Stubenberg (Adelsgeschlecht)

Stubenberg-Wappen aus dem Scheiblerschen Wappenbuch

Die Herren und Grafen von Stubenberg stammten vermutlich aus Kapfenberg in der Steiermark. Mitglieder der Familie gehörten als erbliches Mitglied dem ungarischen Magnatenhaus an. Sie bekleideten hohe Ämter u. a. als Landeshauptmänner, Bischöfe, Erbmundschenk und Kämmerer.

Inhaltsverzeichnis

Aufstieg in der Steiermark

Die Familie stammt ursprünglich aus Pitten.[1] Stammvater der Familie war Otto von Stubenberg, der um 1160 die Burg Stubenberg errichtete. Sein Nachkomme Wulfing von Stubenberg beteiligte sich 1268 an einem Aufstand des steirischen Adels gegen Přemysl Ottokar II., der das Land besetzt hielt. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, Wulfing von Stubenberg für 26 Wochen arrestiert und die Burg Stubenberg von den Truppen Ottokars vollkommen zerstört. Verwaltungs- und Wohnsitz wurde ab diesem Zeitpunkt über vier Jahrhunderte lang die Burg Oberkapfenberg. Ottos zweiter Sohn Ulrich nahm am Kreuzzug von Damiette teil und fiel 1218 bei Damiette. Laut Loosert nahm Ottos Großvater bereits beim Ersten Kreuzzug teil und heiratete die Schwester eines Habsburger Kampfgefährten. Die Familie spielte auch bei der Übernahme der Herrschaft durch Rudolf von Habsburg eine bedeutende Rolle. Früheste Familiendokumente (ab 1041) befinden sich im Archiv der Stadt Graz.

Unter der Kanzel der Pfarrkirche hl. Veit (bis 1707 hl. Michael) in Passail befindet sich eine Gruft der Familie Stubenberg. Es gibt einen Grabstein zu Hans von Stubenberg aus 1400.

Im 16. Jahrhundert nahmen Mitglieder der Familie, die sich in die Kapfenberger und die Wurmberger Linie teilte, den protestantischen Glauben an. Wolfgang von Stubenberg († 1597) und dessen Sohn Georg von Stubenberg († 1630) hatten trotzdem enge Kontakte zum Hof des katholischen Erzherzogs Karl II. († 1590), zu dessen Sohn Ferdinand II. sowie zu dessen Nachfolgern Rudolf II. und Matthias, denen sie recht viel Geld liehen.

1691 erbaute Georg von Stubenberg in der Grazer Hans-Sachs-Gasse das Palais Stubenberg, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. 1614 übernahm Georg von Stubenberg von seinem hoch verschuldeten Schwiegersohn Georg Christoph von Losenstein die Schallaburg in Niederösterreich, die von 1641 in den Besitz des Johann Wilhelm von Stubenberg kam und 1660 von diesem verkauft wurde.

Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Ferdinand II. im Jahre 1619 verschärften sich die Verfolgungen der Protestanten in Innerösterreich und in der Steiermark. 1628 wurde allen protestantischen Adeligen in der Steiermark der Besitz von Gütern verboten, sofern sie sich weigerten, zum Katholizismus zu konvertieren. Einige Mitglieder der Familie Stubenberg nahmen daraufhin den katholischen Glauben an und übernahmen die steirischen Güter von denen, die als Protestanten emigrieren mussten. Mit der Übernahme verpflichteten sie sich vertraglich, die Emigranten, deren Nachkommen oder hinterbliebene Ehefrauen in der Emigration finanziell abzusichern. Diese Situation führte über Jahre hinaus zu eine Vielzahl von Gerichtsprozessen in den österreichischen Erblanden.

Landeshauptleute

Folgende Stubenberger dienten dem Kaiser als Landeshauptmänner:

  • 1418–1419 Jakob von Stubenberg
  • 1435–1450 Hans von Stubenberg
  • 1453–1470 Leutold von Stubenberg
  • 1687–1703 Georg von Stubenberg

Stubenberger in Böhmen

Wolfgang von Stubenberg erwarb im Jahre 1548 von Johann von Pernstein Stadt und Herrschaft Neustadt an der Mettau in Ostböhmen und ließ die Burg zu einem Renaissance-Schloss umbauen. Auch die Anlage des prächtigen Renaissance-Stadtplatzes, der bis heute weitgehend unverändert geblieben ist, geht auf die Stubenberger zurück. 1568 wurden Wolf von Stubenberg und seine Söhne “auf ewige Zeiten” zu böhmischen Landleuten ernannt. Die Besitzer der Herrschaft Neustadt waren:

  • 1548-1556: Wolfgang (Wolf) von Stubenberg
  • 1557–1570: Johann (Hans) von Stubenberg
  • 1570–1588: Wolfgang II. von Stubenberg
  • 1588–1620: Rudolf von Stubenberg. Dieser nahm als erster aus der Familie von Stubenberg seinen dauernden Wohnsitz in Neustadt an der Mettau. Als Protestant war er aktiv an der böhmischen Ständepolitik beteiligt. Nach seinem Tod wurden sein Sohn Johann Wilhelm von Stubenberg und die hinterbliebene Ehefrau Justina von Kaiser Ferdinand II. enteignet.

Georg von Stubenberg konnte als Protestant im Jahre 1601, also noch vor den beginnenden Protestantenverfolgungen, die Herrschaft Geiersberg in Böhmen erwerben. Er vermachte sie 1629 bei seiner erzwungenen Emigration seinem einzigen Enkel Wolf Georg von Losenstein. Dieser war der Sohn seiner einzigen Tochter Anne († 1624), die den Katholiken Georg Christoph Herr von Losenstein († 1622) geheiratet hatte.

Stubenberger aus der böhmischen Linie im Exil

Stubenberger im Exil in Bayern

Im Jahre 1628 erließ Kaiser Ferdinand II., der auch Landesfürst der Steiermark war, ein Dekret, das allen protestantischen Adeligen den Aufenthalt und den Besitz von Gütern in den Erblanden des Landesfürsten verbot. Sie wurden zur Konversion oder zum Verlassen des Landes aufgefordert. Einige protestantische Stubenberger konvertierten und blieben als Besitzer der Güter in der Steiermark, andere verließen die Steiermark und siedelten nach Sachsen (Pirna, Dresden) und in die Freien Reichsstädte Nürnberg und Regensburg über.

Unter den Emigranten war einer der in der Steiermark angesehensten protestantischen Stubenberger, Georg der Ältere Herr auf Kapfenberg (* 1560). Er verließ 1629 seine Heimat und siedelte mit seiner 2. Ehefrau Amalia von Liechtenstein nach Regensburg über, wo er kurz darauf im April des Jahres 1630 starb. Seine Grabplatte findet sich in Regensburg auf dem Gesandtenfriedhof der Dreieinigkeitskirche vor dem barocken Stubenberg-Epitaph. Auf der Inschrifttafel des Epitaphs wird an den in Wien gestorbenen und nach Regensburg umgebetteten Johann Wilhelm von Stubenberg und dessen Sohn Rudolf Wilhelm von Stubenberg, der 1663 nach Regensburg emigriert war, sowie deren Ehefrauen erinnert.

Georgs hinterbliebene Ehefrau Amalia siedelte nach Nürnberg über, wo noch weitere Mitglieder der Wurmberger Linie der Stubenberg lebten. Dort widmete sie ihr Leben wohltätigen Zwecken und starb 1664. Weitere Stubenberger, die in Nürnberg lebten waren:

  • Georg Augustin von Stubenberg (1628–1691)
  • Georg Sigmund von Stubenberg (1570–1632)
  • Otto Gall von Stubenberg (1631–1688).

Sie wurden in der Stubenberg-Gruft der Bartholomäuskirche bestattet.

Stubenberger Bischöfe

Wappen

Das Stammwappen der Stubenberger zeigt in Schwarz eine silberne Wolfssense, durch deren nach unten gekehrten Ring ein goldenes Seil gezogen ist. Auf dem gekrönten Helm sind zwei Büschel Straußenfedern, nach rechts abhängend silbern und nach links schwarz. Die Helmdecken sind schwarz-silbern.

Einzelnachweise

  1. Thomas Jorda: Nützlicher Titel. In: Adel verpflichtet: eine Serie der NÖN. Niederösterreichische Nachrichten, 14. Mai 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.

Literatur

  • Martin Bircher: Johann Wilhelm von Stubenberg und sein Freundeskreis. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1968
  • Otto Hupp: Münchener Kalender 1904. Verlagsanstalt Buch u. Kunstdruckerei AG, München·Regensburg 1904.
  • J. Loserth: Geschichte des altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg. 1911
  • Werner Wilhelm Schnabel: Österreichische Exulanten in oberdeutschen Reichsstädten. Zur Migration von Führungsschichten im 17. Jahrhundert. Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 101. München 1992.
  • Joachim Bahlcke u. a., Handbuch der historischen Stätten Böhmen und Mähren, Kröner-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8

Weblinks

 Commons: Stubenberg (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien