Stiftskirche Admont

Stiftskirche Admont

Die römisch-katholische Stifts- und Pfarrkirche Admont des Benediktinerklosters Admont in Admont in der Obersteiermark wurde – nach dem großen Brand von 1865 – in den Jahren von 1865 bis 1869 über romanischen und gotischen Resten im neugotischen Stil wieder neu aufgebaut. Das Münster ist der erste neugotische Sakralbau Österreichs. Die beiden Türme, mit ihren 73 m und 74 m sind das Wahrzeichen des Admonttales. Sie ist dem hl. Blasius geweiht.

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

1865, als ein verheerender Brand große Teile des Marktes von Admont verwüstete, wurden auch große Teile der Abtei ein Raub der Flammen, darunter auch die Stiftkirche. Nach dem Brand wurden die Kirche und das Stift, obwohl in vereinfachter Form. In den Jahren 1866-1869 vom Architekten Wilhelm Bücher, zum Teil auf den romanischen und gotischen Fundamenten, neu errichtet, ist sie dem Regensburger Dom nachempfunden, und der erste Sakralbau Österreichs in diesem Stil. 1869 konnte sie geweiht werden.

Fassadengestaltung

Die Westfassade zeigt Figuren des hl. Benedikt und der hl. Scholastika. Ein Spitzgiebel mit der Figur des Stiftspatrons, des hl. Blasius, bekrönt das Portal. Die romanischen Seitenportale stammen noch aus dem 12. Jahrhundert.

An der Nordseite des Langhauses ließ der Architekt karikierte Köpfe Kaiser Wilhelms I. und Bismarcks in Form von gotischen Wasserspeiern anbringen.

Interieur und Ausstattung

Das basilikale Langhaus mit einschiffigem Chor ist in ein dreischiffiges Langhaus mit je fünf Seitenkapellen gegliedert und je sechs Altären.

Der Chorraum mit 7/12-Schluss wird von einem neugotischen Hochaltar aus Carraramarmor gekrönt, der eine Figur des Stiftspatrons, des hl. Blasius zeigt. Das 1726 entstandene Bild des Marienaltars im linken Seitenschiff, Maria Immaculata von Martino Altomonte (1657–1745), wird umrahmt von 15 geschnitzten Medaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen des aus Graz stammenden Stiftsbildhauers Josef Stammel (um 1726). Zugleich dient der Altar auch als Grabstätte für den Gründer des Klosters, Erzbischof Gebhard von Salzburg.

Den Altar umgeben Wandteppiche aus der Stickereischule von Frater Benno Haan O.S.B, im frühen 18. Jahrhundert geschaffen, die vom großen Stiftsbrand verschont blieben. Die kunstvollen Teppiche sind in Hoch- und Flachstickerei gearbeitet, mit Äbtewappen, Darstellungen von Heiligen und einer bunten Vielfalt an Blumen- und Tiermotiven.

Im Chorbogen unter dem Triumphbogen befindet sich außerdem ein überlebensgroßes, gotisches Kruzifix, das Matthias Lackner um 1518 zugeschrieben werden kann. Ebenso unter dem Chorbogen, neben dem Kreuzaltar, befindet sich eine Kopie der Admonter Madonna von ca. 1310 – das Original befindet sich im Landesmuseum Joanneum in Graz. Sehenswert ist auch noch der Marienaltar, mit dem Marienbild der Maria Immaculata, geschaffen von Martino Altomonte. Das Bild ist umgeben von 15 geschnitzten Rosenkranzgeheimnissen von Josef Thaddäus Stammel (1695–1765).

In der Benediktuskapelle befindet sich ein barocker Corpus Christi aus der Werkstatt Johann Meinrad Guggenbichlers.

Eine der Seitenkapellen beherbergt die berühmte barocke Admonter Weihnachtskrippe von Josef Stammel. Stammel schnitzte die vielfigurige Szenerie Krippe um 1755/56. Sie steht im Schrein des Krippenaltars, der traditionell nur zur Weihnachtszeit (24. Dezember – 2. Februar) geöffnet ist. Die Krippe zählt zu den schönsten Österreichs.

Im Erdgeschoss des Nordturms befindet sich die Fatima-Kapelle, die den ältesten und noch romanischen Teil der Stiftskirche bildet. Sie beherbergt zwei Wandmalereien mit der Geburt Christi und der Himmelfahrt der Gottesmutter Maria sowie eine schöne Madonna.

Orgel

Die Rieger-Orgel im Admonter Münster

Das Admonter Kloster kann auf eine große Orgel-Tradition zurückblicken.

Den ersten Hinweis auf die Errichtung einer Orgel im Admonter Münster finden wir im Äbtekatalog unter der Zeit Abt Hartnids (1391-1411) „…organa diversa famata parat vice versa“. [1]. Bekräftigt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass in einer Petition des Klosters an den Heiligen Stuhl unter anderen Zeugen „Johannes, der Organist“ aufscheint.

Abt Valentin (1545-1568) knüpft sodann 1550 mit dem Orgelbauer Meister Jakob zu Zwettl Unterhandlungen an, um die Orgel der Klosterkirche, „welche samt einem Horn schier ganz darnider ligt“, reparieren zu lassen. [2]

1590 lässt Abt Johannes IV. eine kleine Orgel durch Georg Hackl aus Steyr anfertigen. 1619 rät ein Visitationsprotokoll, dass die zwei Orgeln „in eine zu vereinen“ wären. [3] Gegen Ende der Regierungszeit des Abtes Matthias (1615-1628) ist man wohl dieser Aufforderung nachgekommen, es wird für das Jahr 1627 der Bau einer großen Orgel erwähnt. Wie ein Vermerk an anderer Stelle vermuten lässt, hatte diese Orgel 15 Register. [4]

Unter Abt Raimund (1659-1675) wird auf dem Mönchschor aber bereits wieder ein Orgelpositiv gebaut, weiters 1711 eine Orgel mit 7 Registern für die Pfarrkirche St. Amand (heute „alte Pfarrkirche genannt“) von Josef Ignaz Mayenberg errichtet.

1784 erbaute Franz Xaver Chrismann anstelle des kleinen Positivs eine bedeutende Orgel, ein Werk, das beim großen Brand im April 1865 gemeinsam mit der Orgel auf der Seitenempore ein Raub der Flammen wurde; der Überlieferung nach war diese neue Hauptorgel mit 44 Registern ein Lieblingswerk des Meisters.[5] Auch Otto Biba nennt sie „das vorzüglichste Werk des Abbate Chrismann, die ein völlig neues Orgelklangbild nach Österreich brachte“ [6]

Nach der Zerstörung der Chrismann-Orgel wurde 1870-1871 von Mathias II. Mauracher (er selbst nannte sich „Matthäus“ und wird auch in der Literatur häufig als „Matthäus der Ältere“ tituliert) eine neues Werk mit 3 Manualen und Pedal (42 Register) erbaut, das 1909 von seinem Sohn Matthäus II. Mauracher auf 61 Register erweitert wurde.[7]

Die heutige Orgel wurde im Jahre 1974 geweiht und ersetzte das im Laufe der Jahrzehnte schadhaft gewordene Mauracher-Werk. Anlass für den Neubau war auch die 900-Jahrfeier des Stiftes.

Erbauer des neuen Instruments war die Vorarlberger Firma Rieger, die Disposition erstellte Univ. Prof. Dr. Hans Haselböck. Ganz in barocker Tradition verfügt die Orgel über eine rein mechanische Spiel- und Registertraktur. Um die Integration in den neugotischen Raum der Stiftskirche zu gewährleisten, wurde für die neue Orgel das Gehäuse der Mauracherorgel wiederverwendet.

Das Instrument hat 52 Register (das sind etwa 3.900 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal, und ist von einem festen Spieltisch mit mechanischer Traktur zu spielen.

I Hauptwerk C–g3
Quintade 16′
Principal 8′
Gemshorn 8′
Rohrflöte 8′
Octave 4′
Hohlflöte 4′
Gross Terz 31/5
Quinte 22/3
Superoctave 2′
Cornet V 8′
Mixtur major IV 2′
Mixtur minor IV 1′
Fagott 16′
Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
Spitzgedackt 16′
Flöte 8′
Bleigedackt 8′
Gamba 8′
Unda maris 8′
Principal 4′
Koppelflöte 4′
Salicet 4′
Nasat 22/3
Hohlflöte 2′
Terz 13/5
Mixtur VI 2′
Terzzimbel III 1/4
Fr. Trompete 8′
Oboe 8′
Trompete 4′
Tremulant
III Brustwerk (schwellbar) C–g3
Salicional 8′
Holzgedackt 8′
Principal 4′
Holzrohrflöte 4′
Sesquialter II 22/3′+13/5
Gemshorn 2′
Quinte 11/3
Scharff IV 2/3
Regal 16′
Krummhorn 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Principal 16′
Subbaß 16′
Octave 8′
Rohrgedackt 8′
Octave 4′
Nachthorn 4′
Rohrschelle 2′
Mixtur IV 22/3
Contrafagott 32′
Bombarde 16′
Posaune 8′
Schalmei 4′
  • Koppeln (als Zug und Tritt): II/I, III/I, III/II, III/P, II/P, I/P.
  • Spielhilfen:
    • 1 freie Kombination (mechanisch) jeweils für I/P und II/III
    • 2 Plenumtritte für I/P und II/III
    • 2 Auslöser für I/P und II/III

Geläut

Insgesamt hängen in den beiden Kirchtürmen sieben Glocken (vier im Südturm und drei im Nordturm), gegossen von der Glockengießerei St. Florian in den Jahren 1950 (Glocken 1-5) und 1948 (Glocken 6-7):[8]

  • Blaserin: 176 cm, 3170 kg, b° (Nordturm);
  • Muttergottesglocke: 148 cm, 1843 kg, des´(Südturm);
  • Benediktusglocke: 130 cm, 1297 kg, es´ (Südturm);
  • Hemmaglocke: 111 cm, 794 kg, ges´ (Nordturm);
  • Gebhardglocke: 99 cm, 578 kg, as´(Nordturm);
  • Josefsglocke: 88 cm, 410 kg, b´ (Südturm);
  • Amand- und Erhardglocke: 74 cm, 250kg, des´´ (Südturm).

Einzelnachweise

  1. Uwe Pape: Die Orgeln in der Stiftskirche Admont. In: Pape Orgelprofile, 1 (1978), S. 2f.
  2. ebda.
  3. Visitationsakten im Stiftsarchiv Admont
  4. Artikel „Die Orgeln in der Stiftskirche Admont“, S. 2f.
  5. Artikel „Crisman, Franz Xaver“ von Carl Ferdinand Pohl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 139–140
  6. Artikel „Die Orgeln in der Stiftskirche Admont“, S. 2f.
  7. Artikel „Die Orgelbauerfamilie Mauracher“ in: Die Mauracher-Orgel (1890) im Kleinen Michel, Hamburg (2007), S. 4-5
  8. Rudolf List, Stift Admont 1074-1974, S. 463

47.57521114.461441Koordinaten: 47° 34′ 30,8″ N, 14° 27′ 41,2″ O