Sudetendeutscher Rat

Der Sudetendeutsche Rat (SR) ist eine überparteiliche Vereinigung von Sudetendeutschen. Er verfolgt insbesondere das Ziel, die deutsch-tschechische Verständigung zu fördern und sudetendeutschen Politikern unterschiedlicher Parteien ein gemeinsames Gesprächsforum zu bieten, um sie über die Anliegen der Sudetendeutschen zu informieren und um die heimatpolitischen Bestrebungen der Sudetendeutschen mit den Auffassungen der im Bundestag vertretenen politischen Parteien zu koordinieren.

Der SR besteht aus 30 Mitgliedern, die eine Hälfte wählt der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die andere Hälfte benennen die im Bundestag vertretenen Parteien. Der SR veröffentlicht Dokumentationen und Erklärungen, die auch in politischen Kreisen der Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien und in Skandinavien verbreitet werden. Sitz des Rates ist München, seine Geschäftsstelle befindet sich im Sudetendeutschen Haus.

Inhaltsverzeichnis

Repräsentanten

Derzeit (2008) gehören der Vollversammlung des Sudetendeutschen Rates u. a. der CDU-Bundestagsabgeordnete Egon Jüttner und die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger an. Der Rat gliedert sich in die Vollversammlung, das fünfköpfige Präsidium und den Generalsekretär. Generalsekretär ist seit Mai 2006 der frühere bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Albrecht Schläger. Er folgte in dieser Funktion dem CSU-Politiker Matthias Sehling nach. Dem Präsidium des Rates gehören derzeit der frühere bayerische Landtagspräsident Johann Böhm, der frühere bayerische Staatsminister für Arbeit und Soziales, Franz Neubauer, sowie der Verleger Herbert Fleissner an.

Aktivitäten

Der Sudetendeutsche Rat führt Gespräche mit Politikern, lädt zu Diskussionsveranstaltungen ein, organisiert Ausstellungen, erstellt Dokumentationen und publiziert Bücher und andere Veröffentlichungen über die Belange der Sudetendeutschen, auch in englischer und französischer Sprache.

Marienbader Gespräche

Der Sudetendeutsche Rat führt eine jährliche Frühjahrstagung mit deutschen und tschechischen Vertretern des öffentlichen Lebens, insbesondere Wissenschaftler, Journalisten, Abgeordneten und Regierungsvertretern durch. In diesem Jahr (2008) finden die Marienbader vom 18. bis 20. April statt, ihr Thema lautet "Schicksalsdaten der böhmischen Länder - 1618 - 1848 - 1918 - 1948 - 1968".

Die Ausstellung "Die Sudetendeutschen - eine Volksgruppe in Europa"

Am 9. Mai 2007 eröffnete Alois Glück, der Präsident des Bayerischen Landtags im Landtag eine neue Ausstellung des SR mit dem Titel „Die Sudetendeutschen - eine Volksgruppe in Europa“ (Autor Konrad Badenheuer). Die Arbeit wurde unterdessen in mehreren bayerischen Städten gezeigt.

Publikationstätigkeit

Zu den weiteren Aktivitäten des Sudetendeutschen Rates gehört neben der politischen Arbeit insbesondere die Dokumentations- und Publikationstätigkeit. Das sogenannte Sudetendeutsche Weißbuch (Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen), wurde 1950 vom Sudetendeutschen Rat bzw. seiner Vorläuferorganisation veröffentlicht.

Besuch von Bundespräsident Roman Herzog 1997

Im Oktober 1997 hielt der damalige Bundespräsident Roman Herzog die Festrede bei der 50-Jahr-Feier des Sudetendeutschen Rates im Sudetendeutschen Haus in München. Er würdigte dessen Verständigungsarbeit und mahnte Sudetendeutsche und Tschechen zu weiteren Anstrengungen zur Versöhnung.

Geschichte, frühere Repräsentanten

Langjähriger Generalsekretär des SR war von 1950 bis 1980 der CSU-Politiker Walter Becher (1912–2005). Von 1982 bis 1987 war Jörg Kudlich (1936–2009), von 1987 bis 1992 Oskar Böse (* 1924) Generalsekretär des Sudetendeutschen Rates. Böse gehörte dem Gremium seit 1955 an, Kudlich seit 1963. Weitere Generalsekretäre waren Heinz Kraus und Matthias Sehling.

Weitere (Präsidiums-)mitglieder des Rates waren: Walter Brand (ab 1950), Wolfgang Egerter (CDU, ab 1983), Emil Franzel (SPD, ab 1947), Volkmar Gabert (SPD, ab 1950), Hermann Götz (CDU, Präsidiumsmitglied ab 1950), Gustav Hacker (BHE, 1950–1972), Wenzel Jaksch (SPD, Präsidiumsmitglied ab 1949), Hans „Johnny“ Klein (ab 1977), Egon A. Klepsch (CSU, 1972–1976), Rudolf Lodgman von Auen (parteilos, 1947–1959), Franz Neubauer (CSU, ab 1982), Ernst Paul (SPD, ab 1955), Richard Reitzner (SPD, Präsidiumsmitglied ab 1947), Erich Riedl (CSU, ab 1977), Kurt Rossmanith (CSU, ab 1983), Hans Rückel (parteilos, 1949–1955), Hans Schütz (CSU, Präsidiumsmitglied 1947–1973), Hans-Christoph Seebohm (Präsidiumsmitglied ab 1950), Walter Stain (BHE, ab 1952), Josef Stingl (CDU, ab 1959), Johannes Strosche (CSU, 1950–1972), Fritz Wittmann (CSU, ab 1969), Siegfried Zoglmann (FDP, ab 1970 CSU, ab 1959), Walter Staffa.

Publikationen des Sudetendeutschen Rates

  • Die Sudetendeutschen - eine Volksgruppe in Europa; Katalog zur gleichnamigen Ausstellung (146 S.), München 2007, ISBN 978-3-00-021603-9; 3., verbesserte Auflage 2010.
  • Das Sudetendeutschtum in Zahlen (283 S., Autor Alfred Bohmann), München 1959
  • Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen, (über 100 Erlebnisberichte, bearbeitet von Wilhelm Turnwald, 589 S.), München 1951, ISBN 3-7612-0199-0. Das Buch ist auch bekannt als "Sudetendeutsches Weißbuch". - Auszüge in tschechischer Übersetzung:
  • Slyšme i druhou stranu. Dokumenty k vyhnání Němců z Českých zemí. Výběr a překlad z německého originálu: Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen [Hören wir auch die andere Seite. Dokumente zur Vertreibung der Deutschen aus den böhmischen Ländern. Auswahl und Übersetzung aus dem deutschen Original: Dokumente...], Hrsg. von Sidonia Dědinová/Infocentrum Šumava, Budweis 1990/91, ISBN 80-900076-1-9.