St. Peter

Um deutschsprachigen Benediktinern und Benediktinerinnen die Möglichkeit zu geben, sich in monastischen Themen fortzubilden, hat die Salzburger Äbtekonferenz 2000 das Institut für Benediktinische Studien errichtet. Es dient der Erforschung der Regel des Heiligen Benedikt (Regula Benedicti) und der Abhaltung von Kursen. Die Leitung hat Dr. Sr. Michaela Puzicha OSB inne.

St. Peter ist durch die Tätigkeit des P. Adalbero Raffelsberger einer der frühen Orte liturgischer Erneuerung in Österreich. 2001 wurde das Liturgische Institut der Österreichischen Bischofskonferenz angegliedert.

Stiftskeller

Die Gaststätte innerhalb der Klostermauern nennt sich Stiftskeller St. Peter und nimmt für sich aufgrund der urkundlichen Erwähnung im Jahre 803[1][2] in Anspruch, älteste Gaststätte Mitteleuropas zu sein.

Petersfriedhof

Hauptartikel: Petersfriedhof Salzburg

Mit seinen „Katakomben“ sind auf dem dem Kloster angeschlossenen Friedhof die ältesten erhaltenen architektonischen Leistungen von Salzburg aufzufinden. Auch eine Vielzahl an Kapellen machen den Friedhof zu einem der eindrucksvollsten in Mitteleuropa.

Literatur

  • Korbinian Birnbacher OSB, Benediktiner-Erzabtei St. Peter in Salzburg. Geschichte - Spiritualität - Kultur, Verlag St. Peter, Salzburg 1996.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Internetpräsenz des Stiftskellers St. Peter
  2. Geschichte von St. Peter: Stiftskeller, stpeter-stiftskeller.at

47.79694444444413.045833333333Koordinaten: 47° 47′ 49″ N, 13° 2′ 45″ O