Theater der Jugend (Wien)

Das Theater der Jugend in Wien (Österreich) ist die größte Theaterorganisation für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Europas, vermutlich der Welt. Spielorte sind das Renaissancetheater (7. Bezirk, Neubaugasse) und das Theater im Zentrum (1. Bezirk, Liliengasse).

Inhaltsverzeichnis

Charakter

Mit nahezu 45.000 Abonnenten nimmt es eine Sonderstellung im gesamtdeutschsprachigen und internationalen Theaterzirkus ein. Mit mehr Abonnenten als die drei größten Theater Wiens (Volkstheater, Theater in der Josefstadt und Burgtheater) zusammen, kommt ihm eine besondere Rolle in der „Sozialisierung für Kultur“ zu.

Eigenproduktionen kommen im Renaissancetheater Wien und im Theater im Zentrum auf die Bühne. Das Theater der Jugend spielt während der Theatermonate nahezu täglich für bis zu 1.000 Menschen unterschiedlichster Altersstufen und aufgrund der sogenannten „Volksbühnen-Idee“ der 1920er Jahre vermittelt es einen Teil seiner Besucher auch an die Groß-, Mittel- und Kleinbühnen Wiens. Die durchschnittliche Auslastung der viertgrößten Sprechbühne Wiens liegt bei durchschnittlich 94 Prozent. Insgesamt verkauft das Theater der Jugend etwa 300.000 Karten pro Saison. Der sogenannte Eigendeckungsgrad, also das Einspielergebnis der Subvention, liegt bei etwa 45 Prozent (somit liegt das Theater der Jugend 20-30 Prozent über der durchschnittlichen Ertragslage subventionerter Theater im deutschsprachigen Raum).

Geschichte

Gegründet wurde das Theater der Jugend bereits am 23. Dezember 1932 unter dem Namen Theater der Schulen von Hofrat Dr. Hans Zwanzger. 1934 erhielt es seinen heutigen Namen, während es 1938 aufgelöst und durch den Veranstaltungsring der Hitlerjugend ersetzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Theater der Jugend von Hans Zwanzger und Franz Herterich (ehemaliger Burgtheater-Direktor) wieder gegründet. Kinder- und Jugendtheaterproduktionen kamen schon damals im Renaissancetheater Wien auf die Bühne, welches von Burgtheater und Theater in der Josefstadt gemietet wurde. Ab 1957 pachtete das Theater der Jugend das Renaissancetheater, sieben Jahre später wird auch das Theater im Zentrum übernommen. 1964 kommt es zu den ersten Eigenproduktionen im Theater im Zentrum (Kabale und Liebe) mit Monica Bleibtreu in der weiblichen Titelrolle und im Theater an der Wien (Der Bauer als Millionär). Ab 1970 ist das Theater der Jugend Hauptmieter des Renaissancetheaters. Das Theater der Jugend gilt heute als eine der erfolgreichsten Kaderschmieden für Jungregisseure und -schauspieler.

Kaufmännische Direktion:

1972–1988: Bernd Gallob
1988–2002: Reinhard Urbach
2002–2011: Marianne Aly
seit 2011: Sonja Fretzer

Künstlerische Leitung:

1945–1957: Franz Herterich
1957–1964: Hans Niederführ
1964–1974: Peter Weihs
1974–1987: Edwin Zbonek
1987–2002: Reinhard Urbach
seit 2002: Thomas Birkmeir

Das Theater der Jugend heute

Das Theater der Jugend hat sich unter der künstlerischen Leitung von Thomas Birkmeir seit der Spielzeit 2002/2003 auf Ur- und Erstaufführungen spezialisiert. Im Durchschnitt werden pro Spielzeit 8-12 Produktionen für Kinder, Jugendliche sowie auch für Erwachsene gezeigt. Die Vorstellungen werden auch in Form von Spezialabos für verschiedene Altersgruppen angeboten, diese Abonnements werden in den Schulen beworben und enthalten außer den eigenen Produktionen auch solche an anderen Wiener Theatern, wie z.B. am Burgtheater.

Kooperationen mit anderen europäischen Kinder- und Jugendtheatern, Synergien mit kulturellen Institutionen sowie die Tatsache, dass die am Theater der Jugend entwickelten Stücke in vielen Ländern erfolgreich nachgespielt werden, sorgen dafür, das Haus über den deutschen Sprachraum hinaus zu positionieren und zu etablieren.

Das umfangreiche theaterpädagogische Programm, das u.a. auch Lehrerfortbildung beinhaltet und oftmals auch generationenübergreifend arbeitet, erreicht pro Spielzeit über 3000 Menschen und schafft so einen direkten Kontakt zwischen Publikum und Künstlern.

Auszeichnungen & Nominierungen

  • 1953: Karl-Renner-Preis [1] [2]
  • 1983: Förderungspreis zur Josef-Kainz-Medaille für Michaela Galli
  • 1995: Förderungspreis zur Josef-Kainz-Medaille für Christian Banzhaf
  • 2001: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung für Alexander Pschill als Bester Nachwuchs
  • 2002: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung für Susanna Schaefer als Bester Nachwuchs
  • 2003: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung für Simon Jaritz als Bester Nachwuchs
  • 2003: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung für das Theatermagazin "Beamer" Spezialpreis
  • 2005: Nestroy-Theaterpreis-Auszeichnung für Stefano Bernardin Bester Nachwuchs
  • 2006: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung für Silvia Meisterle Bester Nachwuchs
  • 2007: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung für Matthias Mamedof Bester Nachwuchs

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Wiener Rathauskorrespondenz, 22. Dezember 1953, Blatt 2102
  2. Wiener Rathauskorrespondenz, 16. Jänner 1954, Blatt 67

Weblinks