Thalia (Buchhandel)

Thalia Holding GmbH
Logo der Thalia-Buchhandlungen
Rechtsform GmbH
Gründung 1919
Sitz Hamburg, Deutschland
Mitarbeiter 5.274 (September 2011)[1]
Umsatz 934,5 Mio (2010/11)[1]
Branche Buchhandel
Website www.thalia.de
Thalia-Buchhandlung in Darmstadt

Die Thalia Holding GmbH mit Sitz in Hamburg ist die Dachgesellschaft für mehrere Buchhandels- und Servicegesellschaften, die unter dem gemeinsamen Markennamen Thalia auftreten.

Im September 2011 umfasste die Thalia-Gruppe 295 Buchhandlungen, davon 59 in Österreich und der Schweiz. Gemessen am Umsatz ist das Unternehmen heute Marktführer im deutschsprachigen Raum.[1][2]

Im Zuge der sich beschleunigenden Marktbereinigung und Filialisierung im Buchhandel fällt neben der Thalia-Gruppe und der Verlagsgruppe Weltbild auch die Mayersche Buchhandlungskette durch eine starke Expansion mit Übernahmen von inhabergeführten Buchhandlungen und Neugründungen von Buchhäusern auf.

Inhaltsverzeichnis

Konzernstruktur

Die Gesellschafter der „Thalia Holding GmbH“ sind die „Buch & Medien GmbH“ zu 75 % und die „Könnecke-Beteiligungs-GmbH“ zu 25 %. Die „Buch & Medien GmbH“ befindet sich zu 100 % im Eigentum der Douglas Holding AG. Gesellschafter der „Könnecke-Beteiligungs-GmbH“ sind Mitglieder der Familie Könnecke, die 1931 das Unternehmen Thalia erworben hatte. Das Unternehmen Thalia ist im Rahmen seiner Multi-Channel-Strategie auch mit 75,6 % am deutschen Online-Buchhändler buch.de internetstores AG beteiligt.[3] 2008 wurden Michael Wetzel und Tom Kirsch neue Geschäftsführer der Thalia Service GmbH.

Entwicklung und Kennzahlen

Zu Jahresbeginn 2006 hatte Thalia als Marktführer im deutschsprachigen Raum einen Marktanteil von knapp sieben Prozent. Nach der Vereinigung der Hugendubel-Buchhäuser mit den über 350 Verkaufsstellen der Verlagsgruppe Weltbild fiel Thalia auf den zweiten Platz hinter dem dadurch neugebildeten Buchhandelskonzern DBH zurück.

Zwecks einheitlichen Markenauftritts firmieren seit September 2005 die österreichischen Thalia-Erwerbungen unter Thalia.at und die schweizerische Jäggi-Gruppe unter Thalia.ch. Im österreichischen Linz befindet sich seitdem die größte Buchhandlung der gesamten Thalia-Gruppe.

Im Rahmen der 50. IFA stellte Thalia ihr eigenes E-Book-Lesegerät „OYO“ vor, das im Herbst 2010 [4] und damit deutlich früher als das Konkurrenzgerät von Amazon („Kindle“)[5] in den deutschen Handel kam. Einen Marktplatz für Direktveröffentlichungen [6] bietet Thalia zum gegenwärtigen Zeitpunkt (21. April 2011) aber noch nicht an. Seit Ende November 2012 ist mit dem E-Book-Reader Odyssey HD FrontLight von Bookeen ein Konkurrenzprodukt zum Kindle_Paperwhite im Angebot.

Geschäftsjahr Mitarbeiter
(per Ende September des jew. Berichtsjahres)
Filialen
(per Ende September des jew. Berichtsjahres)
Umsatz in Mio. €
2002/03 2.405 106 349
2003/04 2.792 122 387
2004/05 3.097 138 461,0
2005/06 3.982 163 550,9
2006/07 4.944 267 695,7
2007/08 5.153 291 768,8
2008/09 5.151 294 819,7
2009/10 5.186 289 905,8
2010/11 5.274 295 934,5

Übernahmen und Beteiligungen (Auswahl)

Die Douglas Holding strebt für die Thalia-Gruppe durch aggressive Expansionspolitik mit Neueröffnungen im Monatsrhythmus und Übernahmen von Großbuchhandlungen und Buchhandelsketten eine Marktbeherrschung auf dem bisher mittelständisch geprägten Buchhandelsmarkt an. Selbsterklärtes Ziel der Thalia-Gruppe ist es, ihren Marktanteil in Deutschland mittelfristig mehr als zu verdoppeln.[7][8]

Unter dem Zusammenschluss zur Thalia-Holding GmbH entstand sukzessive das größte Buchhandelsunternehmen im deutschsprachigen Raum.

  • 1975 Beteiligung an der Montanus aktuell-Gruppe
  • 1988 Übernahme der Phönix Universitätsbuchhandlung, Bielefeld (1994 Fusion mit Montanus zur Phönix-Montanus GmbH)
  • 1996 Kauf der Herder-Buchhandlungen, Münster in Westfalen und Freiburg im Breisgau
  • 1999 Beteiligung am Onlinehändler buch.de
  • 2000 Kauf der schweizerischen Buchhandlungen W. Jäggi (Sitz Basel) und Stauffacher (Sitz Bern)
  • 2001 Fusion von Phönix und Thalia zur Thalia Holding GmbH
  • 2002 Übernahme der österreichischen Buchhandelskette Amadeus, Übernahme von Bol.de (durch buch.de)
  • 2003 Beteiligung an der schweizerischen Zur alten Post (ZAP) AG (5 Filialen im Kanton Wallis), sowie Übernahme der Buchhandelsgruppen Palm & Enke, Mencke & Blaesing (jeweils in Erlangen) sowie der Universitätsbuchhandlung Jena.
  • 2004 Beteiligung an der Kober-Löffler-Gruppe, Übernahme der im Rheinland tätigen Bouvier/Gonski-Buchhandelskette und des Buchhauses Campe, Nürnberg
  • Zum 1. Januar 2006 Reinhold Gondrom GmbH & Co. KG (26 Filialen)
    • Rückwirkend zum 1. Januar 2006 Übernahme der wissenschaftlichen Versandbuchhandlung Dr. Claus Steiner, Idstein am Taunus, (B2B-Geschäft) unter Beibehaltung des Standortes.
  • Zum 1. Oktober 2006 Wagnersche Buchhandlung in Innsbruck; Beteiligung in Höhe von 50,1 % an der Buchhandlung Grüttefien GmbH, Varel (18 Buchhandlungen mit einem Umsatz von 17 Millionen Euro).
  • Zum 1. Januar 2007 Übernahme der Buch & Kunst-Gruppe, Dresden, mit 44 Buchhandlungen vor allem in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen und einem Jahresumsatz von etwa 60 Millionen Euro, vom Finanzinvestor Barclays Private Equity.[9]
    • Rückwirkend zum 1. Januar 2007 Übernahme der Meissner Bücher AG von der AZ Medien Gruppe
    • Weiterhin zum 1. Januar 2007 Übernahme des Hauses der Bücher Spaethe (Moers), der Buchhandlung Franz Potthoff (Bergisch Gladbach), Buchhandlung Köhl (Brühl) sowie über Grüttefien die Buchhandlung Bräuer in Lemgo.
  • Rückwirkend zum 1. Januar 2008 Übernahme der traditionsreichen Firma Buch-Kaiser in Karlsruhe.[10]
  • August 2008 fand dann die Umbenennung der zugekauften Buchläden („Haus des Buches“ usw.) in Thalia.de statt.[11]
  • Im März 2009 kündigt Thalia die Schließung von Buch-Kaiser in Karlsruhe für 2010 an und konzentriert damit sein Angebot auf 2 Thalia Megafilialen[12]
  • 2009 wurden lediglich drei Buchhandlungen neu eröffnet, für 2010 sind sechs Neueröffnungen geplant beziehungsweise erfolgt.[13]
  • Thalia hat im Februar 2012 angekündigt die Filiale in Kehl am Rhein zum 21. April 2012 zu schließen .

Kritik

Durch ihre Expansionspolitik gerät die Buchhandelskette Thalia verstärkt in die Kritik, da befürchtet wird, dass die zentrale Einkaufsmacht die Vertriebskonditionen der Verlage unter Druck setzen könnte. Größere Verlage würden sich das zwar möglicherweise leisten können, kleinere jedoch müssten auf die Listung im Warensortiment der Buchhandelskette verzichten. Auf weitgehendes Unverständnis stieß auch in diesen Zusammenhängen der „Vorschlag“ Thalias 2006, die Verlage mögen sich finanziell am Ausbau und der Einrichtung neuer Firmenfilialen beteiligen.[14][15] [16]

Ein weiterer Kritikpunkt sind Versuche Thalias, durch Angriffe auf die Buchpreisbindung die Margen der kleineren verbleibenden Buchhandlungen zu drücken und diese so aus dem Markt zu drängen.[17][18][19] Bemerkenswert dabei ist, dass inzwischen größere Zukäufe der Thalia-Buchhandelsgruppe unter Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes stehen.

Auch örtlich sind Widerstände gegen die Expansion und umstrittene Baupläne in diesem Zusammenhang spürbar. So hat Thalia in Bonn im alten Metropol-Kino 2010 eine weitere Filiale in der Innenstadt eingerichtet. 2007 wurde mit dem Eigentümer der Immobilie ein Mietvertrag geschlossen, doch ein Bürgerbegehren mit 16.000 Unterschriften brachte den Protest der Bonner Bevölkerung zum Ausdruck. Die Initiative "Rettet das Metropol" gegen die Zerstörung des erst einige Jahre zuvor originalgetreu sanierten Lichtspielhauses im Art-Déco-Stil, dem letzten großen Haus seiner Art in Deutschland, und gegen eine dem Denkmalschutz widersprechende Nutzung wollte den Umbau zu einer Buchhandelsfiliale verhindern. Das OVG Münster befand jedoch am 26. August 2008 unerwartet, dass nur noch die Fassade des Gebäudes über eine Denkmaleigenschaft verfüge. Ansonsten müsse das Lichtspieltheater aus der Denkmalliste der Stadt gestrichen werden, da es nach Ansicht der Richter über zu wenig originale Bausubstanz verfügt. Der Senat ließ eine Revision zum Bundesverwaltungsgericht nicht zu. Eine Beschwerde darüber wurde abgelehnt. Dass für die zuvor originalgetreu restaurierten glanzvollen Innenräume des Lichtspieltheaters hohe Zuschüsse durch Denkmalschutzbehörden gezahlt wurden, zeigt zwar einen deutlichen Widerspruch, wurde jedoch ignoriert. Nach dem offiziellen Baubeginn 2009 ist die Thalia-Filiale im Herbst 2010 eröffnet worden.[20][21][22][23]

Im Jahr 2010 wurde Thalia Österreich beschuldigt, einen lokalen Verlag und Buchhändler unter Androhung der Einstellung bestehender Lieferantenbeziehungen zum Verkauf zu zwingen.[24]

Weblinks

 Commons: Thalia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Douglas Holding AG: Geschäftsbericht 2010/11. Abgerufen am 23. Februar 2012 (PDF).
  2. buchreport: buchreport-Ranking „Die größten Buchhandlungen“. 28. Februar 2011, abgerufen am 6. März 2011.
  3. http://www.douglas-holding.de/index.php?id=1190&L=0
  4. IFA 2010: Thalia präsentiert Ebook-Reader für 139 Euro. netzwelt.de, 7. September 2010, abgerufen am 9. September 2010
  5. Amazon verkauft sein Lesegerät Kindle und die Digitalausgaben dafür nun direkt in der Bundesrepublik. Das Angebot ist umfangreicher als beim E-Book-Portal des Buchhandels.. Abgerufen am 20. April 2011.
  6. Wir bieten aufstrebenden Autoren eine Startrampe. Abgerufen am 21. April 2011.
  7. Verdoppelung des Marktanteils angestrebt, CAPITAL.DE
  8. FAZ.NET
  9. Thalia übernimmt BUCH & KUNST-Gruppe. Boersenblatt.net, 27. Dezember 2006, abgerufen am 28. November 2008.
  10. Thalia darf Buch-Kaiser übernehmen. Boersenblatt.net, 30. April 2008, abgerufen am 30. März 2009.
  11. Haus des Buches heißt jetzt Thalia. Boersenblatt.net, 3. September 2008, abgerufen am 28. November 2008.
  12. Thalia schließt eine Kaiser-Filiale in Karlsruhe. BuchMarkt.de, 25. März 2009, abgerufen am 30. März 2009.
  13. Thalia-Holding. Boersenblatt.net, 30. März 2010, abgerufen am 21. August 2010.
  14. Interview mit dem Geschäftsführer von Thalia (Deutschlandradio Kultur
  15. Der Bock als Gärtner (Welt Online)
  16. Druckmethoden
  17. Aushöhlung des Rechts (SPIEGEL Online)
  18. Gericht soll prüfen (Börsenblatt Online)
  19. Geschäftspraktiken von THALIA in Österreich
  20. Buchhandlung und Café im Metropol? (Kölnische Rundschau Online)
  21. Thalia bald im Metropol Bonn (Börsenblatt Online)
  22. Denkmalschutz geht vor Gewinnmaximierung (rheinraum-online)
  23. Thalia könnte in einem Jahr in das Metropol in Bonn einziehen
  24. Spiegel.de: Druckmethoden