Theodor von Liechtenstern

Theodor Freiherr von Liechtenstern (* 9. November 1799 in Wien; † 1848[1]) gilt neben Emil von Sydow als einer der Begründer der methodischen Schulkartographie und als ein Vorreiter der physischen Atlaskarte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn des österreichischen Kartografen Joseph Marx von Liechtenstern arbeitete nach dem Eintritt in die preußische Armee als Geographielehrer an verschiedenen Kadettenanstalten. Er gehörte zu der Gruppe von Reformern um Carl Ritter (1779–1859) und Alexander von Humboldt (1769–1859), welche die sich seit der Jahrhundertwende vollziehende Entwicklung der Geographie zu einer modernen Wissenschaft in die Schulen trugen. Der unterrichtserfahrene Leutnant erarbeitete neue Lehrmittel und engagierte sich auch publizistisch gegen die „alte“ Schulgeographie, die als Staatenkunde eine Fülle topographisch-statistischen Lernstoffs rein aufzählend darbot. Das neue Fundament des Unterrichts sollte die physische oder physikalische Geographie als Lehre der natürlichen Beschaffenheit der Erdoberfläche und der in ihr wirkenden, naturwissenschaftlich abgeleiteten Gesetze bilden.

Die kartographische Umsetzung dieser neuen Richtung leitete die Entwicklung der physischen Atlaskarte ein, zu deren markantesten Merkmalen die Gebirgsdarstellung und die Regionalfarben, die farbigen Höhenstufen, geworden sind. Von Liechtenstern war – soweit feststellbar – der erste Schulgeograph, der 1834/1838 „Physische Karten“, d.h. Karten ohne politische Grenzdarstellungen, als gleichwertige Atlasbestandteile aufnahm und diese Karten mit farbigen, braunen Bergschraffen versah, um die vertikale Dimension deutlicher hervortreten zu lassen. Auf einer Europa-Karte seines „Schulatlas der Erd- und Staatenkunde“ setzte er erstmals einen helleren und einen dunkleren Braunton ein, um Hochflächen und Hochgebirge zu kennzeichnen. In der zweiten Auflage des Atlasses erhielten die Tiefebenen der physischen Karten dann 1844/1846 ein grün-beiges Flächenkolorit. Für die Gebirgsdarstellung nutzte von Liechtenstern eine stark vereinfachte, generalisierte Version der Böschungsschraffierung, die von Johann Georg Lehmann 1799 entwickelt und von dem preußischen Generalstabsoffizier Otto August Rühle von Lilienstern für Unterrichtszwecke modifiziert worden war.

Das Charakteristische seiner Kartenentwürfe sah von Liechtenstern darin, dass sie „schon bei dem ersten und flüchtigen Anblick die ganze Physiognomik eines Erdraumes zu geben [...] und einen unauslöschlichen Eindruck zu hinterlassen im Stande“ seien. Aus dieser Hauptforderung entwickelte er weitere Grundsätze der Karten- und Atlasgestaltung für die Schule. Die farbig gestalteten Karten der ersten Atlasauflage dienten einigen Schulgeographen als Muster und Denkanstoß. Vor allem ist Emil von Sydow zu nennen, der in seinen ab 1838 erschienenen Wandkarten und Atlanten die Ideen von Liechtensterns weiterentwickelte.

Literatur

  • Jürgen Espenhorst: Andree, Stieler, Meyer & Co. Handatlanten des deutschen Sprachraums (1800–1945). Bibliographisches Handbuch. Schwerte 1994.
  • Jürgen Espenhorst u.a.: Diercke – ein Atlas für Generationen. Hintergründe, Geschichte und bibliographische Daten bis 1955. Schwerte 1999.
  • Verena Kleinschmidt: Am Anfang war der „Liechtenstern/Lange“. Aus der Frühgeschichte der Westermann-Kartographie. Geographische Rundschau 5/2004.
  • Theodor Freiherr von Liechtenstern: Die neuesten Ansichten von der Erdkunde in ihrer Anwendung auf den Schulunterricht. Braunschweig 1846.
  • Theodor Freiherr von Liechtenstern: Schulatlas zur Erd- und Staatenkunde für höhere Schulen. Reimer, Berlin 1834/1838 und 1844/1846.
  • Theodor Liechtenstern und Henry Lange: Neuester Schulatlas zum Unterricht in der Erdkunde. George Westermann, Braunschweig 1853.

Einzelnachweise

  1. Petermanns Geographische Mitteilungen, Bd. 1, 1855, S. 92.

Weblinks