Stollwerck

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Stollwerck (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stollwerck GmbH
Logo Stollwerck
Rechtsform GmbH
Gründung 1839
Sitz Köln, Deutschland

Leitung

Branche Nahrungsmittelindustrie
Produkte Schokolade
Website www.stollwerck.de
Verpackungsentwurf für die Kolonial-Schokolade, um 1890
Stollwerck-Werbung 1896
Ehemalige Stollwerckfabrik in Köln: Als Industriedenkmal erhaltener Räderraum der Kühlkompressoren
Gastarbeiterinnen bei Stollwerck, 1962

Die Stollwerck GmbH ist ein deutsches Lebensmittelunternehmen aus Köln, das durch die Produktion von Schokolade bekannt wurde. Stollwerck gehörte von 2002 bis 2011 der Barry Callebaut AG. Im Oktober 2011 wurde Stollwerck an die belgische Unternehmensgruppe Baronie verkauft.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1839 eröffnete Franz Stollwerck in Köln ein Werk zur Hustenbonbon-Produktion, welchem nach nur zwei Jahren der Durchbruch gelang. 1860 wurde die Produktion um Schokolade, Marzipan und Printen erweitert.

Nach dem Tod von Franz Stollwerck 1876 übernahmen seine fünf Söhne die Leitung der Firma und bauten sie bis 1902 zu einer weltweit operierenden Aktiengesellschaft mit Werken in Europa und Amerika aus.

Bereits 1871 wurde die Firma Gebr. Stollwerck gegründet, die die Industrialisierung der Schokoladenproduktion voranbrachte. Insbesondere der zweitjüngste der Brüder, Ludwig Stollwerck, war technischen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen. Im Jahre 1887 stellte Fa. Stollwerck die ersten Automaten auf. Schon sechs Jahre später, 1893, waren es 15.000 Automaten, mit denen Stollwerck-Schokolade verkauft wurde.

Gebr. Stollwerck ging mit ihren Waren massiv in den Export. Tochterfirmen entstanden in England, Belgien und Österreich-Ungarn. In den USA gründete Stollwerck 1894 mit dem deutschen Kaufmann John Volkmann die Firma Volkmann, Stollwerck & Co., die in New York eine Fabrikation von Stollwerck-Automaten errichtete. Allein auf New Yorker Bahnhöfen standen Anfang der 1890er Jahre über 4.000 ihrer Automaten.

Auch im 1895 beginnenden Kinematographengeschäft war Stollwerck führend tätig. Erst der 1914 beginnende Erste Weltkrieg beendete den rasanten Aufstieg der Stollwercks.

Karl Stollwerck errichtete 1927 das Stollwerck-Mausoleum in Oberbayern.

Durch die Weltwirtschaftskrise 1930, den Zweiten Weltkrieg und den damit verbundenen Beschädigungen an Werken in Deutschland, Enteignungen im Ausland sowie verschiedenen Fehlinvestitionen geriet Stollwerck in eine finanzielle Schieflage, die erst durch die Übernahme des Unternehmens durch Hans Imhoff im Jahr 1972 behoben werden konnte. Stollwerck wurde durch seine Leitung in den nächsten 30 Jahren zu einem der größten Schokoladenhersteller mit Werken im In- und Ausland und übernahm traditionsreiche Marken wie Sprengel und Sarotti.

Nach dem Mauerfall engagierte sich Stollwerck als erster Schokoladenhersteller in den neuen Bundesländern und übernahm die Thüringer Schokoladewerk GmbH in Saalfeld, die mit der Marke Rotstern größte Schokoladenfabrik der DDR war.

In Ungarn wurde das Unternehmen nach der Eröffnung einer Fabrik in Székesfehérvár 1995 zum Marktführer auf dem Schokolademarkt. In Polen und Russland ist Stollwerck ähnlich erfolgreich.

1993 ließ Imhoff im Kölner Rheinauhafen für 53 Millionen DM das Imhoff-Schokoladenmuseum errichten, in dem viele Gegenstände aus der Stollwerck-Geschichte ausgestellt werden.

2002 verkaufte Imhoff den Konzern an die Barry Callebaut AG. Das Unternehmen gehörte von da an dem weltgrößten Kakao- und Schokoladenhersteller an, der mehrheitlich im Besitz der Familie Jacobs ist. Barry Callebaut nahm Stollwerck kurze Zeit später von der Börse und schloss das traditionsreiche Werk in Köln, wo nur noch die Verwaltung erhalten blieb.

Anfang Oktober 2011 wurde Stollwerck von Barry Callebaut an die belgische Unternehmensgruppe Baronie verkauft.[2]

Standorte

Am Stammsitz in Köln befindet sich lediglich ein Teil der Verwaltung, die Produktion wurde nach der Übernahme durch Barry Callebaut geschlossen. Weiterhin bestehen Werke in Berlin, Saalfeld, Caslano/Schweiz (Alprose), Dijon/Frankreich, Eupen/Belgien (Jacques) und Norderstedt (Van Houten).[3]

Bekannte Übernahmen

Bekannte Marken

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Süddeutsche Zeitung Nr. 228 vom 4. Oktober 2011, S.21
  2. Süddeutsche Zeitung Nr. 228 vom 4. Oktober 2011, S.21
  3. http://www.stollwerck.de/unternehmen/standort.php Standorte auf der Website von Stollwerck

Literatur

  • Bruno Kuske: 100 Jahre Stollwerck-Geschichte: 1839-1939. Köln 1939.
  • Hans-Josef Joest: Stollwerck 150 Jahre - Das Abenteuer einer Weltmarke. Herausgeber: Stollwerck AG. Köln 1989.
  • Ingrid Haslinger: Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien 1996, ISBN 3-85202-129-4.
  • Martin Loiperdinger: Film & Schokolade – Stollwercks Geschäfte mit lebenden Bildern. Stroemfeld Verlag: Frankfurt/Main 1999.
  • Simon Fahl: Ludwig Stollwerck. Strategische Entscheidungen und unternehmerischer Erfolg 1883-1922. Köln 2008.
  • Tanja Bettge: Das Familienunternehmen Gebrüder Stollwerck (1839-1932). Unternehmensnachfolge zwischen tradierten Führungsmustern und ökonomischer Ratio. In: Familienunternehmen im Rheinland im 19. und 20. Jahrhundert (Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, Band 47). Köln 2009.

Weblinks

 Commons: Stollwerck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.9067687.027388Koordinaten: 50° 54′ 24,4″ N, 7° 1′ 38,6″ O