Stift St. Lambrecht

Stift St. Lambrecht

Das Stift St. Lambrecht ist ein Kloster der Benediktiner (OSB) in Sankt Lambrecht im steirischen Naturpark Grebenzen auf 1072 Meter Seehöhe in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Kloster wurde 1076 vom Kärntner Markgrafen Markwart von Eppenstein gegründet. Dessen Sohn Herzog Heinrich III. von Kärnten ergänzte und vollendete die Klostergründung bis zu seinem Tod 1122, mit dem das Geschlecht der Eppensteiner erlosch. Er stattete den Konvent mit einer reichen Dotation zum Unterhalt und zur Pflege von Kunst und Wissenschaft aus. Es ist nicht bekannt, aus welchem benediktinischen Mutterkloster die ersten Mönche kamen. Die erste Kirche im 11. Jahrhundert war die „Kirche des Heiligen Lambert im Walde“, in deren unmittelbarer Nähe vor 1076 das Kloster errichtet worden war. Im 12. Jahrhundert wurde sie durch eine romanischen Basilika ersetzt, die 1160 geweiht wurde. Sie hatte schon beinahe die Größe der heutigen Stiftskirche. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde der Gnadenort Mariazell in der Obersteiermark von St. Lambrechter Benediktinern gegründet und wird, nach einer Unterbrechung von 1949 bis 1992, heute wieder von St. Lambrecht betreut.

Bald nach der Gründung des Klosters entstand eine Handschriftensammlung, sie ist durch zwei Verzeichnisse aus dem 12. und 13. Jahrhundert dokumentiert. Sie bestand überwiegend aus theologischen und liturgischen Büchern, enthielt aber auch einige Werke antiker Schriftsteller. Im 13. und 14. Jahrhundert verfügte das Kloster über ein produktives Skriptorium (Schreibernamen: Fridericus Rosula, Andreas Moravus). Die wachsende Bibliothek verdankte dem Abt Johann I. Friedberger (1341-1359), der in Bologna studiert hatte, eine Vermehrung der Bestände, darunter auch dessen eigene Traktate.

Nach dem Brand der romanischen Kirche im Jahr 1262 und dem Einsturz einiger danach wiederhergestellter Bauteile bis 1327 ging man daran, auf den noch vorhandenen Steinmauern ein neues Gotteshaus zu erbauen. Die Weihe der gotischen Hallenkirche erfolgte 1421 unter Abt Heinrich Moyker (1419-1455). Abt Heinrich förderte tatkräftig die Bibliothek des Klosters. In sogenannten Schedulae resignationis war der persönliche Besitz der Mönche festgehalten, darunter auch erhebliche Buchbestände in den Zellen. Darunter fallen vor allem Bücher aus dem Besitz der Äbte und der Professoren der Hauslehranstalt auf. Erwähnenswert ist eine juridische Fachbibliothek von Johannes Drezeler aus Münster in Westfalen (1579 an der Universität Siena immattrikuliert). 54 Bände dieser Sammlung befinden sich seit der josephinischen Klosteraufhebung in der Universitätsbibliothek Graz, zwei kamen 1803 wieder an die Stiftsbibliothek zurück.

1424 wurde die Peterskirche auf dem Klosterareal gestiftet. 1471 verheerte ein Brand die Stiftskirche, die Peterskirche und den Spitalsbau. Von 1639 an erfolgte der frühbarocke Neubau unter der Leitung von Stiftsbaumeister Domenico Sciassia (1599/1603 - 1679), der auch der Baumeister von Mariazell war. Erst 1692, nach Sciassias Tod, wurde der Bau vollendet. Von 1730 bis 1750 wurde das Stift durch den Südtrakt gegen den Markt hin erweitert. 1835 wurde das schon vor der Aufhebung bestehende Gymnasium und das Sängerknabenkonvikt wieder eingerichtet, beide bestanden bis 1932.

Am 4. Januar 1786 wurde das Stift im Zug der 1782 begonnenen josephinischen Kirchenreform durch kaiserliches Dekret aufgehoben, die Bibliotheksbestände kamen in die Universitätsbibliothek Graz. Allerdings wurde vom konservativen Kaiser Franz II. bereits 1802 die Aufhebung rückgängig gemacht, in der Folge kam die Bibliothek nach St. Lambrecht zurück, die historisch wertvollen Handschriften blieben in Graz.

Nach dem Anschluss im Mai 1938 wurde das Kloster durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt und von SS-Obersturmbannführer Hubert Erhart verwaltet. Die Abtei verlegte ihren Sitz nach Mariazell. Der gesamte Inkunabelbestand der Bibliothek sowie Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts und eine Reihe älterer Styriaca, insgesamt 2100 Titel, kamen an die Steiermärkische Landesbibliothek in Graz. Der Rest hat an Ort und Stelle die Aufhebung und den Krieg überstanden. Nach Rückstellung der beschlagnahmten Bestände im Jahre 1946 wurde der Gesamtbestand von rund 30.000 Bänden in der systematischen Ordnung des 19. Jahrhunderts wiederaufgestellt.

Am 13. Mai 1942 traf ein erster Transport von ca. 90 KZ-Häftlingen aus Dachau ein, das Stift wurde zum Außenlager des KZ Dachau. Ungefähr ein Jahr später trafen dann 30 Bibelforscherinnen (Zeugen Jehovas) aus Ravensbrück ein, für die ein zweites Außenlager eingerichtet wurde, da Frauen und Männer nach den Richtlinien der SS zu trennen waren. Ab dem 20. November 1942 bis zur Befreiung im Mai 1945 unterstand das Männerlager dem KZ Mauthausen und wurde somit ein Außenlager des KZ Mauthausen. Dies bedeutete eine Verschlechterung der Haftbedingungen, da der Rücktransport ins Stammlager - Mauthausen war ein Lager der Stufe III-„Rückkehr unerwünscht“ - den sicheren Tod bedeutete. Das Frauenlager blieb bis zur Gründung des Frauenlagers in Mauthausen am 15. September 1944 unter der Verwaltung des KZ Ravensbrück. Die inhaftierten Männer mussten hier neben Arbeiten in der Forst- und Landwirtschaft eine Siedlung in Sankt Lambrecht errichten, deren Häuser heute noch vom Kloster vermietet werden. Der Bau einer Villa nordwestlich des Stifts für Erharts Familie wurde begonnen, aber nicht mehr fertiggestellt. Die weiblichen Häftlinge wurden hauptsächlich für Haushaltsdienste herangezogen. Der Stiftshof diente als Apellplatz und war somit für die Bevölkerung einsehbar, die Stiftskirche behielt dagegen ihre Funktion als Pfarrkirche.

1946 kehrten die Mönche zurück. Heute verwaltet und bewirtschaftet das Kloster insgesamt rund 4.000 Hektar land- und forstwirtschaftlichen Besitz. Daneben bemühen sich die Mönche um die wirtschaftliche Sicherung des Klosters für die Zukunft. In Zusammenarbeit mit den umliegenden Bauernhöfen wird eine lokale, mit Hackgut betriebene Fernwärmeanlage betrieben, die den ganzen Ort versorgt. Ferner betreibt das Kloster eine „Schule des Daseins“, ein Seminarzentrum mit geistlicher und kreativer Richtung und einer Managementschule. Man versucht auch, den Kulturtourismus und den religiösen der Pilger zu steigern und die eigenen Produkte zu vermarkten.

Schule

Das Stift war wie alle Klöster im Mittelalter ein Bildungszentrum. 1835 wurde im Stift ein Landgymnasium mit fünf Klassen eingerichtet; die Schule bestand bis 1932. Bekannte ehemalige Schüler sind der Priester und Pazifist DDDr. Johannes Ude, der Journalist Hans Grasberger (er besuchte die Knabenschule von 1836 bis 1898) und der Astronom Rudolf Falb, der 1850-1854 als Schüler im Stift war.

Sehenswürdigkeiten

  • Frühbarockes Klostergebäude
  • Stiftsmuseum mit Kunstsammlung (Schnitzplastik, Tafelmalerei, Gemälde des 13. bis 19. Jahrhunderts)
  • Volkskundemuseum des P. Romuald Pramberger und Vogelmuseum des P. Blasius Hanf
  • Gotische Stiftskirche
  • Peterskirche (gestiftet 1424)
  • Stiftsbibliothek (nur in Ausnahmefällen zu Studienzwecken zugänglich)

Stiftskirche

Die Stiftskirche ist die „Hauptkirche“ des Benediktinerklosters St. Lambrecht, sowohl Kloster- wie Pfarrkirche. Ursprünglich diente der jetzige Karner im Friedhof neben der Stiftskirche als Pfarrkirche, später dann die Peterskirche, die sich gegenüber, auf der Bastei des Stiftshofes befindet.

Der heutige Kirchenbau aus der Gotik wurde vielfach verändert. Er verdankt sein Renaissanceportal dem Stiftsbaumeister Domenico Sciassia. Im 17. Jahrhundert (Hochaltar von 1632, Westempore) und im 18. Jahrhundert (Kanzel) erfuhr die Stiftskirche eine Reihe von Barockisierungen.

Symbolik und Architektur

Die Kirche ist wie fast alle mittelalterlichen Kirchen geostet, das Hauptportal ist im Westen. Mit der Ausrichtung des Schreitraums nach Osten ist vorchristliche Sonnensymbolik verbunden (im Osten geht die Sonne auf, von dort kommt das Leben), die vom Christentum übernommen und auf den Heilsbringer Christus bezogen wurde. Durch zwei Pfeilerreihen wird die Kirche in drei gleich hohe Schiffe geteilt, so entsteht eine Hallenkirche mit zwölf Jochen, die im Inneren 20 Meter breit und 16 Meter hoch ist. Die Gesamtlänge beträgt 78 Meter.

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Ein Kirchenrundgang

Links und rechts des Portals von Domenico Sciassia stehen die lebensgroßen Statuen der Heiligen Martin (mit der Gans zu seinen Füßen) und Nikolaus (mit Buch und drei Äpfeln).

Kruzifix

Ein imposantes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert, das einst mit großer Wahrscheinlichkeit den Lettner der gotischen Kirchen schmückte, findet sich in der Vorhalle. Gegenüber steht eine Madonnenstatue, die im Jahr 1642 von Michael Hönel geschaffen wurde. Maria als apokalyptische Frau „mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12, 1). In den Ecken sind bis heute Säulen der romanischen Vorgängerkirche erkennbar. Die zweite Tür, vom heiligen Lambert bekrönt, wurde 1645 anstelle eines großen romanischen Trichterportals eingebaut.

Wer in den Kirchenraum eintritt, befindet sich unter der im 17. Jahrhundert eingebauten Westempore, auf deren Gewölbe die Jakobsleiter, das Wappen des Abtes Benedikt Pierin und die Opferung Isaaks gemalt sind, jeweils umgeben von Allegorien der Tugenden.

Kanzel

Die Kanzel in der Mitte der Kirche ist ein Meisterstück des Hochbarocks aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Dramatisch wird der Triumph des heiligen Benedikt dargestellt. Mit seinem Regelbuch in der Hand sitzt er auf einem Wagen, der von vier Tieren gezogen wird, geleitet von vier Menschen, die vier Erdteile symbolisierend. Die Figuren am Korb der Kanzel stellen Glaube, Liebe und Hoffnung dar. Über der Tür des Aufgangs steht der heilige Paulus.

Im letzten Joch des Langhauses vor dem Chor sieht man im Gewölbe einen Triumphbogen. Hier trennte früher der Lettner den Chorraum der Mönche vom Langhaus der Gläubigen.

Auf zwei Seitenaltären an der nördlichen Kirchenwand, die in den Jahren 1642 und 1643 geschaffen wurden, kann man im unteren Bereich zwei verschiedene Phasen des barocken Neubaus des Klosters sehen.

Das Fresko an der Nordwand, entstanden in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, zeigt den Thron Salomons: Im unteren Geschoss wird der im Alten Testament als Inbegriff der Weisheit bezeichnete König dargestellt, darüber die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, ganz oben Jesus Christus, das „Mensch gewordene Wort (logos) Gottes“.

Die Mariazellerkapelle von 1726 zeigt eine freie Nachbildung des Mariazeller Gnadenaltares und erinnert an die Gründung des Gnadenortes vom Kloster St. Lambrecht aus.

Der linke Seitenaltar im Presbyterium, dem heiligen Benedikt geweiht, wurde 1638 vom Neumarkter Bildschnitzer und Tischler Christoph Paumgartner angefertigt. Auf dem Altar sind verschiedene Benediktinerheilige versammelt.

Der rechte Seitenaltar im Presbyterium ist dem heiligen Emmeram geweiht. Der architektonische Aufbau stammt von Christoph Paumgartner, mit dem Figurenschmuck des Altars beauftragte Abt Benedikt Pierin 1639 den Gurker Bildhauer Michael Hönel. Um das Relief des Martyriums des hl. Emmeram versammelt der Altar weitere Märtyrer.

Hochaltar

Der Hochaltar aus Stuckmarmor wurde 1632 fertiggestellt. Er zeigt als Altarbild „Mariä Himmelfahrt“, eine Kopie nach Rubens, flankiert von den Heiligen Benedikt und Scholastika. Neben dem mittleren Bild „Mariä Krönung“ stehen die Heiligen Johannes der Täufer und Kaiser Heinrich, die Namenspatrone von Abt Johann Heinrich Stattfeld, der diesen Altar bei Valentin Khautt 1627 in Auftrag gegeben hat. Das oberste Bild zeigt den Kirchen-, Kloster- und Gemeindepatron, den heiligen Lambert, begleitet von den Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Bekrönt wird der Altar von einer Figurengruppe rund um den Erzengel Michael, der Luzifer in die Tiefe stürzt.

Während der Restaurierung der Stiftskirche von 1974 bis 1976 entstand im Zuge der liturgischen Erneuerung der steinerne Volksaltar und der Ambo, geschaffen von Johann Schweighofer. Über der Sakristeitür befindet sich das Fastentuch aus der Pfarrkirche in Veitsch, das etwa 1470 gewebt wurde. Veitsch war dem Stift St. Lambrecht inkorporiert. Drei Oratorien, balkonartige „Gebetsräume“, an der Südwand der Kirche sind von der Klausur im ersten Stock des Klostergebäudes aus zugänglich. Sie dienten den Mönchen als Möglichkeit, direkt aus ihren Zellen in die Kirche zu gelangen. Das Taufbecken aus Marmor stammt aus dem 16. Jahrhundert und hat eine neugotische Bekrönung. Im Jahr 1974 wurde ein romanisches Portal im Kreuzgang wieder entdeckt. Innen schlicht gestaltet, hat es außen reich verzierte Kapitelle und im Tympanon eine Darstellung des Gotteslammes Jesus Christus.

Orgel

Die 2003 fertig gestellte Orgel mit mechanischer Traktur umfasst 40 klingende Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal, mit rund 2800 Pfeifen. Sie ist ein Werk der luxemburgischen Orgelbauwerkstatt Georges Westenfelder.

In einer spitzbogigen Nische ist die Holzstatue des heiligen Lambert zu entdecken. In der Hand hält er neben dem Bischofsstab eine Lanze.

An der Südwand sieht man ein Fresko aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, das den heiligen Christophorus darstellt.

Links neben dem Beichtstuhl ist auf einem Fresko aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert die heilige Agnes zu erkennen.

Peterskirche

In der 1424 erbauten gotischen Peterskirche befinden sich drei wertvolle Flügelaltäre. Der Hochaltar, mit einer geweihartigen Bekrönung, ist ein typisches Werk der Kärntner (Villacher) Werkstätten um 1515. Die geschnitzten Reliefs in Schrein, Predella und an den Flügeln zeigen das Abendmahl, die Kreuztragung und Passion. Die beiden Seitenaltäre enthalten wertvolle gotische Stücke, so eine „schöne Maria“ aus der Zeit um 1430 und die Tafeln des linken Seitenaltars, die eine Kreuzigung und heilige Gestalten (um 1435) zeigen und dem Meister der "St. Lambrechter Kreuzigungsaltäre" zugeschrieben werden.

Siehe auch

Literatur

  • Benedikt Plank: Geschichte der Abtei St. Lambrecht. Festschrift zur 900. Wiederkehr des Todestages des Gründers Markward von Eppenstein, 1076–1976. St. Lambrecht 1976
  • Dietmar Seiler: Die SS im Benediktinerstift. Aspekte der KZ-Außenlager St. Lambrecht und Schloß Lind. Graz 1994. ISBN 3-900993-33-5
  • Bernhard Sebl: Besitz der "toten Hand". Entziehung und Restitution des Vermögens der Benediktinerstifte Admont und St. Lambrecht. = Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchivs 32, Graz 2004
  • Herbert Staudigl: Die Privatlehranstalt der Abtei St. Lambrecht 1915-1932. St. Lambrecht 2000.
  • Othmar Wonisch: Die Theaterkultur des Stiftes St. Lambrecht, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Sonderband 2 (Graz 1957).
  • Hrsg. Bernhard Fabian: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa, digitalisiert von Günter Kükenshöner. Olms Neue Medien, Hildesheim 2003.

Weblinks

47.06833333333314.298333333333Koordinaten: 47° 4′ 6″ N, 14° 17′ 54″ O