Straßen in Wien

Das Wiener Straßennetz, um dessen Straßennamen es hier geht, umfasst derzeit 6.783 Straßen mit einer Gesamtlänge von 2.800 Kilometer (Stand 2010).[1] Davon entfallen 51 Kilometer auf Autobahnen und Schnellstraßen sowie 216 Kilometer auf Hauptstraßen. Der Großteil der Wiener Straßen sind Gemeindestraßen. Die Länge reicht von 17 Meter (Irisgasse) bis 14,8 Kilometer (Höhenstraße). Zu diesen Straßen kommen noch 54 Kilometer Brücken, die das Wiener Straßensystem ergänzen.

Inhaltsverzeichnis

Straßennamen und Hausnummern

Anwendung von Verkehrsflächennamen

Die ältesten nachweisbaren Bezeichnungen von Straßen, Gassen und Plätzen in Wien sind Hoher Markt (erstmals erwähnt 1233) und Neuer Markt (1234). Die meisten dieser alten Namen beziehen sich auf Märkte.

Zur Orientierung dienten auch Hauszeichen und die Namen von Haus- bzw. Grundbesitzern. Abgesehen von Heiligen sind die ältesten nach einer Person benannten Verkehrsflächen der 1780 nach dem Kaiser benannte Josefsplatz im heutigen 1. Bezirk und die seit 1796 bekannte Neumanngasse in der damaligen Vorstadt Wieden (seit 1850 4. Bezirk), benannt nach dem Grundbesitzer und Fuhrwerksunternehmer Josef Neumann. Verwendet wurden die längste Zeit (wie in der Kartografie) die unter den Bewohnern geläufigen oder vom Grundherrn festgelegten Namen; amtliche Festlegungen dazu gab es damals nicht.

Mit dem provisorischen Gemeindegesetz vom 6. März 1850[2] wurden die Vorstädte innerhalb des Linienwalls eingemeindet, die Fläche der Stadt vervielfachte sich. Von 1861 an (damals wurde der heutige 5. vom 4. Bezirk abgetrennt und die geltende Einteilung der Bezirke 1–9, seit 1874 1–10, geschaffen; inzwischen waren seit 1858 auch die Stadtmauern um die Altstadt geschleift worden) wurde versucht, im Stadtgebiet vorkommende Mehrfachbelegung von Straßennamen zu beseitigen: Viele Straßen und Gassen in den ehemaligen Vorstädten mussten umbenannt werden (Beispiele: Bis dahin gab es eine Hauptstraße im 3., im 4. und 5. sowie im 9. Bezirk, eine Piaristengasse im 4. und eine im 8. Bezirk). Dazu wurden die Verkehrsflächennamen aus den Vorstädten von der Wiener Stadtverwaltung erstmals zentral erfasst. Bei dieser Gelegenheit wurden auch Namen transferiert (Beispiel: Die alte Burggasse im 8. Bezirk wurde 1862 zur Josefstädter Straße; der Name ging im gleichen Jahr auf die heutige Burggasse im 7. Bezirk über.).

1874 wurde der Vorgang, Mehrfachbelegungen zu beseitigen, für den neuen 10. Bezirk, Favoriten, wiederholt, 1892 für die damals eingemeindeten Vororte, nunmehr die Bezirke 11–19 (hier gab es nach Czeike weitere 24 Hauptstraßen). Bei den Eingemeindungen 1905 (21. Bezirk, Floridsdorf) und 1938 (Groß-Wien, Bezirke 22–26, davon seit 1954 nur mehr 22 und 23) wurde zumeist ähnlich vorgegangen.

Die Verkehrsflächennamen werden seit langem von der Kulturabteilung im Magistrat der Stadt Wien vorgeschlagen und vom Gemeinderatsausschuss für Kultur beschlossen.

Beschilderung

Nachgebildetes historisches Straßenschild
Straßenschild aus der klassischen Benennungsära: Damals wurden zur Ehrung der fast ausschließlich männlichen Namensgeber, ausgenommen bei Angehörigen des Hauses Habsburg, nur die Familiennamen verwendet

1782 wurde von der Regierung erstmals verordnet, in Wien die Straßennamen auf die Häuser zu schreiben (siehe Abschnitt Hausnummern). Da die Farbe der Beschriftung immer wieder verblasste, war diese Regel für die Orientierung in der modernen Großstadt ungeeignet.

Michael Winkler, von dem der in Wien realisierte Vorschlag für das System der Hausnummern stammt, stellte von 1862 an als Schilderfabrikant im Auftrag des Magistrats die entsprechenden Schilder her. Die einzelnen Straßen wurden, soweit noch keine Namen bestanden, neu benannt. Parallel zum Ring, somit im Kreissegment um das Stadtzentrum verlaufende Straßen und Gassen erhielten ovale Straßenschilder. Radial, also senkrecht zum Ring stadtauswärts führende Verkehrsflächen wurden mit rechteckigen Straßentafeln versehen. Außerdem bekamen die Straßenschilder der einzelnen (damals neun) Bezirke verschiedene Randfarben:

  • 1. Bezirk: rot
  • 2. Bezirk: violett
  • 3. Bezirk: grün
  • 4. Bezirk: rosa
  • 5. Bezirk: schwarz
  • 6. Bezirk: gelb
  • 7. Bezirk: blau
  • 8. Bezirk: grau
  • 9. Bezirk: braun

Später eingemeindete Bezirke erhielten eine rote Umrandung. Diese Regelung war bis 1920 gültig.

Sie wurde durch eine neue, einheitliche Regelung abgelöst. Die Rahmen der traditionellen Straßenschilder aller Bezirke wurden nun einheitlich rot bemalt, die Beschriftung, damals noch in Frakturschrift, wurde für Plätze rot gestaltet, für Straßen und Gassen schwarz.

1923 erschien dem „Roten Wien“ die Fraktur nicht mehr zeitgemäß. Nun wurde nicht mehr nur die Färbelung der Schilder verändert: Es wurden völlig neue Schilder angebracht. Es handelte sich um blaue Emailschilder mit weißen arabischen Bezirkszahlen (z.B. 13.,) und lateinischen Buchstaben, wie sie im Wesentlichen bis heute bestehen. Die Schreibung der Straßennamen wurde an die damalige Rechtschreibung angepasst (Beispiel: 3., Ungargasse statt III. Landstraße / Ungar Gasse).

1926–1944 wurden im 2. bis 21. Bezirk die Straßenschilder der quer zu den Radialstraßen gelegenen Verkehrsflächen an den Ecken abgerundet. Damit sollte die Orientierung erleichtert werden; in den Außenbezirken, deren Straßenverlauf oft keinen Bezug zum Stadtzentrum erkennen lässt, war dies schwierig umzusetzen. Seit 1944 sind alle Straßenschilder in Wien gleich, ausgenommen Ensembles historischer Architektur, in denen seit den 1980er Jahren Kopien der Straßenschilder nach den Regeln von 1862 (weiße Tafeln, schwarze Frakturschrift) angebracht wurden.

Derzeit sind in Wien über 100.000 Verkehrsflächennamenstafeln angebracht. Da sie zu Zeiten unterschiedlicher Schreibregeln angebracht wurden und der Austausch aus Sparsamkeit nicht stattfindet, sieht man zahlreiche Tafeln, die den aktuellen Schreibregeln nicht entsprechen. Beispiele:

  • 22., Erzherzog Karl-Straße, richtig: 22., Erzherzog-Karl-Straße (Wien hat nach Jahrzehnten einer Sonderregelung die deutsche Regel der kompletten Durchkopplung übernommen.)
  • 2., Straße-des-Ersten-Mai, richtig: 2., Straße des Ersten Mai (Durchkopplung irrtümlich angewandt)
  • 9., Nußdorfer Straße, richtig: 9., Nussdorfer Straße (1999 wurde die Anwendung der Rechtschreibreform auf Wiener Straßennamen beschlossen.)

Die Beschriftung der Straßenbenennungstafeln erfolg nach den Grundsätzen der Wiener Nomenklaturkommission.

Zusatztafeln

Die Straßentafel der Längenfeldgasse in Wien mit Zusatztafel zur Erklärung

Schon vor dem Ersten Weltkrieg wollte man die interessierte Bevölkerung darüber informieren, nach wem diese Straße oder jener Platz benannt ist und so wurde im Gemeinderat der Beschluss gefasst, darüber mittels Zusatztafeln zu informieren. Allerdings fehlte das Geld, ebenso im Jahr 1926. Als 1956 ein Teil der Ringstraße nach Karl Renner benannt wurde, brachte man einen Prototyp solcher Zusatztafeln an.

Erst 1993 wurde diese Idee auf breiterer Basis in die Realität umgesetzt. Bürgermeister Helmut Zilk enthüllte am 16. September unter den Klängen der Gardemusik im zweiten Bezirk die ersten drei Zusatztafeln (Kafka-, Mach- und Engerthstraße). Heute erklären bereits mehr als 400 Tafeln die Herkunft der jeweiligen Straßennamen.

Hausnummern

Haus Ungargasse 27 im heutigen 3. Bezirk: Conscriptions-Nr. 1674, früher 375 Landstraße

Die erste Durchnummerierung der Häuser erfolgte 1566 als Folge der so genannten Hofquartierspflicht, die unter Ferdinand I. eingeführt wurde.

Mit dem Patent vom 10. März 1770 erfolgte in Wien erstmals die Nummerierung der Häuser durch Konskriptionsnummern. Diese sollten die Briefzustellung und die Rekrutierung durch das Militär erleichtern. Die Nummern wurden fortlaufend für die ganze Stadt, nicht nach Straßen geordnet, auf die Hausfassaden aufgemalt und verblassten daher bald. Am 4. Februar 1782 wurde auch die Anbringung des Straßennamens angeordnet, der mit schwarzer Farbe aufgebracht wurde.

Das System der Konskriptionsnummern wurde insbesondere durch Neubauten schnell unübersichtlich, es gab daher 1795 und 1821 in der Stadt eine Umnummerierung. Zusätzlich gab es noch Änderungen in einzelnen Vorstädten (in Gumpendorf fünfmal). Seit 1842 wurde zusätzlich zum Straßennamen auch der Name der Vorstadt angebracht.

Die 1850 erfolgte Eingemeindung der Vorstädte hätte nach den damals geltenden Regeln die durchgehende Neunummerierung mit Nummern bis über 10.000 erfordert. Die Kaiserliche Verordnung mit der Vorschrift für die Vornahme der Volkszählungen vom 23. März 1857[3] legte deshalb in § 11 fest: Für ausgedehnte Städte kann auch eine gassenweise Nummerierung stattfinden. Allerdings war laut Vorschrift innerhalb einer Gasse die fortlaufende Nummerierung nicht nach der Lage eines Wohnhauses (oder eines für ein Haus freigehaltenen Grundstücks), sondern nach dem Zeitpunkt der Vergabe der Hausnummer vorgesehen, – eine zur Orientierung unbrauchbare Regel.

Die Wiener Stadtverwaltung wählte 1862, wohl mit Zustimmung der Regierung, eine orientierungsfreundlichere Nummerierungsmethode: So wurde mit Beschluss des Gemeinderates vom 2. Mai 1862 das vom Unternehmer Michael Winkler (* 17. Juli 1822 in Místek; † 20. April 1898 in Wien)[4] mitentwickelte System einer gassenweisen wechselseitigen Hausnummerierung eingeführt, bei der die Radialstraßen von der Stadtmitte weg und die Querstraßen im Uhrzeigersinn aufsteigend nummeriert werden, wobei die ungeraden Hausnummern der linken Straßenseite zugewiesen werden. Es wird daher auch teilweise als Winklersches System der Hausnummern bezeichnet.

Am 24. Oktober 1958 beschloss der Gemeinderat die aktuelle einheitliche Hausnummerierung im Stil der Straßenbeschriftung (blaue Tafeln, weiße Schrift). Die Vorschrift trat am 1. Jänner 1959 in Kraft.[5]

Konkrete Namensgebung

Verwendete Namen

Die Namen der Wiener Straßen, Gasse und Plätze sind meist historischen Ursprungs; sie erinnern etwa an Monarchen, an alte Gebäude, Ortskerne, Flur- und Gewässernamen. Speziell seit der Errichtung der Wiener Ringstraße ab 1858, als in den Neubaugebieten um den Ring viele neue Straßennamen benötigt wurden, und seit der 1862 begonnenen Beseitigung von Mehrfachbenennungen (siehe oben) wurden Benennungen nach Persönlichkeiten aus den Bereichen Musik, Malerei, Literatur und Schauspiel üblich. Bis um 2000 waren Benennungen nach Frauen stark unterrepräsentiert; heute wird der Geschlechtergerechtigkeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Insgesamt erinnern z. B. über 300 Wiener Straßen an Musiker. Des Weiteren finden sich die Namen von Wissenschaftlern (der weltweit bekannteste Wiener Wissenschaftler, Sigmund Freud, fehlt allerdings noch) sowie von Politikern (von Franklin D. Roosevelt und Per Albin Hansson bis zu Ignaz Seipel, Karl Renner und Julius Raab), oft auch von Wiener Bürgermeistern (z. B. Kajetan Felder, Karl Lueger, Jakob Reumann, Franz Jonas, Bruno Marek), Stadträten und Gemeinderäten.

Auch die Benennung der Gassen mancher Gebiete nach einem bestimmten Thema hat sich etabliert. Beispiel: die Stadtrandsiedlung zwischen Hirschstetten und Stadlau im 22. Bezirk, in der zahlreiche Gassen vom Mohnblumenweg bis zur Magnoliengasse nach Blumen benannt sind.

Die Nummerierung von Straßen nach amerikanischen Vorbild, wie sie 1884 (vor der Eingemeindung Simmerings) in der Simmeringer Haide eingeführt wurde (von den bis zu elf „Haidequerstraßen“ scheinen 2012 nur mehr die 1., die 7. und die 11. auf dem Stadtplan auf), konnte sich nicht durchsetzen.

Bemerkenswert ist, dass Benennungen nach Gebäuden sich gelegentlich auf längst nicht mehr bestehende Bauwerke beziehen. Das Schottentor, Name eines Platzes und einer Straßenbahnendstation an der Ringstraße und seit 1980 auch Name einer U-Bahn-Station, besteht seit den 1860er Jahren nicht mehr, da die Stadtmauern von 1858 an demoliert wurden; der Begriff wurde seither aber weiter verwendet. Auch der Name der 1991 eröffneten U-Bahn-Station Stubentor bezieht sich nicht auf ein bestehendes Stadttor. Hier wurde die Bezeichnung allerdings aus der Stadtgeschichte entnommen; sie war zuvor nicht mehr in Gebrauch. Die Rotundenbrücke über den Donaukanal ist nach einem 1937 abgebrannten Ausstellungsbauwerk im Prater benannt.

War früher meist die Kombination aus Familienname und -straße, -gasse etc. üblich (z.B. Stadiongasse, Schubertring, Reumannplatz, Billrothstraße), so werden neue Straßen heute häufig mit ausgeschriebenen Vor- und Familiennamen benannt. Dies wurde früher nur in einzelnen Fällen, wie etwa bei Teilen der Wiener Ringstraße (Dr.-Karl-Lueger-Ring, Dr.-Karl-Renner-Ring), angewandt. Auf die Verwendung von etwaigen akademischen Graden als Teil des Straßennamens wird heute gewöhnlich verzichtet.

Seit den frühen 1990er-Jahren gibt es im zuständigen Gemeinderatsunterausschuss für Verkehrsflächenbenennungen einhelliges Einvernehmen und ist geübte Praxis, keine Verkehrsflächen nach Firmen, allenfalls nach Firmengründern, zu benennen.

Umbenennungen

Umbenennungen fanden, historisch gesehen, im Lauf der Jahrhunderte immer wieder statt. Die Namen der Straßen, Gassen und Plätze im heutigen Stadtgebiet wurden lange Zeit nicht offiziell beschlossen, sondern sie haben sich aus lokalen Usancen entwickelt (siehe oben). Bei der Vergrößerung Wiens von 1850 bis 1938 mussten, um Orientierungssicherheit zu bieten, immer wieder Doppel- oder Mehrfachbenennungen behoben werden.

Nach 1918 benannte das Rote Wien einige nach Habsburgern benannte Verkehrsflächen um. So wurde z. B. im 9. Bezirk aus der Elisabethpromenade die Rossauer Lände, der Maximilianplatz wurde zum Freiheitsplatz (heute Rooseveltplatz).

In der Zeit der Diktatur 1934–1938 wurden nach linken Personen und Institutionen benannte Verkehrsflächen umbenannt: Im 2. Bezirk wurde aus der Lassallestraße vorübergehend die Reichsbrückenstraße, aus dem Volkswehrplatz der Erzherzog-Karl-Platz (heute Mexikoplatz).

In der Zeit des Nationalsozialismus, 1938–1945, wurden zahlreiche Straßen in Wien umbenannt, insbesondere solche, die nach jüdischen, austrofaschistischen und sozialdemokratischen Persönlichkeiten benannt waren. Ein Beispiel dafür ist die Arnsteingasse, die nach dem angesehenen jüdischen Bankier Nathan Adam von Arnstein benannt war (und heute wieder ist), jedoch 1938 zu Ehren des preußischen Generalfeldmarschalls Blücher umbenannt wurde.

Umbenennungen sind bei Anrainern unbeliebt und werden daher heute nur in seltenen Fällen durchgeführt, wenn sich die namensgebende Person beispielsweise nachträglich als historisch besonders belastet erweist.

2008 forderte eine Bürgerinitiative die Umbenennung der nach einem aktiv antisemitischen Priester benannten Arnezhoferstraße im 2. Bezirk auf den Namen einer im KZ umgekommenen Wienerin, was vom zuständigen Magistrat nicht umgesetzt wurde. Der Dr.-Karl-Lueger-Ring hingegen wurde im Mai 2012 in Universitätsring umbenannt.

Neubenennungen

Wiener Straßen dürfen nach den vom Gemeinderat festgelegten Regeln heute nur Namen von Persönlichkeiten tragen, deren Tod mindestens ein Jahr zurückliegt („Interkalarfrist“). Vorschläge für die Benennung von neuen Straßen können von jedermann bei der betreffenden Bezirksvorstehung eingereicht werden. Die Entscheidung über neue Verkehrsflächenbenennungen erfolgt im Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft.

In den letzten Jahren ist die Tendenz erkennbar, dass von der Stadt Wien bis dato unbenannte Verkehrsflächen (meist kleine Plätze im Zuge von benannten Verkehrsflächen) zu Ehren bekannter Persönlichkeiten benannt werden. Die konkreten Adressen anrainender Gebäude sind regelmäßig auf die zuvor schon bestanden habenden Straßennamen abgestellt.

Die Bruno-Kreisky-Gasse neben dem Bundeskanzleramt weist beispielsweise weder zum Bundeskanzleramt noch zum auf der anderen Gassenseite anrainenden Innenministerium einen Eingang auf, so dass keine Postadresse anfiel. Weitere Beispiele sind der Leopold-Gratz-Platz hinter dem Parlament und die in Mariahilf liegenden Verkehrsflächen Kurt-Pint-Platz, Oskar-Werner-Platz und Bundesländerplatz sowie der Anna-Strauss-Platz in Hietzing.

Das zuständige Kulturressort der Stadt Wien begründet diese Praxis damit, man wolle Anrainern Adressänderungen ersparen. Gängige, heute jedoch seltener gebrauchte Alternativen wären etwa Denkmäler, Gedenktafeln oder die Benennung von Wohnhausanlagen. In letzter Zeit wurden auch viele kleinere Parks, die bisher noch keinen Namen trugen, nach bekannten Persönlichkeiten benannt.

Rechtschreibreformen 1901 & 1996

Die allgemeine deutsche Rechtschreibreform 1901 wirkte sich bei Wiener Straßennamen teilweise erst nach Jahren aus: Aus Joseph wurde Josef, aus Carl Karl, aus Rudolph Rudolf. Aus dem Franz Josephs Quai wurde der Franz-Josefs-Kai (lang nur vor Kai mit Bindestrich geschrieben), aus der Grüne-Thorgasse im 9. Bezirk die Grünentorgasse.

Der Wiener Gemeinderat hat am 17. Dezember 1999 beschlossen[6], die Rechtschreibreform von 1996 für Straßennamen zu übernehmen:

(PrZ 299-M07, P 49) In Abänderung des GRB vom 30. Jänner 1981 werden für die Schreibung von Verkehrsflächenbezeichnungen und geografischen Namen die Grundsätze der Wiener Nomenklaturkommission dahingehend ergänzt, dass grundsätzlich die Neue Rechtschreibung Anwendung findet. Auf Straßentafeln, Orientierungsnummerntafeln und dergleichen sowie in Personaldokumenten ist die geänderte Schreibweise nur bei Neuanbringung bzw Neuausstellung zu berücksichtigen.

Da die neue Schreibung nur in neu auszustellenden Dokumenten, neu zu schreibenden Texten bzw. bei neu anzubringenden Schildern anzuwenden ist, bisherige Straßentafeln nicht auszutauschen waren und der Beschluss nicht aktiv kommuniziert wurde, sind die neuen amtlichen Schreibungen zehn Jahre später vielfach noch ungewohnt: Esslinger Hauptstraße, Hardegggasse (die neue Schreibung wurde bei der 2010 eröffneten U-Bahn-Station Hardeggasse mit Absicht, jedoch ohne zureichenden Grund nicht angewandt), Schillloch, Nussdorfer Straße, Rossauer Lände, Schönbrunner Schlossstraße usw. usf. Insbesondere haben die Wiener Linien und der Verleger eines Wiener Buchplanes, Freytag & Berndt, die zahlreiche topografische Namen kommunizieren, bis 2011 in ihren Medien und an ihren Fahrzeugen noch nicht auf die neue Rechtschreibung umgestellt.

Die Straßenverzeichnisse aller Bezirke berücksichtigen die neue Rechtschreibung.

Es blieb bis dato offen, ob die Rechtschreibreform zum Anlass zu nehmen wäre, ß-Schreibungen in Namen, die der Originalschreibweise nicht entsprechen, auf die originale ss-Schreibung zurückzuführen. Beispielsweise wurde 2006 nach der Mutter des „Walzerkönigs“ der Anna-Strauss-Platz in Hietzing benannt; Initiativen, nun auch die Johann-Strauß-Gasse auf die originale Schreibung des Familiennamens umzustellen, sind nicht bekannt. Auch bei der Rienößlgasse im 4. Bezirk, nach Franz Rienössl benannt, steht die Änderung aus.

Brücken

Siehe dazu Wiener Donaubrücken und Wiener Wienflussbrücken.

Brücken waren in Wien wie die Straßen lang vor allem nach topografischen Begriffen benannt (z. B. Augartenbrücke über den Donaukanal, Schönbrunner Brücke über den Wienfluss). Dazu kamen Namen von Monarchen und aus dem Adel (z. B. Kronprinz-Rudolf-Brücke über die Donau, Ferdinandsbrücke und Franzensbrücke über den Donaukanal, Lobkowitzbrücke, Rudolfsbrücke, Leopoldsbrücke, Elisabethbrücke und Radetzkybrücke über den Wienfluss). Nach dem Ende der Monarchie 1918 wurden viele aristokratische Namen ersetzt. Um 1900 begannen am Wienfluss auch Brückenbenennungen nach verdienstvollen Persönlichkeiten.

Literatur

  • Franz Pascher (Hrsg.): Amtliches Wiener Straßenverzeichnis, Pichler Verlag, 19., aktualisierte Auflage. Wien–Graz–Klagenfurt, 2007. ISBN 978-3-85431-437-0[7][8]
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen., Pichler Verlag, 6. Auflage 2007, ISBN 978-3-85431-439-4.
  • Peter Simbrunner: Wien Straßennamen von A–Z, 1988, ISBN 3-8000-3300-3.
  • Peter Csendes, Wolfgang Mayer: Die Wiener Straßennamen, 1987.
  • Anton Behsel: Verzeichniß aller in der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien mit ihren Vorstädten befindlichen Häuser, mit genauer Angabe der älteren, mittleren und neuesten Nummerirungen, der dermahligen Eigenthümer und Schilder, der Straßen und Plätze, der GrundObrigkeiten, dann der Polizey- und Pfarr-Bezirke, Carl Gerold, Wien 1829.
  • Birgit Nemec: Straßenumbenennungen in Wien als Medien von Vergangenheitspolitik. Diplomarbeit Universität Wien, Wien 2008 (Online-Version)
  • Friedrich Umlauft: Namenbuch der Stadt Wien, A. Hartleben, Wien-Pest-Leipzig 1895 (Online in der Google Buchsuche-USA)
  • Friedrich Umlauft: Namenbuch der Straßen und Plätze von Wien, A. Hartleben, Wien-Leipzig 1905 (Internet Archive oder Online in der Google Buchsuche-USA)

Online zugängliche historische Straßenverzeichnisse

(Die PDF-Dateien von Google Books sind nur online durchsuchbar.)

  • 1563–1587 – Verein für Geschichte der Stadt Wien: Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien, Band 10, Prandel und Meyer, Wien 1866
    S. 97, Ernst Brik: „Materialien zur Topographie der Stadt Wien. Verzeichnis aller Häuser der inneren Stadt Wien und ihrer Besitzer in den Jahren 1563 bis 1587“ (Online-Version)
  • 1566–1822 Albert Camesina Ritter v. San Vittore (Autor), Karl Weiss (Bearbeiter), Gemeinderat der kais. kön. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien (Hrsg.): Urkundliche Beiträge zur Geschichte Wiens im XVI. Jahrhundert von Albert Camesina Ritter v. San Vittore, Alfred Hölder, Wien 1881
    S. 1 Häuser, Strassen und Plätze der inneren Stadt im Jahre 1566. Nach dem Hofquartierbuch (Internet Archive oder Online in der Google Buchsuche-USA)
  • 1794 – Gegenwärtiger Zustand der k. k. Residenzstadt Wien, Johann Georg Edlen von Mößle, Wien 1794 (Online-Version) (Mehr als ein Straßenverzeichnis, enthält aber viele Informationen dazu, nur Innere Stadt)
  • 1809 – Johann Pezzl: Beschreibung und Grundriss der Haupt- und Residenzstadt Wien: Sammt ihrer kurzen Geschichte, Degenschen, Wien 1809,
    S. 487 „Register der Plätze, Straßen und Gassen in der Stadt / in den Vorstädten [mit Anzahl der Häuser]“(Online-Version)
  • 1816 – Johann Pezzl: Beschreibung der Haupt- und Residenz-Stadt Wien. 4. Auflage, C. Kaulfuss und C. Armbruster, Wien 1816,
    S. 402 „Register der Plätze, Straßen und Gassen in der Stadt / in den Vorstädten [mit Anzahl der Häuser]“ (Online-Version)
  • 1825 – Joseph von Hormayr: Wien, seine Geschicke und Denkwürdigkeiten. 2. Jahrgang, 3. Band bzw. 2. Jahrgang, 4. Band, 1. Heft, Härter, Wien 1825,
    S. 112 „Überblick der Straßen, Gassen und Plätze Wiens, sowohl der inneren Stadt als der Vorstädte [mit Anzahl der Häusern und Hausnummern]“ (Online-Version)
  • 1840 – Joseph Salomon (Hrsg.): Austria: Österreichischer Universal-Kalender. 1841, Ignaz Klang, Wien 1840,
    S. 45 „Namensverzeichnis der Straßen, Gassen und Plätze der Stadt Wien und ihrer Vorstädte“; S. 48 „Häuser- u Straßen-Schema der Residenzstadt Wien & Vorstädte“ (Online-Version)
  • 1851 – A. Adolf Schmidl: Eine Woche in Wien: Zuverlässiger und zeitsparender Führer durch die Kaiserstadt u. ihre nächsten Umgebungen. 3. Auflage, C. Gerold, Wien 1850/1851,
    S. 91 „Verzeichnis der Hausnummern in der Stadt und den Vorstädten nach den Straßen“ (Online-Version)
  • 1852 – Neuester, vollständiger und zeitsparender Fremdenführer in Wien und seinen Umgebungen, Alb. A. Wenedikt, Wien 1852,
    S. 86: „Verzeichnis der Hausnummern in der Stadt und den Vorstädten nach den Gassen“ (Online-Version)
  • 1891 – The newest plan and guide of Vienna and environs, Lechner, Wien 1891,
    S. 85 „Index oft the Streets, Roads and Squares of Vienna with denotation of the District and their Situation“ [& Vororte, der Plan ist fast unbrauchbar, andeutungsweise ist der Linienwall durch die Bezirksgrenzen zu erkennen] (Internet Archive)
  • 1900 – The newest plan and guide of Vienna and environs, Lechner, Wien 1900,
    S. 139 „List of Streets“ [mit Bezirk, der Plan ist fast unbrauchbar] (Internet Archive)
  • 1859–1942: Die Wienbibliothek im Rathaus stellt unter dem Namen Lehmann Online alle Ausgaben von Lehmann's Allgemeinem Wiener Wohnungs-Anzeiger elektronisch zur Verfügung. Die Ausgaben enthalten jeweils ein komplettes Straßenverzeichnis des gesamten Stadtgebiets.

Weitere historische Straßenverzeichnisse

  • Friedrich Umlauft: Namensbuch der Stadt Wien. Wien, 1895. Halbamtliches und zugleich erstes Straßenverzeichnis von Wien.[8]
  • Friedrich Umlauft: Namensbuch der Straßen und Plätze in Wien. Wien, 1905. Neuauflage von 1895 mit verbessertem Titel.[8]

Weblinks

 Commons: Straßen in Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistik der Wiener Straßen auf www.wien.gv.at, abgerufen am 25. März 2010
  2. Das provisorische Gemeindegesetz vom 6. März 1850 mit dessen Nachtragsbestimmungen [bis 6. November 1866] in: Bericht der vom Wiener Gemeinderathe eingesetzten Commission zur Revision des Gemeinde-Statutes. Erster Band. = Vorlagen zur Revision der provisorischen Wiener Gemeinde-Ordnung vom 6. März 1850, Selbstverlag Gemeinderat Wien, Wien 1868, S. 141, 173, 174 (Online-Version bei Google Books)
  3. Kaiserliche Verordnung vom 23. März 1857, wirksam für alle Kronländer, mit Ausnahme der Militärgränze, mit der Vorschrift für die Vornahme der Volkszählungen, RGBl. Nr. 67 / 1857 (= S. 167)
  4. Anton Tantner: Geburts- und Sterbedaten von Michael Winkler zu korrigieren, 28. Juni 2006
  5. Beschluß des Wiener Gemeinderates vom 14. Oktober 1958 über die einheitliche Nummerierung der Gebäude (M.D. 4409/58), Amtsblatt der Stadt Wien, Nr. 100, 13. Dezember 1958, S. 11
    Rechtsvorschrift B 20-080, Version: 18. März 2008
  6. Gemeinderat, 44. Sitzung vom 17. Dezember 1999, Sitzungsbericht, S. 5, auf www.wien.at
  7. Amtliches Wiener Straßenverzeichnis, 1. Auflage. Wien 1950.
  8. a b c Fundstelle: Vorwort, Amtliches Wiener Straßenverzeichnis, Pichler Verlag, 15., aktualisierte Auflage. Wien, 1997. ISBN 3-85058-143-8