Straßenbahn St. Pölten

Straßenbahn St. Pölten
Posttriebwagen
Streckenlänge: 9,42 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 800 =
Maximale Neigung: 25,61 
Minimaler Radius: 100 m
BSicon .svgBSicon uexENDEa.svg
Brunngasse
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Bahnhofplatz
BSicon uexCONTr.svgBSicon uexABZgr+r.svg
Frachtenbahnhof/Westbahn
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Kremser Landstraße
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Mühlweg († 30. Sept. 1917)
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Schlachthof († 1. Jan. 1912)
BSicon uexCONTr.svgBSicon uexABZgr+r.svg
Glanzstoff-Fabrik
BSicon .svgBSicon uexmTHSTo.svg
Westbahn
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Eybnerstraße
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Neugebäudelatz
BSicon .svgBSicon uexWBRÜCKE.svg
Traisen / Traisenbrücke Wienerstraße
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Zwetzbacher Mühle († 30. Sept. 1917)
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Oberwagram
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Salzerstraße
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Arbeitergasse
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Papierfabrik Salzer
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Sillinghof († 30. Sept. 1917)
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Fialastraße
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Stattersdorf
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Aufeld
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Spratzern
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Brunn / Harlander Coats
BSicon .svgBSicon uexHST.svg
Salcherstraße Nr. 9
BSicon .svgBSicon uexENDEe.svg
Harland

Die Planung der St. Pöltner Straßenbahn AG geht auf das Jahr 1905 zurück. Ursprünglich stand die Lastenbeförderung im Vordergrund, jedoch entwickelte sich der Personenverkehr deutlich stärker. An der Gesellschaft waren vor allem die Fabrikbetriebe wie die Harlander Coats und die Glanzstoff Austria beteiligt, die über Gleisanschlüsse an die Straßenbahnstrecke verfügten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1905 wurde die St. Pöltner Straßenbahn Aktiengesellschaft (St.P.St.B.) gegründet und eine Vorkonzession erteilt. Aktionäre waren neben der Stadt St. Pölten die einige Industrielle der Stadt, gemeinsam wurde ein Kapital von 100.000 Kronen aufgebracht.[1] Nach der konstituierenden Sitzung am 2. April 1910 wurde die für Bau und Betrieb notwendige Konzession am 1. Mai erteilt.[2] Kurze Zeit später wurde mit dem Bau der Straßenbahn begonnen. Am 18. März 1911 wurde die Bahn feierlich eröffnet. Im Mai desselben Jahres wurde die Aktiengesellschaft, die nur zur Erbauung gedient hatte, aufgelöst und eine neue unter gleichem Namen gegründet, das Aktienkapital betrug 1.137.000 Kronen. Der Verwaltungsrat bestand aus Hermann Ofner (Stadtrat und Obmann der Bausektion der Stadt St. Pölten), Johann Urban (Direktor der Ersten österreichischen Glanzstoff-Fabrik), Josef Salcher junior (Direktor der Aktiengesellschaft der Harlander Baumwollspinnerei und Zwirnfabrik), Karl Salzer (Gesellschafter der Matthäus Salzers Söhne), Josef Benker (Seifensiederei Benker), dem Wiener Advokaten Wilhelm Graf und dem Bauamtsdirektor der Stadt St. Pölten, Josef Prokop.[3]

Neben der Stammstrecke wurden zahlreiche Industrieanschlüsse gebaut. Für den Betrieb der Bahn wurden anfangs drei Triebwagen für den Personenverkehr und zwei Lokomotiven für Lastentransporte von der Grazer Waggonfabrik beschafft. Weiters befanden sich die Güterwagen G1 (gedeckter Güterwagen) und JnG2 (Niederbordwagen) bis zum Beginn des 1. Weltkrieges im Besitz der St.P.St.B. Eine Verlängerung vom Bahnhofsplatz bis zur Kremser Gasse, die nur für den Personenverkehr diente, wurde am 12. Dezember 1912 in Betrieb genommen. Die Straßenbahn war eingleisig ausgelegt. Ausweichen gab es bei der Papierfabrik Salzer sowie in der Eybnerstraße. Auf weiten Teilen führte die Trasse abseits von Straßen, sie hatte somit den Charakter einer Überland-Straßenbahn.

Die Haupteinnahmequelle der Straßenbahn St. Pölten stellte der Güterverkehr dar, der Personenverkehr spielte anfangs eine untergeordnete Rolle. Durch die Anbindung des Stadtzentrums konnte eine Frequenzsteigerung im Personenverkehr erreicht werden, weshalb weitere Beiwagen angeschafft werden mussten.

1914 erwarb die Straßenbahn St. Pölten den einzigen in Österreich gebauten Postpakettriebwagen, der als Nr. 4 in den Fahrzeugbestand aufgenommen wurde (siehe Bild oben). Bis zur Aufgabe der Post- und Paketbeförderung mit der Bahn im Jahre 1932 brachte dieses Fahrzeug regelmäßig Post und Pakete nach Harland.

Die Strecke führte bis 1951 von der Brunngasse nach Harland, danach wurde die Strecke ab der Goldeggerstraße verkürzt. Grund für die am 21. Mai 1951 erfolgte Verkürzung war der zunehmende Individualverkehr. Die Straßenbahn war fortan nicht mehr mit dem Stadtzentrum verbunden, was einen starken Frequenzeinbruch zur Folge hatte. Der Zahl der transportierten Güter ging ebenfalls empfindlich zurück.

1974 beschloss die Betriebsleitung den Kauf zweier gebrauchter Triebwagen der Type T1 der Wiener Linien.

Am 10. Februar 1976 wurde die Straßenbahn aufgrund einer unbeglichenen Stromrechnung stillgelegt. Verhandlungen über eine Übernahme mit der ÖBB oder dem Land Niederösterreich scheiterten, sodass die Firma Konkurs anmelden musste.[4]

Heute sind Teile der ehemaligen Trasse zu einem Radweg umfunktioniert, die Remise steht an der Kreuzung Herzogenburgerstraße/Daniel-Gran-Straße und ist heute ungenutzt.[1] Seit 2004 wird über eine Wiedereinführung der Straßenbahn in St. Pölten nachgedacht; eine kurzfristige Realisierung scheint aber unwahrscheinlich.

Fahrzeuge

Die Strecke wurde mit folgenden Fahrzeugen befahren:

Nummer Baujahr Hersteller LÜP Achsstand Bemerkungen
Lokomotiven
Lok 1 1911 Grazer W. 8.500 mm 3.200 mm Güterzuglok
Lok 2 1911 Grazer W. 8.500 mm 3.200 mm Güterzuglok
Lok 3 1930 Grazer W. 8.500 mm 3.200 mm Güterzuglok
Lok 4 1953 Goldeband 7.640 mm 2.800 mm Güterzuglok
Triebwagen
1 1911 Grazer Waggonfabrik 7.900 mm 2.700 mm Plattform Verglasung, 1976 ausgemustert
2 1911 Grazer Waggonfabrik 7.900 mm 2.700 mm Plattform Verglasung, 1976 ausgemustert
3 1911 Grazer Waggonfabrik 7.900 mm 2.700 mm Plattform Verglasung, 1976 ausgemustert
4 1914 Grazer Waggonfabrik 7.700 mm 2.700 mm Postpakettriebwagen, 1938 in Beiwagen umgebaut
5 1929 Grazer Waggonfabrik 10.700 mm 3.200 mm gekauft, Plattform Verglasung, Tonnendach, 1976 ausgemustert
6 1925 Simmering 11.600 mm 3.600 mm gekauft, 1974 ausgemustert
7 1954 Lohner 11.600 mm 3.300 mm gekauft und umgebaut, 1976 ausgemustert
Beiwagen
I 1 1901 Grazer Waggonfabrik 8.700 mm 3.000 mm Plattform Verglasung, 1920 umgebaut
I 2 1891 Simmering 6.080 mm 1.600 mm offene Plattform, gebraucht gekauft, 1941 umgebaut
I 3 1905 Bremer Straßenbahn 7.800 mm 2.200 mm 1927 von der Bremer Straßenbahn gekauft, 1965 ausgemustert
I 4 1914 Werkstatt 7.700 2.700 mm umgebauter Tw 4, 1975 ausgemustert
Bahndienstfahrzeuge
Draisine 1943 Werke Wörth 4.960 mm 2.200 mm ex ÖBB X613.005, an Draisinenmuseum Traismauer abgegeben
Turmwagenanhänger  ? Eigenbau  ?  ? heute Mariazeller Museumstramway

Alle erhaltenen Fahrzeuge befinden sich heute im Besitz der Museumstramway Mariazell-Erlaufsee. Nr. 4 wurde weitgehend in den Originalzustand zurückversetzt.

Literatur

  • Harald Marincig: Die St. Pöltner Straßenbahn, Verlag Pospischil, 1981
  • Harald Marincig: Die St. Pöltner Straßenbahn, Verlag Bahn im Film - Christian Pühringer, 2011
  • Wolfgang Kaiser: Straßenbahnen in Österreich. GeraMond Verlag, 2004 ISBN 3-7654-7198-4

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Gerhard Stadler, 2006: Das industrielle Erbe Niederösterreichs, Kapitel Gemeinde St. Pölten - Straßenbahnremise. ISBN 3-20577460-4
  2. Kundmachung des Eisenbahnministeriums betreffend die Konzessionierung einer mit elektrischer Kraft zu betreibenden normalspurigen Kleinbahn von St. Pölten nach Harland, Reichsgesetzblatt Nr. 96 vom 1. Mai 1910, S. 167–170. (Online bei ALEX)
  3. Firmaprotokollierungen - St. Pölten, St. Pöltner Straßenbahn Aktiengesellschaft. In: Wiener Zeitung, Amtsblatt, 25. Juni 1911, S. 749 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  4. Strom aus für St. Pöltens Straßenbahn. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 11. Februar 1976, S. 6.