Stiftskirche Klosterneuburg

Stiftskirche Klosterneuburg

Nordwestansicht der Stiftskirche mit den beiden 82,5 Meter hohen Türmen[1]

Basisdaten
Konfession röm.-kath.
Ort Klosterneuburg, Österreich
Patrozinium Maria Geburt
Baubeschreibung
Bautyp dreischiffige Basilika mit Querhaus
Baustil Gotik, im Kern romanisch
Ausstattungsstil vorwiegend Barock
Funktion
  • Pfarrkirche
  • Dekanatskirche
  • Stiftskirche
Koordinaten 48° 18′ 26″ N, 16° 19′ 33″ O48.30722222222216.325833333333Koordinaten: 48° 18′ 26″ N, 16° 19′ 33″ O

Die Stiftskirche Klosterneuburg des niederösterreichischen Augustiner-Chorherren-Stiftes Klosterneuburg ist eine ehemalige dreischiffige Basilika mit Querhaus. Im 17. Jahrhundert wurde sie zu einer Saalkirche umgebaut und erhielt um 1890 weitgehend ihr heutiges Erscheinungsbild. Sie hat einen romanischen Ursprung mit gotischen Ergänzungen und ist innen barockisiert.

Der römisch-katholische Sakralbau wurde 1936 von Papst Pius XI. in den Rang einer Basilica minor erhoben[2], ist zugleich eine Dekanatskirche (Dekanat Klosterneuburg) und eine Pfarrkirche (Stiftspfarre Klosterneuburg). Das Patrozinium der Stiftskirche ist Maria Geburt.[3]

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

Statue des hl. Leopold mit Modell der ursprünglichen Basilika am Südwestturm

Der Vorgängerbau der Stiftskirche dürfte eine urkundlich 1108 erwähnte Marienkirche sein. Die Grundsteinlegung der Stiftskirche fand am 12. Juni 1114 durch den Stifter und Babenberger Markgrafen Leopold III. (der Heilige) statt. 1136 erfolgte die Weihe einer dreischiffigen Basilika mit Querschiff und mit drei halbkreisförmigen Apsiden sowie einem Turm über dem Quadrat der Vierung.

Ende des 14. Jahrhundert wurde unter Propst Peter I. Lenhofer mit dem Bau des Südwestturmes begonnen.

In der erste Barockisierungsphase von 1634 bis 1645 unter den Architekten Andrea Retti (1634/35), Johann Jakob Spaz (1636/37) und Giovanni Battista Carlone (ab 1638) wurde 1636 der Vierungsturm abgetragen, 1638 bis 1644 der gotisierte Nordostturm errichtet und die romanische dreischiffige Gliederung zu einer barocken Saalkirche mit Seitenkapellen abgeändert. In der zweiten Barockisierungsphase von 1680 bis 1702 erhielt das Langhaus eine hochbarocke Freskenausstattung von Johan Georg Greiner und Stuckaturen von Domenico Piazzol und in der dritten Barockisierungsphase in der Zeit von 1723 bis 1730 wurde das Presbyterium erhöht, barockisiert und mit Stuckatur von Santino Bussi sowie Freseken von Johann Michael Rottmayr ausgestattet.

In den Jahren von 1882 bis 1892 wurde unter dem Architekten und Dombaumeister Friedrich von Schmidt, den Baumeistern Martin und Josef Schömer, sowie den Bildhauern Karl Schwiefert und Franz Erler der Sakralbau renoviert und teilweise umgestaltet. Unter anderem erfolgte eine teilweise Neugestaltung des Äußeren vom Langhaus, vom Querhaus und vom Chor. Weiters wurde der Südwestturm teilweise abgetragen und unter Anlehnung an die Höhe und Form des Nordostturmes, der ebenfalls verändert wurde (Verdachung, neugotische Dekorationselemente), neu errichtet.

Einrichtung

Hochaltar

Hochalterbild von Johann Georg Schmidt

Der prunkvolle romanische Verduner Flügelaltar als Hochaltar wurde 1714 entfernt[4] und durch einen monumentalen, barocken, die Apsis einnehmenden, ersetzt. Dieser wurde von dem Salzburger Steinmetz Sebastian Stumpfegger nach einem Entwurf von Matthias Steinl aus verschiedenfarbigen Salzburger Marmorarten um 1725 bis 1728 angefertigt. Das Altarbild von Johann Georg Schmidt stellt die Marienverehrung dar und die Figuren den Stammbaum Jesu, die von dem Hofbildhauer (Johann) Franz Caspar († 1728) angefertigt wurden.

Weitere Altäre

Die sechs Marmorwandaltäre in den Seitenkapellen des Langhauses (rechts: Anna-, Kreuz- und Michaelsaltar; links: Augustini-, Sebastina- und Barbaraaltar), die zwischen 1689 und 1697 von den Linzer Brüdern Johann Baptist der Jüngere und Johann Peter Spaz († 1695) geschaffen wurden. Die Altarbilder dazu stammen teilweise von Peter Strudel.

Der Peter-und-Paul-Altar in der nordöstlichen und der Afraaltar in der südwestlichen Kapelle des Querschiffes. Beide Altäre sind marmorne Wandaltäre aus dem Ende des 17. Jahrhundert.

Der neugotische Adikulaaltar in der Marienkapelle im südwestlichen Turmerdgeschoß mit einer spätgotischen Madonna-Statue sowie der Altar in der Beichtkapelle im nordöstlichen Turmerdgeschoß.

Orgel

Die Festorgel von Johann Georg Freundt

Die Stiftskirche besitzt zwei Orgeln.

Die Festorgel hat drei Manuale mit 35 Registern und 2179 Pfeifen.[5] Errichtet wurde sie in den Jahren 1636 bis 1642 und kommt aus der Werkstatt der Passauer Orgelbaufamile Freundt. Das hohe dreiteilig gestufte Gehäuse wurde von den Tischlern Jakob Kofler und Konrad Schmidt angefertigt. Das reiche Schnitzwerk fertigten Michael Schmidt, Georg Gemelich und Max Preyer unter teilweiser Verwendung der Schnitzereien der Vorgängerorgel an. Das dreimanualige Instrument wurde 1984 und 1990 durch die schweizerische Orgelbau Kuhn AG restauriert.[6]
Die Festorgel ist die größte und bedeutendste Denkmalorgel des 17. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Das von internationalen Solisten gerne bespielte Konzertinstrument zeichnet sich neben seinem hervorragenden Klang unter anderem auch durch die spezielle Tonhöhe (Kammerton a' = 476 Hz) aus. Festorgel

I Rückpositiv
1. Principal in der Octave 4'
2. Octave zum Principal 2'
3. Superoctave zum Principal 1'
4. Cymbel 2f 1/4
5. Nachthorn gedackt 8'
6. KleinCopl 4'
7. Spitzflöten 4'
8. Krummhorn 8'
II Hauptwerk
9. Principal 8'
10. Octav 4'
11. Quint über der Octav 3'
12. Superoctav 2'
13. Mixtur 12-14f 4'
14. 2/3
15. Principalflöten 8'
16. Copl 8'
17. Quintadena 8'
18. Octav Copl 4'
19. Offene Flöten 4'
20. Dulcian in der Octave 4'
21. Dulcian 16'
22. Posaun 8'
III Brustwerk
23. Superoctav 2'
24. Coplflöten 4'
25. Spitzflöten 4'
26. Regal 8'
Pedal
27. Portunprincipal 16'
28. Octav 8'
29. Superoctav 4'
30. Mixtur 7-8f 4'
31. Rauschwerk 3f 2'
32. Subbaß 16'
33. Choralflöten 4'
34. Großposaun 16'
35. Octavposaun 8'

Die zweite Orgel, Chororgel bezeichnet, wurde ursprüngliche vom Wiener Hoforgelbauer Anton Pfliegler gebaut. Das Gehäuse gestaltete der Bildhauer Christoph Helfer. Im Jahr 2005 wurde von der Firma Orgelbau Kuhn unter Beibehaltung des Gehäuse eine neue Orgel installiert.[7]

Chororgel

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8'
2. Gemshorn 8'
3. Octav 4'
4. Flauten 4'
5. Quint 22/3
6. Superoctav 2'
7. Mixtur 4f 11/3
8. Trompet 8'
II Unterwerk C–g3
9. Copl 8'
10. Principal 4'
11. Rohrflauten 4'
12. Nassat 22/3
13. Octav 2'
14. Terz 13/5
15. Scharff 3f 1'
16. Krummhorn 8'
Tremulant
Pedal C–ff
17. Subbass 16'
18. Principalbass 8'
19. Gedacktbass 8'
20. Choralbass 4'
21. Mixtur 3f 22/3
22. Fagottbass 16'
23. Trompetenbass 8'

Literatur

  • Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, südlich der Donau, Teil 1. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, Seite 1014f, ISBN 3-85028-364-X

Weblinks

 Commons: Stiftskirche Klosterneuburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Allgmeine Presseinformation des Stiftes Klosterneuburg; Herbst 2011
  2. Acta Apostolicae Sedis, Commentarium Officiale, Annus XXIX - Series II - Vol. IV
  3. Stephanscom.at: Klosterneuburg-Stiftspfarre; abgerufen am 17. August 2010
  4. Referat von Barbara Brandl: Der Verduner Altar; abgerufen am 17. Aug. 2010
  5. Orgelfachverlag: Die historische Freundt-Orgel; abgerufen am 17. Aug. 2010
  6. Orgelbau Kuhn: Klosterneuburg; abgerufen am 17. Aug. 2010
  7. Orgelbau Kuhn: Neu im alten Kleid; abgerufen am 17. Aug. 2010