Strudengau

Strudengau

Der Strudengau ist eine Region und Kulturlandschaft im österreichischen Donautal.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage und Begrenzung

Der Strudengau ist ein etwa 25 Kilometer langes, enges, waldiges, mäanderndes Tal der Donau, das am Nordufer in der oberösterreichischen Ortschaft Dornach in der Gemeinde Saxen und am Südufer in der niederösterreichischen Gemeinde Ardagger beginnt und flussabwärts bis zur Gemeinde Persenbeug beziehungsweise bis zur Gemeinde Ybbs an der Donau in Niederösterreich reicht.[1] [2]

Die Hänge des 300 bis 400 Meter tief eingesenkten Engtals sind bis zu 45 Grad geneigt.[3]

Flussaufwärts wird der Strudengau vom Machland und flussabwärts vom Nibelungengau begrenzt.

Der Strudengau ist das tiefst gelegene Gebiet Oberösterreichs mit einer Seehöhe um 230 m ü. A..

Geologie und Geomorphologie

Im Strudengau hat sich die Donau einen Weg durch den Granit des Böhmischen Massivs gesucht, sodass sich dieses südlich der Donau in der Neustadtler Platte fortsetzt.

Der Strudengau war einst für die Schifffahrt einer der gefährlichsten Donauabschnitte, da gefährliche Felsenriffe im Strom Strudeln erzeugten, die ein von heftigem Tosen und Brausen begleitetes Naturereignis bildeten. Erst durch den Stausee des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug (1957) wurde die Gefahr beseitigt.

Der oberösterreichische Teil des Strudengaus liegt durchwegs nördlich der Donau und gehört geologisch und geomorphologisch zur Raumeinheit Donauschlucht und Nebentäler, wobei jeweils nur kleine Teile der Gemeinden Grein (450 Hektar), St. Nikola an der Donau (507 Hektar) und Waldhausen im Strudengau (51 Hektar) dazu gezählt werden. Im Norden schließen sich im Bereich der Gemeinde Saxen die Raumeinheiten Südliche Mühlviertler Randlagen sowie in Grein, St. Nikola und Waldhausen im Strudengau das Aist-Naarn-Kuppenland an.

Gewässer, Hochwasserschutz

Wesentlichstes Gewässer im Strudengau ist die Donau. Beginnend vom Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen im Machland und im gesamten Verlauf des Strudengaus bildet die Donau den 34 Kilometer langen Stausee des Kraftwerks Ybbs-Persenbeug.

Linksseitig münden der Greinerbach, der Kreuznerbach bei Grein, der Gießenbach , der Hilberbach, der Sommerlechnerbach, der Dimbach bei St. Nikola, der Sarmingbach bei Sarmingstein, der Weidenbach bei Hirschenau in der Gemeinde St. Nikola und die Ysper bei Isperdorf in die Donau.

Rechtsseitig münden der Altaubach und der Einzenbach in Ardagger, der Tiefenbach in Neustadtl, der Willersbach an der Grenze zwischen Neustadtl und Sankt Martin-Karlsbach und die die Ybbs bei Ybbs an der Donau in die Donau.

Während in Ardagger bereits seit den 1970er-Jahren ein befahrbarer Hochwasserschutzdamm besteht, wird von 2008 bis 2015 das Hochwasserschutzprojekt Machland Nord verwirklicht, dessen Schutzmaßnahmen sich neben dem oberösterreichischen Machland auch mit den Baulosen 6 und 7 auf den oberösterreichischen Teil des Strudengaus zwischen Grein und St. Nikola an der Donau erstrecken.

Naturschutz (Oberösterreich)

Im Strudengau sind eine Reihe von Bäume und Baumgruppen als Naturdenkmäler ausgewiesen:

  • Bad Kreuzen:
  • Vier Linden bei der Maria Hilf Kapelle: (eine Baumgruppe bestehend aus vier Winterlinden (Tilia cordata) nördlich des Ortszentrums
  • Burglinde: Sommerlinde (Tilia platiphyllos) im Burghof der Burg Kreuzen
  • Hauseiche, Steinereiche: Stieleiche (Quercus robur) in Mitterdörfl beim Gut Steiner in Kain
  • Hiblereiche: Stieleiche an der Greinerwald-Landstraße
  • Grein:
  • Eiche: am Nordost-Ende der Siedlung in der Kaiser-Friedrich-Straße
  • Waldhausen im Strudengau:
  • Eibe im Sattelgai: Eibe (Taxus baccata) beim Bauernhaus Steiner am Humelschuß
  • Kugeleibe: Eibe südlich des Obergrafenbergergutes

Als Naturdenkmal ausgewiesene Wackelsteine (Wollsackverwitterung) im Strudengau:

  • Marienstein in Grein: Wackelstein mit Marienstatue in der Nähe der Greiner Straße Richtung St. Georgen am Walde
  • Schwingender Stein in Waldhausen: Wackelstein aus Weinsberger Granit

Der Unterlauf des Gießenbachs bildet die Stillensteinklamm. In Bad Kreuzen hat der Kempbach die Wolfsschlucht gebildet.

In der Nähe von Sarmingstein, auf dem Gemeindegebiet von Waldhausen im Strudengau (Ortschaft Gloxwald), hat die Natur das Naturdenkmal Predigtstuhl, eine natürliche Felskanzel im Weinsberger Granit, auf 520 m ü. A., rund 290 Meter über der Donau geschaffen, das als Aussichtspunkt ins Donautal dient.

Ebenfalls in Waldhausen in der Nähe der niederösterreichischen Grenze auf dem Dümlehnerberg in der Ortschaft Handberg befindet sich das Naturdenkmal Einsiedlerhöhle, eine etwa 40 bis 50 Quadratmeter großer Hohlraum als Bestandteil einer im Föhren-Buchenwald gelegenen, rund fünftausend Quadratmeter großen Felsformation auf 745 m ü. A.

Naturschutz (Niederösterreich)

Das niederösterreichische Landschaftsschutzgebiet Strudengau und Umgebung umfasst nördlich der Donau die Gemeinden Nöchling, Hofamt Priel und Persenbeug und südlich der Donau die Gemeinden Neustadtl an der Donau, Sankt Martin-Karlsbach und Ybbs an der Donau.

Hingegen beschränkt sich das niederösterreichische FFH-Gebiet Strudengau − Nibelungengau hinsichtlich des Strudengaus nur auf Teile der genannten Gemeindegebiete, wobei zusätzlich auch Teile von Ardagger eingeschlossen sind.

Name und Geschichte

Strudel an der Thonaw von M. Merian, 1649[4]

Seinen Namen hat der Strudengau von den vielen gefährlichen Strudeln und Untiefen. Er galt daher früher bei den Schiffern als einer der gefährlichsten Donauabschnitte.

Geschichtliche Geografie

Der Strudengau gehörte im Mittelalter dem historischen Machland und später bis 1779 dem Machlandviertel an. Im Strudengau verlief die Grenze zwischen der Riedmark und dem Machland von Panholz bei Grein hinauf bis St. Georgen am Walde, wobei die östliche Grenze des Machlands der Sarmingbach bildete.

Zum Einflussbereich der Herren von Perg und Machland gehörten im Strudengau Burgen und Kirchen. Otto von Machland, der bedeutendste Vertreter dieser Familie, hat mit der Gründung des Stifts Säbnich, später Waldhausen, 1147 zahlreiche Schenkungen gemacht, wobei damit in vielen Fällen die erstmalige urkundliche Erwähnung von Orten im Strudengau nördlich und südlich der Donau verbunden war.

Unglücksfälle

Diese tragisch-berühmte Donaustrecke durch den “Wirbel und Strudel” kannten schon die beiden Diözesanheiligen Florian und Severin. Die erste schriftliche Nennung dieses Abschnittes erfolgte im Zusammenhang mit einem Unglücksfall: Im Jahr 926 ertrank der Freisinger Bischof Dracolfus in den reißenden Fluten. Auf dieser Strecke musste sich Bischof Wolfgang auf einer seiner Visitationsreisen (ab 976) nach Zvisila (Wieselburg) kundigen Lotsen anvertrauen. Die Kreuzfahrer-Heere mussten diese Strecke passieren. Auch Kaiser Franz Joseph und seine zukünftige Frau mussten mit ihrem Dampfschiff am Weg zur Hochzeit nach Wien in Struden notlanden, trotz der Entschärfung seiner Ururgrossmutter Maria Theresia. Kaiser Franz Josef und Kaiserin Elisabeth sind ein Stück mit dem Wagen weitergefahren.[5]

Die Bezeichnung “Friedhof-Lacke” für die Ertrunkenen und Angeschwemmten zwischen St. Nikola und Struden erinnert noch heute an die Gefährlichkeit dieser Strecke.[6]

Regulierungsmaßnahmen

Nach und nach wurde durch Regulierungsmaßnahmen der Fluss gezähmt. Unter Kaiserin Maria Theresia begann etwa 1770 und 1780 die Beseitigung besonders gefährlicher Felsen an der "Bösen Beuge” (Persenbeug), der Greiner Strudel, der Strudel bei Struden[7], und der Wirbel im Strudengau.

Weitere Sprengungen folgten Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei unter anderem das gefürchtete “Schwalleck” des Greiner “Struden” gesprengt wurde. Dank des Rückstaus des Kraftwerk Ybbs-Persenbeugs (1957) ist dieses Problem gelöst. Dadurch ist auch die Wildheit und Romantik dieses Donautals leiser geworden. Ungebrochen hingegen ist die landschaftliche Schönheit.

Orte und Ortschaften

Nördlich der Donau in Oberösterreich (von West nach Ost)
Nördlich der Donau in Niederösterreich (von West nach Ost)
Insel in der Donau
Südlich der Donau in Niederösterreich (von West nach Ost)

Kultur, Tourismus

Strudengau mit Burg Werfenstein und Donauschiff

Die bundesländerübergreifende Gemeinschaftsausstellung Donau, Fluch und Segen befasste sich im Jahr 2010 mit der Donau im ober- und niederösterreichischen Grenzraum.[8]

Die Donaufestwochen werden seit 1995 jährlich im Juli und August an Orten im Strudengau und Umgebung an mehreren Veranstaltungsorten durchgeführt. Veranstaltungsorte waren bereits mehrfach beispielsweise die Greinburg, die Stiftskirche Waldhausen, die Stiftskirche Baumgartenberg, die Filialkirche Altenburg, das Strindbergmuseum Saxen, die Gießenbachmühle am Eingang der Stillensteinklamm, die Pfarrkirche Bad Kreuzen, in der Stiftskirche Ardagger und im Vierkanthof Hauer in Ardagger sowie im Großdöllnerhof im Naturpark Mühlviertel in Rechberg.

Im Strudengau hat der Tourismus seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert. Die Strudengaugemeinden haben sich Gemeindeverbänden angeschlossen, darunter der LEADER Region Strudengau, der Donautouristik[9] mit dem Donauradweg und dem Donausteig, der Radkultour[10] sowie dem Museumsland Donauland Strudengau.[11]

Verkehr

Der ober- und niederösterreichische Strudengau wird durch die 1965 bis 1967 erbaute und seit 2006 nach dem österreichischen Politiker Leopold Helbich benannte Ing. Leopold Helbich Brücke verbunden. Zuvor bestanden Fährverbindungen zwischen Nord- und Südufer der Donau. Siehe auch: Liste der Donaubrücken

Entlang der Donau wird der Strudengau nördlich der Donau von der Donauuferbahn und von der Donau Straße durchquert. Die Greiner Straße führt von Amstetten kommend über die Donaubrücke nach Grein und weiter am östlichen Rand des Unteren Mühlviertels nach Niederösterreich ins Waldviertel.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Strudengau in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (auf AEIOU)
  2. Sagen_und_Legenden_-_Die_Donaunixe_vom_Strudengau
  3. Wolfgang Schachenhofer: Der Strudengau, in: Unsere Heimat, der Bezirk Perg, Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg - Gemeinden des Bezirkes Perg , Linz 1995, S 148ff
  4. Ein anderes Bild von derselben Stelle: Friedrich Koerner und Joseph Wenzig, Illustrirte geographische Bilder aus Oesterreich, 1856, S. 66
  5. Mystisches Oberösterreich von Peter Pfarl und Toni Anzenberger, ISBN 9783701200375, S. 79
  6. Franz Schmutz: Die Botschaft eines Jubiläums-850 Jahre Stiftsgründung Waldhausen (1147 - 1997), in: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz, 12. Jahrgang, Heft 2, Linz 1998/99, S 24f
  7. Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens, von Freiherrn Friedrich von Schweickhardt, Band 8, 1837, Abschnitt Hößgang, S288
  8. http://www.donau-ausstellung.at
  9. Donautouristik
  10. Radkultour
  11. Museumsland Donauland